11

Hardware- und Nachrichten-Links des 10./11. Juni 2021

Die neuen Marktanteils-Zahlen seitens Jon Peddie Research für den Markt der reinen Desktop-Grafikkarten (extra ausgewertet hier) bringen auch eine Info-Grafik mit, welche die Preissteigerungen bei Desktop-Grafikkarten über das letzte halbe Jahr plastisch wiedergibt. 100%ig genau scheinen diese Zahlen nicht zu sein, da für das vierte Quartal 2020 sowie das erste Quartal 2021 jeweils exakt dieselben Preise angegeben werden – was sicherlich nicht per Zufall für alle vier Unterkategorien zutreffend sein dürfte. Aber zumindest eine grobe Abbildung des am Markt vorzufindenen Preisgefühls ist hiermit dennoch gelungen: Gegenüber dem zweiten Quartal 2020 als dem letzten "normalen" Quartal legten die durchschnittlichen Abgabepreise des Mainstream-Segments im ersten Quartal 2021 um +249% zu, im Midrange-Segments um +229% sowie im HighEnd-Segment "noch" um +76%.

Besonders fällt hierbei die Preissteigerung im Mainstream-Segment auf, welches auch alle LowCost-Grafikkarten einschließt: Daher sind dort auch zu Normalzeiten Grafikkarten-Preise von durchschnittlich 100-160 Dollar typisch – im letzten Quartal sollen es hingegen durchschnittlich 496 Dollar gewesen sein. Obwohl in diesem Segment keinerlei Andrang durch Käufer neuer RDNA2- und Ampere-Grafikkarten (in diesem Segment noch nicht verfügbar) sowie durch Cryptominer zu erwarten wäre, zogen im Zuge der allgemeinen Grafikkarten-Dürre eben auch die Preise der LowCost- und Mainstream-Beschleuniger drastisch an (genauso auch wie alle Gebrauchtpreise für Alt-Beschleuniger). Entweder haben Grafikkarten-Käufer, welche bei großen Grafikkarten leer ausgegangen sind, hier verstärkt zugegriffen – oder aber die Grafikkarten-Hersteller haben ihre Kapazitäten ins HighEnd-Segment umgeschichtet, weil es dort natürlich mehr pro Karte zu verdienen gibt. Dennoch erstaunt es etwas, wieso man nicht gerade Grafikkarten auf Basis früherer Grafikchips (ältere Architektur & ältere Fertigung) dem Bedarf entsprechend verstärkt fertigen kann. In der Summe läßt man nun faktisch alle Grafikkarten-Käufer im Regen stehen – sogar diejenigen, welche einfach nur eine GeForce GT 710 zugunsten von ein paar zusätzlichen Monitor-Anschlüssen benötigen, bezahlen derzeit substantiell mehr.

Dies geht langsamer aber sicher an die Substanz, die Tonlage in den Foren und anderen Kommunikations-Plattformen wird zu diesem Thema rauer, spöttischer und enttäuschter. AMD und nVidia müssen aufpassen, hierbei nicht beachtbar an bislang vorhandener Masse beim PC-Gaming einzubüßen – und sei es nicht durch Abwanderung zu anderen Gaming-Plattformen, so doch zu einem Rückzug der Gamer zu älteren Spielen (welche man verbilligt oder umsonst um die Ohren geworfen bekommt). AMDs und nVidias wirtschaftlicher Erfolg bei Gaming-Grafikkarten hängt vom Gleichschritt an schnelleren Beschleunigern und anziehenden Hardware-Anforderungen ab – letzte setzen die Spiele-Entwickler aber auch nur dann an, wenn man damit Marktchancen seht. Angesichts der Dauerhaftigkeit der Preisübertreibungen im Grafikkarten-Markt kann man die Spiele-Saison 2020/21 inzwischen schon als "verloren" betrachten – es wurde zwar mehr Hardware-Power vorgestellt, beim Gamer kam diese jedoch mehrheitlich nicht an. Dies sehen letztlich auch die Spiele-Entwickler – und sofern sich jene darauf einstellen, fehlen AMD & nVidia irgendwann nachfolgend die Kauf-Anreize, welche steigende Hardware-Anforderungen auslösen können.

