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Hardware- und Nachrichten-Links des 22. Oktober 2014

Die PC Games Hardware berichtet über weiter sinkende Grafikkarten-Preise: Nunmehr gibt es erste Exemplare der Radeon R9 280X, welche teilweise für knapp unter 200 Euro gesichtet worden ist. Gänzlich verwunderlich ist dies nicht angesichts einiger Preise zur Radeon R9 290X nahe der 300-Euro-Grenze: Denn wenn sich die Preise der schnellsten Modelle reduzieren, müssen oftmals wenigstens die im näheren Umfeld liegenden Grafikkarten ebenfalls herunter mit dem Preis, um überhaupt noch Sinn zu ergeben. Gleichzeitig setzt eine Radeon R9 280X für nur 200 Euro den kompletten Bereich der Grafikkarten von 150 bis 200 Euro unter erheblichen Preisdruck – da müssen einige Modelle noch klar herunter mit dem Preis, um sinnvoll gegenüber diesem Preisbrecher-Angebot zu bleiben. Offenbar kann man diesen Herbst sehr viel Grafikkarte für vernünftige Preislagen erwerben, die GeForce GTX 970 mit ihrem (nahezu) Kampfpreis von rund 300 Euro hat hier einen Preisrutsch auf mittlerweile breiter Front ausgelöst.

Die chinesische VR-Zone (maschinelle Übersetzung ins Deutsche) zeigt ein Engineering Sample zu Skylake-S, der Desktop-Variante der nächsten Sommer antretenden Skylake-Architektur. Dabei hat man sogar zwei dieser Engineering Samples vorliegen, die Taktraten sind allerdings typisch für Vorserien-Exemplare recht niedrig, womit man daraus keine Schlußfolgerung auf die finalen Taktraten & Spezifikationen ziehen kann. Bestätigt wurde das gleichzeitig vorhandene Speicherinterface für DDR3- und DDR4-Speicher, augenscheinlich kann man sich bei den Desktop-Modellen von Skylake dann also regelrecht frei entscheiden, welche Speicherart man benutzt. Skylake wird natürlich dafür neue Chipsätze und Mainboards im Sockel 1151 benötigen, ergo automatisch inkompatibel zu den derzeitigen Sockel 1150 Platinen für Haswell und später Broadwell sein.

Ein neuerliches heftiges Sicherheitsloch lauert laut Heise in der UEFI-Firmware der meisten UEFI-Rechner: Über eine falsche Implementierung kann jene UEFI-Firmware durch unzertifizierte Versionen ersetzt werden – welche dann natürlich allerlei Schabernack betreiben können, ohne daß dies das Betriebssystem sowie daraus installierte Schutzsoftware mitbekommen könnten. Interessanterweise wurde die "BIOS Extreme Privilege Escalation" genannte Lücke bereits Mitte letzten Jahres entdeckt, aber erst seit Mai diesen Jahres bietet Intel entsprechende BIOS-Updates für seine eigene Hardware an. HP folgt derzeit mit umfangreichen BIOS-Updates, bei den anderen PC- und Mainboard-Herstellern ist leider Schweigen im Walde – fast könnte man vermuten, man würde zu Lasten der Sicherheit der Kunden und zugunsten der eigenen blumigen Marketingversprechungen vom ach doch so sicheren UEFI auf diese zwingenden Updates verzichten wollen. Einen temporären Schutz hierfür gibt es leider auch nicht, das BIOS bzw. die UEFI-Firmware liegt dafür viel zu tief im System.

Nicht gänzlich unerwartet haben die in der VG Media organisierten Angebote die Frist bis zum 23. Oktober nicht verstreichen lassen, sondern kurz vor der Angst Google letztlich doch eine uneingeschränkte, kostenlose Lizenz im Sinne des Presse-Leistungsschutzrechts erteilt – womit die Google-Androhung, diese Angebote ab dem 23. Oktober nur noch mit Überschrift und Link wiederzugeben, nicht in die Tat umgesetzt wird. Wie Golem berichten, hatte sich die VG Media bis zuletzt um eine "Waffenruhe" mit Google bemüht, um ihren Rechtsrahmen weiter ausschöpfen zu können, Google hat diesem Ansinnen angesichts der schon einmal verlängerten Frist jedoch nicht stattgegeben. Am grundsätzlichen Streit um das Leistungsschutzrecht ändert dies natürlich wenig, auch weiterhin werden die in der VG Media organisierten Angebote einen Weg suchen, um bei Google & Co. abkassieren zu können – ansonsten wäre schließlich all die schöne Lobbyarbeit bei den Politikern zur Erstellung dieses Gesetzeswerks umsonst gewesen.

