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Weitere Benchmarks zur GeForce GTX 960 zeigen eine Performance nahe der Radeon R9 285 an

Die bei Videocardz gezeigten Benchmark-Werte einer ab Werk übertakteten MSI GeForce GTX 960 "Gaming" wurden schon kurz angesprochen, sollten aber noch einmal separat ausgewertet werden – vor allem, weil hiermit auch ein Quervergleich zu den kürzlichen 3DMark-Benchmarks zur GeForce GTX 960 möglich wird. Jene zeigten die GeForce GTX 960 noch nahe der GeForce GTX 770 an – was aber laut den Benchmarks bei Videocardz augenscheinlich nur auf den 3DMark zutrifft, nicht aber auf reale Spiele. Auch bei Videocardz kommt die GeForce GTX 960 im 3DMark13 FireStrike-Test auf einen Wert minimal unterhalb der GeForce GTX 770, bei den Messungen unter realen Spiele ergibt sich dann jedoch ein deutlicherer Unterschied:

PCEva: 3DMark11/13 Videocardz: 3DMark13 Videocardz: Spieletests 3DC Perf.Index
GeForce GTX 770 103,8% 100,1% 107,4% 380%
GeForce GTX 960 100% (OC) 100% (OC) 100% (OC) ~330-340%
GeForce GTX 760 77,9% 81,3% 89,6% 310%
Radeon R9 280 - 94,5% 91,2% 330%
Radeon R9 285 97,4% (OC) 100,5% 97,1% 330%
Radeon R9 280X - 105,5% 102,0% 380%

Noch liegen zu wenige Benchmarks für eine eindeutigere Performance-Bestimmung der GeForce GTX 960 vor – zudem ist nicht klar, wie man die ab-Werk-Übertaktung der Karte bewerten darf: Gut möglich, daß die 8-9% mehr Chiptakt der getesteten Exemplare angesichts der begrenzten Bandbreite eher nur Show sind und (ohne Speichertakt-Erhöhung) nur unterdurchschnittlich zur Performancesteigerung beitragen können. Es wird Aufgabe der kommenden Launch-Reviews sein, zu beurteilen, ob man die GeForce GTX 960 nicht einfach nur gut übertakten kann (dies scheint gegeben zu sein), sondern vor allem ob diese Übertaktung sich dann auch in entsprechende Mehrperformance unwandelt.

Für den Augenblick denken wir, die GeForce GTX 960 dürfte in unserem Performance-Index bei ~330-340% herauskommen – sprich auf dem Niveau der Radeon R9 285 bis knapp drüber. Zur GeForce GTX 770 sowie zur Radeon R9 280X dürfte weiterhin ein achtbarer Abstand bleiben. Mißbraucht man die GeForce GTX 960 für höhere Auflösungen als FullHD, dürften die Abstände dann deutlich zunehmen, die Karte ist einfach nicht für mehr gebaut als für FullHD. Auch wegen der nur 2 GB Speicher wird da immer (mindestens) ein kleiner Fehler im Gesamteindruck bleiben, selbst wenn sich die Karte in den kommenden Launch-Reviews dann doch als potent genug erweisen sollte, die FullHD-Auflösungen bei heutigen Spielen zufriedenstellend zu schultern.

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AMD schießt scharf gegen die GeForce GTX 960

Bei einigen Hardware-Redaktionen ist gestern eine eMail von AMD hereingeflattert, in welcher sich AMD ungewohnt offenherzig über ein Produkt eines anderen Herstellers ausläßt, welches unschwer als die am Donnerstag zu erwartende GeForce GTX 960 zu erkennen ist. Kurz gesagt regt sich AMD mit dieser Mail über das 128 Bit DDR Speicherinterface, die nur 2 GB Speicher und den geringen Fortschritt gegenüber dem Vorgänger der GeForce GTX 960 auf – und empfiehlt seine eigene Radeon R9 280 Serie, welche bessere Hardware-Werte zu einem geringeren Preispunkt bieten soll. HT4U geben jene eMail im Volltext wieder, was wir nachfolgend zur besseren Dokumentation ebenso vollständig übernehmen wollen:

We’re all aware of rumors swirling around an upcoming product launch this week. What does this product offer?

