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Die Systemanforderungen zu Project Cars

Zur lange erwarteten Auto-Simulation "Project Cars" liegen nun seitens einer Publisher-FAQ die Systemanforderungen für das am 7. Mai erscheinende Spiel auf Basis der Entwickler-eigenen "Madness Engine" vor. Abweichend von nahezu allen (wichtigen) Spiele-Releases der letzten Zeit unterstützt das Spiel sogar noch 32-bittige Windows-Versionen – was sich allerdings mit der Anforderung von minimal 4 GB und empfohlen 8 GB Hauptspeicher etwas beißt. Nutzer von 32-Bit-Windows werden damit trotzdem irgendwie noch mitkommen, gewisse Einschränkungen des maximal nutzbaren 3,5 GB Speichers unter 32-Bit muß man dann einfach akzeptieren. Ansonsten scheint das Spiel eher klar auf eine hohe Prozessorenleistung zu setzen, da schon im Minimum gleich Vierkerner in Form von Phenom II X4 940 bzw. Core 2 Quad Q8400 gefordert werden – bei den Empfehlungen geht es dann sogar hinauf bis zu FX-8350 bzw. Core i7-3770K. Ob das Spiel wirklich derart von gesteigerter Prozessorenleistung profitiert, wird sicherlich in einigen Tests zum Spiel noch nachgemessen werden.

Auf Grafikkarten-Seite werden minimal Radeon HD 5770 (Perf.Index 115%) und GeForce GTX 260 (Perf.Index ~110%) gefordert, sprich aus heutiger Sicht keinerlei beachtbaren Anforderungen. Die Empfehlungen auf Grafikkarten-Seite sind offiziell leider nicht exakt ausspezifiziert – "Radeon HD 7000 Serie" bzw. "GeForce 600 Serie" kann vieles bedeuten, da gibt es schließlich auch LowCost-Lösungen, die noch unterhalb der Minimal-Anforderungen herauskommen. Als Hinweis, wie dies wirklich gemeint ist, kann man daher die Anforderungen bei der Grafikkartenspeicher-Menge benutzen: Minimal sollen es 1 GB sein, empfohlen werden 2 GB. Rechnet man letzteres auf jene Grafikkarten innerhalb der Radeon HD 7000 bzw. GeForce 600 Serie um, welche grundsätzlich nur mit 2 GB ausgeliefert werden, so deutet dies auf Radeon HD 7870 (Perf.Index 260%) bzw. GeForce GTX 660 (Perf.Index 250%) als die eigentlichen Empfehlungen hin.

minimale Anforderungen empfohlene Anforderungen
Betriebssystem Windows Vista SP2, 7 SP1, 8 & 8.1 (32 & 64 Bit), SteamOS später im Jahr 2015
Prozessor AMD Phenom II X4 940 (4C, 3.0 GHz)
Intel Core 2 Quad Q8400 (4C, 2.66 GHz)
AMD FX-8350 (8C, 4.0 GHz)
Intel Core i7-3770K (4C+HT, 3.5 GHz)
RAM 4 GB 8 GB
DirectX DirectX 9 DirectX 11
Grafikkarte AMD Radeon HD 5770
nVidia GeForce GTX 260
AMD Radeon HD 7870
nVidia GeForce GTX 660
VRAM 1 GB 2 GB
HDD 25 GB freier Festplattenspeicherplatz
Dienste keine
Speichermenge und Anzahl an CPU-Rechenkernen werden in aller Regel nicht zwingend vorausgesetzt

