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Hardware- und Nachrichten-Links des 17. August 2020

Mittels zweiter Tweets – No.1 & No.2 hat Twitterer 'Kopite7kimi' klar gemacht, wie die zwei unterschiedlichen Speicherbestückungen der GeForce RTX 3080 verstanden werden sollen: Die 10-GB-Ausführung kommt als Founders Edition und auch seitens der Grafikkarten-Hersteller, die 20-GB-Ausführung hingegen allein von den Grafikkarten-Herstellern. Dies deutet dann doch recht stark darauf hin, dass jene 20-GB-Ausführung von nVidia ursprünglich nicht derart geplant war und eher kurzfristig aus der Taufe gehoben wurde – zu spät, um jene noch für die Founders Edition zu berücksichtigen. Und dies legt dann natürlich die Auslegung nahe, dass jene Planänderung bei nVidia nicht aus Lust & Laune heraus geschah, sondern weil nVidia eine Lücke im eigenen Angebots-Portfolio gesehen hat – basierend wohl auf AMDs Gegenangebot innerhalb der Navi-2X-Generation, mit wie bekannt kolpiert bis zu 16 GB Speicherausbau. Selbiges dürfte damit Performance-mäßig auch nicht ganz hinter dem Mond herauskommen, ansonsten hätte sich nVidia kaum zu dieser augenscheinlich kurzfristigen Kurskorrektur entschieden.

PG132-SKU20 is RTX 3080 20G from AIC.
 
FE 10G
AIC 10/20G

Quelle:  Kopite7kimi @ Twitter in Tweet #1 & Tweet #2 am 17. August 2020

Im Chiphell-Forum ist eine Performance-Projektion zur GeForce-30-Serie aufgetaucht – erstellt auf Basis der aktuellen Gerüchte sowie vermeintlicher und echter Leaks. Mutmaßlich dürfte man hierfür auf die kürzlichen (angeblichen) TimeSpy-Werte zur GeForce-30-Serie zurückgegriffen haben – welche ihrerseits aber vermutlich auch nur Projektionen darstellen und nur partiell eine Wertebasis aufweisen (für GeForce RTX 3080 & 3090 gibt es grobe TimeSpy-Werte, allerdings nicht für die anderen Karten und auch nicht für Custom-Modelle). Jene Performance-Projektion aus dem Chiphell-Forum stellt ergo selber so etwas wie eine "Spekulation" dar – und darf keinesfalls als "echte" Performance-Angabe mißverstanden werden. In Fernost ist es vergleichsweise üblich, vorhandene Gerüchte und Teilinfos derart aufzubereiten, das Mißverständnis passiert regelmäßig nur seitens der Westler, welche solcherart Darstellungen dann für bare Münze nehmen. Inhaltlich verspricht jene Performance-Projektion aber auch nichts überraschendes: Die GeForce RTX 3090 soll demnach +41% auf die GeForce RTX 2080 Ti oben drauf legen, was dem aktuellen Stand der Gerüchteküche entspricht bzw. sogar leicht unterhalb der jüngst genannten TimeSpy-Werte rangiert.

Daneben sind zuletzt die Befürchtungen um steigende Grafikkarten-Preise mittels des Release der Ampere-basierten GeForce-30-Serie wieder deutlich stärker geworden, befeuert zum einen durch fernöstliche Preisangaben, zum anderen aber auch durch Meldungen wie jene von TweakTown, wonach eine GeForce RTX 3090 für einen Listenpreis von 1999 Dollar antreten soll. Unter Umständen schreibt da aber auch nur der einen vom anderen ab – und insbesondere bei chinesischen Preisangaben wäre einzurechnen, dass Spitzen-Grafikkarten in China zumeist deutlich teurer als im Westen angesetzt sind. Eine Preisangabe von 13'000-15'000 Yuan müsste man gemäß des Wechselkurses auf ca. 1850-2150 Dollar umrechnen, in der Praxis entspricht dies aber eher 1300-1500 Dollar. Dies wäre so oder so eine Preissteigerung, denn die GeForce RTX 2080 Ti trat seinerzeit mit $999 für die Herstellervarianten und $1199 für die Founders Edition an – aber jene Preissteigerung wäre immer noch um einiges davon entfernt, in die Nähe eines Preispunkts von gleich 2000 Dollar zu gelangen. Dabei ist generell zu bezweifeln, ob nVidia (wie bei der Turing-Generation passiert) nochmals zu deutlichen Preissteigerungen greifen kann.