  • A value oriented 128-bit memory interface
  • A maximum 2GB frame buffer
  • Questionable performance uplift over its predecessor, that launched over a year and a half ago

If this all sounds unappealing ... it’s because it is. Better products already exist and are widely available in the market from AMD. The AMD Radeon R9 280 Series graphics are still gamers’ first choice, in this class, with features including, but not limited to:

  • More memory bandwidth, with 256-bit (and higher) parts
  • Beyond HD gaming experience with MSAA and AF, for superior performance
  • Smooth game play at 4K resolutions in top-10 games like DOTA2, CS:GO, TF2, LoL and more
  • Support for AMD technologies like Mantle, Eyefinity, TrueAudio (R9 285) and Freesync (R9 285)
  • A starting price of 179€ (or $179USD)

Want evidence of how AMD is powering high-performance, 4k experiences for gamers, without the high-end price tag? AMD challenged Linus Tech Tips to build a 4K Gaming PC for under $1000. Follow the link for to see how he rose to the occasion.

Dabei überrascht nicht nur, daß sich AMD zu dieser Guerilla-Aktion hat hinreißen lassen – sondern auch und vor allem, daß dies ausgerechnet gegenüber der GeForce GTX 960 geschieht, bei welcher AMDs Konkurrenzprodukte genauso angreifbar sind. Schließlich kann man zwei von drei Mäkelpunkten 1:1 auch bei AMDs Radeon R9 285 ansetzen – auch diese Karte kommt mit nur 2 GB Speicher daher und bringt keine wirkliche Performance-Verbesserung gegenüber früheren AMD-Grafikkarten mit, die ihrerseits schon länger im Markt stehen. Zudem kann man letzteren Punkt auch ganz generell auf die Radeon R200 Serie beziehen, welche zum größeren Teil aus Rebrandings und Neuauflagen der (immerhin schon seit Ende 2011 existierenden) Radeon HD 7000 Serie besteht, nur an der absoluten Leistungsspitze wird schließlich mit der Radeon R9 290 Serie etwas wirklich neues geboten.

Wieso AMD also angesichts des Punkts, daß man im Preis- und Performancefeld der GeForce GTX 960 ausgerechnet eine Radeon R9 285 stehen hat, welche nahezu dieselben Schwächen wie die neue nVidia-Grafikkarte aufweist, unbedingt sich so nahezu öffentlich bloßstellen muß, wird wohl ein Mysterium von AMDs Marketing-Abteilung bleiben. Gerade an dieser Stelle, wo AMD derzeit seine beiden 3-GB-Grafikkarten Radeon R9 280 & 280X nahezu offiziell auf "Auslauf-Status" gesetzt hat und zukünftig nur noch die mickrige 2-GB-Grafikkarte Radeon R9 285 verkaufen will, hätte man eher den Mund gehalten – oder aber wenigstens das Fortbestehen dieser 3-GB-Grafikkarten und/oder eine Radeon R9 285 mit gleich 4 GB Speicher angekündigt. So aber sieht es nur danach aus, als wolle AMD nVidia exakt jene Fehler ankreiden, welche man vor kurzem noch selber begangen (und bislang nicht korrigiert) hat.

