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News des 25. August 2023

AMDs Vorstellung von Radeon RX 7700 XT & 7800 XT wurde von den Leser-Kommentaren mehrheitlich kritisiert, kam zumindest deutlich weniger gut weg als vielleicht erwartet. Dabei ergaben sich zwei Haupt-Kritikpunkte: Erstens der komplett unpassende Preispunkt der Radeon RX 7700 XT. Jene Karte soll schließlich nur exakt –10% weniger als die größere Radeon RX 7800 XT kosten, der Performance-Unterschied dürfte aber eher in Richtung –20% gehen (eventuell auch leicht weniger als das, dies gilt die finalen Benchmarks abzuwarten). Auch aufgrund des zusätzlichen Unterschieds bei der Speichermenge wäre ergo ein Listenpreis von 399 Dollar viel passender gewesen, dies ergäbe exakt –20% weniger.

4K-Index AMD Straße nVidia 4K-Index
ab 585€ GeForce RTX 4070 12GB 324%
~330-340% Radeon RX 7800 XT 16GB ab 549€
330% Radeon RX 6800 XT 16GB ab 539€
ab 519€ GeForce RTX 4060 Ti 16GB ~235%
~260-270% Radeon RX 7700 XT 12GB ab 489€
ab 469€ GeForce RTX 3070 Ti 8GB 272%
287% Radeon RX 6800 16GB ab 459€
ab 419€ GeForce RTX 3070 8GB 252%
236% Radeon RX 6750 12GB ab 382€
ab 370€ GeForce RTX 4060 Ti 8GB 230%
aktuelle Straßenpreise vs AMDs Preisprognose zu 7700XT & 7800XT

Eben wegen des verhunzten Preispunkts der Radeon RX 7700 XT kann sich jene zudem auch nur schlecht von früheren AMD-Karten absetzen: Zwar sind es zur Radeon RX 6750 XT voraussichtlich ca. 10-15% Mehrperformance, dafür allerdings auch einen Mehrpreis von +28% (derzeit recht exakt 100 Euro mehr). Die Radeon RX 6800 ist im Vergleich sogar leicht schneller und kostet leicht weniger – wenngleich jene RDNA2-Karte wohl demnächst auslaufen dürfte. Der zweite Kitikpunkt ergeht zum fehlenden Generations-Fortschritt bei der Radeon RX 7800 XT, deren Performance bestenfalls minimal oberhalb der Radeon RX 6800 XT herauskommen wird (eventuell reicht es nur zu einem Gleichstand, je nachdem wie stark der Hersteller-Bias in den AMD-eigenen Benchmarks war). Am Ende hat man hier gleiche Performance zum gleichen Preispunkt und gleicher Speichermenge – nur mit einem um ca. 40W niedrigeren Verbrauch, was es dann auch nicht herausreißt.

Die Karte ist schon ein vernünftiger Ersatz zur Radeon RX 6800 XT, nur eben nicht einer neuen Generation würdig, sondern sich eher wie eine Refresh-Lösung anfühlend. Namenstechnisch hätte AMD das ganze im übrigen gut entschärfen können, wenn man zumindest die größere Karte besser nur als "Radeon RX 7800" (non-XT) hätte laufen lassen. Rein praktisch dürfte AMD das ganze natürlich einfach dadurch lösen, dass die derzeit noch angebotenen Radeon RX 6800/6900 Karten in vermutlich kurzer Zeit ausgelaufen sind und dann nur noch das Angebot an neuen Radeon RX 7700 XT & 7800 XT Karten existiert. Leider folgt AMD damit aber auch nur dem Weg nVidias bei der RTX40-Serie, so dass die gesamte Ada/RDNA3-Generation in weiten Teilen einen echten Generations-Sprung vermissen läßt, sich wirklicher Fortschritt hiermit nur sehr maßvoll einstellt.

Desweiteren hat AMD auf seinem Gamescom-Event auch endlich mal wieder etwas zu FSR3 gesagt. Das Upscaling-Feature in seiner dritten Version soll in diesem Herbst endlich spruchreif werden und bringt wie erwartet eine Zwischenbild-Berechnung mit sich, offiziell nunmehr "Fluid Motion Frames" (FMF) genannt. Geboten werden soll jenes bei FSR3 immer extra zuschaltbare Feature offiziell ab Radeon RX 5000 sowie GeForce RTX 20. Prinzipiell sind aber auch ältere Grafikkarten hierzu in der Lage, nur dann eben ohne offiziellen Segen von AMD und nicht mit dem "bestmöglichen Erlebnis". Zur Reduzierung des Input-Lags sollte man AMDs "AntiLag"-Feature hinzuschalten, wovon AMD eine verbesserte "+"-Version auflegt und FMF eigentlich erst ab Frameraten von 60 fps aufwärts zu nutzen sein soll (beides äquivalent zu nVidias DLSS3).

FSR3 besteht aber nicht nur aus dem FMF-Modus, sondern hat auch andere kleinere Verbesserungen. Zudem ist der "Native Mode" nunmehr verpflichtend (bei FSR2 rein optional), welcher Rendering auf nativer Auflösung und zusätzlich den FSR-Effekt für eine noch bessere Bildqualität enthält. Derzeit sind ein Dutzend Spiele mit FSR3 angekündigt, aktuell bereits mit FMF vorzeigbar sind "Forspoken" und "Immortals of Aveum", worauf sich dann auch die bislang vorliegenden Bildqualitäts-Einschätzungen seitens ComputerBase und Digital Foundry beziehen. Ein hochinteressanter Punkt ist, dass AMD das "Fluid Motion Frames" Feature auch außerhalb von FSR3 als unabhängiges Treiber-Feature (im ersten Quartal 2023) zur Verfügung stellen will, worauf sich jenes dann für jedes beliebige Spiel erzwingen lassen soll.

Wegen der fehlenden Einbindung in die Spiele-Engine kann dies dann zu Fehldarstellungen oder Problemen mit dem HUD führen, aber es wäre eine (immer verfügbare) Notfalllösung zur Erzwingung von mehr Performance. Auch hier gilt allerdings wieder: Offiziell erst ab 70 fps Framerate einzusetzen – was, wenn es ernsthaft so gemeint ist, den Anwendungskreis auf wenige Spiele mit high-fps-Anforderungen beschränkt. Denkbar natürlich, dass es auch im akzeptablen Maßstab auf 30 fps läuft – und dort wesentlich breiter eingesetzt werden könnte. Dies können dann aber wirklich nur Praxistests zeigen, welche in diesem Fall erst nächstes Jahr zu erwarten sind – und sich hoffentlich nicht nur auf den FMF-Effekt unter sowieso schon schnell laufenden Spielen konzentrieren, sondern vielleicht auch einmal schauen, was beispielsweise der Nutzer einer Radeon RX 480 durch Treiber-seitiges FMF unter modernen Spiele-Titeln noch so an Performance gewinnen kann.