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News des 16. November 2023

VideoCardz berichten über Aussagen aus dem gewöhnlich gut informierten "Board Channels" Forum, wonach nVidia die Fertigung von Grafikchips für GeForce RTX 4070 Ti und 4080 bereits eingestellt haben soll, mit letztem Liefertermin im bereits vergangenenen Teil des vierten Quartals. Die Grafikkarten-Hersteller verbrauchen hierzu also nur noch ihre Lagerbestände, werden sich aber ansonsten auf ein absehbares Auslaufen dieser Grafikkarten einrichten. Dies ist bisher der deutlichste Hinweis darauf, dass die kommenden "SUPER"-Grafikkarten die vorherigen RTX40-Modelle zumindest teilweise ersetzen werden, so wie dies anhand der prognostizierten Performance-Punkte bereits zu vermuten war.

RTX40-Portfolio 2023 RTX40-Portfolio 2024
GeForce RTX 4090 vorausslt. GeForce RTX 4090
GeForce RTX 4080 Super
GeForce RTX 4080 whrschl. EOL
GeForce RTX 4070 Ti Super
GeForce RTX 4070 Ti whrschl. EOL
GeForce RTX 4070 Super
GeForce RTX 4070 vorausslt. GeForce RTX 4070
GeForce RTX 4060 Ti 16GB vorausslt. GeForce RTX 4060 Ti 16GB
GeForce RTX 4060 Ti 8GB vorausslt. GeForce RTX 4060 Ti 8GB
GeForce RTX 4060 vorausslt. GeForce RTX 4060

Offen bleibt derzeit der zukünftige Status der GeForce RTX 4070: Jene Karte könnte auch noch EOL gehen, insofern nVidia eine denkbare "GeForce RTX 4070 GDDR6" auflegt. Alternativ kann die bislang GDDR6X-basierte GeForce RTX 4070 auch weiterhin im Portfolio verbleiben, entweder offiziell preisgesenkt oder einfach inoffiziell mit etwas niedrigerem Preispunkt. Komplett offen ist zudem, ob und in welcher Form nVidia seinen "SUPER"-Refresh auch noch auf das Territorium der GeForce RTX 4060 & 4060 Ti Modelle ausdehnen wird. Dass es derzeit hierzu keine Informationen gibt, muß nichts sagen, denn dies kann auch alles erst später im Jahr 2024 noch passieren. Genauso wie nVidia sein originales RTX40-Portfolio schrittweise aufgebaut hat, könnte somit auch der "SUPER"-Refresh schrittweise durchgeführt werden.

Wahrscheinlich gänzlich ohne Update bzw. Refresh wird hingegen die GeForce RTX 4090 bleiben. Dafür sprechen sogar drei Faktoren: Zum einen legt die GeForce RTX 4080 Super wohl nur wenige Prozentpunkte auf die reguläre GeForce RTX 4080 oben drauf, kommt die GeForce RTX 4090 somit keineswegs in irgendeinen Preis/Leistungs-Druck. Zum zweiten liegt die GeForce RTX 4090 ausreichend gut vor AMD, selbst eventuelle Refresh-Lösungen von AMD würden hieran nichts ändern. Demzufolge ist eine hypothetische GeForce RTX 4090 Ti für nVidia nicht notwendig, um die Performance-Führerschaft zu behalten, senkt aber in jedem Fall das Mehrperformance-Potential der nachfolgenden "Blackwell"-Generation. Wie gestern schon vorgerechnet: Von der GeForce RTX 4090 zum vollen GB202-Chip sind es +73% mehr Rechenleistung, von einem voll ausgefahrenen AD102-Chip zum vollen GB202-Chip hingegen nur +53% mehr Rechenleistung.

Da der Rohleistungsgewinn zwischen Ada Lovelace und Blackwell bemerkbar kleiner ist als zwischen Ampere und Ada Lovelace, macht es für nVidia keinen großen Sinn, den für den Konsumenten sichtbaren Hardware-Sprung mittels einer GeForce RTX 4090 Ti noch weiter zu verkleinern. Allein hieraus abgeleitet ist die Chance auf eine bessere AD102-Karte schon minimal. Als dritter Grund kommt noch die aktuelle Liefersituation zur GeForce RTX 4090 hinzu, welche aufgrund der einseitigen Lieferungen nur nach China überall die Preise hochtreibt und voraussichtlich erst im Laufe des ersten Quartals 2024 wieder einen gewissen "Normalzustand" anpeilen kann. Vorher könnte sich nVidia sowieso nicht sinnvoll zugunsten einer hypothetischen GeForce RTX 4090 Ti entscheiden, alle etwaigen Pläne in diese Richtung hin werden auf das Ausklingen dieser "Marktdelle" warten müssen.