Wirkliche Freunde macht man sich damit nicht – zum einen nicht mit einem aggressiven Umgangston, zum anderen nicht über den konkreten Sachverhalt, der nun ja nicht gerade für AMD spricht. Ob man damit mehr Grafikkarten verkauft, wäre zudem zu bezweifeln – das hängt eher an den Produkten sowie an der Strategie gegenüber den Grafikkarten-Herstellern und großen OEMs. Ein aggressives Marketing darf sicherlich erlaubt sein, aber gerade je aggressiver der Umgangston wird, um so sicher sollte man sich bei der Faktenlage sein – ansonsten rutscht man schnell in einen Bereich ab, der gegenteilige Effekte mit sich bringt. Dies dürfte in diesem Fall gut und gerne passieren und AMD wird wohl schnell begreifen, daß diese Aktion kein Ruhmesblatt war. Konzentration auf das, was man kann und was erreichbar ist, wäre wohl besser gewesen als solch ein AMD dem Spott der Szene aussetzendes Geschoß.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 20. Januar 2015

Laut den SweClockers (maschinelle Übersetzung ins Deutsche) soll die Radeon R9 380X irgendwann im zweiten Quartal 2015 erscheinen – wobei es eher später als früher wird, also eher Frühsommer als Frühling. Zudem soll die Radeon R9 380X tatsächlich schon einen neuen Grafikchip unter Verwendung von HBM-Speicher tragen, also nicht ein Rebranding der Radeon R9 290 Serie sein (was als hypothetische Möglichkeit durch die Foren geisterte). Viel mehr konnten die SweClockers jedoch auch nicht bestätigen, der Rest ist nur ein Abriß der bekannten Vermutungen zu AMDs neuen Grafikchips und deren Möglichkeiten. Gemäß dieser neuen Meldung sieht es aber ganz danach aus, als würde AMD mit der Radeon R9 380X auf vermutlich Fiji-Basis eine wirklich neue HighEnd-Lösung vorstellen – und später im Jahr dann die Radeon R9 390X auf Bermuda-Basis in möglicherweise einem neuen Fertigungsverfahren nachschieben.

Videocardz teasern schon einmal den eigentlich erst am Donnerstag um 15 Uhr mitteleuropäischer Zeit zu erwartenden Launch der GeForce GTX 960 mit allen derzeit vorliegenden Informationen zur neuen Midrange-Karte von nVidia. Mit dabei ist auch eine Liste der bisher bekannten Hersteller-Modelle zur GeForce GTX 960 samt einigen neuen Benchmarks eines (ab Werk übertakteten) MSI-Modells, welche mit +11,6% zur GeForce GTX 760 bzw. +3,0% zur Radeon R9 285 absolut im Rahmen der Erwartungen ausfallen. Das Referenzmodell der GeForce GTX 960 kristallisiert sich immer mehr als nVidias Antwort auf die Radeon R9 285 heraus – mit wahrscheinlich ziemlich gleicher Performance, wobei die vielen ab Werk übertakteten Varianten dann der Radeon R9 285 wieder davonziehen dürften. Den einzigen spannenden Punkt des Listenpreises können Videocardz aber auch noch nicht beantworten – diesbezüglich wird man sich wohl überraschen lassen müssen, wie sich nVidia hierzu letztlich entscheidet.

Im Fall der GeForce GTX 970, welche Probleme mit Speicherbelegungen oberhalb von 3,5 GB zu haben scheint, haben sich bis jetzt einige neue Detailinformationen und jene Menge weiterer Forenpostings ergeben. So konnte mittels eines Meßtools nachgewiesen werden, daß die Speicherbandbreite bei der GeForce GTX 970 um ca. 500 MB früher einbricht als bei der GeForce GTX 980 – das benutzte Meßtool zeigt nirgendwo durchgehend bis 4 GB die volle Bandbreite an, dies ist aber eine Limitation des Tools, nur die relativen Unterschiede sind in diesem Fall interessant. Und jene zeigen eben bei der GeForce GTX 970 wesentlich früher an, daß der Speicher (sehr viel) langsamer wird, als dies bei der GeForce GTX 980 der Fall ist. Allerdings muß auch erwähnt werden, daß dieses Verhalten nicht auf alle Modelle der GeForce GTX 970 zutrifft, sondern nur auf einen Teil der GeForce GTX 970 Karten – wobei bislang unklar bleibt, ob sich die betroffenen Karten irgendwie eingrenzen lassen.

