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Hardware- und Nachrichten-Links des 16./17. Januar 2021

Gegenüber Venture Beat hat AMD-Chefin Lisa Su dann doch noch eine konkrete Aussage zur Grafikkarten-Lieferbarkeit bei AMD getätigt – welche wohl nochmals ehrlicher und damit nochmals schlimmer als bei nVidia ausfiel: Danach erwartet AMD anhaltende Lieferschwierigkeiten sogar über das erste Halbjahr 2021 hinweg. Dies bezieht sich zwar auf alle neuen AMD-Produkte einchließlich der APUs für die NextGen-Konsolen, aber da derzeit die AMD-Grafikkarten wohl am härtesten betroffen sind, werden selbige sicherlich nicht als erste in ruhigere Fahrwasser gelangen. Wahrscheinlich nicht umsonst hat AMD den Launch der nächsten AMD-Grafikkarten in Form der Radeon RX 6700 Serie auf Navi-22-Basis mit der CES 2021 nur arg grob auf "erstes Halbjahr 2021" angesetzt. Damit läßt sich AMD alle Möglichkeiten einer Verschiebung ans Ende des zweiten Quartals offen, womit man erst einmal an den aktuellen Lieferschwierigkeiten arbeiten kann, als sich zusätzliche Schwierigkeiten über nochmals neue Grafikkarten heranzuziehen. Das erste Halbjahr 2021 wird damit Hardware-technisch immer mehr (abgesehen des Rocket-Lake-Launches) zu einer nachträglichen "Erfüllung" des Hardware-Sturms im Herbst/Winter 2020 – dessen vielfältigen Neuerscheinungen womöglich erst im Sommer 2021 vernünftig lieferbar werden.

Volumes are continuing to increase across gaming, graphics, and CPUs. We expect that to continue to happen through 2021. There will be tightness certainly through the first half of the year.
Quelle:  AMDs CEO Lisa Su gegenüber Venture Beat am 15. Januar 2021

Stichwort Grafikkarten-Verfügbarkeit: Nachdem die üblichen Preisvergleiche gerade erst wieder anfangen, die entsprechenden Angebote listen, ist der Blick zu verschiedenen Einzelhändler wohl eher ergiebiger, um sich einen Überblick über die aktuellen Grafikkarten-Preise zu verschaffen. Leider muß dabei konstatiert werden, dass sich das übertriebene Preisniveau nach dem Launch der neuen AMD- und nVidia-Grafikkarten viel eher verfestigt hat anstatt jenes abgebaut wird. Die Einzelhändler listen generell nur noch zu klar überzogenenen Preisen, womit sich der Kauf per Vorbestellung überhaupt nicht lohnt und man pur auf die gerade verfügbare Ware schauen kann. Jene zeigt bis auf die GeForce RTX 3090 eine eher sporadische Verfügbarkeit der anderen neuen Grafikkarten an, wobei GeForce RTX 3060 Ti sowie GeForce RTX 3080 (als die beiden nVidia-Grafikkarten mit dem besten Preis/Leistungs-Verhältnis) derzeit mal wieder überhaupt nicht erhältlich sind. Die derzeit zu zahlenden Preisaufschläge sind mit üblicherweise +40-50% enorm, allein bei den (sowieso teuren Modellen) Radeon RX 6900 XT und GeForce RTX 3090 kann man mit Preisaufschlägen unterhalb von +30% hinkommen.

Da beide genannten Spitzenmodelle aber auch schon nominell vierstellig kosten, kommen absolut gesehen trotzdem Preisaufschläge im Bereich von 200-300 Euro heraus. Die Annäherung an die Listenpreise findet derzeit also nur dort statt, wo die Preislagen sowieso schon exorbiant sind – sprich, dies ist kein Maßstab für das "normale" Portfolio mit Listenpreisen unterhalb von 999 Dollar/Euro. Dort kann nur eine bessere Lieferbarkeit dabei weiterhelfen, dass sich das Preisniveau irgendwie normalisiert – was durch jede Phase, wo eine Karte mal wieder gar nicht erhältlich ist, unterbrochen bzw. sogar zurückgeworfen wird. In der Praxis reicht augenscheinlich nicht einmal die durchaus solide Zahl an Händlerangeboten zur GeForce RTX 3090 aus, um diese Karte zum Listenpreis zurückzuführen – und dies trotz dass bei dieser Karte die größte Marge (und damit der größte Spielraum) liegen dürfte, genauso wie derzeit der Dollar/Euro-Kurs eigentlich preisunterstützend wirken sollte. Um einen wirklichen Preiskampf der Einzelhändler auszulösen, muß die Dichte des Händlerangebot wohl sogar oberhalb dessen herauskommen, was derzeit bei der GeForce RTX 3090 zu sehen ist.