Dies dürfte letztendlich auch eine für die meisten ernsthaften Gamer bezwingbare Anforderung sein, womit jene dann Project Cars in der höchsten Bildqualität genießen werden können. Die Performanceklasse der Empfehlungen sowie der Unterschied zwischen Minimum und Empfehlungen (das ~2,3fache) dürften zudem noch genügend Platz dafür bieten, das Spiel auch unter UltraHD-Auflösungen (das Spiel unterstützt bis zu 12K!) oder/und Downsampling Anti-Aliasing spielbar auf den Monitor zu bekommen. Als echter Zwang ist bei diesem Spiel letztlich nur eine DirectX-9-Grafikkarte zu notieren. Ein 64-Bit-Windows ist dagegen wie genannt nicht vonnöten, die minimal angeforderten vier CPU-Rechenkerne und 4 GB Hauptspeicher werden wohl nicht wirklich erzwungen – so daß auf der anderen Seite Project Cars auch mit einer Vielzahl älterer und schwächerer Hardware zurechtkommen dürfte.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 18./19. April 2015

Eine andere Erkenntnis aus AMDs schlechte Quartalszahlen ist der Punkt, daß AMD augenscheinlich keinerlei Vorteil aus der GTX970-Affäre seitens nVidia ziehen konnte (ob nVidia irgendwelche bedeutsamen geschäftlichen Nachteile erlitten hat, wird man in einem Monat zur Vorlage der nächsten nVidia-Geschäftszahlen sehen). Hier spielt sicherlich auch mit hinein, daß sich das AMD-Marketing diese Chance maßgeblich hat entgehen lassen. Im Fixxer-3-Video gibt es eine (wohl erst kurz vor Release eingebaute) Textstelle hierzu – und das war es dann seitens AMD. Keinerlei Pro-4GB-Präsentationen, keine Nutzung des Social Web (beispielsweise ein Wettbewerb zum besten Anti-GTX970- oder Pro-4GB-Meme), keine subventionierte Umtauschaktion nVidia zu AMD – einfach nur gar nichts seitens AMDs Marketing, ein glatt verweigerter Elfmeter.

Ob dies damit zusammenhängt, daß die GTX970-Affäre in den englischsprachigen Ländern (und damit in den Stammwerken von AMD und nVidia) einfach nicht so dramatisch gesehen wird, oder daß das AMD-Marketing nach den Personalkürzungen der vergangenen Zeit einfach nicht mehr genug Manpower für so etwas hat – man weiß es nicht. Fakt ist, daß AMD sich hier eine selten gebotenen Chance hat entgehen lassen, ohne wirklich großen Aufwand richtig viel Aufmerksamkeit zu erzeugen, eventuell sogar das teilweise übertrieben blütenweise Bild nVidias im allgemeinen Markt ein wenig anzukratzen. Nun hängt alles an den kommenden Produktlaunches der nächsten zwei Grafikkarten-Generationen – Radeon R300 & Radeon R400 – welche einfach einschlagen müssen, damit sich die Marktsituation im Grafikkarten-Markt endlich wieder ein wenig zugunsten von AMD dreht.

Etwas abseits des eigentlichen Themas wird im Pirate-Island-Thread unseres Forums über AMD selber und eine mögliche AMD-Übernahme diskutiert. Zur Debatte steht hierbei insbesonders, ob eine solche Übernahme – Samsung soll angeblich (erneut) interessiert sein – überhaupt realisierbar wäre angesichts der zwingend notwendigen x86-Lizenz seitens Intel, welche nach einer Unternehmensübernahme automatisch (nach einem Jahr) erlöschen würde. Allerdings gibt es hierzu die interessante und bislang wenig bekannte Information, daß sich Intel bei der seinerzeitigen Erteilung dieser Lizenz dazu verpflichtet hat, nach einer möglichen Übernahme "in freundlicher Absicht" mit dem neuen AMD-Besitzer über eine Weiterführung dieser Lizenzvereinbarung zu verhandeln, daß notfalls sogar ein unabhängiger Richter als Entscheider hierfür hinzugezogen werden kann. Dies ändert einiges, denn somit könnte Intel vielleicht den vorsätzlich mißbräuchlichen Erwerb der x86-Lizenz verhindern, aber eben nicht ein normalen Konkurrenz-Verhältnis.

