AMD "Llano" Radeon HD 6550D vs. Intel HD Graphics 3000 (OC)

Montag, 8. August 2011
 / von Leonidas & misterh
 

Integrierte Grafik (ob in CPUs direkt oder in Mainboard-Chipsätze integriert) begleitet uns schon über zehn Jahre und war lange Zeit immer nur als Lückenfüller gedacht, um billige OEM-Systeme ohne dem finanziellen Aufwand einer extra Grafikkarte zu ermöglichen. Erst in jüngerer Zeit haben sich die Hersteller diesem Thema verstärkt angenommen und versuchen nun mit integrierter Grafik nicht nur irgendeinen Grafikkarten-Ersatz zu stellen, sondern einen zu regulären LowCost-Grafikkarten gleichwertigen oder besseren Ersatz. Erste Ansätze hierzu lieferten die HD Graphics Grafiklösungen in Intels Nehalem- und Sandy-Bridge-Prozessoren. AMD geht mit seinen Llano-Prozessoren hierbei allerdings einen viel größeren Schritt vorwärts und will mit den integrierten Llano-Grafiklösungen sogar einen gleichwertigen Ersatz für Mainstream-Grafikkarten liefern.

Zu Llano ist seit seinem Launch schon viel gesagt und geschrieben worden – insbesondere die relativ schwache CPU-Performance ist inzwischen ausreichend breitgewälzt worden, was an dieser Stelle nun nicht unbedingt wiederholt werden muß. Zu den Llano-Grafiklösungen gab es auch schon reichlich Benchmarks, welche aber dennoch in aller Regel doch noch eine gewisse Lücke aufweisen: Getestet wurde zumeist entweder gegen andere integrierte Grafik – und dies unter eigentlich uninteressant niedrigen Auflösungen wie 1024x768 oder 1280x1024. Dies mag zwar dem bisherigen Anspruch von integrierter Grafik entsprechen, trifft aber weniger auf den gänzlich anderen, viel höheren Anspruch der integrierten Llano-Grafik zu.

Andererseits gab es auch einige Benchmarks im Vergleich zu Desktop-Grafikkarten, welche dann natürlich unter Testbedingungen für Desktop-Grafikkarten entstanden – gut zum Vergleich der puren Leistungsfähigkeit, aber bei den dabei herauskommenden Frameraten von 10 bis 15 fps für die Llano-Grafiklösung ist ein solcher Test eher nur theoretisch. Was bisher sehr selten zu Llano ausgemessen wurde, ist die Frage, wie sich die integrierte Llano-Grafik unter Desktop-üblichen Auflösungen (ergo 1680x1050 und 1920x1200) mit für Llano passender Bildqualität schlägt. Denn letztlich wurde Llano ja genau dafür entwickelt: Nicht, um wie bisher bei integrierter Grafik die Auflösung massiv abzusenken, sondern um mit (etwas abgesenkten Bildqualitäts-Details) unter der nativen Monitor-Auflösung heutiger Monitore spielen zu können. Wir wollen heute an dieser Stelle testen, ob Llano genau diesen Anspruch erfüllen kann.

Als Testkandidaten dienen dabei die Radeon HD 6550D Grafiklösung der schnellsten Llano-Prozessoren A8-3800 und A8-3850 sowie Intels HD Graphics 3000 Grafiklösung der aktuellen Sandy-Bridge-Prozessoren. Sicherlich wäre der Quervergleich zu einer ähnlich leistungsfähigen Desktop-Grafikkarte auch nicht verkehrt gewesen, aber es stand für diesen Test halt keine passende zur Verfügung. Zudem kann man inzwischen als ziemlich gesicherte Erkenntnis ansehen, daß die Radeon HD 6550D nach Desktop-Maßstäben in etwa auf der Performance einer Radeon HD 5550 DDR3 herauskommt. Die Intel HD Graphics 3000 bietet sich dagegen aus zwei Gründen für diesen Test an: Erstens einmal kann AMD somit demonstrieren, ob die Llano-Grafik unter realen Bedingungen wirklich einen beachtbaren Vorteil bietet – und zum anderen kann man sehen, ob die Intel-Grafik nicht Kraft ihrer hohen Übertaktungsfähigkeit eventuell doch entscheidenden Boden gutmachen kann.

