24

News des 24. April 2009

Expreview haben ein Review zur Radeon HD 4830 mit 800 Shader-Einheiten anzubieten, welche derzeit in China offenbar breit verkauft wird. Bei der Betrachtung der Chip-Aufschrift fiel im übrigen auf, daß ATI diese spezielle Ausgabe des 4830er Chips anders kennzeichnet, insofern dürfte das ganze wohl kaum ein Versehen seitens ATI sein, sondern volle Absicht – womöglich, um noch auf Halde liegende 4830er Chips schnellstmöglich abzusetzen, ehe der am 28. April antretene RV740-Chip (Radeon HD 4750/4770) dieses Geschäft durch ein klar besseres Preis/Leistungsverhältnis zu niedriger Verlustleistung zerstört.

Interessanterweise zieht diese spezielle Radeon HD 4830 800SP keinen großartigen Gewinn aus der um immerhin 25 Prozent höheren Rechenpower, in den Benchmarks von Expreview gab es gerade einmal 6 bis 7 Prozent mehr Performance als mit einer regulären Radeon HD 4830 mit 640 Shader-Einheiten. Allerdings liegt dieses Ergebnis wohl im Rahmen dessen, was beim RV770-Chip möglich ist, denn einer (taktschnelleren) Radeon HD 4850 nähert sich die Radeon HD 4830 800SP auf immerhin 8 Prozent Differenz an. Insofern ist diese freigeschaltete Radeon HD 4830 aus theoretischer Sicht durchaus interessant, allerdings derzeit nur in Fernost erhältlich und wie gesagt durch den in Bälde anstehenden Launch der Radeon HD 4770 wahrscheinlich sehr schnell überholt.

Einen Vorab-Test zum Intel Core i7-975 XE mit 3.33 GHz haben dagegen die X-bit Labs getätigt. Die kommende neue Extreme Edition bringt allerdings nur 133 MHz mehr Takt mit, so daß das interessanteste sicherlich das neue D0-Stepping des Bloomfield-Cores ist. Damit sinkt die Leistungsaufnahme leicht um ca. 4 bis 5 Prozent auf gleicher Taktrate, was in der Praxis durch die höhere Taktrate des Core i7-975 XE wieder egalisiert werden dürfte. Beim Übertakten ist ein ähnlich geringfüger Vorteil für das neue Stepping zu sehen: Ohne Spannungsanhebung ging das bisherige C0-Stepping auf ca. 3.6 GHz hoch, daß neue D0-Stepping nun auf 3.73 GHz. Dies ist die typische Entwicklung, welche sich im Laufe der Produktion einer CPU ergibt: Prozessoren mit neuerem Produktionsdatum sind in der Regel etwas genügsamer bei der Stromaufnahme und etwas besser übertaktbar als Prozessoren mit älteren Produktionsdatum.

Die Electronics Weekly berichtet über einige Voraussagen seitens Intel über tiefgreifende technologische Veränderungen der nächsten Dekade. Darunter ist auch die Vorhersage, daß die Grafikkarte im bisherigen Sinn über diesen Zeitraum (10 Jahre) ausgedient haben wird – aufgegeben zugunsten von CPUs und CPU-Unterstützerkarten, mit welchen dann im Gaming-Bereich Software-Renderer beschleunigt werden. In diesem Blickwinkel sollte man auch Intels Larrabee betrachten – als einen langfristigen Ansatz, mit welchem Intel am Ende dieser 10 Jahre als Markführer dastehen will.

Und genau auf diesen Punkt wird der Deutungsstreit der nächsten Jahre wahrscheinlich auch hinauslaufen: Intel will die CPU und CPU-nahe Beschleuniger als "Grafikkarten" der Zukunft positionieren, doch gerade nVidia will hier mit der Strategie dagegensteuern, das Gewicht der Grafikkarte als allgemeinen Co-Prozessor stark zu erweitern und die CPU nur noch als zentrale Steuereinheit zu benutzen – und damit faktisch zu degradieren. So lange nVidia nicht selber zum Systemanbieter aufsteigt (und damit eigene x86-CPUs bringt), hängt das langfristige Überleben von nVidia sicherlich davon ab, daß man diesen Deutungsstreit auch gewinnt – was gegen die viel größere Firma Intel nicht einfach wird.

Daneben ist die Vorhersage, daß mittels Intels Trusted Execution Technology Schadsoftware in 10 Jahren der Vergangenheit angehören wird, (freundlich formuliert) milde zu belächeln. Sicherlich sind TCPA/TCG-nahe Technologien durchaus geeignet, um in kontrollierten Umgebungen wie Firmen- oder Behörden-Netzwerken für ein hohes Maß an Sicherheit zu sorgen. Allerdings gilt dies auch nur nach heutigem Maßstab, wo auch Intels Trusted Execution Technology immer noch am Anfang steht. In 10 Jahren werden aber auch die Programmierer von Schadsoftware sich weiterentwickelt haben, so daß zu befürchten steht, daß der ewige Wettlauf zwischen Hase und Igel im Sicherheitsbereich auch zu diesem Zeitpunkt ungebremst weitergehen wird. Bezogen auf den Endkundenmarkt ist die Behauptung dagegen gänzlich irreführend und sogar gefährlich, weil sie eine weitgehend nicht erreichbare Sicherheit propagandiert.

Im Endkundenmarkt könnte TCPA/TCG nur dann ein gewisses Maß an zusätzlicher Sicherheit bringen, wenn man dem Nutzer die finale Kontrolle über sein System entzieht. Möglicherweise wird es solche Angebote in der Zukunft geben – beispielsweise im Rahmen von geprüften IT-Dienstleistern – aber damit kann man sicherlich kaum die Masse der Computernutzer (billig, billig!) oder auch die Paranoiker-Fraktion ("mein Computer gehört mir") ansprechen. Generell erscheint es kaum vorstellbar, daß sich ein solches Modell breitflächig durchsetzt – und wenn, dann müsste man es sowieso auch auf alle Elektronik mit Internetanschluß ausdehnen, was in 10 Jahren durchaus die Hälfte aller Haushaltsgeräte sein könnte. Derzeit ist jedenfalls nicht zu sehen, daß sich an der Schadsoftware-Plage so schnell etwas ändert.

Das Problem im Endkundenmarkt besteht schließlich in erster Linie auf der Nutzerseite: Software kann nur bis zu einem gewissen Punkt helfen, danach setzt weiterer Sicherheitsgewinn bedingungslos entsprechendes Wissen seitens des Nutzers voraus (wer keine Firewall konfigurieren kann, kann sie auch nicht effektiv nutzen). Auch TCPA/TCG ist hier nur eine (wenngleich hochwertige) Unterstützungstechnologie für den User, aber ohne das entsprechende Wissen des Nutzers bliebe auch diese Technologie ein stumpfes, nicht nutzbares Schwert. Vielleicht werden die nächsten 10 Jahre wirklich neue Ansätze bringen, wie man der Schadsoftware-Plage etwas Herr werden kann – aber Intels Trusted Execution Technology ist hier ganz sicher nicht der allein glückselig machende Ansatz, sondern allerhöchstens ein Mittel zum Zweck.