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Die Grafikkarten-Performance unter Ryse: Son of Rome

Bei HT4U, der ComputerBase sowie der PC Games Hardware hat man sich mit der Grafikkarten-Performance des endlich auch für den PC erschienenen "Ryse: Son of Rome" beschäftigt. Das Spiel auf Basis der Cryengine gilt als das optisch derzeit schönstes Spiel auf allen Systemen, bietet auf dem PC aber sogar eine nochmals höhere Grafikqualität als auf der Xbox One. Benötigt werden offiziell mindestens ein Zweikern-Prozessor, 4 GB PC-Hauptspeicher, ein 64-Bit-Windows sowie eine DirectX11-Grafikkarte ab Radeon HD 7770 oder GeForce GTX 560 – was aber natürlich absolut nicht ausreichend ist, um die Grafikpracht von Ryse auch nur annähernd wiederzugeben.

Für die allgemein empfohlenen 40 fps wird man daher kaum unterhalb einer potenter Grafikkarte neuerer Bauart wegkommen. Dabei setzt Ryse per default nur eine SMAA/FXAA-ähnliche Weichzeichner-Kantenglättung names "Temporal Anti-Aliasing" ein, deren allgemeine Glättungswirkung recht gut ist, welche jedoch das Bild etwas unscharf macht, dafür jedoch kaum an Performance kostet. Das ebenfalls direkt im Spiel verfügbare Supersampling Anti-Aliasing ist dagegen von heutigen Grafikkarten kaum mit sinnvollen Frameraten zu bewältigen. Daher beziehen sich die nachfolgenden Werte-Zusammenfassungen unter typischen WorstCase-Szenarien auch "nur" auf die maximale Bildqualität des Spiels zusammen mit dem spieleigenem Temporal-AA:

Ryse: Son of Rome – 1920x1080 MaxQuality + Temporal-AA  (Quellen: HT4U, ComputerBase & PCGH)
AMD HD5+6000 AMD HD7000 AMD R200 nVidia GF4+500 nVidia GF600 nVidia GF700 nVidia GF900
20-24 fps 5870
6950
7790 260 480
570
650Ti-Boost 750Ti
25-29 fps 6970 260X 580 660
30-39 fps 7850
7870
265
270
660Ti
670
760
40-49 fps 7870-Boost
7950
7950-Boost
7970
270X
280
285
680 770
780
ab 50 fps 7970-GHz 280X
290
290X
Titan Titan Black
780Ti
970
980

Wenn man wirklich 40 fps auch in WorstCase-Szenarien sehen will, dann werden unter 1920x1080 bei AMD Beschleuniger ab der besseren Performance-Klasse sowie bei nVidia Beschleuniger ab der HighEnd-Klasse benötigt – wie üblich zeigt ein Cryengine-basiertes Spiel hier seine gewisse Neigung zu AMD-Grafikkarten. Jene ist bei Ryse: Son of Rome recht stark ausgeprägt, üblicherweise laufen AMD-Beschleuniger hier um die 25-30% schneller als ansonsten allgemein üblich. nVidia will dagegen noch einen entsprechend optimierten Treiber nachschieben – aber dies wird AMD genauso auch tun, so daß am Ende der beiderseitigen Treiberoptimierungen wieder der exakt gleiche Stand wie derzeit schon zu sehen herauskommen könnte.

Bezüglich der für Ryse: Son of Rome benötigten Grafikkartenspeicher-Menge lassen sich derzeit leider kaum klare Aussagen treffen, da nirgendwo Grafikkarten mit nur 1 GB Speicher im Test waren. Andererseits haben solcherart Grafikkarten auch nur die Rohleistung für allerhöchstens sehr niedrige Frameraten, sind dann eher nur geeignet, das Spiel unter einer niedrigeren und damit automatisch Grafikkartenspeicher-schonenderen Bildqualität abzuleisten. Die mitgetesteten Grafikkarten mit nur 1,5 GB Grafikkartenspeicher liefen jedenfalls ohne auf die Grafikkartenspeicher-Menge zurückzuführende Probleme (im Rahmen ihrer Möglichkeiten) vernünftig mit.