Was hier genau passiert und warum dies passiert, liegt dagegen weiterhin im Feld von Spekulationen. Eine gut mögliche Erklärung für das generelle Treiberverhalten an dieser Stelle spricht von einer unspezifizierten Hardware-Limitierung – wofür es zwei Ansätze von hypothetischen Erklärungen gibt (No.1 & No.2), welche derzeit aber weder bestätigt noch dementiert werden können, so lange exakte Informationen hierzu seitens nVidia fehlen. Die PC Games Hardware hat in jedem Fall im Zuge ihrer Berichterstattung das Problem an nVidia weitergeleitet, eine Antwort nVidias ist leider noch ausstehend. Generell gesprochen ist das ganze natürlich nur eine Eigenheit der GeForce GTX 970 und keinesfalls ein Rückgabegrund – gerade auch, weil die Existenz der 4 GB Grafkkartenspeicher bewiesen werden konnte und daher diesbezüglich keinesfalls eine "zugesicherte Eigenschaft" zu fehlen scheint. Daß nVidia die User aufklärt, was da läuft und warum dies so passiert, bleibt auf der anderen Seite genauso auf der Agenda.

Zur Erinnerung: Microsofts Livestream zur "Windows 10 Consumer Preview" startet am 21. Januar um 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit und wird nachfolgend auch sicher in unserem Forum kommentiert werden.

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Umfrage-Auswertung: Welches PC-Spiel wird 2015 am meisten erwartet?

Die Umfrage der letzten Woche stellte die Frage nach den Spielewünschen für das Jahr 2015 – sprich, welches PC-Spiel für 2015 am meisten erwartet wird. Gegenüber dem letzten Jahr hat sich dabei die Konzentration auf einige wenige Spieletitel noch einmal deutlich verstärkt: Die Top 5 belegen für 2015 gleich 70,6% der Stimmenanteile, für das Jahr 2014 waren es nur 57,7%, für das Jahr 2013 nur 47,3%. Dies deutet zum einen darauf hin, daß für 2015 (noch) recht wenige Titel angekündigt wurden, welches wirklich breites Interesse hervorrufen – und zum anderen, daß an der Spitze einige Titel stehen, auf welche nun schon ziemlich lange teilweise sehnsüchtig gewartet wird.

Immerhin sind die Top 4 für 2015 die gleichen wie die Top 4 für 2014 – nur in leicht anderer Reihenfolge, The Witcher 3 hat mit Star Citizen den Platz getauscht. Die Stimmenanteile auch dieser Top 4 sind wiederum gestiegen – ein klarer Hinweis an die Spielepublisher, daß man die Titel doch nun endlich einmal herausbringen sollte. Dies trifft insbesondere auf GTA V zu, welches schon in der 2013er Umfrage dabei war und seinerzeit dort sogar den Spitzenplatz belegen konnte. Wenigstens diese Durststrecke dürfte sich dann ab März beenden lassen.

Sicherlich weniger erfreulich aus Spielersicht wird dagegen sein, daß nahezu alles für das Jahr 2015 genannte keine neuen Spielkonzepte darstellt, sondern direkte Fortsetzungen, Remakes und andersweitig in einer Franchise befindliche Spieletitel. Dabei werden sicherlich auch viele tolle und heiß erwartete Spiele entstehen, aber der Input über neue Konzepte & Denkweisen fehlt etwas. Gut möglich jedoch, daß dies angesichts der hohen Entwicklungskosten heutiger Spiele im Rahmen großer Spielestudios einfach nicht mehr möglich und daß dies daher zur Aufgabe des Indie-Bereichs geworden ist – wo auch heutzutage noch experimentiert werden darf und kann.

