Wie die X-bit Labs ermittelt haben, setzt AMD bei den kommenden APU- und CPU-Generationen offenbar auf ein gewisses Tick-Tock-Modell – wenn auch in einem völlig anderem Zusammenhang als wie bei Intel bekannt. Bei AMD kann man darunter verstehen, daß die jeweils neue Rechenkern-Generation (für 2012 sind das die Piledriver-Rechenkerne) zuerst in einer abgespeckten Form für die APU-Modelle (Trinity) startet und daß erst die nachfolgenden CPU-Modelle (Vishera) dann den Vollausbau dieser Rechenkerne erhalten. Die Rechenkerne unterscheiden sich dabei – trotz gleichem Namen – nicht nur in der Größe diverser Caches, sondern auch und gerade beim beherrschten Instruktionsset. Grob kann man also sagen, Trinity wird ein "early Piledriver" und Vishera ein "late Piledriver" – weil architektonisch gleich sind die jeweils benutzten Rechenkerne eben nicht.
Dies hört sich erst einmal nach nur mehr Verwirrung an, könnte am Ende aber durchaus Sinn für AMD ergeben: Die Trinity-Reihe ist terminlich augenscheinlich immer früher als die eigentliche Bulldozer-Reihe geplant – AMD will mit einem geplanten Start im Sommer garantieren, daß man in der umsatzwichtigen Back-to-School-Saison im Frühherst immer schon ausreichend lieferfähig ist bzw. daß die PC-Bauer ihre Trinity-basierenden Geräte schon fertig und auf Lager haben. Da das jeweilige Trinity-Design somit auch in den kommenden Jahren immer mit einem klaren zeitlichen Abstand zum eigentlichen Bulldozer-Design starten wird, lohnt es sich regelrecht, diese beiden Prozessoren-Reihen auch architektonisch getrennt zu betrachten. Schließlich wäre es Unsinn, dem eher performancehungrigen Bulldozer Vishera auf dem Stand von Trinity verhungern zu lassen, wenn sogar die Entwicklungszeit zur Verfügung steht, um eben noch mehr herauszuholen.
Zudem kann AMD mit dieser Strategie beim später nachfolgenden Bulldozer kleinere Fehler korrigieren, die sich bei den zuerst kommenden Trinity-Modellen in die jeweils aktuelle Generation an Rechenkernen eingeschlichen hat – Fehler, die für die Performance von Trinity kaum eine Rolle spielen (da geht es eher um die Insgesamt-Performance unter Einrechnung der integrierten Grafik, um Verlustleistung und eine günstige Preislage), aber die für die Performance von Bulldozer eine wichtige Rolle spielen können. Mit Trinity kann AMD also die Piledriver-Rechenkerne schon mal ein wenig austesten und bei Bedarf dem kommenden Bulldozer-Design gewisse Änderungen angedeien lassen – natürlich nur, wenn man dies rechtzeitig entdeckt, im Auslieferungszustand ist viel zu wenig Zeit für Änderungen am wenige Monate nachfolgenden Bulldozer.
Für den Hardware-Enthusiasten bedeutet diese Strategie, daß Piledriver nicht gleich Piledriver ist und daß somit die Chance besteht, daß AMD aus dem Piledriver-basierten Bulldozer-Prozessor bemerkbar mehr Pro/MHz-Leistung herausholt als aus dem Piledriver-basierten Trinity-Prozessor. Allerdings werden alle Vorhersagen schwieriger, denn somit wird sich noch viel weniger aus dem kommenden Trinity-Launch (irgendwann Frühsommer, hoffentlich nicht später) auf die Performance der ersten Bulldozer Refresh-Generation in Form der Vishera-Prozessoren schließen lassen. Da AMD dieses System höchstwahrscheinlich auch die kommenden Jahre bei den jeweiligen Trinity- und Bulldozer-Nachfolgern beibehalten wird, gilt diese Aussage wohl auch für die kommenden Jahre.
