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Hardware- und Nachrichten-Links des 28. Juli 2015

HT4U haben als einzige das hinbekommen, was seit einiger Zeit auf der Hand liegt – sich aus dem Handel eine neue Radeon R9 Fury X zu besorgen und mittels dieser zu überprüfen, ob sich das Problem des Pumpenfiepens in der zweiten Pumpen-Charge nunmehr wirklich verbessert hat. Und in dieser Frage ist tatsächlich eine klare Verbesserung erreicht worden, selbst wenn die Spektralanalysen nun nicht gewaltig anders aussehen. Doch auch dort ist der für menschliche Ohren unangenehme Fiepton bei ~2kHz nunmehr deutlich niedriger notiert – vorher waren es ca. -54 dBPa, mit der zweiten Karte kamen -62 dBPa heraus (ein ähnlicher Wert wie seinerzeit beim (manuell ausgeführten) Pumpenfiepen-Silentmod). Da 10dB einer Verdopplung/Halbierung der "empfundenen Lautheit" entsprechen, kann man sagen, daß diese gemessenen 8 dB Differenz nahezu eine Halbierung des Pumpenfiepens der Karte ergeben. Im subjektiven Praxiseindruck war das Pumpenfiepen im offenen Gehäuse oder Teststand noch wahrnehmbar, im geschlossenen Gehäuse unter dem Schreibtisch dann jedoch nicht mehr.

Das Ziel der ganzen Aktion erscheint somit als erfüllt, mittels der zweite Pumpen-Charge zur Radeon R9 Fury X das Pumpenfiepen-Problem tatsächlich zu lösen. Schleierhaft ist jedoch, wieso AMD diesen Punkt nicht direkt oder indirekt (man kann dies ja auch über die einzelnen Grafikkarten-Hersteller verlauten lassen) offiziell macht – es gibt sicherlich genügend Interessenten an der Radeon R9 Fury X, welche über die anfängliche Pumpenfiepen-Problematik abgeschreckt wurden und welche nun einfach die Dinge abwarten. Für diese Kaufinteressenten wäre es eine sehr interessante Information, wenn offiziell bestätigt werden könnte, daß die zweite Pumpen-Charge wirklich das versprochene Ergebnis liefert sowie daß die jetzt ausgelieferten Karten allesamt nur noch auf dieser zweiten Pumpen-Charge basieren. Sich nur im Saft des eigenen Marketings zu bewegen ("leiseste HighEnd-Lösung aller Zeiten"), nützt niemanden bei AMD – der Markt bildet sich seine eigene Meinung, welche nur in begrenztem Umfang über AMDs Marketing steuerbar ist und bei solchen Fehlschlägen sowie der sich anschließenden Herumeierei nicht gerade freundlich gestimmt reagiert.

Die PC Games Hardware zeigt auf fernöstliche Informationen, welche von einer Übertaktung der non-K Skylake-Prozessoren mittels deren Basistakts sprechen – belegt durch einen CPU-Z Screenshot, welcher einen um 33% übertakteten Core i7-6400T zeigt. Allerdings ist das ganze an dieser Stelle schon zu hinterfragen, denn einen Core i7-6400T gibt es nicht – nur ein i5-Modell gleicher Modellnummer, welches dann aber wirklich nur 4 Rechenkerne ohne HyperThreading hat, der CPU-Z-Screenshot zeigt jedoch 4 Rechenkerne samt HyperThreading an. Die Chance auf eine einfache Fälschung des Screenshots und damit der gesamten Information ist hiermit also durchaus gegeben. Zudem wären zwei Punkte zu bedenken: Erstens gab es zu jeder der letzten Intel-Architekturen vorab großartige Berichte über deren stark ausgebaute Overclocking-Fähigkeiten – welche eigentlich niemals in der versprochenen Form zugetroffen haben. Und zweitens dürfte Intel unter normalen Vorzeichen einen Teufel tun und seine K-Prozessoren durch eine echte Übertaktungsfähigkeit auf den normalen Modellen entwerten.

Nicht nur, daß man dann keine K-Prozessoren mehr verkaufen würde – man verkauft auch die Spitzenmodelle des Portfolios deutlich weniger, weil sich dann alle Übertakter an den kleinsten Modellen des Portfolios schadlos halten. Die Intel-Fertigungstechnologie ist eben die beste auf dem Planeten – mit dem Nachteil für Intel, das auch die jeweils kleinsten CPU-Modelle in aller Regel fast genauso gut übertaktbar sind wie die jeweils größten CPU-Modelle. Eine Freigabe der Übertaktung würde für Intel einen heftigen Einbruch der durchschnittlichen Prozessorenpreise bedeuten, damit dann auch heftige Umsatz- und Gewinneinbußen – ein arg unwahrscheinliches Szenario. Wenn, dann würde eine Übertaktung freigegeben werden, welche in der Praxis nicht oder nicht sauber funktioniert – sprich etwas, was die Übertakter dann doch wieder zu den K-Modellen treibt. Alles andere ist seitens eines klaren Marktführers, welcher aufgrund der Schwäche der Konkurrenz überhaupt nicht aggressiv vorgehen muß, sondern eher an einer möglichst hohe Marge arbeitet, eine völlige Illusion.

