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Hardware- und Nachrichten-Links des 28. August 2018

Die wichtigste Auswirkung des Stopps der 7nm-Fertigung bei GlobalFoundries auf AMD wurde bislang an dieser Stelle (leider) noch gar nicht genannt: AMD wird es damit nicht mehr möglich sein, bei der Navi-Generation nVidia in irgendeiner Form zeitlich zu überraschen – so wie es die verschiedenen Vorab-Informationen durchaus als Möglichkeit offengelassen haben (Navi im ersten Quartal 2019 oder Navi im zweiten Halbjahr 2019). Vielmehr wird man nunmehr, auf Basis des gleichen Chipfertigers (TSMC), im bestmöglichen Fall nur noch einen kleinen Vorsprung von ein paar Wochen herausarbeiten können. Deutlich vor nVidia mit ersten 7nm Consumer-Grafikkarten herauszukommen, wäre eigentlich nur mittels GlobalFoundries möglich gewesen, wenn man sich dort exklusiv die allerersten 7nm-Kontingente reserviert hätte (und GlobalFoundries rechtzeitig zu Potte gekommen wäre). Bei TSMC wird dies nicht möglich sein bzw. ist AMD sowieso in der schwächeren Verhandlungsposition, weil man nun plötzlich sehr große 7nm-Kontingente (wegen des für Ryzen-Prozessoren gedachten Zen-2-Dies) auf TSMC umschichten muß und daher sicherlich nicht in jedem Punkt seine Terminvorstellung durchbekommen kann. Damit wird es sicherlich auch nichts mehr werden mit 7nm Consumer-Grafikkarten vor Ende 2019 – nVidia muß nicht wirklich, AMD hat primär andere Sorgen (zuerst muß der Prozessoren-Bereich diese hochwichtige Wechselphase durchstehen).

AMD nVidia
Herbst 2018 Turing TU102 & TU104
(GeForce RTX 2070, 2080 & 2080 Ti)
Ende 2018 Vega 20
(HPC-Abwandlung von Vega 10 in 7nm, kein Consumer-Einsatz geplant)
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Mitte/Ende 2019 Navi
(angeblich reine Midrange-Lösungen in 7nm)
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Ende 2019 bis Anfang 2020 - 7nm-Gen.
(Turing-Nachfolger mit anzunehmenderweise stärkeren RayTracing-Fähigkeiten, wahrscheinlich mit komplett neuem Chip-Portfolio von LowCost bis Enthusiast)
irgendwann 2020 "NextGen"
(echte neue Grafikchip-Architektur)
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Diese Angaben zu zukünftigen GPU-Entwicklungen sind natürlich mehrheitlich spekulativ bzw. ungesichert.

Eventuell ergibt dies für AMD einen Anlaß, doch noch einmal über einen Consumer-Release des Vega-20-Chips nachzudenken. Denn selbst wenn dessen Stückzahlen (wegen der erst anlaufenden 7nm-Fertigung für große PC-Chips) eigentlich zu klein sind, könnte AMD mit diesem wenigstens ein gewisses Stück Performance nachlegen (und damit mal wieder etwas neues präsentieren): Das breitere Speicherinterface sowie die mittels der 7nm-Fertigung ermöglichten höheren Taktraten dürften eine Vega-20-basierte Consumer-Grafikkarte grob geschätzt auf das Performance-Niveau einer GeForce RTX 2070 führen können. AMD könnte wenigstens die Salvage-Chips zu Vega 20 ins Consumer-Segment schicken – immer vorausgesetzt, das sich das Fertigungsvolumen von Vega 20 wirklich erhöhen läßt, was allerdings im Laufe des Jahres 2019 eigentlich möglich sein sollte. Abseits dieser Hypothese wird die 7nm-Fertigung im Bereich von Consumer-Grafikkarten jedoch eher auf sich warten lassen, sind 7nm-Frühstarts somit unwahrscheinlicher geworden. Gleichfalls könnte nVidia versucht sein, seine eigene 7nm-Generation eher auf das Jahr 2020 zu verzögern, um der aktuellen Turing-Generation mehr Platz zu geben. Den zeitlichen Vorsprung, den nVidia hiermit AMDs Navi-Generation geben würde, ist (auf Basis des gleichen Chipfertigers) für nVidia nunmehr viel besser kalkulierbar geworden.