Ryse: Son of Rome – 2560x1440 MaxQuality + Temporal-AA  (Quellen: HT4U & ComputerBase)
AMD HD5+6000 AMD HD7000 AMD R200 nVidia GF4+500 nVidia GF600 nVidia GF700 nVidia GF900
20-24 fps 7850
7870
265
270
660Ti
670
760
25-29 fps 7870-Boost
7950
270X 680 770
30-39 fps 7950-Boost
7970
7970-GHz
280
285
280X
780
970
40-49 fps 290 Titan Black
780Ti

980
ab 50 fps 290X

Unter 2560x1440 wird Ryse: Son of Rome dann nur noch zur Spielwiese der neueren HighEnd-Beschleuniger, wobei erneut die AMD-Modelle klar besser wegkommen – an der absoluten Leistungsspitze erreicht allein die Radeon R9 290X das Sorgenlos-Land von ab 50 fps. Aber auch so wird beim flüchtigen Blick auf die vorstehende Tabelle die Dominanz der AMD-Beschleuniger unter diesem Titel allein an der groben Anzahl der notierten AMD- und nVidia-Modelle augenscheinlich. Große Probleme bezüglich des Grafikkartenspeichers scheint aber auch diese Auflösung noch nicht zu machen, die 2-GB-Modelle zeigen gegenüber den 3-GB-Modelle keinerlei Performance-Auffälligkeiten an.

Daneben bieten HT4U noch Benchmarks unter 3840x2160 an, welche jedoch nur noch ungenügende Frameraten selbst für die Radeon R9 290X ergeben. Die PC Games Hardware hat sich dagegen mit Supersampling unter Ryse: Son of Rome beschäftigt, wobei das Setting 2x2 SSAA genauso zu ungenügenden Frameraten führt, das Setting 1,5x1,5 SSAA dagegen wenigstens für Radeon R9 290 und 290X Frameraten im Bereich ab 40 fps auswies. Und letztlich hat die ComputerBase noch CPU-Messungen angestrengt, welche jedoch unter der maximalen Bildqualität des Spiels kaum große Unterschiede aufwiesen – selbst auf Intels Zweikern-Prozessoren (mit HyperThreading) verliert man nicht all zu viel Performance, in der CPU-Frage ist Ryse: Son of Rome deutlich weniger fordernd als in der Grafikkarten-Frage.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 21. Oktober 2014

HT4U haben ihren Marktüberblick an GeForce GTX 970 Karten nochmals aktualisiert, hinzugekommen sind vor allem bislang noch fehlende Detail-Daten zu Power Targets und Power-Zugabelimits bei vielen ab Werk übertakteten Modellen. Sehr viele GeForce GTX 970 Karten ordnen sich dabei bei 170 Watt Power Target ein, einzelne Karten gehen bis auf 250 Watt, während die Zotac GeForce GTX 970 AMP! Omega mit einem eher absurden Power Target von satten 325 Watt klar den Vogel in dieser Disziplin abschießt. Wie schon einmal an dieser Stelle dargelegt, läßt sich mit immer höheren Power Targets und entsprechenden Chiptakten noch einiges aus der GeForce GTX 970 herausholen, ab gewissen Werten wird dies jedoch maßgeblich ineffektiv, ergeben mehr Stromverbrauch und mehr Abwärme nur noch wenig Mehrperformance. Bei der GeForce GTX 970 liegt dieses Limit irgendwo im Bereich von 170 Watt, was die Grafikkarten-Hersteller augenscheinlich ähnlich sehen. Wer noch die letzten 3-5% Performance mitnehmen will, kann dann auf 200 Watt hinaufgehen. Darüber hinaus gibt es weitere Performancegewinne nur noch im Prozentbereich, was dann überhaupt nicht mehr lohnt – vor allem, weil die Karte ja trotzdem immer mehr Strom schluckt, trotz daß keine weitere Mehrperformance herauskommt.