Derweil kommt von Notebook-Hersteller "Schenker" die klare Aussage (via VideoCardz), dass es wohl keinen "SUPER"-Refresh für Mobile-GPUs geben wird. Mit den weiteren Ausführungen verweist dieser Blog-Eintrag des Herstellers zwar auf die übliche Gerüchteküche, aber normalerweise müsste Schenker da auch seine eigenen, verlässlicheren Quellen bei nVidia haben. Und jene sollten die Notebook-Hersteller sicherlich rechtzeitig über neue Mobile-Grafiklösungen informiert haben, schließlich wird die CES zum Jahresanfang gern zumindest als Ankündigungs-Plattform genutzt und ist auch nur noch anderthalb Monate entfernt. Wenn jetzt also die Notebook-Hersteller noch keine entsprechende Information haben, ist ein "SUPER"-Refresh für Mobile-GPUs kaum noch wahrscheinlich und wird man wohl mit dem auf der CES 2023 vorgestellten Mobile-Portfolio leben müssen.

Neither XMG nor SCHENKER plan to introduce laptops with NVIDIA GPUs other than those currently known and available during the first quarter; even minor updates, such as increased VRAM, are not slated.
Quelle:  Notebook-Hersteller XMG/Schenker

Die PC Games Hardware thematisiert steigende Grafikkarten-Preise als Folge der KI-Nachfrage, was derzeit natürlich nur auf die GeForce RTX 4090 zutrifft und dort eigentlich einen ganz anderen Grund hat (Umleitung aller Nachlieferungen nach China). Aber dennoch droht über die fortschreitende Bedeutung von KI und KI-Beschleunigern sicherlich eine verstärkte Nachfrage nach Rechenbedarf in diese Richtung hin, was auch über Veränderungen an Windows 11 sowie den nVidia-Treibern vorangetrieben wird. Die Frage ist allerdings, ob aus diesem vielleicht erhöhten Bedarf tatsächlich eine Liefer- oder auch Preis-Krise erwachsen kann. Aus der derzeitigen Situation heraus ist dies vergleichsweise unwahrscheinlich, denn einem (wie auch immer gearteteten) höheren Bedarf können die Hersteller schließlich mit höherer Produktion begegnen.

Bei Verwendung von Consumer-Chips – wie eben der Ada-Lovelace-Generation – entfällt an dieser Stelle auch das derzeit limitierende Element der Packaging-Kapazitäten, welches nur bei nVidias HPC-Chips eine Rolle spielt. Mehr normale Grafikchips herzustellen und für KI-Anwendungsfälle zur Verfügung zu stellen, dürfte nVidia viel problemloser gelingen, ergo ist da kein richtiges Potential für Liefer- und Preis-Krisen zu sehen. Die Grafikkarten-Dürre des Jahres 2021 wurde ja primär deswegen ausgelöst, weil da ein Mehrbedarf zu einer Zeit aufkam, wo alle Chipfertigungs-Kapazitäten durch den IT-Boom des Jahres 2020 bereits ausgeschöpft waren. Heuer nun werden AMD & nVidia gern das Doppelte an Graikchips ausstoßen – und die Chipfertigung dürfte das durchaus hergeben, weil es (zumindest zum Jahresanfang) eher eine unterdurchschnittliche Auslastung der Halbleiterwerke gab. Ergo gibt es derzeit (noch) keinen Anlaß, von einer kommenden Grafikkarten-Knappheit mit anschließend steigenden Preisen auszugehen.

Die US-Importsanktionen gegenüber China sorgen sicherlich für einige "Irritationen" bei der Preislage der GeForce RTX 4090, aber eigentlich steht dem auch kein wirklich höherer Bedarf gegenüber, sondern die Distributoren beliefern schlicht einseitig China, weil dort ab dem 19. November nichts mehr an GeForce RTX 4090 hingegen darf. Relevant, um ein kommendes echtes Problem vorab zu erkennen, wären aber nur echte Bedarfsmengen-Ausweitungen – welche zudem über die Fähigkeiten der Hersteller zur Produktionsmengen-Ausweitung hinausgehen. Die Bedarfsmengen-Ausweitung könnte über einen noch viel breiteren KI-Boom durchaus passieren. Noch ist aber nicht zu sehen, das die Hersteller dem nicht eine ebenso große Produktionsmengen-Ausweitung gegenüberstellen können. Es werden derzeit ca. –50% weniger PCs und ca. –50% weniger Desktop-Grafikkarten als in den Spitzen-Quartalen des Jahres 2021 verkauft – sprich, Fertigungskapazitäten für viel mehr Consumer-Hardware sind eher nicht das Problem.