Auf Reddit wird ein Die-Shot zu AMDs "Navi 23" Grafikchip gezeigt, welcher derzeit mit der Radeon RX 6600M in den Mobile-Markt geht und später in Form der Radeon XT 6600 Serie noch in den Desktop-Markt gelangen soll. Der Die-Shot stammt augenscheinlich aus AMDs Marketing-Material, insofern ist nicht sicher, inwiefern jener vielleicht "aufgehübscht" wurde oder eventuell sogar nur rein schematisch gedacht ist. Jenem Die-Shot sind dann sowohl 2 Raster-Engines als auch 32 Shader-Cluster klar zu entnehmen – womit alle These vom Tisch sind, die 28 Shader-Cluster der Radeon RX 6600M könnten bereits dem vollen Navi-23-Chip entsprechen. Über weitere Hardware-Daten wie 32 MB Infinity Cache und das 128-Bit-Interface gibt es keinerlei Zweifel oder sich widersprechende Informationen – womit als letzte offene Frage zu den Hardware-Daten des Navi 23-Chips jene nach der Anzahl der Raster Operation Units (ROPs) verbleibt.

Navi 23 Navi 22 Navi 21
Chip-Daten 11,1 Mrd. Transistoren auf 236mm² Chipfläche in der 7nm-Fertigung von TSMC 17,2 Mrd. Transistoren auf 335mm² Chipfläche in der 7nm-Fertigung von TSMC 26,8 Mrd. Transistoren auf 519mm² Chipfläche in der 7nm-Fertigung von TSMC
Hardware halbwegs sichere Daten: 2 Raster-Engines, 32 Shader-Cluster, 2048 FP32-Einheiten, 128 TMUs, 32 RA-Einheiten, 2 MB Level2-Cache, 32 MB Infinity Cache, 128 Bit GDDR6-Interface
unsichere Daten: 32 oder 64 ROPs
2 Raster-Engines, 40 Shader-Cluster, 2560 FP32-Einheiten, 160 TMUs, 40 RA-Einheiten, 64 ROPs, 3 MB Level2-Cache, 96 MB Infinity Cache, 192 Bit GDDR6-Interface 4 Raster-Engines, 80 Shader-Cluster, 5120 FP32-Einheiten, 320 TMUs, 80 RA-Einheiten, 128 ROPs, 4 MB Level2-Cache, 128 MB Infinity Cache, 256 Bit GDDR6-Interface
Grafikkarten Desktop: Radeon RX 6600 Serie
Mobile: Radeon RX 6600M
Desktop: Radeon RX 6700 Serie
Mobile: Radeon RX 6700M & 6800M
Desktop: Radeon RX 6800/6900 Serien
Hinweis: Chipflächen entsprechen den von Angaben von Locuza @ Twitter, nicht AMDs offiziellen Angaben

Hierzu sagt der Die-Shot nichts sicheres aus, damit sind weiterhin entweder 32 ROPs gemäß (mehreren) Vorab-Leaks oder aber 64 ROPs gemäß AMDs Produkt-Webseite zur Radeon RX 6600M im Gespräch – wobei letztere Angabe vor einer klaren Bestätigung immer auch ein Copy&Paste-Fehler sein könnte, gerade weil der größere Navi-22-Chip (und die darauf basierenden Mobile-Lösungen) bereits dieselbe Anzahl von 64 ROPs aufweist. Frühere Performance-Leaks zu Radeon RX 6600 & 6600 XT zeigen für diese Navi-23-Karten ein Performance-Niveau auf Höhe der Radeon RX 5700 Serie an – was eine ehrbare Leistung angesichts eines halbierten Speicherinterface und auch ansonsten eher kleinerer Hardware wäre (dafür natürlich mit Infinity Cache und höheren Taktraten). AMD dürfte allerdings vermutlich trotz vorliegendem Navi-23-Chip jenen derzeit nicht ins Desktop-Segment entlassen, da die dort zu bildende Radeon RX 6600 Serie für das Mainstream-Segment mit Preislagen zwischen 200-300 Dollar/Euro gedacht ist, aufgrund der aktuellen Preisübertreibungen diesen Preispunkt jedoch derzeit sicherlich nicht halten könnte.