Die PC Games Hardware berichten über US-Preise zur GeForce GTX Titan Z von "nur noch" 1500 Dollar, während hierzulande die Karte weiterhin Richtung 2500 Euro kostet. Die neue US-Preislage deutet allerdings auf eine baldige Preissenkung auch in Euroland hin – was angesichts der Preise zweier GeForce GTX Titan Black Grafikkarten von zusammen 1800 Euro auch überaus gerechtfertigt wäre. Ob nVidia mit der kommenden Preissenkung zur GeForce GTX Titan Z auch den Launch neuer HighEnd- bzw. DualChip-Lösungen vorbereitet, darüber kann man trefflich spekulieren, ernsthafte Anzeichen hierfür sind jedoch noch nicht zu sehen. Möglich wäre dies in jedem Fall mittels einer DualChip-Lösung auf Basis des GM204-Chip, welcher sich aufgrund seiner (noch dazu regelbaren) Energieeffizienz sehr gut dafür eignen würde. Auch eine DualChip-Lösung auf Basis des größeren GM200-Chips ist denkbar, wird aber sicherlich kaum direkt zum Launch des GM200-Chip (derzeit noch vakant) zur Verfügung stehen können.

CPU-World berichten über den AMD FX-770K, einen weiteren Kaveri-Prozessor mit deaktivierter Grafiklösung nach dem Athlon X4 860K. Entgegen dem großartigen Namen muß sich der FX-770K (3.5/3.9 GHz) jedoch taktmäßig etwas unterhalb des Athlon X4 860K (3.7/4.0 GHz) einordnen, wird aber augenscheinlich sowieso nur als OEM-Produkt seitens HP verkauft. Richtiggehend ironisch (und irrational) ist in diesem Zusammenhang, daß HP die damit bestückten PCs zudem mit einer extra Grafikkarte in Form einer Radeon R7 240 ausrüstet – welche nicht schneller sein dürfte als die bei diesem Kaveri-Prozessor deaktivierte interne Grafiklösung. Die Verwendung einer vollwertigen APU wäre hier in jedem Fall sinnvoller – aber natürlich benötigt HP für gewisse Anwendungsfelder einfach PCs mit dem Ausrüstungsmerkmal einer extra Grafiklösung, ganz egal wie schwach jene sein mag und was für eine unsinnige Silizium-Verschwendung dies angesichts der Möglichkeiten der AMD-APUs darstellt.

Golem und Heise berichten zu den TSMC-Zukunftsplänen, gehen bezüglich der Terminaussagen über neue Fertigungsverfahren jedoch TSMCs Marketing-Aussagen mit, welche viel mit der Verfügbarkeit entsprechender Anlagen, jedoch weniger dem Verkaufsstart damit hergesteller Produkte zu tun haben. Auf die meisten genannten Termin darf man daher großzügig ein halbes bis ein ganzes Jahr draufrechnen, ehe es entsprechend zu kaufbaren Produkten kommen wird. Dies gilt insbesondere für TSMCs 10nm-Fertigung, an welcher bei TSMC faktisch noch geforscht wird – was TSMC nicht davon abhält, von ersten Tape-Outs bereits Ende 2015 zu sprechen. Man sollte dies alles besser mit gehöriger Zurückhaltung betrachten, die Aussagen gerade von Auftragsfertigern sind zum einen natürlich Investoren-Pflege, zum anderen aber natürlich immer auch Werbung für zukünftige Aufträge. Eher solide Aussagen über die Verfügbarkeit von neuen Fertigungsverfahren liefert unsere Fertigungsverfahren-Roadmap, selbst wenn man über deren einzelne Aussagen und Annahmen natürlich diskutieren kann.