Dabei ist die Frage, ob sich Intel überhaupt ein (mögliches) Ableben AMDs leisten kann, heutzutage ambivalent zu sehen: Früher einmal gab es hierzu die klare Aussage, daß Intel wegen des harten Wettbewerbsrechts in den USA unbedingt mindestens einen potenten Kontrahenten benötigt, da ansonsten schnell eine Aufteilung des Unternehmens oder (noch schlimmer) eine behördliche Kontrolle über Preise und Entscheidungsprozesse drohen würde. Heuer nun sieht es im Geschäft mit PC-Prozessoren unverändert aus, wenn man jedoch den Blick zum groß gewordenen Geschäft mit Smartphone- und Tablet-SoCs lenkt, so hat Intel durchaus neue Konkurrenz bekommen. Allerdings ist es nach wie vor zu bezweifeln, daß sich Intel auf diese wackelige Argumentation einläßt: Auch wenn Intel (nach einem möglichen Ableben von AMD) nicht der Monopolist im Markt der Consumer-Prozessoren wäre, so wäre man es eben im Teilmarkt der PC-Prozessoren. Und da sich dieser Teilmarkt ausreichend scharf von anderen Marktsegmenten trennen läßt, entkommt man der eigentlich zu vermeidenden Monopolposition kaum – und wird daher immer versucht sein, ein Ende von AMD zu verhindern.

Das Law-Blog berichtet über ein wichtiges Gerichtsurteil zur Rechtssicherheit bei Online-Bewertungen bzw. allgemeinen Nutzerkommentaren und Kundenkritik. Danach wurde eine Klage über immerhin 70.000 Euro Schadensersatz zurückgewiesen, welche mit angeblichen Geschäftsausfällen durch eine negative Nutzerbewertung begründet wurde. Für die Richter war dabei zum einen maßgeblich, daß die Nutzerkritik inhaltlich korrekt war, zum anderen sah man durchaus ein Recht des Kunden auch auf Werturteile (sofern jene im Rahmen eines gewissen Anstands bleiben). Die gern von Herstellern und Händlern hierzu vertretene Position, daß dem Kunden eigentlich keinerlei Bewertungsspielraum (bis auf positive Stimmenabgaben natürlich) zusteht, fällt damit deutlich in sich zusammen. Prinzipiell gesehen war diese Position noch nie wirklich rechtsfähig, aber oftmals haben Hersteller und Händler entsprechende Rechtsstreitigkeiten unter Androhung gewaltiger Klagesummen vorzeitig für sich "entschieden" – gerade daher ist es ein Glückfall, daß ein Konsument die ganze Sache mal wirklich bis zum Ende ausgefochten hat.

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Werden Spiele-Distributionsdienste (Steam, Origin & Uplay) genutzt?

Es gab eine ähnliche Umfrage bereits einmal im Jahr 2011 – seinerzeit noch unter Beteilung von "Games for Windows Live", welches inzwischen auch schon wieder Geschichte ist. Die gestellte Frage bleibt jedoch die gleiche: Wie weit sind die Spiele-Distributionsdienste Steam, Origin und Uplay derzeit verbreitet – und wie weit geht die grundsätzliche Ablehnung solcher Dienste aus DRM- und anderen Gründen im Jahr 2015 noch?

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Angebliche erste Modell-Spezifikationen zu Skylake aufgetaucht

Die türkische Webseite PC FRM (maschinelle Übersetzung ins Deutsche) zeigt den Ausschnitt einer angeblichen Intel-Unterlage, welche die Modell-Spezifikationen erster Skylake-Prozessoren offenbart. Dieselbe Quelle hatte kürzlich zweifellos originale Intel-Unterlagen zu den Skylake-Chipsätzen gezeigt und erscheint damit auf den ersten Blick als seriös – wenn da nicht die zwei eher untypischen Schreibfehler in der angeblichen Intel-Unterlage ("Ghz" und "Suppord") wären und jene mit nur zwei gelisteten Prozessoren-Modellen auch noch ungewöhnlich kurz ausgefallen wäre. Somit kann derzeit nicht bestätigt werden, daß diese Informationen korrekt sind – das ganze ist als in der Schwebe befindlich zu betrachten, wartend weiterer Bestätigung aus unabhängiger Quelle.