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Hardware- und Nachrichten-Links des 19. Januar 2015

Zu den kürzlich notierten möglichen Preispunkten für GeForce GTX Titan II zu 1349 Dollar Listenpreis und GeForce GTX 960 zu wohl 249 Dollar Listenpreis wäre noch zu erwähnen, daß jene gerüchteweise bekannten Listenpreise unter Umständen auch nur eine Marketing-Antestung seitens nVidia sein könnten. Bei der GeForce GTX 970 & 980 operierte nVidia schließlich im Vorfeld auch mit klar höheren Listenpreisen, nur um dann wenige Tage vor Launch die Meinung noch einmal zu ändern und insbesondere die GeForce GTX 970 preislich sehr aggressiv in den Handel zu schicken. Unter Umständen haben auch die eher negativen Reaktionen, welche nVidia auf diese ersten Preisnotierungen – 399$ bzw. 599$ – erfuhr, dazu beigetragen, daß am Ende dann doch ein humaner bis guter Preispunkt – 329$ bzw. 549$ – zu GeForce GTX 970 & 980 gefunden wurde. Wenn nVidia bei den kommenden weiteren Karten ähnlich verfährt (und beispielsweise die wütenden Kommentare im PCGH-Forum liest), dann wäre nVidia für die GeForce GTX 960 ein Listenpreis von 199$ und für die GeForce GTX Titan II ein Listenpreis von 799$ angeraten – wobei letzteres ein Wunschtraum bleiben wird, unterhalb von 999$ wird nVidia keine Titan-Karte in den Markt schicken.

Angesichts des miesen Dollar/Euro-Kurses (und der deutschen Mehrwertsteuer) werden die Euro-Preise diesemal sowieso höher als die Dollar-Preise ausfallen – eine GeForce GTX 960 zu (angenommen) 199$ Listenpreis also für 210 Euro in den Handel gehen, eine GeForce GTX Titan II zu (angenommen) 999 Dollar Listenpreis dagegen gleich rund 1050 Euro kosten. Richtig günstig werden die neuen Garfikkarten leider allesamt nicht, dafür sorgt ganz automatisch der abgestürzte Dollar/Euro-Kurs sowie die Angewohnheit der Industrie, ihre weltweiten Preise in US-Dollar festzulegen. Auch die kommenden AMD-Grafikkarten werden sich mit diesem Problem herumschlagen müssen und daher (eigentlich ungerechtfertigt) teilweise möglicherweise als zu teuer im Euroraum angesehen werden. In jedem Fall gilt, daß wer vor dem Euro-Absturz im alten Jahr gekauft hat, noch richtig gut weggekommen ist – und daß normalerweise für viele Grafikkarten derzeit gewisse Euro-Preiserhöhungen im Rahmen von ca. 8-10% drohen dürften, wenn die Hersteller ihre Listenpreise wirklich verteidigen wollen.

Passend zur Frage, wann Intel denn nun endlich Marktanteile und Gewinne mit seinen Smartphone/Tablet-SoCs erzielen will, berichten TweakPC über einen seitens des chinesischen Chipdesigners Allwinner vorgestellten Smartphone/Tablet-SoCs mit vier Rechenkernen der ARM v8 Architektur (Cortex A53, 64-Bit), welcher nur 5 Dollar kosten soll. An diesem Preis werden Chipdesigner und Auftragsfertiger auch noch einmal etwas verdienen – und Intel damit eine harte Nuß vorsetzen, denn generell sind Intels Prozessoren einfach nicht für solcherart Preispunkte gebaut. Intel rühmte sich ja im Verlauf des Jahres 2014 damit, seine Smartphone-SoCs auf Preise unter 25 Dollar heruntergebracht zu haben (bei allerdings satten geschäftlichen Verlusten) – doch wie will Intel solcherart niedrige Angebote erreichen?! Möglicherweise sind Intels LowPower-Architekturen dafür noch viel zu hoch angesetzt, müsste man das ganze nochmals komplett neu designen.