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AMD-Geschäftsergebnisse Q3/2014: Keine Bewegung nach irgendwohin

AMD hat Ende letzter Woche seine Geschäftszahlen für das dritte Kalenderquartal 2014 vorgelegt, welche kaum eine beachtbare Veränderung zeigen und damit vor allem auf dem durchschnittlichen Stand der letzten Monate verharren. Gegenüber dem Vorjahresquartal hat man sogar leicht beim Umsatz (-2,1%) und deutlicher beim nominellen Gewinn (-64,6%) sowie operativen Gewinn (-33,7%) verloren, vor allem aber fehlt den AMD-Geschäftszahlen jede positive Entwicklung nach vorne. Im Endeffekt "ruht" man sich AMD derzeit auf den dicken Lieferaufträgen für die aktuelle Konsolengeneration aus, welche die eigentlich desaströsen Zahlen des AMD-Kerngeschäfts an PC-Prozessoren und PC-Grafikchips maßgeblich überdecken. Hätte AMD das Geschäft seiner "Semi Custom" Sparte nicht, würde man im eigentlichen Kerngeschäft derzeit bei nur 781 Millionen Dollar Quartalsumsatz stehen – derart schwache Zahlen hat AMD vermutlich zuletzt vor dem Release der originalen Athlon-Prozessoren (im letzten Jahrtausend) gepostet.

Q3/2013 Q4/2013 Q1/2014 Q2/2014 Q3/2014
Umsatz 1461 Mio. $ 1589 Mio. $ 1397 Mio. $ 1441 Mio. $ 1429 Mio. $
Gewinn 48 Mio. $ 89 Mio. $ -20 Mio. $ -36 Mio. $ 17 Mio. $
operativer Gewinn 95 Mio. $ 135 Mio. $ 49 Mio. $ 63 Mio. $ 63 Mio. $
Für exakte Vergleichswerte zu AMD, Intel & nVidia zurück bis ins Jahr 2006 bitte klicken.

Kurz gesagt: Der große Erfolg mit den Aufträgen für Xbox One und Playstation 4 hat AMD leider nur das Überleben in der aktuellen Saure-Gurken-Zeit gesichert, nicht aber zu einer Stärkung des Unternehmens geführt. Sobald diese Konsolen-Aufträge dann eines Tages nachlassen werden, steht AMD noch viel deutlicher vor dem eigentlich zu lösendem Problem, daß das AMD-Kerngeschäft viel zu schwach ist, um wirklich lebensfähig zu sein bzw. die notwendigen Geldmittel für Neuentwicklungen im CPU- und GPU-Bereich zu generieren. Die im Jahr 2016 kommende neue CPU-Architektur für HighEnd-Bedürfnisse darf also unter keinen Umständen ein Fehlschlag sein, AMD muß unbedingt sein Kerngeschäft zurück in ruhige Fahrwasser führen.

Als erste Reaktion auf die neuen Geschäftszahlen hat die neue AMD-Chefin Lisa Su eine weitere Entlassungswelle angekündigt, welcher grob 750 Stellen (rund 7% der Belegschaft) zum Opfer fallen werden – die inzwischen dritte große Entlassungswelle bei AMD in den letzten Jahren. Zugleich wurde aber auch der Abschluß von zwei weiteren Lieferverträgen der "Semi Custom" Sparte bekanntgegeben, welche in den Jahren 2016 bis 2018 insgesamt eine Milliarde Dollar Umsatz generieren werden (leider ohne Details zu den Chips und deren Abnehmern). Diese weiteren Verträge macht umsatztechnisch das Kraut für AMD nicht fett, aber sie zeigen an, daß AMD auch andere Firmen als nur Microsoft und Sony für seine "Semi Custom" Sparte begeistern kann – welche schließlich mit dem AMD-Knowhow zu CPUs und Grafikchips (sowie deren Verbindung) über Möglichkeiten wie kein anderer Chipentwickler derzeit verfügt.

Allerdings kann aus heutiger Sicht das Geschäft mit den "Semi Custom" Chips immer nur ein Zubrot für AMD sein, weil dieses Geschäft doch extrem auftragsbezogen abläuft – mal hat man große Aufträge (wie derzeit), dann wiederum kann eine große Flautezeit folgen, wenn man mögliche Aufträge an Konkurrenten verliert oder aber einfach kein akueller Bedarf für "Semi Custom" Lösungen existiert. AMD benötigt daher nach wie vor ein gut laufendes Kerngeschäft im PC-Segment, um sich wirtschaftlich solide hinzustellen, zugleich dient die für das PC-Geschäft notwendige Entwicklungsarbeit natürlich immer auch der Weiterentwicklung bei den "Semi Custom" Lösungen. AMD hat demzufolge noch sehr viel Arbeit vor sich, welche zudem unter einem gewissen Zeitzwang zu erledigen ist, da das Geschäft mit den aktuellen Konsolen-SoCs nur für eine begrenzte Zeit derart gut laufen wird.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 20. Oktober 2014