Heise Security vermelden einen neuen Trojaner, welcher sich clever unter dem Radar der meisten Virenscanner bewegt. Dazu wird der eigentliche Schadcode nicht direkt auf den Rechner geladen, sondern eine funktionell ungefährliche Visual-Basic-Datei bezieht den eigentlichen Schadcode aus dem HTML-Code einer Webseite und führt diesen Schadcode gleich direkt im Arbeitsspeicher aus. Damit wird das Funktionsmodell der meisten Virenscanner untergraben, welche üblicherweise nur auf der Festplatte liegende Dateien beim Öffnen oder Schreiben prüfen. Derzeit handelt es sich nur um einen Trojaner, welcher eine solche Technologie nutzt – da aber das Modell sehr erfolgversprechend aussieht, könnte es in Zukunft noch viel mehr solcherart Trojaner geben.
Abhilfe hier gegenüber kann ein verhaltensbasierte Erkennungsmodell des Virenscanners sein – diese verhaltensbasierten Erkennungsmodelle sind aber bei weitem nicht perfekt und mit Fehlalarmen behaftet, welche es für den wenig erfahrenen Windows-Nutzer schnell unpraktikabel machen. Das einzige, was hier wirklich sicher funktioniert, ist eine Personal Firewall, die zur (semi-manuellen) Kontrolle auch der ausgehenden Verbindungen eingesetzt wird – mittels dieser kann man nämlich den kompletten Internetzugriff der das ganze startenden Visual-Basic-Datei untersagen.
Kritisch wird es, sofern deren Internetzugriff vonnöten oder plausibel ist – beispielsweise, um mittels der startenden Visual-Basic-Datei irgendetwas harmloses nachzuladen. Wenn man beispielsweise an eine reguläre Downloader-Datei für irgendeine harmlose Software den Nachladecode für die trojaner-infizierte Software dranhängt, kommt man in größte Nöte: Der Internet-Zugriff wird gewährt, weil der Zweck als Downloader dies bedingt und sowohl die startende Datei als auch die damit heruntergeladene Software auch nachprüfbar sind virenfrei – nur daß die startende Visual-Basic-Datei im Hintergrund die trojaner-infizierte Webseite geöffnet und sich von dieser den Trojaner-Code geholt sowie schon längst ausgeführt hat.
Ob das Benutzer-Modell von Windows 7 hier weiterhelfen kann, ist auch nicht ganz klar: Im derzeit konkreten Fall, wo sich der Trojaner gleich ins Systemverzeichnis zu schreiben versucht, würde das wohl daran scheitern, wenn man unter Windows 7 üblicherweise nur mit eingeschränkten Rechten unterwegs ist. Geht ein anderer das gleiche Funktionsmodell benutzender Trojaner dagegen weniger aggressiv zu Werke oder trickst das Benutzer-Modell irgendwie aus, wird dieser wohl doch irgendwie durchkommen können. Die Crux an der ganzen Sache ist weniger mit Sicherheitseinstellungen etc. zu lösen als vielmehr dem Fehler im Design geschuldet, daß aus dem Internet geladene Daten einfach so im Arbeitsspeicher als Code ausgeführt werden können – ohne daß das ganze vorher jemals ein Virenscanner zu Gesicht bekommen hat.
Es bleibe abzuwarten, wie heftig diese Sicherheitslücke zukünftig ausgenutzt wird und ob andere Sicherheitsmechanismen in der Praxis dann doch greifen (oder eben nicht). Generell betrachtet kann man anhand dieses Falles aber durchaus über eine Designänderung an Windows nachdenken – alternativ müssen die Hersteller von Antiviren-Software dringend über den Erfassungshorizont ihrer Produkte nachdenken, welcher nun offenbar wirklich einfachst zu unterlaufen ist.
Wie TweakPC in Berufung auf AMD vermelden, sind die kürzlich berichteten Bilder eines (angeblichen) Referenzdesigns der Radeon HD 7950 "Fake" – und damit ein weiteres journalistisches Ruhmesblatt jener tschechischen Webseite, welche auf die gefälschten Bilder auch noch groß und breit seine Webseiten-URL draufknallen musste. Seitens Kotaku kommt die Meldung, die Xbox 720 würde möglicherweise keine gebrauchten Spiele abspielen können. Technisch würde dies im übrigen augenscheinlich eine Online-Verbindung bei jedem Spielstart vonnöten machen, offline nutzbare Spiele würde es dann nicht mehr geben können. Was die Spielepublisher ob der Austrockung des ungeliebten Gebrauchtmarks freut, ärgert natürlich den für alles zahlenden Konsumenten – und so ist diese Meldung als höchst unsicher zu betrachten, denn auch Microsoft kann sich ausrechnen, daß dieser Punkt die Verkäufe der Xbox 720 ausbremsen wird.