Gemäß TweakPC könnte zum Marktstart der Turing-Grafikkarten deren RayTracing-Funktionalität noch nicht nutzbar sein – weil ein hierfür benötigtes DirectX-12-Update frühestens Ende Oktober zur Verfügung stehen soll. Selbiges DirectX-12-Update gibt es derzeit nur als Beta-Version, welche (angeblich) einen speziellen Zugang bei Microsoft für Hardwaretester und Entwickler voraussetzt. Dies wäre natürlich etwas harsch für frühe Käufer der GeForce-RTX-Serie, wenn man gut einen Monat auf den RayTracing-Genuß warten muß – wobei andererseits viele Spieletitel mit RayTracing sowieso erst später erscheinen werden. Eventuell aber wird Microsoft jene DirectX-Beta dann doch noch öffentlich anbieten, gerade wenn die RTX-Käufer in Masse protestieren sollten. Positiv mitzunehmen wäre hieran wenigstens, das jenes DirectX-12-Update zugunsten von RayTracing somit überhaupt in Richtung Zielgerade kommt, denn seit der seinerzeitigen Ankündigung einer RayTracing-Erweiterung von DirectX 12 hat man leider hiervon nichts mehr gehört.

Bislang noch gar nicht thematisiert wurde der potentielle Einfluß der Cryptominer auf Turing bzw. dessen Preisentwicklung und Marktverfügbarkeit. Hierzu bieten sich rein von Technik-Seite her zwei Betrachtungsweisen an: Zum einen wurde die nominelle Rohleistung bei Turing nicht wesentlich gesteigert, was für Cryptomining allerdings wesentlich wäre. Von der Steigerung der Shader-Effizienz dürften Cryptomining kaum profitieren, da sich die Performance von Cryptomining eben eher an der reinen Rohleistung bemisst (weswegen AMD hierbei immer wieder seine Vorteile hatte). Zum anderen könnten aber RT Core und Tensor Cores zumindest potentiell für Cryptomining mißbrauchbar sein – und sofern die Cryptominer diese Spezial-Recheneinheiten wirklich effektiv auszunutzen lernen, die Turing-Generation dann doch für Cryptominer interessant machen. Dies wird jedoch kaum am ersten Verkaufstag der Fall sein, sondern erfordert sicherlich eine beachtbare Einarbeitungszeit und wird demzufolge auch nicht bei jeder Cryptowährung passieren. Im schlimmsten Fall würden Turing-Beschleuniger also für einzelne Cryptowährungen zum Non-Plus-Ultra, während für die meisten anderen Cryptowährungen nur ein etwas stärkerer Nachfolger von Pascal zu Buche steht.

Dies erscheint als ertragbare Situation, welche nicht unbedingt zu einem großen Run der Cryptominer auf Turing-Grafikkarten führen sollte – und wenn, dann wenigstens nicht direkt zum kommenden Turing-Marktstart, sondern erst später, wenn wirkliche Vorteile offensichtlich werden. Echte Probleme sind somit nur dann anzunehmen, sofern die Cryptowährungen ein Kursfeuerwerk hinlegen würden, womit dann plötzlich wieder viele Grafikkarten interessant für das Cryptomining machen würde – nicht nur Turing. nVidiass Ansatz bei Turing, jener Grafikchip-Generation eher mehr Intelligenz als mehr rohe Kraft mitzugeben, ist zumindest aus Sicht der Beinflußung des Grafikkarten-Markts durch Cryptomining nur als positiv anzusehen. Es muß sich allerdings noch erweisen, ob sich diese Vorab-Einschätzung auch bezüglich RT Core und Tensor Cores halten lassen kann – bei selbigen ergibt sich zumindest das theoretische Potential zu brachial großen Rechenleistungen und damit einem starken Interesse der Cryptominer.

Die ComputerBase berichtet über die Vorstellung von Intels "Whiskey Lake" & "Amber Lake". Hinter beiden neuen Codenamen verbirgt sich allerdings jeweils nur ein Referesh in etwas verbesserter Fertigung sowie mit höheren Turbo-Taktraten: "Whiskey Lake" stellt den Nachfolger des Kaby-Lake-Refreshs in der verbesserten 14++ Fertigung dar, "Amber Lake" dann den Nachfolger von Kaby-Lake-Y. Ausgangspunkt ist allerdings durchgehend die "Skylake" Prozessoren-Architektur in der Kaby-Lake-Ausbaustufe, welche ihrerseits nur minimale Änderungen an der Video-Einheit der integrierten Grafiklösung mit sich brachte. Faktisch handelt es sich somit nur um neue Prozessoren-Modelle einer lange bekannten Architektur – was früher keineswegs die Vergabe neuer Codenamen gerechtfertigt hätte. Wie den ComputerBase-Auflistungen zu entnehmen, gibt Intel den neuen Prozessoren-Modellen primär bis zu 600 MHz mehr Turbomode-Takt mit auf den Weg – was bei diesen vornehmlich durch ihre niedrige TDP limitierten Prozessoren allerdings bedeutet, das der Mehrtakt immer nur für Sekunden oder gar nur Sekundenbruchteile anliegen kann. Besondere Leistungszuwächse sind hiermit also nicht zu erwarten – aber dies kann man auf Basis der grundsätzlich gleichen 14nm-Fertigung wohl auch nicht fordern.