Genannt werden in der (angeblichen) Intel-Unterlage nur die beiden ungelockten Prozessoren Core i5-6600K und Core i7-6700K, welche wie üblich die Speerspitze des Intel-Portfolios im Mainstream/Performance-Segment darstellen werden. Der Vierkerner ohne HyperThreading Core i5-6600K taktet dabei mit 3.5/3.9 GHz exakt so wie das bisher an der gleichen Stelle im Haswell-Portfolio stehende Modell, der Core i5-4690K. Der Vierkerner mit HyperThreading Core i7-6700K, kommt mit 4.0/4.2 GHz sogar leicht niedriger getaktet als das Vergleichs-Modell aus dem Haswell-Portfolio heraus, der Core i7-4790K auf 4.0/4.4 GHz. In beiden Fällen kann gesagt werden – falls sich diese Taktraten bewahrheiten – daß Intel demzufolge bei Skylake erneut keine Taktratensprünge hinlegt, sondern allein auf Verbesserungen bei der Pro/MHz-Performance sowie natürlich seine überragende Marktstellung vertraut.

Vom Haswell-zu-Skylake-Zwischenschritt Broadwell sind wie bekannt nur runde 5% mehr Pro/MHz-Performance zu erwarten, damit bleibt der Hauptteil der Last an Skylake hängen. Wenigstens bring Skylake keine neue Fertigungstechnologie mit sich, womit sich Intel bei dieser Prozessoren-Architektur voll und ganz auf Architektur-Verbesserungen konzentrieren konnte. Trotzdem sollte man eher nicht mit großartigen Pro/MHz-Gewinnen durch Skylake rechnen – seit Sandy Bridge hat Intel es niemals mehr geschafft, zweistellig oben drauf zu legen. Es dürfte generell betrachtet auch immer schwieriger werden, aus demselben grundsätzlichen Ansatz noch mehr Performance auf gleicher Taktrate herauszupressen, gerade wenn man dafür eben nicht in ineffizienter Weise Chipfläche und Stromverbrauch verschwenden will.

Dabei ist Intel der Markterfolg von Skylake sowieso schon sicher, nachdem Haswell nun wirklich lange am Markt steht und Broadwell eher nur in Feigenblatt-Manier in den Markt kommt – die Zeit ist sicher reif für eine neue Intel-Architektur im Desktop, gerade wenn man gegenüber Haswell sowohl die neue Fertigung als auch den echten Architektur-Sprung anbieten kann. Hinzu kommt der deutliche Sprung bei den Mainboard-Chipsätzen für Skylake: Jene bieten erstmals Support für DDR4-Speicher und PCI Express 3.0 im Mainboard-Chipsatz, zuzüglich wesentlich mehr PCI Express Lanes – was für deutlich mehr Möglichkeiten bei der Anbindung von Peripherie nütztlich ist. Auch wenn es offenbar keine Taktratensprünge geben wird und auch die Pro/MHz-Verbesserungen vermutlich nicht überragenden werden, dürfte doch das Gesamtpaket von Skylake durchaus überzeugend ausfallen – vielleicht nicht für Haswell-Besitzer, so aber doch für alle Besitzer früherer Intel-Systeme.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 17. April 2015

