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Die Grafikchip- und Grafikkarten-Marktanteile im zweiten Quartal 2023

Es gab kürzlich bereits einen ersten Teaser der neuen Zahlen zum Grafikchip-Markt seitens Jon Peddie Research, nun liegen jedoch mittels WCCF Tech mal wieder sehr detaillierte Einblicke in die Marktverteilung und Marktgrößen bei PC-Grafikchips in vielen Einzelsegmenten vor. Im AiB-Segment, sprich bei den diskreten Desktop-Grafikchips für dementsprechend Desktop-Grafikkarten bewegte sich von der Stückzahl her nicht viel, nach wie vor sind die im letzten Quartal ausgelieferten 6,44 Mio. AiB-Grafikchips eine unterdurchschnittliche Zahl (normal sind um die 10 Mio. Stück pro Quartal). Allerdings konnte sich AMD davon mal wieder ein größeres Stück abschneiden und krabbelt damit ein wenig aus dem tiefen Marktanteils-Loch der letzten drei Quartale heraus.

AiB-Grafikchips Q2/2022 Q3/2022 Q4/2022 Q1/2023 Q2/2023
Auslieferungsmenge 10,35 Mio. Stück 6,89 Mio. Stück 7,16 Mio. Stück 6,26 Mio. Stück 6,44 Mio. Stück
AMD 20% (~2,1M) 10,0% (0,69M) 12% (~0,8M) 12% (~0,7M) 17,5% (1,13M)
nVidia 79,6% (~8,2M) 86,2% (5,94M) 86% (~6,2M) 83,7% (~5,3M) 80,3% (5,17M)
Intel ~1% (~0,1M) 3,8% (0,26M) 2% (~0,2M) 4% (~0,3M) 2,3% (0,15M)
Endverbraucher-Umsatz 5,5 Mrd. $ 3,7 Mrd. $ ? ? ?
Karten-Durchschnittspreis ca. $529 ca. $537 ? ? ?
Marktanteile basierend auf ausgelieferten Stückzahlen, Quelle: Jon Peddie Research

Allerdings sind 17,5% AMD-Marktanteil eben auch nur verglichen mit den Vorquartalen eine gute Zahl, die langfristige Marktentwicklung betrachtend ist dies immer noch ein mageres Ergebnis bzw. zeigt nVidia als voll dominierend im AiB-Segment an. Man kann angesichts des großen AMD-Abfalls zum Q3/2022 hin und gleichzeitig des starken AMD-Aufstiegs im letzten Quartal allerdings inzwischen die Vermutung aufstellen, dass hier zwischenzeitlich starke Sondereffekte bei der Lagerbereinigung nach dem Ende des Cryptomining-Hypes eine Rolle gespielt haben werden. Diese Effekte gehen nunmehr zurück und somit gleichen sich die Marktanteile eher dem Stand im Vorjahreszeitraums an. Die letzten drei Quartale kann man bei AMD somit eventuell als "Sondereffekt-bedingte Ausnahme" einbuchen – was dennoch nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass AMD weiterhin viel zu tief unten steht im Käufer-Zuspruch.

Beachtbar daneben, dass Intel für dieses Quartal mit einem wesentlich realistischeren Marktanteil von 2,3% vermeldet wird – nachdem in den Vorquartalen manchmal auch etwas von 4-5% notiert (und angezweifelt) wurde. Zwar ist von Intel-Grafikkarten im DIY-Segment immer noch arg wenig zu sehen (der Mindfactory-Marktanteil liegt regelmäßig bei klar unter einem Prozentpunkt), aber mittels OEM-PCs und insbesondere dabei die A380 Einsteiger-Lösung beachtend, kann man durchaus schon einmal weltweit ca. 150'000 Stück im Quartal absetzen. Nur die vorher in einigen Quartalen gemeldeten 4-5% Intel-Marktanteil kommen einem nach wie vor "spanisch" vor, denn von den hierzu notwendigen ca. 300'000 Stück an Intel-Grafikkarten (pro Quartal!) hätte man irgendwie doch etwas mitbekommen müssen.

