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Zu den Architektur-Fortschritten von AMDs Tonga-Chip bzw. der GCN 1.2 Architektur

Die X-bit Labs berichten über die Architektur-Unterschiede des Tonga-Grafikchips der am 2. September (wohl gegen Nachmittag/Abend deutscher Zeit) antretenden Radeon R9 285 gegenüber den bisherigen AMD-Grafikchips der GCN-Ära. Intern wird der Tonga-Chip bei AMD als "dritte GCN-Generation" betrachtet, in der Fachpresse dürfte das ganze wegen der bislang nicht bahnbrechnenden Unterschiede wohl "GCN 1.2" genannt werden, nachdem die ursprüngliche Southern-Islands-Generation das Label "GCN 1.0" bekommen hatte und die nachfolgenden Bonaire- und Hawaii-Chips wegen ihrer stark verbesserten ACEs gern mit dem Label "GCN 1.1" bezeichnet werden. Folgendes soll dann GCN 1.2 bzw. der Tonga-Chip besser machen:

    GCN 1.2 Verbesserungen

  • aktualisiertes Instruktions-Set
  • verbesserte Tesselations-Performance
  • Delta-Farkkompression zur Reduzierung des Bandbreitenbedarfs insbesondere in höheren Auflösungen
  • neuer Universal Video Decoder (UVD) 6.0, neue Video Encoder Engine (VCE) 3.1, neuer Video-Scaler

Letztgenannter Punkt der GCN 1.2 basierten Grafikchips – wobei anzunehmen, aber nicht sicher ist, daß die nachfolgenden AMD-Grafikchips "Bermuda" und "Fiji" ebenfalls zu dieser Generation gehören – ist natürlich keine Architektur-Änderung im eigentlichen Sinne, dazu zählen nur die drei erstgenannten Punkte. Allerdings ist auch bei den drei erstgenannten Punkt unklar, wie hoch die Schlagkraft der einzelnen Veränderungen ist: Das aktualisierte Instruktions-Set dürfte keinerlei kurzfristige Auswirkungen haben, so etwas wird seitens der Spieleprogrammierer erst im Laufe der Jahre wirklich ausgenutzt. Bei der verbesserten Tesselations-Performance ist unklar, ob an den Tesselations-Einheiten intern wirklich etwas getan wurde – oder ob AMD hierbei einfach nur auf die bei Tonga gegenüber Thaiti verdoppelten Raster-Engines (mit natürlich verdoppelten Tesselations-Einheiten) anspielt. Im letzteren Fall wäre dies dann auch keine Architektur-Verbesserung im eigentlichen Sinne mehr.

Bleibt letztlich als einziges wirklich zugkräftiges Feature von GCN 1.2 die Delta-Farkkompression zur Reduzierung des Bandbreitenbedarfs insbesondere in höheren Auflösungen – was speziell gut zum Tonga-Chip und seinem gegenüber den vorhergehenden Tahiti-Chip kleinerem Speicherinterface passt. Den ganz großen Schub sollte man sich hiervon allerdings besser (noch) nicht versprechen, denn verschiedene Arten von Bandbreiten-Kompression beherrschen schon die AMD-Grafikchips seit dem R300-Chip der Radeon 9700 Serie von anno 2002. Man muß den konkreten Effekt des Features schlicht in der Praxis beobachten – vorteilhafterweise benötigt jenes Feature wohl keinerlei Anpassung seitens der Software-Entwickler, sondern wird von den Grafikchips rein intern und automatisch angewandt. Wohin dies führt, wird man wohl ziemlich einfach an Benchmarks von Tonga (256 Bit DDR Speicherinterface) gegen Tahiti (384 Bit DDR Speicherinterface) unter höheren Auflösungen (ab 2560x1440) sehen können.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 30./31. August 2014