Schließlich kommen inzwischen die regulären PC-Architekturen von Intel deutlicher in diese UltraLowPower-Gefilde herunter, gibt es Broadwell-U mit einer TDP von 15 Watt und den Broadwell-basierten Core M mit einer TDP von 4.5 bis 6 Watt. Und trotz daß die Chipflächen dieser Prozessoren durchaus vergleichbar mit denen von größeren Smartphone-SoCs sind, muß Intel hier die viel teurere Intel-Fertigung ansetzen – welche eben darauf ausgerichtet ist, viel leistungs- und wattstärkere PC-Prozessoren herzustellen, und nicht möglichst billig Massen an Smartphone-SoCs abzuwerfen. Unabhängig des Problem der sehr hochwertigen und damit teuren Intel-Fertigung müsste Intel für langfristige Erfolge im Smartphone/Tablet-Segment wohl aber zuerst einmal an einer neuen LowPower-Architektur arbeiten, welche bei einer TDP von sagen wir 2 Watt ihre Stärken zeigt – schon allein zur genügend großen Abgrenzung zu den LowPower-Ausführungen der PC-Architekturen von Intel.

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Intel Geschäftsergebnisse Q4/2014: Rekorde für das Quartal, aber doch nicht fürs ganze Jahr

Prozessorenbauer Intel hat mit dem vierten Jahresquartal 2014 ein sehr erfolgreiches Geschäftsquartal und Geschäftsjahr abgeschlossen und zu diesem seine Zahlen vorgelegt. Betrachtend rein das vierte Quartal 2014, erreicht man erneut Rekordwerte – sowohl für ein viertes Quartal als auch allgemein gesehen hatte Intel noch nie in einem Quartal 14,7 Milliarden Dollar Umsatz und 3,6 Milliarden Dollar nominellen Gewinn, nur der operative Gewinn von 4,5 Milliarden Dollar wurde zu früheren Zeiten schon einmal erreicht und (leicht) überboten. Gegenüber dem Vergleichzeitraum des Vorjahres sind die Sprünge jedenfalls durchgehend: 6,4% mehr Umsatz, 39,5% mehr nomineller Gewinn sowie 25,5% mehr operativer Gewinn.

Q4/2013 Q1/2014 Q2/2014 Q3/2014 Q4/2014
Umsatz 13834 Mio. $ 12764 Mio. $ 13831 Mio. $ 14554 Mio. $ 14721 Mio. $
Gewinn 2625 Mio. $ 1947 Mio. $ 2796 Mio. $ 3317 Mio. $ 3661 Mio. $
operativer Gewinn 3549 Mio. $ 2533 Mio. $ 3844 Mio. $ 4540 Mio. $ 4453 Mio. $
Für exakte Vergleichswerte zu AMD, Intel & nVidia zurück bis ins Jahr 2006 bitte klicken.

Dafür konnte sich ein das ganze Jahr über abzeichnende Rekordergebnis für das Gesamtjahr nicht durchgehend erreicht werden: Zwar sind 55,9 Milliarden Dollar Umsatz ein neuer Rekordwert, beim nominellen sowie operativen Gewinn lag Intel jedoch schon einmal teilweise deutlich besser (Jahre 2010 und 2011). Gegenüber dem Vorjahr 2013 ging es trotzdem durchgehend nach oben: Hier konnten 6,0% mehr Umsatz, 21,8% mehr nomineller Gewinn sowie 25,1% mehr operativer Gewinn verbucht werden.

Problematisch an den Gesamtjahreszahlen ist vor allem, daß es diesbezüglich gegenüber dem Jahr 2011 keine wirkliche Entwicklung gegeben hat: Der Umsatz ist nur 3,5% höher als vor drei Jahren, die Gewinn-Zahlen sind sogar heuer schwächer und erreichen gerade so das Niveau des Jahres 2010. Trotz daß Intel also gegenüber Börsenanalysten gute Zahlen vermelden kann – weil eben immer nur gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres verglichen wird – steht man im größeren Maßstab betrachtet seit einigen Jahren mehr oder weniger auf der Stelle.