Bedauerlicherweise nicht mit im Test sind die weiteren Llano-Grafiklösungen Radeon HD 6370D, 6410D und 6530D. Zu letztgenannter gibt es inzwischen im Web einige Tests, welche deren Leistungspotential auf ca. 20 Prozent unterhalb der Radeon HD 6550D einordnen (bzw. die Radeon HD 6550D ist ca. 25 Prozent schneller als die Radeon HD 6530D). Zu Radeon HD 6370D und 6410D kann man deren Leistungspotential derzeit aufgrund der noch fehlenden entsprechenden Llano-CPUs nur grob schätzen – was genauso auch für die Llano-Mobileausführungen gilt, welche zwar derzeit schon teilweise im Markt sind, aber bislang noch kaum wirklich getestet wurden. Wir bieten damit an dieser Stelle ergo nur den Test der jeweiligen Spitzenlösungen an, die Performance der anderen Llano-Grafiklösungen muß später beim Vorliegen entsprechender Prozessoren ermittelt werden.

AMD Llano (Mobile) AMD Llano (Desktop) Intel Sandy Bridge (Mobile) Intel Sandy Bridge (Desktop)
  Radeon HD 6550D
A8-3800/3820/3850/3870
400 VLIW5 Shader-Einheiten, 600 MHz Takt, max. DDR3/1866
   
Radeon HD 6620G
A8-3500M/3530MX
400 VLIW5 Shader-Einheiten, 444 MHz Takt, max. DDR3/1600
Radeon HD 6530D
A6-3500, 3600/3620/3650/3670
320 VLIW5 Shader-Einheiten, 443 MHz Takt, max. DDR3/1866
   
Radeon HD 6520G
A6-3400M/3410MX
320 VLIW5 Shader-Einheiten, 400 MHz Takt, max. DDR3/1600
Radeon HD 6410D
A4-3300, 3400/3420
240 VLIW5 Shader-Einheiten, 600 MHz Takt, max. DDR3/1600
   
Radeon HD 6480G
A4-3300M/3310MX
240 VLIW5 Shader-Einheiten, 444 MHz Takt, max. DDR3/1333
Radeon HD 6370D
E2-3200
160 VLIW5 Shader-Einheiten, 443 MHz Takt, max. DDR3/1600
HD Graphics 3000 @ 1300 MHz
Core i5-2520M/2540M, Core i7-2620M/2720QM/2820QM/2920XM
12 1-D Shader-Einheiten, 650 MHz Takt (TurboMode 1300 MHz), max. DDR3/1333
HD Graphics 3000 @ 1350 MHz
Core i7-2600/S/K
12 1-D Shader-Einheiten, 850 MHz Takt (TurboMode 1350 MHz), max. DDR3/1333
    HD Graphics 3000 @ 1200 MHz
Core i5-2410M, Core i7-2635QM
12 1-D Shader-Einheiten, 650 MHz Takt (TurboMode 1200 MHz), max. DDR3/1333
 
    HD Graphics 3000 @ 1100 MHz
restliche mobile Core-Modelle auf Sandy-Bridge-Basis
12 1-D Shader-Einheiten, 650 MHz Takt (TurboMode 1100 MHz), max. DDR3/1333
HD Graphics 3000 @ 1100 MHz
Core i3-2105/2125, Core i5-2405S/2500K
12 1-D Shader-Einheiten, 850 MHz Takt (TurboMode 1100 MHz), max. DDR3/1333
    HD Graphics 2000
mobile Pentium-Modelle auf Sandy-Bridge-Basis
6 1-D Shader-Einheiten, 650 MHz Takt (TurboMode 1100 MHz), max. DDR3/1333
HD Graphics 2000
restliche Sandy Bridge Desktop-Modelle
6 1-D Shader-Einheiten, 850 MHz Takt (TurboMode 1100 MHz), max. DDR3/1333
Die Anordnung der einzelnen Grafiklösungen in dieser Tabelle ist keine exakte Leistungseinordnung. Einige LowVoltage-Prozessoren von Intel bieten zudem noch niedrigere Grafik-Taktraten, welche vorstehend jedoch nicht mit erfasst sind.