Wie verschiedenen Hardwaretestern zu Intels Haswell-E auffiel, hat der offiziell als "2011-v3" bezeichnete Sockel eigentlich 2084 Kontaktstellen. Mainboard-Hersteller Asus legt nun zwei X99-Mainboards auf, welche diese zusätzlichen Kontaktstellen ausnutzen und damit eine höhere CPU-Spannung von bis zu 2,2V ermöglichen. Aufgrund der Spannungs-Höhe ist dies allerdings nur für Extrem-Übertaktungen interessant – während im Normalfall die zwei Asus-Boards mit "Sockel 2084" diverse Garantie- und Gewährleistungs-Fragen aufwerfen. Zwar gibt Asus weiterhin die gleiche Garantie für seine Mainboards, aber im Fall eines Defekts der Intel-CPU kann sich Intel aber natürlich auf den Standpunkt zurückziehen, daß jene nicht Spezifikations-gerecht betrieben wurde. Die PC Games Hardware bietet hierzu ein paar Anhaltspunkte, wie das ganze sich auf Garantie & Gewährleistung auswirkt.

Prinzipiell kann man allerdings sagen, daß diese Asus-Mainboards vermutlich kaum für irgendwelche abrauchenden CPUs sorgen sollten, nur weil die CPU mit mehr Kontaktstellen verbunden ist als von Intel zertifiziert wurde. Die zusätzlichen Kontaktstellen werden schließlich von Intel selber während der internen Validierungsphase bei jeder einzelnen hergestellten CPU benutzt. Und letztlich dürften jene Prozessoren wohl kaum im unübertakteten Zustand betrieben werden, im übertakteten Zustand geht die freiwillige Hersteller-Garantie aber sowieso schon flöten. So lange es keine handfesten Gegenanzeigen gibt, erscheint es als unwahrscheinlich, daß dieser Sondersockel von Asus irgendwelche Probleme macht. Und noch viel einfacher kann man es sich machen, wenn man schlicht diesem speziellen Produkt aus dem Weg geht – es gibt genügend andere potente X99-Mainboard für Haswell-E.

Die abschließende Grafik zur Haswell-E Launch-Analyse enthielt leider noch einen kleinen Umrechnungsfehler, in dessen Folge die Performance unter Übertaktung der verschiedenen Intel K/X-Prozessoren leicht zu niedrig angegeben wurde. Die relativen Unterschiede der Prozessoren sind dieselben, aber die absolute Höhe der Performance im Übertaktungsbetrieb wurde nunmehr erneut ausgerechnet und in nachfolgendes überarbeitetes Diagramm gepackt. Sehr gut zu sehen ist hierbei, wie die Performance einiger dieser K/X-Prozessoren unter Übertaktung deutlich davonzieht, während andere Prozessoren mit schwachem (relativen) Übertaktungsgewinn durch ihre Übertaktung kaum an Performance hinzugewinnen.

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Wie ist der Ersteindruck zu Intels Haswell-E?

Alle Entscheidungsgrundlagen zur dieser Frage findet man in der Launch-Analyse zu Intels Haswell-E sowie natürlich im entsprechenden Diskussions-Thread zum Launch.

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Neuer Artikel: Launch-Analyse: Intel Haswell-E

Nachdem dieses Jahr der Launch einer neuen Prozessoren-Architektur seitens Intel ausgeblieben ist und bislang nur Haswell-Refreshes samt diverser LowPower- und Mainstream-APUs von AMD neu vorgestellt wurden, gilt das ungeteilte Augenmerk im Prozessoren-Bereich sicherlich Haswell-E, mittels welchem Intel im Enthusiasten-Segment eine neue Plattform vorstellt, und dabei erstmals Achtkern-Prozessoren und DDR4-Support für das Consumer-Segment liefert. Wir fassen nachfolgend die wichtigen Dinge zum Launch zusammen und stellen vor allem einen testübergreifenden Performance-Vergleich zwischen Haswell-E, seinen Vorgängern Ivy Bridge E und Sandy Bridge E sowie natürlich auch den normalen Haswell-, Ivy-Bridge- und Sandy-Bridge-Prozessoren auf ... zum Artikel.