Wie Golem berichten, scheint eine weitere Variante von AMDs Tonga-Chip der Radeon R9 285 für den iMac Retina in Form der "Radeon R9 M295X" vorgesehen zu sein. Gänzlich sicher ist dies jedoch noch nicht, dies ergibt sich nur aus der gemeldeten Rechenleistung von 3,5 TeraFlops sowie der Taktrate von 855 MHz – was 2048 Shader-Einheiten ergibt, welche man nachfolgend dem Tonga-Chip zuspricht. Interessanterweise scheint aber dennoch nur ein 256 Bit DDR breites Speicherinterface zum Einsatz zu kommen, da 4 GB Grafikkartenspeicher verbaut werden. Andere Deutungsvarianten existieren natürlich auch noch, aber die Auslegung, daß Apple beim iMac Retina den Tonga-Chip ansetzt, ist die mit Abstand wahrscheinlichste. Eine gute Erklärung dafür, weshalb der Tonga-Chip so groß geworden ist, bietet sich damit aber immer noch nicht: Augenscheinlich benutzt Apple nicht einmal das 384 Bit DDR Speicherinterface und auch keine Compute-Fähigkeiten, welche man über DoublePrecision-Einheiten erreichen könnte.

Damit bleiben beim Tonga-Chip weiterhin ca. 1 Milliarde Transistoren, welche schlecht erklärbar sind – es sei denn, die HSA-Fähigkeiten oder aber ein eventuelles DirectX 12 in Hardware würden wirklich so viel verschlingen. Zumindest der Release der Radeon R9 285 läßt sich nun aber erklären: Die Karte wird schlicht als Salvage-Lösung benötigt für jene Tonga-Chips, welche nicht ganz so perfekt aus der Produktion kommen. Auch die sehr schwankenden Stromverbrauchs-Messungen verschiedener Radeon R9 285 Karten dürften sich hieran erklären – zumindest anfänglich ist die Radeon R9 285 deutliche Resteverwertung, einzelne Chips können da durchaus einmal klar vom Durchschnitt abweichen. Mit der Zeit wird sich das natürlich glattbügeln, die Fertigungsausbeute des Tonga-Chips nahezu das Optimum erreichte, worauf diese Effekte der Anfangszeit dann verschwinden werden. Zudem dürfte AMD ziemlich sicher den Tonga-Chip nächstes Jahr noch für die Radeon R9 380 Serie weiterverwenden.

Laut nochmals Golem wurde nunmehr der Verkauf der IBM-Chipfertigung an GlobalFoundries durch IBM selber bestätigt und wird – sofern die US-Wettbewerbshüter hier keinen Einspruch erheben – noch dieses Jahr über die Bühne gehen. GlobalFoundries erhält damit primär die IBM-Chipfabriken im US-Bundesstaat New York sowie Zugriff auf IBMs Fertigungstechnologien und die Chipfertigung betreffenden IBM-Patente. IBM wird seine Power-Prozessoren in Zukunft im Auftrag bei GlobalFoundries fertigen lassen, womit GlobalFoundries neben AMD einen zweiten Hauptauftragnehmer erhält und insgesamt seine Stellung unter den Auftragsfertigern deutlich anhebt. Daß IBM bei dem ganzen Deal sogar noch oben drauf zahlt (nicht direkt, sondern in Form der mit zum Deal gehörenden Immobilien), zeigt allerdings auch an, daß die von GlobalFoundries übernommenen Fertigungsanlagen nicht problemlos sind, sondern wahrscheinlich sogar hohe Verlustzahlen produziert haben. Andererseits kann dies GlobalFoundries als inzwischen 100% im Staatsbesitz von Abu Dhabi befindliches Unternehmen wohl noch am ehesten schlucken.

