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Hardware- und Nachrichten-Links des 1./2. Januar 2018

AMDs Treiberteam hat derzeit einigen Ärger (samt Arbeit) am Hals, als das die neuen Adrenalin-Treiber klare Probleme unter DirectX-9-Spielen machen – meistens starten die betroffenen Titel gar nicht erst, andere sind instabil und stürzen im Spielverlauf wiederholt ab. Eine recht vollständige Liste der betroffenen Titel gibt es bei Reddit, mit über 20 Eintragungen ist das ganze auch kein kleines Problem mehr. Für AMD extra Ungemach hat die sicherlich nicht optimale Herangehensweise an diese Problematik bereitet: Denn zuerst war das ganze Ausmaß nicht erkennbar, ging man nur von Einzelfällen aus – und wollte sich zuerst mit Hinweis auf das Alter des zu allererst betroffenen Titels (Command & Conquer 3 aus dem Jahr 2007) nicht mehr um diesen Bug kümmern. Inzwischen ist aber klar, das hier ein generelles Problem vorliegt und AMD hat in nachfolgenden Stellungnahmen versichert, sich selbstverständlich der Sache bis zu einer Klärung anzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt war das Kind allerdings schon in den Brunnen gefallen und AMD bekam auf Reddit und anderswo sein Fett gleich richtig weg – bis hin zu Meldungen, das AMD (angeblich) ältere Spiele nicht mehr unterstützen würde. Dem ist natürlich nicht so, so etwas könnte sich auch kein Hersteller leisten – wenn einzelne Titel Probleme machen, ist dies immer noch etwas ganz anderes, als wenn (wie in diesem Fall) ein generelles Problem vorliegt, dies muß einfach gelöst werden.

Interessanterweise steht zu dieser Problematik an der einen oder anderen Stelle etwas davon, das die Nachinstallation des DirectX9-SDKs eine Lösung darstellen soll. Als Quelle hierfür wird meist auf unser Forum und dabei eine Aussage von Igor Wallossek von Tom's Hardware verwiesen – dummerweise will Igor seine originale Aussage gar nicht derart verstanden wissen, wie in einem nachfolgenden Posting dargelegt. Die Grundlage der Problematik soll nun aber wenigstens in den DirectX-9-DLLs liegen, wo schlicht und ergreifend einige ältere Spiele-Titel mit älteren Versionen dieser DLLs rechnen, die dann halt anders reagieren als die jeweils neuesten Versionen dieser DLLs. Einen Versuch wert sein könnte an dieser Stelle die Installation der "DirectX End-User Runtimes", denn selbige enthalten alle Endanwender-Versionen von DirectX 9 mit auch allen inzwischen überholten und ersetzten Zwischenversionen. Erfahrungsgemäß werden selbige auch komplett auf den Rechner gebracht, denn die Installation dieses Packets kann durchaus Stunden dauern – da wird also ganz gewiß nicht nur die jeweils aktuellste Version installiert. Jene Runtimes werden gewöhnlich bei neuen PCs überhaupt nicht mehr angesetzt, da Windows die neueste DirectX-9-Version automatisch mit an Bord hat – und könnten potentiell in diesem Fall dennoch hilfreich sein.

Das (weitaus) größere Ungemach hat derzeit allerdings sogar Intel an der Backe – in Form einer massiven Sicherheitslücke in allen Intel-Architekturen seit Nehalem Westmere, womit ein CPU-Prozeß auf die Speicherbereiche anderer Prozesse zugreifen und somit im schlimmsten Fall irgendwelche geschützten Daten abgreifen kann. Tiefergehende Informationen hierzu gibt es in unserem Forum sowie bei der ComputerBase – der für die Allgemeinheit relevante Punkt ist, das die Betriebssystem-Hersteller hierzu mit Patches reagieren müssen, welche einen Workaround für Intel-Prozessoren beinhalten werden, welcher seinerseits wiederum Performance kostet. Die hierzu vorliegenden Zahlen stammen nahezu allein aus dem Server-Bereich und sind auch nur da wirklich ernstzunehmen – und dennoch, für seine professionelle Kundschaft dürfte Intel eine (aus allen Wolken fallende) Minderperformance von ca. 5% im Schnitt und bis zu 30% in Extremfällen nicht gut kommen, gerade wenn AMD sich derzeit an einer Neueroberung des Server-Markts versucht. Denn AMD ist aus der ganzen Sache fein raus, dort existiert diese Sicherheitslücke bzw. der zugrundeliegende Fehler nicht und man kann ohne diesen Workaround leben.