Damit soll zum einen ergründet werden, ob sich die beste Llano-Grafiklösung dafür eignet, unter den heute üblichen Desktop-Auflösungen 1680x1050 und 1920x1200 mit einer anständigen Bildqualität genutzt werden zu können. Das Ziel ist dabei mindestens eine Medium-Bildqualität, da die Performance der Intel HD Graphics 3000 erwiesenermaßen zumeist dafür ausreicht, um 1920x1200 mit einer Low-Bildqualität zu fahren. Desweiteren werden wir die Radeon HD 6550D mit den drei Speichertaktungen DDR3/1333, DDR3/1600 und DDR3/1866 austesten, um zu erfahren, welche dieser Speichertaktraten die optimale Wahl für diese Llano-Grafiklösung unter hohen Desktop-Auflösungen ist.

Zum anderen wird die Radeon HD 6550D mit der Intel HD Graphics 3000 verglichen werden, um zu sehen, wie weit die (natürlich schwächere) Intel-Grafiklösung kommt. Dabei tritt die Intel-Grafiklösung regulär auf 1100 MHz Takt an, so wie bei den kleineren Sandy-Bridge-Prozessoren im (faktisch immer erreichten) TurboMode üblich, sowie auf den Speichertaktraten DDR3/1333 und DDR3/1866 – letzteres, um zu sehen, ob dies der Intel-Grafik auf regulärem Chiptakt weiterhilft. Daneben tritt die Intel HD Graphics 3000 auch noch stark übertaktet auf 1900 MHz Takt an, hier gleich mit der höheren Speichertaktung von DDR3/1866. Da die Intel-Grafiklösung ziemlich viel Performance durch diese heftige Übertaktung gewinnen kann, dürfte es sehr interessant werden zu sehen, wie weit die übertaktete Intel HD Graphics 3000 an die Werte der Radeon HD 6550D herankommt.

Übertaktungsergebnisse der Radeon HD 6550D können wir dagegen nicht liefern – obwohl die integrierte Llano-Grafiklösung sicherlich beim Takt noch Spielraum haben dürfte. Allerdings gibt es derzeit keinerlei sinnvolle Übertaktungsmöglichkeit der Llano-Grafiklösungen – man kann zwar den Grundtakt des Llano-Prozessors verändern, aus welchem sich auch der Grafiktakt ergibt, dies verändert aber auch die Prozessor-Taktung selber und ist zur reinen Übertaktung der Grafiklösung nicht besonders gut geeignet. Derzeit sieht AMD die Llano-Grafiklösungen scheinbar nicht zur Übertaktung vor – mal schauen, ob sich dies mit späteren Llano-Modellen ändert, es sollen ja sogar "Black Editions" von Llano in der AMD-Pipeline sein.

Für unseren Test wurde zum einen das aus dem Overclocking-Report zur Intel HD Graphics 3000 angesetzten Testsystem benutzt, zum anderen kam ein freundlicherweise von AMD gestelltes Llano-Testkit mit A8-3850 APU zum Einsatz. Die vollständige für diesen Test benutzt Hardware- und Software-Konfiguration lautet:

AMD-System Intel-System
AMD A8-3850 (2.9 GHz)
AMD Radeon HD 6550D (600 MHz)
Gigabyte GA-A75M-UD2H (AMD A75 Chipsatz)
AMD-Treiber Catalyst 11.7
(freundlicherweise gestellt von AMD)
AMD
Intel Core i5-2500K (minimal übertaktet auf 3.4 GHz, TurboMode deaktiviert)
Intel HD Graphics 3000 (850 MHz, TurboMode @ 1100 MHz bzw. @ 1900 MHz für Overclocking-Tests)
Asus P8Z68-V Pro (Intel Z68 Chipsatz)
Intel-Treiber 8.15.10.2430 (15.22.5)
Noctua NH-U9B SE2 CPU-Kühler
A-Data 2x 4GB DDR3/2000 9-11-9-27
OCZ Vertex 2 120GB SSD
2x Samsung 750GB HDD @ RAID0
XFi Titanium PCIe Soundkarte
beQuiet 750W Netzteil
Windows 7 Ultimate 64-Bit

Dieser Vergleich ist auf CPU-Seite natürlich nicht ganz fair, weil hier nur der eher mittelprächtige Llano-Prozessor gegen einen ausgewachsenen Vierkern-Prozessor auf Sandy-Bridge-Basis steht, obwohl die schnellsten Llano-Modelle nur das Potential haben, gerade einmal so mit den Core i3 Zweikern-Prozessoren auf Sandy-Bridge-Basis mitzuhalten. Der treffendere Vergleich gegen einen A8-3850 wäre eigentlich ein Core i3-2105 DualCore-Prozessor mit 3.1 GHz Takt und HD Graphics 3000 Grafiklösung auf 1100 MHz TurboMode-Takt (deswegen auch der gewählte TurboMode-Takt von 1100 MHz bei Intel), welcher preislich (ab 104 Euro) auch ziemlich gut mit dem A8-3850 (ab 106 Euro) vergleichbar ist. Eine solche Intel-CPU stand jedoch nicht zur Verfügung, so daß dieser Test mit einer gewissen Bevorteilung des Intel-Systems auf CPU-Seite leben muß. Dies dürfte jedoch maßgeblich durch die Benchmarks unter hohen Auflösungen wieder ausgeglichen werden, welche die erzielte Performance auf die Leistungsfähigkeit der jeweiligen Grafiklösungen limitierten sollte. Zu erwähnen wäre noch, daß der jeweils gewählte TurboMode in unseren Benchmarks und auf unserem Testsystem durchgehend anlag, die HD Graphics 3000 also nie in ihrem Grundtakt von 850 MHz lief.

Der Test-Parcour beinhaltet ältere und neuere Spiele, mit allerdings dem bewußten Verzicht auf wirklich leistungsfordernde neue Titel á Crysis 2, da diese nicht von Radeon HD 6550D und besonders HD Graphics 3000 zu schultern sein dürften. Bezüglich der jeweils benutzten Benchmarks setzen wir üblicherweise auf eigenerstellte Savegames. Im Gegensatz allerdings zum früheren Test der HighEnd-Grafikkarten Sapphire Radeon HD 6970 vs. Palit GeForce GTX 570 wurde bei diesen Savegames nicht explizit versucht, besonders fordernde Spielszenen zu finden. Dies war für den seinerzeitigen Test der HighEnd-Grafikkarten relevant, beim aktuellen Test der integrierten Grafikkarten ist dies jedoch kaum zielführend, da diese nicht für besondere Performance-Ansprüche gedacht sind. Wir haben uns für diesen Test also vorzugsweise Spielszenen mit einer recht normalen Performance herausgesucht.

Die Performance-Messungen selber wurden dann folgendermaßen angegangen: Ausgehend von der Radeon HD 6550D mit DDR3/1333-Speichertaktrate wurde unter 1920x1200 versucht, eine Bildqualität zu finden, welche spielbare 25 bis 30 fps erreicht (allerdings generell ohne dem Einsatz von Anti-Aliasing, da dies nicht der Leistungsklasse der benutzten integrierten Beschleuniger entspricht). Auf dieser Bildqualitäts-Stufe wurden dann alle weiteren Messungen mit dem AMD-System sowie alle Messungen mit dem Intel-System vorgenommen. Die (theoretisch gleiche) Bildqualität zwischen AMD und Intel wurde entsprechend mit Screenshots dokumentiert und nachfolgend auf den einzelnen Benchmark-Seiten abgebildet.