6800 6800XT 6900XT 3060Ti 3070 3080 3090
Alternate 929-1019€ 1099€ nix nix 819-889€ nix 1819-2239€
Caseking nix nix nix nix nix nix 1724-2212€
Computeruniverse nix 1099€ nix nix 799-849€ nix 1799-1999€
Equippr nix nix nix nix 9999€ nix 2099€
Galaxus nix nix 1449€ nix nix nix 1740-1999€
Hardwarecamp24 899-949€ 1139-1199€ 1749€ nix 789-799€ nix 1649-1866€
Mindfactory 809-849€ 999-1049€ 1249-1389€ nix nix nix 1749-1829€
Notebooksbilliger 869-929€ 1099€ nix nix 769-799€ nix nix
ProShop nix nix 1771-1841€ nix 1049€ nix 2406€
Listenpreis $579 $649 $999 $399 $499 $699 $1499
aktueller Mehrpreis ab +40% ab +54% ab +25% - ab +54% - ab +10%
Lieferbarkeit ★☆☆☆☆ ★☆☆☆☆ ★☆☆☆☆ ☆☆☆☆☆ ★★☆☆☆ ☆☆☆☆☆ ★★★☆☆
Preisstand: 17. Januar 2021 (Nachts); ausschließlich lieferbare Angebote

WCCF Tech berichten über einen chinesischen Test eines "Rocket Lake" Core i9-11900K gegen einen Core i9-10900K aus der Comet-Lake-Generation, beiderseits festgesetzt auf 5.2 GHz. Dabei ist sicherlich erst einmal erstaunlich, dass das Rocket-Lake-Modell diesen Takt überhaupt mitmacht, immerhin gilt die zugrundeliegende Cove-Architektur nicht gerade als besonders taktfreudig (was dann aber wohl eher an den früheren 10nm-Schwierigkeiten Intels lag). Auf gleichem Takt kann der Rocket-Lake-Prozessor dann seinen Architektur-Vorteil ins Feld führen, was aber nur unter Singlethread-Benchmarks zu Siegen führt, unter Multithread-Benchmarks liegt dagegen der Comet-Lake-Prozessor wegen seiner zwei mehr CPU-Kerne weiterhin mit gewissem Abstand vorn. Unter Spielen gleichen sich dann die Ergebnisse an, wobei Twitterer Harukaze5719 anmerkt, dass selbige Spiele-Benchmarks sowieso nur auf einzelnen Werten aus Screenshots basieren, ergo keine solides Zahlenwerk darstellen. Generell wäre zu diesen Benchmarks anzumerken, dass sich Rocket Lake in der unübertakteten Praxis möglicherweise etwas besser ausbreiten kann, weil unter demselben Power-Limit dessen acht Kerne eventuell mehr Realtakt bringen können als die 10 CPU-Kerne von Comet Lake.

Nochmals Twitterer Harukaze5719 liefert zudem erste Preislistungen zu "Rocket Lake" seitens einiger Distributoren (wie dem belgischen 2Compute), welche (speziell im Vergleich zu den mitgelieferten Comet-Lake-Preisen) eine allererste Preiseinordnung der 11. Core-Generation zulassen. Inwiefern diese Preislagen allerdings auf Preis-Informationen seitens Intel basieren, ist unklar – final sind diese Preislagen sicherlich noch nicht. Derzeit liegt das Preisniveau der 11. Core-Generation im groben Maßstab unverändert zur 10. Core-Generation, wenngleich dies von Händler zu Händler auch noch einigermaßen schwankt. Intel scheint also Rocket Lake zu den Comet-Lake-Preisen in den Markt zu bringen – was bis auf den Core i9 auch nicht verkehrt ist. Der Core i9 unter Rocket Lake ist schließlich eine Sondersituation, denn bei diesem fehlt Intel in dieser Prozessoren-Generation das Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem Core i7: Beide Modellgruppen haben dieselbe Anzahl an CPU-Kerne, CPU-Threads, Level3-Cache, TDP, usw. – die Differenz liegt allein in ein wenig Mehrtakt. Dafür wäre früher ein Mehrpreis von 100 Dollar durchgegangen, heuer aber steht im Preisbereich des Core i9-11900K nunmehr der Ryzen 9 5900X mit gleich 12 CPU-Kernen und damit wesentlich höherer Multithreading-Performance.