Für Intel wird das ganze jedoch sowohl Reputation als auch Performance kosten – wenngleich es derzeit danach aussieht, als wären die Performance-Effekte primär auf Server-Umgebungen begrenzt. Die diesbezüglichen Anwendungs-Benchmarks von Phoronix unter dem schon existierenden Linux-Patch zeigten gewisse Ausschläge, die angesetzten Benchmarks aber auch vornehmlich professionell orientiert. Bei typischer Desktop-Software ist hier also ein Performance-Verlust von weniger als den vorgenannten ca. 5% zu erwarten. Im Spiele-Bereich haben Phoronix hingegen (unter Linux) keinerlei Performance-Abschläge feststellen können – hier würde es am Ende aufgrund der Grafikkarten-Limitierung der meisten Spiele-Titel sowieso die geringsten praktischen Auswirkungen geben. Natürlich muß erst einmal ein Windows-Fix dieser Sicherheitslücke vorliegen, um dann unter Windows nicht nur professionelle Software, sondern auch typische Anwender-Software auf einen eventuellen Performance-Effekt hin zu untersuchen. Ein größerer Performanceverlust für Desktop-Nutzer ist somit kaum zu erwarten – der Reputationsverlust wiegt wohl schwerer, immerhin läuft der Bug seit dem Jahre 2010 bei Intel mit, so etwas sollte eigentlich nicht passieren.

Bei Imgur gibt es einen neuen monatlichen CPU-Verkaufsreport des deutschen Onlinehändlers Mindfactory – welcher nach Monaten des AMD-Hochs nunmehr im Dezember 2017 eine klare Trendwende zugunsten von Intel aufzeigt. So lag AMD bei den verkauften Desktop-CPUs (außerhalb LowCost- und Alt-Modelle) ab dem August jeweils ziemlich deutlich vorn, selbst bei den erzielten Umsätzen war AMD knapp in Front. Speziell im Dezember 2017 änderte sich dies schlagartig: Intel liegt bei den Stückzahlen wieder mit 54% zu 46% vorn, bei den erzielten Umsätzen sogar mit 62% zu 38%. Eine mögliche Erklärung hierfür könnte dabei in der ab Dezember 2017 halbwegs vernünftigen Lieferbarkeit von Coffee Lake liegen – welche Intel sogar zweierlei geholfen hat, denn zu den nach wie vor hohen Coffee-Lake-Preisen konnte der Einzelhandel natürlich mehr pro CPU verdienen als bei allen anderen verkauften Prozessoren. An einer besonderen Affinität der Intel-Käufer zu besonders hochpreisigen CPU-Modellen liegt es hingegen nicht, denn wie eine nachfolgende Statistik aufklärt, haben 6,2% der AMD-Käufer bei Threadripper zugeschlagen – und zusammen 7,1% der Intel-Käufer bei Broadwell-E und Skylake-X, was ergo keinen echten Unterschied ergibt. Es war auch schon sehr verwunderlich, das AMD sein Verkaufshoch so lange hat halten können – offensichtlich war dies aber nur durch die anfängliche Lieferschwäche bei Coffee Lake verursacht, welcher trotz des einen oder anderen Kritikpunkts ein "Moneymaker" für Intel ist.