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News des 20. September 2007

Geht es nach den (häufig allerdings nicht wirklich genauen) Informationen von Fudzilla, so geben die kürzlich genannten Radeon HD 2900 GT und Pro nur ein recht kurzes Gastspiel und werden in wohl nur zwei Monaten von den ersten Grafikkarten auf Basis des ATI RV670-Grafikchips abgelöst werden. Jedenfalls sollen die beiden Ausführungen des RV670-Chips – RV670 Pro und RV670 XT – schon nächsten Monat zu den Grafikkarten-Herstellern gehen, was im optimalen Fall einen weiteren Monat später in kaufbaren Produkten resultieren sollte. Wie schon die Radeon HD 2900 GT und Pro soll der RV670-Chip in das Performance-Marktsegment (zwischen 150 und 300 Euro) gehen, wahrscheinlich dürfte der RV670 aber stärker als der abgespeckte R600-Chip sein und damit eine bessere Konkurrenz zur GeForce 8800 GTS bilden.

Auf dem Intel Developer Forum hat der weltgrößte Prozessorenbauer Intel wie üblich einen umfangreichen Überblick über die in den nächsten Monaten anstehenden Produkte gegeben – selbst wenn man natürlich noch nicht alle Fragen zu diesen beantworten wollte. Als erstes im Fokus standen dabei die 45nm-Prozessoren der Core-Prozessorenarchitektur, welche zum Jahreswechsel anstehen. Wie bereits mittels Vorserientests bekannt, konnte Intel bei diesen Prozessoren die Pro/MHz-Leistung eher unspektakulär um 5 bis 10 Prozent steigern. Da auch die Taktraten (trotz 45nm Fertigung) nicht deutlich nach oben gehen, stellen die 45nm-Prozessoren erst einmal nur eine eher kleinere Evolutionsstufe dar.

Das wirkliche 45nm-Feuerwerk wird Intel wohl erst im Laufe des nächsten Jahres entfachen, wenn die Taktraten dieser Prozessoren in Richtung 4 GHz steigen sollen. Das dies problemlos möglich sein dürfte, beweist Intel schon selber mittels eines auf dem IDF zu sehenden QuadCore-Systems auf 5.9 GHz Prozessoren-Takt. Selbst wenn dieses Ergebnis nur mit professioneller Kühlung erreicht wurde, deutet es doch an, welche Taktreserven noch in der Core-Prozessorenarchitektur stecken – gerade nach dem Sprung auf die 45nm-Fertigung. Nichts desto trotz dürfte sich der Blick der Presse und Enthusiasten nächstes Jahr schon langsam in Richtung der Core-Nachfolgearchitektur "Nehalem" verschieben, mit welcher im zweiten Halbjahr zu rechnen ist.

Diese bringt wie bekannt eine neue Anschlußtechnologie des Prozessors mit sich: Der Speicher wird über ein integriertes DDR3-Speicherinterface (wahrscheinlich TripleChannel, dies ist aber derzeit immer noch nicht bestätigt wurden) angebunden, mit dem Rest des Systems kommuniziert man dann über ein Common System Interface (CSI), nun offiziell "QuickPath" genannt. Und da dieses AMDs HyperTransport nicht unähnlich ist, hat AMD natürlich auch gleich die Gelegenheit genutzt, darauf herumzureiten, Intel würde nun AMD-Technologien "kopieren" ;). Daneben bringt die Nehalem-Architektur wie bekannt bis zu acht physikalische Cores, eine neue Art von HyperThreading (und damit bis zu 16 logische Cores) sowie einen integrierten Grafikkern mit sich.