Auch beim TechSpot hat man nunmehr GTA V durchgetestet – wobei sich der Artikel auf die Auswirkungen verschiedener Grafikqualitäten konzentriert, womit man schön sehen kann, für welche Bildqualität die eigene Grafikkarte noch ausreicht. Interessanterweise wurde zudem mit dem integrierten Benchmark des Spiels getestet, die dabei erzielten Frameraten liegen allerdings in einem normal niedrigen Bereich, scheinen also durchaus verwendbar zu sein. Leider fehlen für die höheren Bildqualitäts-Einstellungen teilweise die Benchmarks unter 1920x1080, der Artikel konzentriert sich eher auf die Auflösungen 2560x1440 und 3840x2160. Die zusätzlich angestellten CPU-Benchmarks zeigen an, daß das Spiel im Gegensatz zu seinem Vorgänger selbst auf (modernen) Intel-Zweikernern noch gut läuft, mit AMD-Prozessoren (außerhalb der Spitzenmodelle) jedoch klar abfällt und generell gesprochen keinesfalls auf eine gute CPU-Bestückung für GTA V verzichtet werden sollte.

Nachzutragen zu AMDs schlechten Quartalszahlen wäre noch die erste Reaktion AMDs, welche sich vom eigenen Geschäft mit Micro-Servern trennen werden. Hierzu wurde erst im Jahr 2012 der Server-Spezialist "SeaMicro" für 334 Millionen Dollar übernommen – ob jene Sparte nun verkauft werden soll oder einfach stillgelegt wird, wurde noch nicht bekanntgegeben. In jedem Fall dürfte AMD mit dieser Entscheidung versuchen, Kosten zu sparen und damit den Kassenbestand zur Sicherung der laufenden Ausgaben oben zu halten. An den AMD-Anstregungen, mit den eigenen Prozessoren wieder besser ins Server-Geschäft hineinzukommen, ändert dies nichts, auch wenn SeaMicro hierfür natürlich ein schönes Sprungbrett gewesen wäre. Für AMD ist der Kassenbestand derzeit aber sicherlich wichtiger als solcherart Nebengeschäfte, die zudem mit dem Hauptgeschäft als Chip-Entwickler nur periphär etwas zu tun haben.

Ein anderer Punkt zu den AMD-Geschäftsergebnissen ist die hierzu gefallene Aussage zum Release neuer AMD-Grafikkarten: Wie die ComputerBase die AMD-Chefin höchstpersönlich zitiert, will AMD neue Grafikprodukte erst im zweiten Jahreshalbjahr herausbringen. Zwar soll es Informationen darüber bereits innerhalb des zweiten Quartals geben, die Launches nach dieser Aussage von höchster Stelle aber nicht mehr in diesem zweiten Quartal. Dies wäre natürlich ein herber Rückschlag, wenn AMD seinen angestrebten Termin zur Computex Anfang Juni nicht einhalten könnte und somit noch einmal mindestens einen weiteren Monat verstreichen lassen muß. Man kann nur hoffen, daß es die AMD-Chefin bei dieser Aussage nicht so besonders genau mit den Quartalsgrenzen genommen hat und sich eher weniger auf die direkten Launchtermine als vielmehr die Umsatzwirksamkeit bezogen hat. Für den Augenblick bleibt die Computex weiterhin der wahrscheinlichste Launchtermin der Radeon R300 Serie – nun aber versehen mit einem dicken Fragezeichen auf Basis dieser klaren Aussage der AMD-Chefin.

Ein starkes Plädoyer zugunsten einer (echten) Netzneutralität ergibt sich über in Indien aufgetretene Fälle: Wie der Spiegel ausführt, gibt es in Indien derzeit zwei der Netzneutralität entgegenlaufende Projekte, welche sich die Eigenheit des indischen Marktes zunutze machen, das sich die wenigsten Konsumenten einen (der üblicherweise mit extra Bezahlung der angefallenene Datenmenge versehenen) Internet-Zugänge leisten können. Ergo versuchen die Provider die Zugänge möglichst kostenfrei zu machen – und nehmen dafür dann die Webseitenbetreiber in die Zahlungspflicht. In einem Fall lief dies über die Facebook-Initiative "Internet.org", welche allerdings nur ein superkastriertes Web mit 38 Webseiten (und Facebook) anbot – in einem anderen Fall sollten die Webseitenbetreiber direkt an den Provider zahlen dafür, das die Webseiten "schnell" erreichbar wären. Aus beiden Fällen ergibt sich die Problematik, daß große, gestandene Anbieter dies durchaus zu leisten in der Lage sind, für Startups die Kosten jedoch kritisch bis desaströs sind und damit gerade diese bevorteilt werden, welche sowieso schon groß sind.