Für AMD als weiteren Hauptauftraggeber von GlobalFoundries können sich wenn dann nur Verbesserungen ergeben, denn IBM war zumindest in der Entwicklung neuer Prozeßtechnologien führend, das diesbezügliche Patent-Portfolio ist überaus reichhaltig und sichert gut gegenüber etwaigen Patentklagen ab. Daß IBM zuletzt als Chipfertiger so relativ schwach war, dürfte eher an den geringen Mengen gelegen haben, welche IBM für seinen Eigenbedarf im Server-Geschäft benötigte – hier kann GlobalFoundries natürlich effektiver sein. Ganz generell zeigt sich hier nur die schon seit einiger Zeit laufende Entwicklung, daß kleinere und mittlere Chipfertiger es immer schwerer haben, gleichwertige Produkte rechtzeitig herauszubringen, weil die benötigten Investitionssummen durch die Decke gehen und eigentlich nur noch von den Branchen-Schwergewichten zu tragen sind. GlobalFoundries, einstmal gegründet als AMD-Ausgliederung, ist nunmehr auf einem guten Weg, zukünftig zu diesen Branchen-Schwergewichten zu gehören – was nur vorteilhaft für alle GlobalFoundries-Kunden sein kann.

Die Marktforscher von IDC berichten über regelrecht erstklassige PC-Verkaufszahlen in Westeuropa im abgelaufenen dritten Quartal 2014: Während es in der EMEA-Gesamtregion (Europa, Naher Osten & Afrika) um 10,4% gegenüber dem Vorjahresquartal nach oben ging, waren es allein im Westeuropa sogar satte 22,7% Zugewinn – damit dürften sogar die Verluste der Jahre 2012 und 2013 wieder egalisiert worden sein. Die anderen Teilmärkte (Osteuropa, Naher Osten & Afrika) liefen dagegen nur eher durchschnittlich, so daß sich hier erneut die weltweite Trennung zwischen Industriestaaten mit stark anziehendem PC-Geschäft und Schwellen- und Entwicklungsländern mit schwachem oder sogar weiter sinkendem PC-Geschäft verstärkt. Getragen wurde das gute PC-Geschäft in EMEA weiterhin über sehr starke Zuwächse im Mobile-Bereich, während Desktop-PCs zwar positive, aber dennoch unterdurchschnittliche Wachstumszahlen zeigten.

Im Fall des Presse-Leistungsschutzrechts bittet Google laut der FAZ das Bundeskartellamt um eine formelle Feststellung, daß man aus kartellrechtlicher Sicht nicht tätig werden wird. Damit soll offenbar erreicht werden, daß jeglichen Kartellrechtsbeschwerden oder entsprechenden Klagen vorab der Wind aus den Segeln genommen wird – wenn das Kartellamt den Status Quo absegnet, würden es sogar zivilrechtlich eingereichte Klagen schwer haben, könnten von den Gerichten noch vor Annahme einfach so zurückgewiesen werden. Ob das Bundeskartellamt so weit geht, wäre allerdings zu bezweifeln, dort will man sicherlich nicht so direkt Partei für eine Seite ergreifen bzw. der anderen Seite den Klageweg nicht verbauen. Gegenüber einer Klage bei einem höherem Gericht wäre diese formelle Feststellung zudem kaum noch effektiv, die in der VG Media organisierten Angebote werden also sowieso den Klageweg beschreiten – und wenn dies nicht funktioniert, wird man mittels der eigenen Lobbyisten die Politiker bearbeiten, die Gesetzeslage erneut zu verändern. Von einem klaren Sieg der einen oder anderen Seite sind wir also noch weit entfernt.

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Werden Prozessoren bewußt auf eine bestimmte TDP hin gekauft?

Diese Umfrage kann sich natürlich nur auf das hauptsächliche Desktopsystem beziehen – und nicht irgendwelche Nebensysteme, welche meistens andere, oftmals geringere Anforderungen haben.

keine echte TDP-Präferenz beim Prozessoren-Kauf
28% (645 Stimmen)
versuche bis 45W TDP zu kaufen
4% (98 Stimmen)
versuche bis 65W TDP zu kaufen
14% (313 Stimmen)
versuche bis 95W TDP zu kaufen
26% (594 Stimmen)
versuche bis 130W TDP zu kaufen
4% (103 Stimmen)
TDP ist im Sinne von mehr Performance vollkommen egal
24% (553 Stimmen)
Gesamte Stimmen: 2306
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