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Hardware- und Nachrichten-Links des 28./29. Januar 2017

Zur Untermauerung der kürzlichen Meldung über das Ende der Ära der 28nm-Grafikkarten sei nachfolgendes Diagramm dargereicht, welches den ganzen Sachverhalt plastischer darstellt. Eingezeichnet wurden alle 14/16nm-Grafikkarten als blaue Markierungen, alle 28nm-Grafikkarten als goldene Markierungen – mit dem aktuellen Straßenpreis als der horizontalen X-Achse und dem 3DCenter FullHD Performance-Index als der vertikalen X-Achse. Je höher eine Grafikkarte innerhalb derselben Positionierung auf der X-Achse steht, um so besser ist also deren Performance/Preis-Verhältnis. Die Werte-Verteilung zwischen beiden Grafikkarten-Gruppen sowie die beiden jeweiligen Mittelwertskurven zeigen es dann sehr deutlich an: Die 14/16nm-Grafikkarten haben ein grundsätzlich besseres Preis/Leistungs-Verhältnis erreicht. Zwar liegen die 28nm-Grafikkarten nicht weit weg vom Schuß, in manchen Fällen kommen einzelne 28nm-Exemplare auch vergleichsweise nahe an die Kurve der 14/16nm-Modelle heran (Radeon R9 Fury), aber die generelle Differenz wäre damit klar belegt.

Und dies ist vor allem auch ein gravierende Unterschied zur Situation im Sommer 2016, als die 14/16nm-Grafikkarten anfänglich mit (gegenüber heute) höheren Preisen in den Markt gingen, auch teilweise gute Abverkaufsangebote zu den 28nm-Grafikkarten existierten – und somit die Performance/Preis-Verhältnisse im August 2016 keinerlei besonderen Unterschiede zwischen beiden Grafikkarten-Gruppen aufzeigten. Seinerzeit wurden die 14/16nm-Grafikkarten eher wegen neuer Performance-Höhen, besserer Energieeffizienz oder auch des Mehrspeichers empfohlen, nicht aber wegen eines verbesserten Preis/Leistungs-Verhältnisses – diesen Vorteil haben die 14/16nm-Grafikkarten eben erst jetzt erreicht. Im Gegenzug verwundert es etwas, das AMD und nVidia ihre letzten 28nm-Grafikkarten nicht aggressiver aus dem Markt herausgedrückt haben, sprich Abverkaufsaktionen mit echtem Preisvorteil aufgelegt haben (die bisherigen Abverkaufspreise zu 28nm-Modellen ergaben nur ähnliche, aber nicht bessere Preis/Leistungs-Verhältnisse). Dies sah bei früheren Grafikkarten-Generationen noch ganz anders aus, hier konnte man sich bei deren Auslaufen regelmäßig auf Abverkaufsaktionen mit echten Knallerpreisen freuen.

Beim Auslaufen der 28nm-Generation scheint dies nun nicht mehr zu passieren, denn die dokumentierten Verfügbarkeiten sind inzwischen schon schlecht genug, sprich es dürfte kaum noch größere Mengen an abzuverkaufenden 28nm-Grafikchips und 28nm-Grafikkarten geben. Möglicherweise haben AMD und nVidia hierbei im Vorfeld der 14/16nm-Generation auch einfach sorgsamer kalkuliert und es somit zu keinen zu großen Lagerbeständen an "Altware" kommen lassen. Abgesehen von der Radeon R9 Fury gibt es in jedem Fall derzeit keine 28nm-Grafikkarte, welche noch eine nähere Betrachtung wert wäre – und selbst bei dieser Fiji-basierten AMD-Karte gilt letztendlich, das jene für die 7% Mehrperformance zur GeForce GTX 1060 6GB auch gleich wieder ~18% mehr kostet, ergo nicht wirklich preiseffizient ist (von der massiv zurückhängenden Energieeffizienz und den nur 4 GB Speicher ganz abgesehen). Schade ist allerhöchstens, das es keine explizite Abverkaufsaktion zur Radeon R9 Nano gab – für jene Karte gab es immer ein gutes Interesse, aber meistens war der Preispunkt der Karte zu hoch angesetzt, um aus jener einen richtigen Verkaufserfolg zu machen.

Im Vergleich der Mainboard-Chipsätze zwischen Intels Kaby Lake und AMDs Ryzen kommt es öfters einmal zur Fehleinschätzung, Intel wäre hierbei überlegen – primär wegen der viel höheren Anzahl der von Intel gebotenen PCI Express Lanes seitens des Chipsatzes selber (bis zu 24). Hierbei wird allerdings vergessen, das jene sicherlich vielen PCI Express Lanes allesamt nur durch ein DMI 3.0 Interface in Richtung CPU angebunden sind, sich um die (begrenzte) Bandbreite dieses Interfaces also streiten müssen. Jene ist mit 7,9 GB/sec (Hin- und Rückrichtung zusammengezählt) gar nicht einmal so großartig, dies ist vergleichsweise ein PCI Express 3.0 Interface mit nur 4 Lanes. AMDs Mainboard-Chipsätze sind zwar auch nicht anders angebunden, aber da AMD schon einen Mini-Chipsatz in der Sockel-AM4-CPU selber hat, geht man in dieser Frage klar in Führung: Neben der Grafikkarte stehen bei Ryzen noch 8 weitere PCI Express 3.0 Lanes für die CPU-eigene Anbindung von SATA, NVMe und USB 3.0 zur Verfügung – während sich bei Intels Consumer-CPUs wirklich alles durch deren DMI-Interface drängeln muß.

Gut läßt sich dies anhand einiger Schaubilder zu den einzelnen Mainboard-Chipsätzen von AMD und Intel nachvollziehen, welche (u.a.) in unserem Forum bereitstehen. Die Peripherie-Anbindung bei AMD ist somit im eigentlichen sogar breitvolumiger gelöst, die direkte Anbindung einiger Komponenten direkt an die CPU sollte zudem auch noch für etwas bessere Latenzen sorgen. Im normalen Consumer-PCs macht dies sicherlich keinerlei Unterschied, aber bei mit Peripherie vollgepackten Rechnern echter Power-User könnte AMDs Anbindungs-Konzept sogar für regelrechte Performance-Vorteile sorgen (hat zumindest in jedem Fall deutlich höhere Limits). Daß Intel hier und da vielleicht einen NVMe- oder SATA-Port mehr als AMD in den Mainboard-Chipsätzen bietet, können die Mainboard-Hersteller sowieso durch Zugabe von extra Kontroller-Chips bei ihren HighEnd-Boards ausgleichen – während an der grundsätzlichen Anbindung an die CPU selber natürlich nichts mehr zu drehen ist, hierbei liegt AMDs Ryzen glasklar vorn.