Mal wieder sehr detaillierte Zahlen gab es zum Markt aller diskreten Grafikchips, welcher die Mobile-Pendants der Desktop-Grafikkarten einschließt. Mittels der gezeigten Übersichts-Grafiken lassen sich zudem die bislang noch fehlenden Marktanteile des letzten Quartals erfassen (das Q4'22 fehlt leider dennoch komplett). Nur eine Auswertung nach Produktgruppen (Entry, Midrange, HighEnd) macht trotz hierzu vorhandener Zahlen keinen Sinn, da der Begriffsmaßstab fehlt (welche Karte wird zu welchem Segment gezählt) und teilweise auch eine recht "freie" Begriffsverwendung praktiziert wird (Mobile-Segment nur mit Entry oder HighEnd, ohne jedes Midrange). Dabei wiederholt der komplette dGPU-Markt durchaus das Marktgeschehen der reinen AiB-Beschleuniger in weiten Teilen, insbesondere bei der nVidia-Dominanz:

diskrete Grafikchips Q2/2022 Q3/2022 Q4/2022 Q1/2023 Q2/2023
Auslieferungsmenge 19 Mio. Stück 13,86 Mio. Stück ? ~11,8 Mio. Stück 12,74 Mio. Stück
AMD 15% 7,5% (1,04M) ? 8% 10,1% (1,29M)
nVidia 80% 88,0% (12,19M) ? 88% 87,2% (11,10M)
Intel 5% 4,5% (0,62M) ? 4% 2,7% (0,35M)
Desktop zu Mobile ca. 54:46% 50:50% ? ca. 53:47% 51:49%
Desktop-Marktanteile 20%   79,6%   ~1% 10,0%   86,2%   3,8% 12%   86%   2% 12%   83,7%   4% 17,5%   80,3%   2,3%
Mobile-Marktanteile 9%   81%   9% 5,2%   89,7%   5,2% ? 3%   92%   5% 2,7%   94,0%   3,2%
Marktanteile basierend auf ausgelieferten Stückzahlen, Quelle: Jon Peddie Research

Die Unterschiede liegen dann abseits nVidia: So holt AMD seine dGPU-Marktanteile zu großen Teilen im Desktop-Segment, ist bei Mobile dGPU derzeit wirklich schwach aufgestellt. Im Endeffekt hat AMD es nicht vermocht, die Radeon RX 6000 Serie breit ins Notebook zu bringen – und die Radeon RX 7000 Serie existiert nur im Mainstream-Bereich, womit man bei vielen Notebook-Designs automatisch außen vor ist. Intel ist im Mobile-Segment hingegen tendentiell besser aufgestellt, hatte in jüngerer Vergangenheit auch schon Quartale, wo man Mobile (angeblich) wesentlich mehr absetzte als Desktop. Dies ist bei aller Skepsis gegenüber den Intel-Zahlen dann schon eher glaubwürdig, denn Intel kann hier natürlich Bundle-Angebote aus Intel-CPU und Intel-GPU machen bzw. hat bei den Notebook-Herstellern über seine OEM-Partnerschaften einfach einen ganz anderen Fuß in der Tür.

Interessant daneben, dass im dGPU-Markt die Aufteilung Desktop zu Mobile bei konstant nahezu 50:50 liegt, mit immer mal wieder kleinem Vorteil zugunsten des Desktop-Segments. Dies ist abweichend vom gesamten PC-Markt, wo man grob von ein Drittel Desktop zu zwei Drittel Mobile ausgehen kann (gemäß den Zahlen von JPR sind es sogar nahezu nur ein Viertel Desktop zu drei Viertel Mobile). Aber dies zeigt somit auch dahingehend, dass die Durchdringungsrate von dGPUs im Desktop-Segment bedeutsam höher liegt als im Mobile-Segment: Rein von den JPR-Verkaufszahlen ausgehend werden 43% aller Desktop-Prozessoren mit dGPU ausgestattet – aber nur 16% aller Mobile-Prozessoren. Diese Rechnung wird natürlich durch den Effekt der Nachrüster verzerrt, die reale Zahl muß auf Desktop-Seite etwas niedriger liegen. Dennoch bleibt bestehen, dass im Prozessoren-Markt zwar der Mobile-Anteil dominiert, im dGPU-Markt die Dinge derzeit weiterhin ausgeglichen sind.