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DDR4-Speicher verbleibt zum Launch von Haswell-E bei 30% Preisaufschlag

Zum Launch von Haswell-E hat sich an der Preislage von DDR4-Speicher nichts entscheidendes getan – doch im Detail gab es dann doch Verbesserungen. Zwar blieb die default-Speicherbestückung von Haswell-E in Form von DDR3/2133 bei einem Preisaufschlag von 30% stehen, dafür aber konnten die höheren Speichertaktungen von DDR4 ihren Preisrückstand auf gleichgetakte DDR3-Speicher verringern: DDR4/2400 von +55% auf +45%, DDR4/2666 sogar von +65% auf +35%. Zudem verbesserte sich die Angebotslage zu DDR4/3000 nochmals, jenes wird inzwischen sogar günstiger angeboten als DDR3/2800, DDR4/2800 und DDR3/2933. Für diese hohe Speichertaktung ist auch der Mehrpreis von +45% gegenüber DDR4/2133 als durchaus vernünftig zu bezeichnen – solcherart Speichertaktungen kosten bei DDR3 jedenfalls klar mehr.

4 GB Modul   8 GB Modul
DDR3 DDR4   DDR3 DDR4
30-35€ - DDRx/1600 60-65€ -
35-40€ - DDRx/1866 65-70€ -
35-40€ 45-55€ DDRx/2133 65-70€ 85-95€
35-40€ 50-60€ (-5€) DDRx/2400 70-80€ 95-110€ (-5€)
45-50€ 60-70€ (-15€) DDRx/2666 80-100€ 120-130€ (-30€)
75-90€ 80-90€ DDRx/2800 160-190€ (-20€) 225-240€
100-130€ (-20€) - DDRx/2933 260-270€ -
180-200€ 65-75€ (-40€) DDRx/3000 ~550€ -
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Hardware- und Nachrichten-Links des 29. August 2014

Im Fall der gefälschten nVidia-Grafikkarten haben Heise nun eine Bestätigung seitens Point of View vorliegen, daß die bewußten Karten von diesem Hersteller stammen (wieso man vorher sogar Rechtsmittel androhte, um nicht in diesem Fall genannt zu werden, wird wohl das Geheimnis von PoV bleiben). Point of View sagte weiterhin aus, daß man nun intern überprüfen werde, wie es zu solchen Lieferungen kommen konnte – hoffentlich bleibt dies nicht nur eine Floskel, gegenüber dieser Möglichkeit sollte insbesondere Chipentwickler nVidia nach allen Kräften Druck ausüben. Es dürfte natürlich irgendwie darauf hinauslaufen, das jemand beim PoV-Einkauf in China geschlammpt hat und sich gefälschte Chips hat andrehen lassen – in China ist da sehr vieles möglich. Dabei muß das europäische Marketing und der Vertrieb nicht einmal eingeweiht gewesen sein – diese Möglichkeit läßt das Statement eines Ex-Mitarbeiters von PoV in unserem Forum absolut offen. Schön ist die Angelegenheit für Point of View in keinem Fall, es wird wohl auf eine gewisse Ausmistungsaktion und eine Überarbeitung der innerbetrieblichen Abläufe bei Point of View hinauslaufen.

Wie die PC Games Hardware mit Berufung auf fernöstliche Quellen vermeldet, wird schon im Oktober die "GeForce 900M Serie" an Mobile-Beschleunigern antreten, da MSI angeblich schon für den 11. Oktober die Vorstellung eines neuen Gaming-Notebooks mit (wahlweise) GeForce GTX 970M oder 980M plant. Dies sind sehr ambitionierte Pläne, wenn nVidia nur einen Monat nach den Desktop-Lösungen bereits (lieferbare?) Mobile-Lösungen bringen will. Gut möglich auch, daß die Gerüchte über eine Pin-Kompatibilität zwischen GK104- und GM204-Chip stimmen, dies würde die Evaluierungszeit der Gerätehersteller verkürzen helfen. In jedem Fall darf man diese Meldung als letztes Zeichen dafür werten, daß nVidia mit dem GM204-Chip auf dem bestem Weg ist und irgendwelche Verzögerungen & Verschiebungen nunmehr immer unwahrscheinlicher werden.