Golem und die ComputerBase breiten die offiziellen Informationen und Präsentations-Videos zu der von Intel und Micron vorgestellten "3D XPoint" Speichertechnologie aus. Jener nichtflüchtige Speicher soll sowohl als Arbeits- als auch als Massenspeicher dienen können, hierfür will man bei Haltbarkeit und Latenzzeit um jeweils den Faktor 1000 besser sein als bei Flashspeicher-basierten SSDs. Zu den Transferraten wurde nichts gesagt, so daß nicht ganz klar ist, ob man damit wirklich heutigen (oder zukünftigen) Arbeitsspeicher ersetzen könnte – das Fehlen solcher Angaben deutet gewöhnlich darauf hin, daß es eben nicht geht. Die Speichermengen sind ebenfalls noch etwas nebulös – allerdings ist schon bekannt, daß ein einzelner 3D-XPoint-Speicherchip 16 GByte tragen wird, dies deutet auf insgesamte Speichermengen im Rahmen von kleinen SSDs hin. In unserem Forum wird natürlich bereits angeregt diskutiert, wo "3D XPoint" nun einzuordnen wäre – die wahrscheinlichste Auflösung ist derzeit als weiteren Cache-Speicher zwischen Arbeitsspeicher und Massenspeicher.

All dies dürfte zudem primär davon abhängen, zu welchen Kapazitäten und Preisen "3D XPoint" letztlich auf den Markt kommt: Man würde schließlich auch umgehend alle Magnet-Festplatten mittels SSDs ersetzen, wenn es letztere zu gleichen Kapazitäten und Preisen gäbe. Aller technischer Fortschritt wird "3D XPoint" dagegen nichts nützen, wenn die angebotenen Kapazitäten zu klein und die Preise hoch sein sollten – was natürlich abzuwarten wäre. Micron hat "3D XPoint" bereits in der Fertigung, Ende des Jahres soll es Samples geben und für 2016 sind einige finale Produkte zu erwarten. Für den Augenblick sieht es aber ganz danach aus, als wäre hier zuerst das professionelle Segment dran, wo "3D XPoint" beispielsweise in der zu Skylake gehörenden Server-Plattform "Purley" eine Rolle als weiterer (zugriffsschneller) Zwischenspeicher spielen soll. Wenn man sich den Werdegang anderer Technologien ansieht, die zuerst ausgiebig im Server-Segment genutzt wurden und erst danach (eventuell) ins Consumer-Segment gingen, dürfte somit vor grob drei Jahren nichts von "3D XPoint" bei normalen PCs zu sehen sein. Eventuell sind nur Intels E-Prozessoren – wegen ihrer Abstammung aus dem Server-Segment – früher dran, dies bliebe abzuwarten.

Die PC Games Hardware hat sich hingegen die Preisentwicklung bei DDR4-Speicher angesehen, was schließlich mit dem demnächst anstehenden Skylake-Launch sehr viel wichtiger werden wird als bisher nur für die eher wenigen Besitzer von Haswell-E. Danach sieht es schon recht freundlich aus für DDR4-Speicher auch im Massenmarkt: Auf gleichen Takttraten nähern sich die Preise teilweise schon an, DDR4/2133 und DDR4/2400 sind beispielsweise inzwischen nicht mehr teurer als DDR3/2133 und DDR3/2400. Betrachtend die insgesamten Systemkosten ist allerdings auch der Vergleich DDR3/1600 zu DDR4/2133 interessant, selbst wenn hier die DDR4-Variante mehr Takt und damit mehr Performance hat – vom Markt und vom Konsumenten wird dies halt so verglichen werden: Eine 8-GB-Speicherbestückung kostet in diesem Vergleich noch ca. 20 Euro mehr unter DDR4/2133 (~65€) gegenüber DDR3/1600 (~45€). Dies ist ein verträglicher Unterschied, der in den gesamten Systemkosten untergehen sollte – sofern DDR4-Mainboards nicht zu hohe Preisaufschläge gegenüber DDR3-Mainboards aufweisen.