Ergänzend zu den ersten Benchmark-Werten zur Radeon HD 7950 sind bei den Overclockers.co.uk sowie Donanim Haber weitere Benchmarks zur am 31. Januar offiziell antretenden Radeon HD 7950 aufgetaucht. Bei letztgenannter Seite hat man sich auf ein paar 3DMark-Werte konzentriert, welche leider recht wenig zu einem schlüssigen Gesamtbild beitragen. Interessant sind allerdings die Skalierungs-Benchmarks mit der Radeon HD 7950 auf dem Takt der Radeon HD 7970: Auf 16 Prozent mehr Chip- und 10 Prozent mehr Speichertakt gab es nur 5 Prozent mehr Performance unter dem 3DMark11 in der (eigentlich ausreichend Grafikkarten-limitierten) Extreme-Einstellung.
| Quelle: Donanim Haber | 3DMark Vantage | 3DMark11 Extreme | 3DC Performanceindex |
|---|---|---|---|
| GeForce GTX 580 | 22212 (-18,3%) |
2081 (-21,0%) |
280% |
| Radeon HD 7950 | 25714 (-5,4%) |
2385 (-9,5%) |
270% bis 280% |
| Radeon HD 7950 @ 925/2750 MHz | 26214 (-3,6%) |
2519 (-4,4%) |
- |
| Radeon HD 7970 | 27195 (100%) |
2635 (100%) |
330% |
Die Overclockers.co.uk setzen hingegen auf Benchmarks unter Unigine Heaven, was mal eine Abwechslung zu sonst üblichen 3DMark-Zahlen bedeutet. Interessanterweise soll laut Overclockers.co.uk die Radeon HD 7950 aber per default nicht mit 800 MHz, sondern mit 810 MHz Chiptakt antreten – sicherlich kein bemerkbarer Unterschied, aber dennoch eine andere Information (die ursprünglich bei Overclockers.co.uk zu sehenden Taktangaben wurden inzwischen gelöscht, liegen uns aber vor). Daneben hat man sich bei den Overclockers.co.uk vor allem auf Übertaktungs-Benchmarks konzentriert: Zum einen konnte man die Radeon HD 7950 mit dem normalen BIOS auf 1025/3150 MHz treiben, was aber "nur" die Limits der Treiber-eigenen Overdrive-Funktion darstellt.
Mittels des BIOS einer Asus Radeon HD 7970 war dann wesentlich mehr möglich, die Radeon HD 7950 ging sogar auf 1180/3600 MHz (!) hinauf, eine Radeon HD 7970 selber auf 1225/3900 MHz. Diese Übertaktungserfolge sollte man allerdings nicht als selbstverständlich ansehen, vermutlich dürften jene die Speerspitze des machbaren bei der Radeon HD 7900 Serie darstellen. Die Radeon HD 7950 blieb im übrigen trotz des BIOS der Radeon HD 7970 bei ihren 1792 Rechen- und 112 Textureneinheiten, eine Freischaltung der Radeon HD 7950 zur Radeon HD 7970 dürfte es also nicht geben.
| Quelle: Overclockers.co.uk | Unigine Heaven 1680x1050 4xAA | Unigine Heaven 1920x1080 4xAA | Unigine Heaven 2560x1600 4xAA |
|---|---|---|---|
| Radeon HD 7950 | 54,8 fps | - | - |
| Radeon HD 7950 @ 1025/3150 MHz | 67,1 fps | - | - |
| Radeon HD 7950 @ 1180/3600 MHz | 76,9 fps | 68,2 fps | 40,1 fps |
| Radeon HD 7970 @ 1225/3900 MHz | 82,3 fps | 73,2 fps | 43,4 fps |
| GeForce GTX 580 3GB @ 902/1804/2177 MHz | - | 51,4 fps | 29,0 fps |
Die Benchmarks der Radeon HD 7950 sehen unter Übertaktung exzellent aus, die GeForce GTX 580 wird trotz ihrer 3 GB Speicher und trotz der ebenfalls heftigen Übertaktung unter Unigine Heaven in der gewählten Einstellung (Tesselation = Normal) klar geschlagen. Damit geht die Radeon HD 7950 mit guten Vorzeichen in die kommende Woche, wo es dann endlich umfassende Zahlen zu dieser Karte geben wird. Die aktuellen Vorab-Benchmarks zur Radeon HD 7950 sind bei aller Liebe zwar nett, zeigen aber leider doch nur Ausschnitte aus dem Performancebild und geben daher keinen brauchbaren Hinweis auf die Gesamt-Performance dieser neuen AMD-Karte.