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AMD Geschäftsergebnisse Q1/2015: Der starke Abwärtstrend hält an

Prozessoren- und Grafikchip-Entwickler AMD hat seine Geschäftsergebnisse für das erste Jahresquartal 2015 vorgelegt – welche angesichts der Flaute im PC-Geschäft dieses Jahr und der vorherigen, schon schlechten AMD-Geschäftsergebnisse nicht gänzlich unerwartet erneut sehr schlecht ausgefallen sind. Gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres in Form des ersten Quartals 2014 fiel der Umsatz um satte 26,3% und stieg der nominelle Verlust um extreme 800%, der operative Verlust kehrte sich von +49 Mill. $ auf -137 Mill. $ um. Damit sehen wir eine glatte Fortschreibung der negativen AMD-Zahlen zum Jahresende 2014 – nur eben diesesmal auf auf dem (deutlich) niedrigeren Niveau eines ersten Jahresquartals. In diesem sind die Umsätze allgemein niedriger, hinzukommend AMDs deutlicher Abwärtstrend hat AMD mit nur knapp einer Milliarde Dollar Umsatz einen Negativrekord für die neuere Zeit aufgestellt: In den Zeiten nach der Übernahme von ATI war der AMD-Umsatz noch nie so niedrig (auch nicht während der Finanz- und Wirtschaftkrise) – und selbst AMD alleine betrachtet muß man wohl weit zurückgehen, um einen niedrigeren Quartalsumsatz zu finden.

Q1/2014 Q2/2014 Q3/2014 Q4/2014 Q1/2015
Umsatz 1397 Mio. $ 1441 Mio. $ 1429 Mio. $ 1239 Mio. $ 1030 Mio. $
Gewinn -20 Mio. $ -36 Mio. $ 17 Mio. $ -364 Mio. $ -180 Mio. $
operativer Gewinn 49 Mio. $ 63 Mio. $ 63 Mio. $ -330 Mio. $ -137 Mio. $
Für exakte Vergleichswerte zu AMD, Intel & nVidia zurück bis ins Jahr 2006 bitte klicken.

Hauptschuldiger für diese Misere ist das PC-Geschäft, in welchem AMD im abgelaufenen ersten Quartal gar nur noch 532 Millionen Dollar umsetzte – mit allen Prozessoren & Grafikchips für Consumer-Bedürfnisse zusammen wohlgemerkt. Dies ist inzwischen weit unterhalb dessen, was nVidia nur mit Grafikchips umsetzt und sicherlich würde AMD alleine mit diesem Geschäft inzwischen längst im Insolvenzverfahren stehen. Gerettet wird AMD über die aktuell schlechte Zeit nur durch das Geschäft mit den Konsolen-Chips – ohne die Deals für Xbox One und Playstation 4 wäre AMD derzeit schlicht nicht lebensfähig. Aber auch dieses Geschäft wird nunmehr von Quartal zu Quartal ganz natürlich schwächer, auch wenn AMD die zurückgehenden Umsätze dieser Sparte auf das Server-Geschäft schiebt (die Chips für Server, Embedded und Konsolen bilden bei AMD eine gemeinsame Sparte). Lange kann sich AMD nun nicht mehr auf den nahezu garantierten Umsätze mit den Konsolen-Chips ausruhen – eigentlich kann man es sich angesichts der jetzigen Umsatzlage schon jetzt nicht mehr.