Letzterer wird wohl in derselben Fertigungstechnologie hergestellt wie die Prozessoren selber (45nm), allerdings "nur" neben die Prozessoren-Cores auf das Trägermaterial integriert, ist also noch nicht direkt im Prozessor-Die enthalten. Im Prinzip hat Intel damit schon eine Antwort auf AMDs Fusion, bevor dieses überhaupt an den Start geht – wobei das Fusion-Konzept allerdings noch deutlich über die Integration nur einer Grafiklösung hinausgeht. Die Leistungsfähigkeit eben dieser integrierten Grafiklösung bei der Nehalem-Architektur wird zwar von Intel maßlos hochgelobt, es ist aber dennoch aus Preis/Leistungs-Erwägungen heraus nicht davon auszugehen, daß hierbei viel mehr als die Leistungsklasse von integrierter Grafik von Mainboard-Chipsätzen geboten werden wird.

Zudem gab Intel noch einen groben Überblick über die Nehalem nachfolgenden Prozessoren: Ein Jahr nach Nehalem wird Intel eine Neuauflage dieser Architektur unter dem Codenamen "Westmere" bringen, diese wird dann schon in 32nm gefertigt sein. Prinzipiell dürfte es sich hierbei um einen ähnlichen Schritt handeln wie derzeit beim Wechsel von der 65nm- auf die 45nm-Fertigung bei der Core-Prozessorenarchitektur. Und im Jahr 2010 soll dann (ebenfalls in 32nm) bereits die Nachfolgearchitektur unter dem Codenamen "Sandy Bridge" spruchreif werden, zu welcher derzeit allerdings nicht viel mehr als eben nur der Name bekannt ist. Da Intel aber nur zwei Jahre Entwicklungszeit für "Sandy Bridge" hat (im Gegensatz zu den mehr als fünf Jahren, in denen schon an Nehalem rumgebastelt wird), sollte der architektonische Sprung normalerweise nicht so groß ausfallen wie beispielsweise von der Netburst-Architektur des Pentium 4 auf die aktuelle Core-Architektur oder auch (vermutlich) von dieser Core-Architektur auf die kommende Nehalem-Architektur.

Langfristig sind von Intel zwei maßgebliche Innovationen bei den kommenden Prozessorenarchitekturen zu erwarten: Erstens einmal dürfte irgendwann der Schritt zu reinen 64bittigen Prozessorkernen erfolgen. Eigentlich wollte Intel dies mit der IA64-Architektur der Itanium-Prozessoren schon lange vorantreiben und aus diesem Enterprise-Computing-Bereich langsam auch in den Desktop-Bereich überführen. Nachdem der Itanium aber nicht so lief wie erwartet und AMD einfach eine 64-Bit-Erweiterung anstatt eines reinen 64-Bit-Prozessors an den Start brachte, schob auch Intel diese Zwischenstufe der 64-Bit-Erweiterung ein. Ein reines 64-Bit-Projekt ist damit aber sicherlich nicht vom Tisch, sondern dürfte halt dann kommen, wenn Intel die Zeit hierfür als gekommen ansieht – primär dürfte das an der Verbreitung von 64bittiger Software hängen.

Und zum anderen dürfte irgendwann der große Spung vom MultiCore-Prozessor zum ManyCore-Prozessor erfolgen. Beide Prozessorenhersteller haben schon angedeutet, daß sie kaum Prozessoren mit mehr als 8 oder höchstens 16 Kernen heutiger Bauart vorstellen werden. Prozessoren mit höherer Kernanzahl als 8 bzw. 16 werden dann wahrscheinlich grundlegend anders aussehen: Es wird wohl gleich einige Dutzende Kerne geben, dafür sind diese Kerne dann deutlich einfacher als heutige Prozessorenkerne, zusätzlich dürfte es einige Spezialkerne mit speziellen Funktionalitäten geben. Aber auch hier sind die Voraussetzungen von Software-Seite aus nicht gering: Damit solche Prozessoren ihre Rohleistung anständig umsetzen können, muß die benutzte Software wirklich gut auf Prozessoren mit (sehr) vielen Kernen ausgelegt sein – insofern dürfte auch diese Innovation wohl nicht in allernächster Zeit zu erwarten sein.