Letztlich noch zu erwähnen sind die Zahlen zum gesamten GPU-Markt, welche die Stückzahlen-mäßig dominierenden integrierten Grafikchips (iGPU) beinhaltet, auf Basis von deren Werten immer wieder die Schlagzeilen geschrieben werden. In diesem Fall titelten die IT-Magazine etwas von "12% mehr GPUs", was aber weitgehend Nonsens ist, denn der Zuwachs fand primär auf Seiten der iGPUs und damit der PC-Prozessoren statt. Wie vorstehend zu sehen, lag der Zuwachs im Bereich eigenständiger Grafikchips (dGPU) eher nur bei +6%, aufgrund der Ungenauigkeit der präsentierten Zahl könnte es auch leicht weniger sein. Demzufolge bewegen sich auch die Marktanteile im Segment aller PC-Grafikchips primär mit den Verkäufen der PC-Prozessoren, der Einfluß der dGPUs hierauf ist natürlicherweise gering, wenn die iGPUs mit nahezu 80% die dominante Gruppe darstellen.

alle PC-Grafikchips Q2/2022 Q3/2022 Q4/2022 Q1/2023 Q2/2023
Auslieferungsmenge 84,2 Mio. Stück 75,49 Mio. Stück 63,7 Mio. Stück 54,8 Mio. Stück 61,56 Mio. Stück
AMD 20% 11,9% 12% 13% 14,4%
nVidia 18% 16,1% 17% 19% 18,0%
Intel 62% 71,9% 71% 68% 67,5%
iGPU-Anteil ~77% 81,6% ? ~79% 79,3%
Marktanteile basierend auf ausgelieferten Stückzahlen (inkl. iGPUs), Quelle: Jon Peddie Research

Generelle Hinweise:
Alle genannten Marktanteile beziehen sich (sofern nicht anders beschrieben) auf verkaufte Stückzahlen im weltweiten Markt an Grafikchips & Grafikkarten für Desktop-PCs, Notebooks und Server (inkl. professioneller Lösungen, nicht jedoch Spiele-Konsolen). Als Grafikchips werden hierbei immer auch in PC-Prozessoren verbaute integrierte Grafiklösungen mitgezählt, selbst wenn man jene nicht einzeln erwerben kann. Jene iGPUs stellen in der Gesamtabrechnung üblicherweise die dominierende Gruppe, womit sich auch die hohen Insgesamt-Marktanteile von Intel erklären. Alle Absatzzahlen beziehen sich augenscheinlich auf die Auslieferungen der Chip-Hersteller an ihre Abnehmer – nicht jedoch die Absatzzahlen des Einzelhandels an die Endkunden (die Datenquellen von JPR liegen offenbar in den Geschäftsberichten der Chip-Hersteller).

Dieser Punkt hat den grundsätzlichen Effekt, dass jene Absatzzahlen früher passieren als das Geschehen am Endverbraucher-Markt. Der jetzt vom Grafikchip-Hersteller ausgelieferte Grafikchip muß schließlich erst noch zur Grafikkarte verbaut, über den Distributor zum Einzelhandel gebracht und vom selbigen an den Endkunden ausgeliefert werden. Damit könnte ein Grafikchip in dieser Statistik beispielsweise schon im ersten Quartal als (vom Grafikchip-Hersteller) "verkauft" auftauchen, real aber vielleicht erst im zweiten Quartal tatsächlich zum Endkunden geliefert werden. Im Normalfall ergibt dies nur eine gewisse zeitliche Verschiebung, langfristig gesehen setzt sich alle diese Ware immer ab (bzw. wird notfalls so lange nichts nachbestellt, bis dies passiert ist).

Zu Zeiten einer größeren Marktverirrung (wie bei einem Cryptomining-Hype mit gleichzeitiger Chipkrise) können sich hingegen (zumindest temporär) deutlich unterschiedliche Absatzzahlen zwischen Chip-Hersteller und Endkundenmarkt ergeben: Denn über die vorhandenen Lagerbestände bei Einzelhändlern, Distributoren und Grafikkarten-Herstellern dauert es etwas, ehe der Überbedarf in den Auslieferungen der Grafikchip-Hersteller sichtbar wird. Jene liefern zugleich aber länger auf erhöhtem Niveau aus, als die ursächliche Krise andauert, denn nach deren Beendigung müssen alle Beteiligten schließlich ihre Läger wieder auffüllen. Die entsprechenden Ausschläge in der Verkaufsstatistik verlaufen also in diesen Sondersituationen zeitlich verschoben gegenüber dem Endverbrauchermarkt ab. Natürlich muß sich dies am Ende immer wieder ausgleichen, alle diese Verzerrungen können allein zeitlicher Natur sein.