Diese beachtenswerte Aussage hat Apple CEO Tim Cook anläßlich der Bekanntgabe der Apple-Geschäftszahlen abgegeben, welche vom Spiegel begleitet werden. Und rein vom aktuellen Wachstum her scheint es auch in keine andere Richtung gehen zu können: Allein Apples iPad 1/2 erzielte im vierten Quartal 2011 einen Stückzahlen-Umsatz von vergleichsweise 17% des gesamten PC-Marktes, ein Jahr zuvor waren es erst 7 Prozent. In dieser Rechnung sind die anderen Tablet-Anbieter und deren vielfältige Modelle noch gar nicht enthalten (wobei die Frage gestellt werden darf, ob deren Effekt wirklich so groß ist angesichts der Stärke von Apple in diesem Segment).
Vergessen wird bei aller Euphorie über Tablets oder auch Apple jedoch gern der Punkt, daß wir uns derzeit in einer klaren Boom-Phase für das Tablet-Segment befinden – und alle Boom-Phasen irgendwann einmal zu Ende gehen und danach der normale, knapp kalkulierte Markt beginnt. Gerade Apples Aussichten mit dem iPad sind doch als allererstes begrenzt – denn wer glaubt, daß man ein Tablet mit diesem Preispunkt im asiatischen Massenmarkt unterbringen kann?! Apple kann an dieser Stelle gern seine – das iPad produzierenden – Arbeiter bei Foxconn fragen, ob diese Bedarf bzw. die finanziellen Möglichkeiten zu solcherart Gerätschaften haben.
Schon mittelfristig wird sich unserer Meinung nach gerade Apple damit konfrontiert sehen, daß die Konkurrenz viel bessere Preispunkte bei Tablets bietet, ohne technisch deswegen minderwertig zu sein. Viele Apple-Kontrahenten müssen zwar erst noch lernen, ein so rundes Produkt wie Apple selber zu bieten – bisher war man aus dem Smartphone- und PC-Bereich her gewohnt, halbwertige Lösungen mit kleinen Fehlern auf die Menschheit loslassen zu können, weil es die Konkurrenz ja auch nicht besser machte. Aber dieser Punkt ist erlernbar – und dann kann es zur Situation kommen, daß andere Hersteller gleichwertiges zum iPad für 300 Euro oder weniger anbieten.
Die Hardware selber macht diese Preislage möglich, denn die Tablets haben zwar viele nette Innereien, aber es fehlen – im Gegensatz zum PC – die teuren Chips für CPU und Grafik. Das Tablet ist leistungsmäßig noch klar unterhalb heutiger Netbooks einzuschätzen – und die sind mit 300 Euro sehr gut bemessen und stehen mit diesem Preispunkt schon unter dem Druck von günstigen Notebooks, welche leistungsmäßig noch einmal viel besser daherkommen. Nicht umsonst stimmten in einer früheren Umfrage satte 84 Prozent der Umfrage-Teilnehmer dafür, daß langfristig gesehen ein gerechtfertigter Preis für ein 10-Zoll-Tablet bei nur bis zu 300 Euro liegen darf.
Die aktuell hohen Preis des iPads und auch von einigen dessen Kontrahenten sind also eine Momentaufnahme, welche nicht ewig so weitergehen wird. Mit der Zeit wird ein natürlicher Preiskampf einsetzen – und die Hersteller mit den günstigen Preisen können von diesem wirklich profitieren, weil jene Hersteller im Gegensatz zu Apple mit seiner Hochpreisstrategie dann auch Zugriff auf den (volumenstarken) asiatischen Massenmarkt erlangen können.
Genau dieses Volumen kann eines Tages dazu führen, daß der Tablet-Markt stückzahlentechnisch am PC-Markt vorbeizieht, wie vom Apple-CEO prognostiziert. Eine gewisse Unwägbarkeit ist hier allerdings, ob der Konsument im asiatischen Massenmarkt – bei der Wahl zwischen einem Tablet oder einem PC – nicht doch den PC vorzieht, da dieser leistungsfähiger sowie universeller ist und im Gegensatz zur westlichen Welt üblicherweise kein Geld für gleich zwei Geräte vorhanden ist. Mit einer weiteren Zunahme der Mittelschicht in Asien kann sich dieses Problem allerdings irgendwann auch verflüchtigen.