2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Umsatz 38,4 Mrd. $ 37,5 Mrd. $ 35,1 Mrd. $ 43,6 Mrd. $ 53,9 Mrd. $ 53,3 Mrd. $ 52,7 Mrd. $ 55,9 Mrd. $
Gewinn 7,0 Mrd. $ 5,2 Mrd. $ 4,3 Mrd. $ 11,6 Mrd. $ 12,9 Mrd. $ 11,0 Mrd. $ 9,6 Mrd. $ 11,7 Mrd. $
operativer Gewinn 8,3 Mrd. $ 8,9 Mrd. $ 5,7 Mrd. $ 15,9 Mrd. $ 17,4 Mrd. $ 14,6 Mrd. $ 12,3 Mrd. $ 15,3 Mrd. $
Für exakte Vergleichswerte zu AMD, Intel & nVidia zurück bis ins Jahr 2006 bitte klicken.

Teilweise zeigt sich hierbei der zurückgehende bzw. nicht mehr wachsende PC-Markt, zum Teil aber auch Intels Abenteuer im Smartphone- und Tablet-Segment: Über das Jahr 2014 hat jene Sparte satte 4,2 Milliarden Dollar Verlust gemacht – wäre Intel also nicht auf diesem Feld aktiv, wären insbesondere die Gewinnzahlen weitaus positiver ausgefallen als derzeit vermeldet. Intel betrachtet diese Verluste natürlich als reine Investition in die Zukunft, in welcher man in allen Anwendungsbereichen von Prozessoren mitspielen will – der kurzfristig realisierbare Gewinn durch Enthaltsamkeit auf diesem Feld erscheint Intel hier als das viel kleinere Opfer gegenüber einer Zukunft, in welcher Intel allein auf das PC-Segment konzentriert wäre und demzufolge ohne jede langfristige Wachstumsaussichten dastehen würde.

Trotzdem wäre Intel gut beraten angesichts der grob betrachtet stagnierenden Jahresergebnisse, jetzt endlich einmal auf die Gewinnschiene im Smartphone- und Tablet-Segment einzubiegen. Irgendwann werden es auch die Börsenanalysten mitbekommen, daß Intel hier Milliarden ohne (bislang) sichtbaren Nutzen verbrennt – und auch daß man die eigene Mobile-Sparte dieses Jahr (rein formell) abgeschafft hat, um diese Zahlen besser in der PC-Sparte verstecken zu können, wird dabei nicht ewig weiterhelfen. Eventuell legt man bei den Wearable Devices einen besseren Start hin – von Anfang an dabei zu sein, macht sich bei neuen Produktgruppen ungeheuer gut, wie Intel am Negativbeispiel des Smartphone- und Tablet-Marktes lernen konnte.

Für das laufende Jahr 2015 darf man bei Intel mit erneut rekordverdächtigen Zahlen ausgehen, da die Geschäfte im PC-Bereich blendend laufen und vielleicht auch einmal größere Designwins für Smartphone-, Tablet- und Wearbles-Chips erzielt werden sowie Aufträge für die Auftragsfertigungssparte aquiriert werden können. Vor allem hat Intel dieses Jahr einiges an neuen Produkten anzubieten: Mit Broadwell und Skylake gleich zwei neue PC-Architekturen, hinzu mit Braswell eine neue LowPower-Architektur. Daß diese neuen Produkte alle in der 14nm-Fertigung hergestellt werden, dürfte zudem – zumindest mittel- und langfristig – Intels Profitablität zugute kommen. Intel hat also gute Aussichten auf einen erstklassigen Geschäftsverlauf 2015 – einen großen Durchbruch darf man jedoch nicht erwarten, dafür ist Intel bereits viel zu nahe an der Sonne.

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