Ein interessanter Punkt speziell zu GeForce GTX 970M & 980M wird dann noch werden, um wieviel nVidia hierbei den GM204-Chip beschneiden muß, um noch halbwegs im thermischen Budget für einen Mobile-Einsatz zu liegen. Die GK104-basierte GeForce GTX 880M kommt (ohne Hardware-Abspeckungen) laut der PCGH auf eine TDP von satten 122 Watt – und dies bei einer Chipfläche von 294mm², was der nachfolgende GM204-Chip mit in Richtung ~400mm² Chipfläche deutlich schlagen wird. Solch große Grafikchips wurden lange nicht mehr in Notebooks verbaut – AMD hat es beispielsweise bislang vermieden, seinen Tahiti-Chip ins Mobile-Portfolio aufzunehmen, obwohl jener mit 365mm² Chipfläche wohl sogar etwas kleiner als der GM204-Chip ausfällt. Für den Mobile-Einsatz in schnellen, aber nicht überdrehten Gaming-Notebooks dürfte sich wohl eher nVidias Performance-Chip GM206 mit einer Chipfläche von geschätzten ~250mm² eignen, welcher später im Herbst nachfolgen soll.

Gemäß der SweClockers (maschinelle Übersetzung ins Deutsche) subventioniert nVidia die in Schweden umgerechnet ca. 2940 Euro kostende GeForce GTX Titan Z gegenüber PC-Herstellern sehr erheblich und verlangt von jenen (in Schweden) satte 37% weniger als im Einzelhandel zu löhnen ist, umgerechnet wären dies nur noch ca. 1850 Euro. Vermutlich sind die Rabatte aber sogar noch etwas höher, denn Caseking verkauft derzeit einen "CK Gaming Phenom M Titan Z" genannten Komplett-PC mit GeForce GTX Titan Z für (in der günstigsten Konfiguration) 1922 Euro, welcher ohne Grafikkarte schon ca. 450 Euro wert ist. Es scheint also, als würde nVidia die GeForce GTX Titan Z gegenüber deutschen PC-Herstellern für runde 1400 Euro abgeben – was dann nicht mehr weit weg von der für um die 1200 Euro angebotenen Radeon R9 295X2 liegt. Anders läßt sich diese bislang sehr unglücklich gelaufene nVidia-Karte auch kaum absetzen – wobei selbst dieser Preis noch als etwas hoch erscheint, immerhin sind zwei GeForce GTX 780 Ti Karten etwas schneller und kosten mit rund 1100 Euro weiterhin erheblich weniger.

Golem berichten über ein Urteil des Bundesgerichtshofs, welches den Weiterverkauf von eBooks nunmehr rechtsgültig untersagt. Als Grund wird hierbei das Urheberrecht herangezogen, man sieht mit einem Weiterverkauf wohl das "Recht der öffentlichen Zugänglichmachung" bedroht. De jure mag dies stimmen, eine wirklich schlüssige Erklärung – außer wirtschaftliche Gründe bei den Anbietern – konnte jedoch nicht vorgelegt werden. Letztlich handelt es sich hierbei weniger um Rechtsfindung, sondern vielmehr um eine Interessenabwägung: Die Interessen der Käufer am Wiederverkauf gegen die Interessen der Verkäufer gegen den Wiederverkauf – welche nun eben zuungunsten der Konsumenten ausgegangen ist. Eigentlich wäre eine solche Festlegung eher der Job des Gesetzgebers – aber dieser hält sich in solch heiklen Fragen gern zurück mit klaren Aussagen, welche letztlich nur die Wähler verärgern könnten.

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