Klar ist jedoch in jedem Fall, daß ein stückzahlentechnischer Sieg der Tablets über den PC nur auf Basis von Niedrigpreisen vonstatten gehen kann, was zwar für gut bejubelbare Stückzahlenerfolge sorgen, aber auf der Umsatzseite weit weniger deutliche Wachstumsschübe auslösen wird. Gerade Apple wird davon betroffen sein – gut möglich, daß man in einigen Jahren glatt doppelt so viele iPads ausliefern muß, nur um auf denselben Umsatzwert zu kommen. Dabei sind langfristige Entwicklungen wie das mögliche Aufkommen von "Stream-Tablets" mit Wegwerf-Preisen noch gar nicht eingerechnet.
Lange Rede, kurzer Sinn: Aus einer Eurphoriephase heraus auf eine langfrististige Geschäftsaussicht zu schließen, ist immer eine törichte Sache – der Fall der Netbooks mag die Hersteller hieran (teilweise sicherlich schmerzlich) erinnern. Die einzige sichere Prognose, welche man derzeit zu Tablets abgegeben kann, geht in eine – aus Sicht der Hersteller – eher negative Richtung, nämlich daß deren Preise wohl schon mittelfristig sehr deutlich fallen werden. Rein stückzahlentechnisch wird sich natürlich eine weitere Entwicklung in die richtige Richtung ergeben – aber den ganz großen Schub wird es erst mit wirklichen Niedrigpreisen geben. Auf dem richtigen Preispunkt sind irgendwann sicherlich mehr Tablets als PCs verkaufbar – nur wird dies dann eben kaum noch vergleichbar sein, es werden schließlich auch mehr Smartphones als PCs verkauft.
Nach Intel hat nun auch AMD seine Quartalszahlen für das vierte Quartal 2011 sowie das gesamte Geschäftsjahr 2011 bekanntgegeben. Im Gegensatz zu Intel war das vierte Quartal sogar (denkbar knapp) beim Umsatz besser als das dritte Quartal – was bedeutet, daß AMD ohne die bemerkbar bremsende Festplatten-Krise beim Umsatz durchaus ein Spitzen-Quartal hätte hinlegen können. Der Gewinn wurde allerdings durch erneute Abschreibungen (diesesmal auf GlobalFoundries) nominell ins erste Minus seit fünf Quartalen gedrückt, wenigstens der operative Gewinn hielt sein positives Vorzeichen (seit immerhin neuen Quartalen nunmehr).
Die Gesamtabrechnung für das Jahr 2011 sieht damit aber trotzdem nur arg durchschnittlich aus: Beim Umsatz sowie beim nominellen Gewinn konnte man gegenüber 2010 nur äußerst marginal zulegen, der operative Gewinn ging sogar bemerkbar zurück. Auch im Vierjahres-Vergleich gegenüber dem Geschäftsjahr 2007 zeigen sich keine deutlichen Fortschritte: Gegenüber diesem Vorkrisen-Jahr konnte AMD innerhalb dieser vier Jahre nur 9 Prozent mehr Umsatz machen – allein die Gewinnsparte sieht hier deutlich freundlicher aus, denn im Jahr 2007 (und 2008) musste AMD auf der Gewinnseite Milliarden-Abschreibungen aus der ATI-Übernahme verkraften und war seinerzeit weit entfernt von schwarzen Zahlen.