Schließlich spielt diesesmal dann auch noch AMD mit – und hat schon mit den bereits existierenden Navi-1X-Grafikkarten ein gewisses Preis/Leistungs-Verhältnis etabliert, welches auch nVidia dann nicht maßlos unterbieten kann. Zwar gehen die kommenden Ampere-Karten mehrheitlich in höhere Performanceregionen, aber auch den üblichen Preis/Leistungs-Verlust bei schnelleren Grafikkarten kann man letztlich nicht unendlich ausdehnen. In der GeForce-20-Serie erreicht die GeForce RTX 2080 Ti gerade einmal die Hälfte des Preis/Leistungs-Verhältnisses der GeForce RTX 2060, wobei der Großteil jener Differenz von den beiden größten Karten im Portfolio "erledigt" wird, sprich erst an der absoluten Leistungsspitze die Preis/Leistungs-Verhältnisse wirklich abweichend schlecht werden. Eine viel größere Dehnung der Preis/Leistungs-Verhältnisse ist kaum vorstellbar, denn es wäre kaum zu vermitteln, bei einem Spitzenmodell für den doppelten Preis nur ein drittel Mehrperformance zu bekommen. Ausgehend davon wird es für nVidia schwer, überhaupt die Preise hochzusetzen – und mit etwas Glück beziehen sich die genannten Preisnotierungen ausschließlich auf Herstellermodelle mit guter Werksübertaktung, sind also nicht allgemeingültig.

Perf.Index Liste Straße P/L zur nächstkleineren Gfx insgs. P/L
GeForce RTX 2080 Ti 1410% / 228% $999 1070-1200€ +15% Perf. zu +53% Preis = -25% schlechteres P/L 52%
GeForce RTX 2080 Super 1310% / 198% $699 720-760€ +15% Perf. zu +41% Preis = -18% schlechteres P/L 70%
GeForce RTX 2070 Super 1180% / 172% $499 500-550€ +19% Perf. zu +27% Preis = -6% schlechteres P/L 85%
GeForce RTX 2060 Super 1030% / 145% $399 400-430€ +18% Perf. zu +30% Preis = -9% schlechteres P/L 91%
GeForce RTX 2060 910% / 123% $299 300-340€ - 100%
Radeon RX 5700 XT 1090% / 156% $399 360-400€ - 107%
Preisbasis: März 2020 (vor dem gewissen Preisanstieg zu Lockdown-Zeiten sowie allen aktuellen Abverkaufsaktionen)

Für substantielle Preissteigerungen müsste nVidia entweder die bisherigen Performance-Erwartungen (40-50% Mehrperformance) deutlich schlagen und zugleich AMDs Navi-2X-Projekt deutlich mißlingen, so dass keine beachtbare Konkurrenz existiert. Dass beide diese Faktoren gleichzeitig zutreffen, ist jedoch eher unwahrscheinlich – ergo dürfte sich nVidia in einer Situation wiederfinden, wo zumindest bis zu einem gewissen Niveau die AMD-Grafikkarten und deren Preislagen zu beachten sein werden. Daneben steht nVidia gerade innerhalb der Ampere-Generation unter einer "besonderen Beobachtung" seitens Presse & Grafikkarten-Käufern: Das Turing-Prinzip, dass Mehrleistung auch umgehend mehr kostet, kann man sich kaum ein zweites Mal leisten, dies würde dann zu schlechte Kritiken geben. Aber womöglich war Turing auch einfach nur die Ausnahme von der Regel bzw. sehr clever von nVidia gedacht: nVidia hat mittels Turing die Grafikkarten-Preise im allgemeinen auf ein höheres Niveau geführt – möglicherweise wohlwissend, dass dies die letzte Generation ohne direkte AMD-Konkurrenz darstellt und dass dies somit auch die letzte Generation ist, wo man so etwas ohne Verlust durchziehen kann. In der Zukunft müssten dagegen schon viele schlechte Faktoren zusammenkommen, um nochmals derartige Preissteigerungen zu sehen.