Abschwächenderweise bildet sich mit diesen Quartalszahlen aber letztlich nur das ab, was sich mit den letzten Quartalszahlen schon andeutete: Wenn AMD in einem vierten Jahresquartal auf nur 1,24 Mrd. $ Umsatz kommt, dann sind 1,03 Mrd. $ im darauffolgenden ersten Jahresquartal nicht wirklich verwunderlich, sondern der normale Lauf der Welt. So gesehen ist AMD nicht wirklich weiter abgestürzt, nur die Tiefe des Sturzes wird nun stärker offenbar. Vor allem wird klarer, daß AMD auf diese Zahlen keinen Blumentopf gewinnen kann, faktisch ein lebender Untoter ist, welcher durchaus jederzeit tatsächlich umfallen könnte. Auch wenn das von einigen als Schwarzmalerei angesehen wird: Ein derart über die Jahre ausgeblutetes Unternehmen wie AMD wird seine Probleme damit haben, auf diesen Verlustzahlen überhaupt noch flüssig zu bleiben über die nächste Zeit, sprich die laufenden Kosten bezahlen zu können. Die 330 Mill. $ operativer Verlust im Q4/2014 konnte man noch als einmaligen Ausrutscher ansehen, aber die nun 137 Mill. $ operativer Verlust im Q1/2015 deuten darauf hin, daß AMD nunmehr jedes Quartal erheblich Geld verlieren wird.

Und zum Leidwesen von AMD sind die Aussichten auf einen schnellen Wandel eher gering: Dieses Jahr stehen auf Prozessoren-Seite nur noch ein paar APU-Projekte an, welche aber aufgrund der "Erfolge" der bisherigen AMD-APUs kaum für eine große Trendwende sorgen werden können. Die Radeon R300 Serie auf Grafikkarten-Seite erscheint da schon potenter, gerade was die absolute Leistungsspitze angeht – aber an dieser Front besteht die berechtigte Sorge, daß AMD in der Tiefe des Portfolios zu sehr auf Rebrandings setzen wird, was dann das Marktpotential dieser Grafikkarten-Serie etwas reduziert. Vor allem aber kommt AMD bei allen seinen Produkten aus einer Position des "ewigen Zweiten" (selbst wenn dies im Grafikkarten-Geschäft gar nicht so gerechtfertigt ist) und kann daher erst mit wirklich überragenden Produkten jene Erfolge erzielen können, die man eigentlich benötigen würde. Die Belieferung mit soliden, aber nicht herausragenden Produkten wird AMDs Marktstellung und damit auch den Umsätzen & Gewinnen hingegen nicht genügend Auftrieb verleihen, um AMD wirklich aus diesem tiefen Tal herausführen zu können.

Dies erscheint erst im Jahr 2016 möglich, wenn AMD mit "Zen" eine neue CPU-Prozessorenarchitektur sowie mit der Radeon R400 Serie eine neue Grafikkarten-Serie wahrscheinlich ohne jede Rebrandings zu bieten haben wird. Bis dahin wird AMD zwingend durchhalten müssen – auch wenn nicht wirklich klar ist, wie dies gelingen soll. Es ist wirklich zu hoffen, daß man bei AMD über entsprechende Notfallpläne verfügt, um die Zeitspanne bis wahrscheinlich Mitte 2016 (!) überbrücken zu können. Und selbst dann wäre AMD unmittelbar zum Erfolg verdammt: Ab dem Jahr 2016 dürften die Umsätze mit den Konsolenchips wohl spürbar zurückgehen – wenn dann Zen und die Radeon R400 Serie nicht sofort einschlagen, landet AMD schnell bei Quartalsumsätzen unterhalb von 700 Millionen Dollar, welche einfach nicht zur Kostenlage eines Unternehmens wie AMD passen. Unter Umständen ist es daher die vielleicht solidere Entscheidung, angesichts der genannten Risiken über eine Übernahme von AMD durch ein andere Unternehmen nachzudenken.

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