Die Launch-Analyse zur GeForce RTX 3080 Ti enthält leider einen bedauerlichen Fehler, als dass die Benchmark-Werte des entsprechenden Tests von PCWorld fälschlicherweise der Kategorie "mit rBAR/SAM" zugeschlagen wurden. Man hat sich genau für diesen Zweck bei PCWorld zwar ein neues Testsystem zugelegt, diese Funktionalität für den Test der GeForce RTX 3080 Ti jedoch noch nicht aktiviert, wie auf Rückfrage bestätigt wurde. Im Sinne dessen, dass mit der Launch-Analyse zur GeForce RTX 3080 Ti nur Benchmark-Werte unter durchgehender Verwendung von rBAR & SAM benutzt werden sollten, sind die PCWorld-Ergebnisse somit in dieser Launch-Analyse fehl am Platz – dies aber natürlich nicht durch einen Fehler seitens PCWorld. Vermutlich macht es für die Gesamtwertung jedoch nicht wirklich etwas aus, da der Effekt von rBAR & SAM wie bekannt klein ist und es sich nur eines von acht verwendeten Launchreviews für diese Launch-Analyse handelt. Mit der kommenden Launch-Analyse zur GeForce RTX 3070 Ti wird dieser unserer Fehler ausgebügelt werden – und werden dann auch die bislang nur kurz gehaltenen Resultate unter FullHD und WQHD ins Spiel kommen.

Einige Berichterstattung gibt es derzeit über ein angebliches Support-Ende von Windows 10, welches Microsoft auf seiner offiziellen Support-Seite bekanntgegeben haben soll. Der dort notierte 14. Oktober 2025 ist jedoch keinesfalls eine neue Eintragung, sondern stand laut der Wayback-Maschine auch schon letzten September derart da (leider gibt es keine noch älteren Kopien dieser Microsoft-Seite). Das genannte Datum selber ist zudem absolut nicht neu, sondern wurde von Microsoft bereits anno 2015 zum Launch von Windows 10 derart genannt – wenngleich seinerzeit nur für den "Extendend Support" (rein nur Sicherheits-Updates), nicht jedoch für Feature-Updates. Sofern Microsoft Windows 10 weiterführen will, dürfte diese (uralte) Angabe sicherlich irgendwann einmal nach oben korrigiert werden – und sofern nicht, könnte diese Angabe allerdings trotzdem noch wahr werden, trotz ihres Alters. Eine tatsächlich neue Aussage Microsoft liegt hierbei jedoch nicht vor, aufgrund des grundsätzlichen Alters der Aussage sollte man in jenes Datum zudem besser nicht zu viel hineininterpretieren.

Die Meldung des Tages ist jedoch sicherlich im neuen YouTube-Video von Hardware Unboxed enthalten: Demnach hatte Monitor-Hersteller LG versucht, für einen Monitor-Test seitens Hardware Unboxed "Bearbeitungs-Rechte" am Test zu erlangen – und wollte für dieses "Privileg" dann auch "Kompensation" leisten. Anders formuliert hat LG versucht, Hardware Unboxed zu bestechen, damit LG den Test selber schreiben darf. Noch besser als dass ist jedoch LGs Begründung für dieses Ansinnen: Man wolle "schlechte Tests" stoppen – weil jene die eigenen Verkäufe behindern. Dazu fällt einem dann nichts mehr ein – außer der Frage, in welchem Jahrhundert die Marketing-Leute von LG auf ihrer Business-Schule waren. Noch unverständlicher wird das ganze durch den Umstand, dass LG bisher bei den Monitor-Tests von Hardware Unboxed ziemlich gut weggekommen ist. Hoffentlich macht irgendjemand bei LG mal eine Aufrechnung, wieviel weniger Verkäufe ein schlechter Monitor-Tests ergeben hätte (sind es mehr als ein schlechter Test, könnte es ja auch am Produkt liegen) – gegenüber dem Ärger, welche diese Offenbarung nunmehr produzieren wird.

LG demanded editing rights over a review, offered to "compensate" us for the privilege, and admitted this was a plan to stop bad reviews because they hurt sales.
This conduct is disgraceful, unethical, unacceptable and today we are exposing them: youtube.com/watch?v=J5DuXeqnA-w
Quelle:  Hardware Unboxed @ Twitter am 11. Juni 2021