| AMD | Intel | nVidia | ||||
|---|---|---|---|---|---|---|
| (Mill. $) | Umsatz | Gewinn (operativ) | Umsatz | Gewinn (operativ) | Umsatz | Gewinn (operativ) |
| Q4/06 | 1773 | -574 (-529) | 9694 | 1501 (1488) | 878 | 163 (138) |
| Q1/07 | 1233 | -611 (-504) | 8852 | 1610 (1675) | 844 | 132 (141) |
| Q2/07 | 1378 | -600 (-457) | 8680 | 1278 (1350) | 935 | 172 (184) |
| Q3/07 | 1632 | -396 (-226) | 10090 | 1860 (2247) | 1115 | 235 (247) |
| Q4/07 | 1770 | -1772 (-1678) | 10712 | 2271 (3047) | 1202 | 256 (262) |
| Q1/08 | 1456 | -358 (-214) | 9673 | 1443 (2062) | 1153 | 176 (202) |
| Q2/08 | 1349 | -1189 (-143) | 9470 | 1601 (2255) | 892 | -120 (-155) |
| Q3/08 | 1797 | -127 (122) | 10217 | 2014 (3098) | 897 | 61 (56) |
| Q4/08 | 1162 | -1436 (-1274) | 8226 | 234 (1539) | 481 | -147 (-175) |
| Q1/09 | 1177 | -416 (-298) | 7145 | 647 (670) | 664 | -201 (-230) |
| Q2/09 | 1184 | -330 (-249) | 8024 | -398 (-12) | 776 | -105 (-110) |
| Q3/09 | 1396 | -128 (-77) | 9389 | 1856 (2579) | 903 | 107 (107) |
| Q4/09 | 1646 | 1178 (1288) | 10569 | 2282 (2497) | 982 | 131 (134) |
| Q1/10 | 1574 | 257 (182) | 10299 | 2442 (3448) | 1001 | 137 (147) |
| Q2/10 | 1653 | -43 (125) | 10765 | 2887 (3981) | 811 | -141 (-175) |
| Q3/10 | 1620 | -118 (128) | 11102 | 2955 (4136) | 843 | 84 (103) |
| Q4/10 | 1650 | 375 (413) | 11457 | 3388 (4347) | 886 | 171 (179) |
| Q1/11 | 1610 | 510 (54) | 12847 | 3160 (4158) | 962 | 135 (154) |
| Q2/11 | 1574 | 61 (105) | 13032 | 2954 (3935) | 1017 | 151 (174) |
| Q3/11 | 1690 | 97 (138) | 14233 | 3468 (4785) | 1066 | 178 (197) |
| Q4/11 | 1691 | -177 (71) | 13900 | 3400 (4600) | ||
| 2007 (Mrd) | 6,01 | -3,38 (-2,87) | 38,34 | 7,01 (8,31) | 4,09 | 0,79 (0,83) |
| 2008 (Mrd) | 5,76 | -3,12 (-1,51) | 37,58 | 5,29 (8,95) | 3,42 | -0,03 (-0,08) |
| 2009 (Mrd) | 5,40 | 0,30 (0,66) | 35,12 | 4,38 (5,73) | 3,32 | -0,07 (-0,10) |
| 2010 (Mrd) | 6,49 | 0,47 (0,84) | 43,62 | 11,67 (15,91) | 3,54 | 0,24 (0,25) |
| 2011 (Mrd) | 6,57 | 0,49 (0,37) | 54,01 | 12,98 (17,49) | ||
Diese schwarzen Zahlen sind nunmehr – trotz des kleinen Rückfalls im vierten Quartal 2011 – zwar sicher erreicht, dümpeln nun aber seit einiger Zeit auf arg niedrigem Niveau nur so vor sich hin. Der Grund hierfür ist einfach AMDs derzeitige Marktstellung primär im Segment der LowCost- und Mainstream-Prozessoren bei einem gleichzeitigen klaren Rückstand in der Fertigungstechnologie. AMD hat es in den letzten Jahren nicht verstanden, entweder entsprechend leistungsfähige Prozessoren zu bringen, für welche man dann auch einmal höhere Verkaufspreise verlangen kann – oder alternativ die Produktionskosten wenigstens den niedrigen aktuellen Abgabepreisen anzupassen.
So verkauft AMD mit Llano eine CPU mit einer Die-Fläche von 228mm² in einem Preisbereich, wo Intels Prozessoren (Sandy Bridge Zweikerner) eine Die-Fläche von nur 131mm² bzw. 149mm² aufweisen und demzufolge vermutlich deutlich günstiger zu fertigen sind. Selbiges gilt für Bulldozer: Hier muß AMD ganze 315mm² Die-Fläche aufbieten, um mit einem Intel-Design (Sandy Bridge Vierkerner) mit nur 216mm² Die-Fläche konkurrieren zu können – und selbst dieses gelingt dann nicht wirklich. Einzig allein das Bobcat-Design konnte mit einer Die-Fläche von 75mm² das (bisherige) Intel-Pendant Atom Pineview mit 87mm² Die-Fläche schlagen, hinzu kam hier auch noch ein klarer Vorteil bei der Leistungsfähigkeit der integrierten Grafiklösung.
