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News des 23./24. Dezember 2010

Zwei ein wenig widersprüchliche Aussagen, wie AMD mit der bekannten Filterschwäche seiner aktuellen Grafikkarten umgehen will, finden sich bei HT4U und dem Heise Newsticker: Laut HT4U hat AMD inzwischen einen Fehler in der AF-Implementierung gefunden, welcher allerdings in Hardware gefixt werden muß – was nicht vor der Ende des Jahres 2011 zu erwartenden ersten 28nm-Generation passieren dürfte. Der Heise Newsticker notiert hingehen eine Aussage, wonach AMDs Treiberteam an einer treiberseitigen Lösung arbeiten würde, welche unter Umständen schon Mitte Januar (sprich mit dem Catalyst 11.01 Treiber) zur Verfügung stehen könnte. Möglich ist natürlich beides: Daß man derzeit einen Treiberfix bringt, welcher das Problem möglicherweise auf Kosten von etwas Performance kaschiert und daß man später das alles in Hardware und ohne Performancekosten löst – man wird sich überraschen lassen müssen.

Jedoch sind alle Anstregungen seitens AMD zugunsten dieses letztlich nur von Enthusiasten wahrgenommenen Problems zu würdigen – man könnte sich schließlich auch auf die Hinterbeine stellen und sagen, daß dieses Problem von viel zu wenigen Nutzern wahrgenommen wird, um es wirklich als "Problem" ansehen zu können. Dies mag im HighEnd-Markt nicht wirklich stimmen, aber auf den Massenmarkt trifft eine solche Aussage nun einmal zu, das muß man einfach so akzeptieren. Trotzdem ist es für AMD natürlich vorteilhaft, auch solche Probleme nur für eine spezielle Käufergruppe anzugehen – denn letztlich treibt der Ruf, den man sich im HighEnd-Segment erwirbt, generell auch die Verkäufe des Massenmarkts an. Das HighEnd-Segment genießt aufgrund dieser Seiteneffekte nun einmal eine deutlich größere Bedeutung für die Hersteller, als dies an den reinen Verkaufszahlen ablesbar wäre.

Neben den kürzlich genannten Prozessoren-Reviews zu Sandy Bridge gibt es beim chinesischen Inpai auch noch zwei Artikel zur Performance der Sandy-Bridge-Grafikeinheit, "Intel HD Graphics 3000" und "Intel HD Graphics 2000" genannt. Dahinter verbirgt sich Intels neuester DirectX 10.1 Grafikchip mit (bis zu) 12 Shader-Prozessoren und einem interessanten TurboModus, welcher die Grafikeinheit ähnlich wie die CPU im Bedarfsfall (und im Rahmen der TDP) durchaus erheblich hochtakten kann. Im TurboMode erreicht die neue Intel-Grafikeinheit Taktraten von 1100 bis 1350 MHz, was sehr ansehnlich ist und die geringe Anzahl an Hardware-Einheiten kompensieren sollte. Allerdings besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen der HD3000- und der HD2000-Lösung, da die Intel HD Graphics 2000 nur mit der Hälfte der Shader-Prozessoren (ergo nur 6) antritt, was ein heftiger Einschnitt ist und einen sehr hohen Performance-Unterschied zwischen HD2000 und HD3000 bedeutet.

Spiele (1440x900 Low)
Intel HD Graphics
Intel Core i5-661 (DualCore + HT, 3.33 GHz)
78%
Intel HD Graphics 2000
Intel Core i5-2500 (QuadCore, 3.3 GHz)
100%
Intel HD Graphics 3000
Intel Core i7-2600K (QuadCore + HT, 3.4 GHz)
163%
AMD Radeon HD 4290 (890GX Chipsatz)
AMD Phenom II X4 965 (QuadCore, 3.4 GHz)
98%
AMD Radeon HD 5450
Intel Core i5-2500 (QuadCore, 3.3 GHz)
163%
AMD Radeon HD 5450
Intel Core i5-2600K (QuadCore + HT, 3.4 GHz)
163%
nVidia GeForce GT 220
Intel Core i5-2600K (QuadCore + HT, 3.4 GHz)
289%

Dieser wurde seitens Inpai als mit 63 Prozent Mehrperformance bei der HD3000 ermittelt – lustigerweise kommt die HD3000 damit auf exakt dieselbe Performance wie eine Radeon HD 5450. Problematisch ist nur, daß es im Desktop-Bereich die HD3000 nur in zwei Prozessoren geben wird – ausgerechnet in den K-Übertaktermodellen, deren Anwender sicherlich extra Grafikkarten betreiben und damit die Performance der HD3000-Grafikeinheit gar nicht nutzen werden. Besonders in gewöhnlichen Desktop-Prozessoren, wo die höhere Grafikpower eigentlich vonnöten wäre, gibt Intel allerdings nur die HD2000-Grafikeinheit hinzu, welche grob nur eine Performance wie die Nehalem-Grafikeinheit (HD2000 ist 25-30% schneller) oder wie AMDs integrierte Radeon-Grafik im 890GX-Chipsatz (HD2000 ist in etwa gleichschnell) bietet.

Es ist ein wenig unerklärlich, wieso Intel sich zu diesem Schritt entschlossen hat – Ausbeute-Erwägungen können es kaum sein, denn der Grafikchip dürfte unter 32nm nur für einen Bruchteil des gesamten Sandy-Bridge-Dies stehen, zudem muß man aus Ausbeute-Erwägungen heraus nicht gleich die Hälfte des Grafikchips deaktivieren. Funktionabel über die gesamte Produktion dürften die neuen Intel-Grafikchips durchaus sein, denn im Mobile-Bereich wird Intel weitestgehend nur mit HD3000-Grafiklösungen antreten – das freut die Notebook-Hersteller, denn dann muß man nicht für LowCost-Grafikperformance eine extra Grafiklösung seitens AMD oder nVidia verbauen, was die Gerätekosten und vor allem den technischen Aufwand niedrig hält. Natürlich ist das Performanceniveau einer Radeon HD 5450 bei der Intel HD Graphics 3000 nicht das, was man im eigentlichen Sinne des Wortes "spieletauglich" nennen würde – aber für ein Spielchen zwischendurch auf niedriger Auflösung und niedrigeren Settings reicht es, die rein grundsätzliche Spiele-Fähigkeit ist vorhanden.

Im Desktop-Bereich fällt bei Intel die Revolution allerdings aus: Faktisch kann man davon sprechen, daß dort nur die Intel HD Graphics 2000 zum Einsatz kommt, welche gerade einmal etwas besser als die integrierte Nehalem-Grafik und auf Augenhöhe mit der Chipsatz-Grafik von AMD ist – dies ist nicht im Ansatz etwas, was LowCost-Grafikkarten in ihrer Existenz bedrohen würde oder gar nur in Sichtweite zu AMDs kommender integrierter Grafiklösung in den Llano-Prozessoren (auf vermutlicher Performancehöhe einer Radeon HD 5550 DDR3) kommen könnte. Intel hält sich bei der Performance von integrierter Grafik also nach wie vor vornehm zurück – obwohl man es besser könnte, wie die Intel HD Graphics 3000 beweist. Aber möglicherweise ist man auch von der Power der integrierten Llano-Grafik überrascht worden und kann nun erst mit der kommenden 22nm-Generation "Ivy Bridge" im Jahr 2012 wirklich kontern. Und auch Llano muß schließlich erst noch beweisen, daß sich die hervorragenden Hardware-Voraussetzungen auch in deutliche Mehrperformance umsetzen lassen.