AMDs Erfolge liegen damit aber zu sehr im LowCost-Segment, wo die Gewinnmargen allgemein niedrig ausfallen und nur über sehr große Stückzahlen – die es bei Intel, aber weniger bei AMD gibt – etwas zu holen ist. Aufgrund der Stärke von Intel sowohl bei den Produkten als auch den OEM-Beziehungen dürfte AMD zudem oftmals gezwungen sein, seine Produkte den OEMs mit deutlichen Preisnachlässen anbieten zu müssen – jenes Dilemma ist nur zu lösen über klar überzeugende Produkte, welche die OEMs schlicht von sich aus nachfragen.
Die Bobcat/Llano-Schiene ist dabei aber dennoch ein erfolgsversprechender Ansatz: OEMs lieben nun einmal den Bezug von vielen Komponenten aus möglichst wenigen Händen, hinzu kommt die feature- und performancetechnisch ebenfalls für die OEMs sehr interessanten integrierten AMD-Grafiklösungen, welche zudem im Praxiseinsatz die wenigsten Supportausgaben versprechen. Daß der PC-Markt der näheren und mittelfristigen Zukunft vor allem im Segment der preisgünstigen Komplett-PCs & Notebooks stattfinden wird, weil damit die PC-Erstausstattung der neuen Mittelschicht in Ostasien (plus Indien) begründet wird, kommt AMD hier zusätzlich entgegen – denn genau das bietet AMD mit Bobcat & Llano an.
Trotzdem muß AMD verstärkt Wege finden, um gerade angesichts der nun kaum steigenden Abgabepreise auf Basis der vorhandenen Preissituation Gewinne mit seinen dafür gebauten Prozessorendesigns zu erwirtschaften. AMD scheint sich mit Bobcat & Llano für die nächsten Jahre eine starke Stellung im LowCost-Segment aufzubauen, dies muß nun endlich auch ausgenutzt werden. Sollte dies gelingen und AMD auf Basis seiner LowCost-Geschäfte bemerkbare Gewinne erwirtschaften, dann wäre dies die solide Basis, welche AMD langfristig einfach braucht. Mit neuen Angriffen im Performance-Segment muß sich AMD natürlich nicht so lange zurückhalten, die sind jederzeit gern gesehen – nur kurzfristig aufgrund des momentan erheblichen Rückstandes eher unwahrscheinlich.
Leider kaum zu beurteilen ist, was die Grafikchip-Sparte exakt zum Ergebnis von AMD beiträgt: Diese macht zwar bescheidene Gewinne, deren Umsatzanteil hat AMD jedoch nicht bekanntgegeben. Allerdings gibt AMD ein eher schleppendes Geschäft mit seinen Grafikchips an – bei interessanterweise steigenden durchschnittlichen Abgabepreisen. Hier schlägt wohl der Effekt der leistungsfähigen integrierten Grafiklösungen in den letzten Prozessoren von AMD und Intel zu, wonach viele Komplett-PCs heutzutage auf extra LowCost-Grafikkarten verzichten. Diese Problematik wird wohl im Laufe des Jahres 2012 zu einem fast totalen Verlust des Marktes an LowCost-Grafikkarten führen.
Umsatz-technisch dürfte dies einige Auswirkungen haben, Gewinn-technisch aber weniger, da mit LowCost-Grafikkarten immer nur unter extremen Stückzahlen etwas zu holen war. Gerade der Verlust dieser Geschäftssparte macht es für AMD aber natürlich noch wichtiger, sich mit Bobcat & Llano bestmöglich im Markt zu positionieren und vor allem zukünftig mal richtig Gewinn mit diesen Prozessoren zu erwirtschaften. Zudem muß sich AMD aber auch hinterfragen, wieso die eigene Grafiksparte nur so durchschnittliche Zahlen abwirft, während – angesichts von Marktverhältnissen von grob 50:50 zwischen den beiden großen Grafikchip-Entwicklern – nVidia doch regelmäßig ansprechende Umsatz- und Gewinnzahlen (fast) allein nur mit seinen Grafikchips postet.