30

Hardware- und Nachrichten-Links des 30. Juli 2014

Beim japanischen Hermitage Akihabara (maschinelle Übersetzung ins Deutsche) weiss man aus Kreisen der taiwanesischen Hersteller-Industrie zu berichten, daß nVidia Anfang Oktober die GeForce GTX 870 & 880 Grafikkarten bringen will, gefolgt zum Ende des Oktobers von der GeForce GTX 860. Alle drei Grafikkarten sollen auf 28nm-Chips basieren, die genauen Chipnamen wurden allerdings nicht genannt. Allerdings wurde die GeForce GTX 860 als "Midrange" bezeichnet, was kaum zum großen GM204-Chip passt und daher auf die Verwendung des zuletzt kaum erwähnten GM206-Chips hindeutet. Letzterer soll sein (erfolgreiches) Tape-Out zusammen mit dem GM204-Chip bereits im April hinter sich gebracht haben, allerdings wurden zum GM206-Chip keinerlei Versendungen von Sample-Chips und Sample-Karten registiert, welche hingegen beim GM204-Chip gleich reihenweise über die Bühne gingen.

Nichtsdestotrotz ist ein nahezu zeitgleicher Release von GM204- und GM206-basierten Grafikkarten aufgrund des erfolgreichen Tape-Outs nicht unmöglich – schließlich muß nicht jede Detailinformation über die eigentlich geheimen Releasevorbereitungen seitens nVidia nach draußen dringen. Der Oktober wäre zudem ein gutes Datum angesichts der inzwischen nach neuen Grafikkarten ziemlich dürstenden Enthusiasten-Gemeinde – wie sich GM204 & GM206 ungefähr einordnen lassen, hatten wir bereits kürzlich ausführlich dargelegt. Generell ist der GM204-Chip auf Augenhöhe des GK110-Chips bzw. wohl sogar leicht besser zu erwarten, während der GM206-Chip grob in Richtung des GK104-Chips geht, wahrscheinlich aber nicht gänzlich dessen Performance-Niveau erreicht. Interessanter dürfte sowieso sein, welche (derzeit natürlich unbekannten) Preispunkte nVidia dann an die jeweiligen Produkte dranhängt und ob sich damit bedeutsamen Fortschritte gegenüber dem aktuellen nVidia-Portfolio ergeben.

Die PC Games Hardware hat sich angesehen, welche Grafikkarten-Power die Beta von Lichdom: Battlemage benötigt. Das Spiel auf Basis der Cryengine gehört zu AMDs Gaming-Evolved-Programm und wird in der finalen Version sowohl TressFX als auch TrueAudio unterstützen. Ersteres funktioniert derzeit aber noch nicht gut, letzteres fehlt in der getesteten Beta-Version noch gänzlich. Mittels der ersten Grafikkarten-Benchmarks unter Lichdom: Battlemage läßt sich erkennen, daß eine gute Performance-Karte Richtung Radeon R9 270X oder GeForce GTX 760 ausreichend ist, um in der maximalen Bildqualität ohne TressFX und ohne Multisampling Anti-Aliasing gute 50 fps zu erreichen, während bessere Mainstream-Lösungen wie Radeon R7 260X oder GeForce GTX 750 Ti schon vernünftige Framerate zwischen 30 und 35 fps erzielen. Die Grafikkarten-Anforderungen sind ohne Multisampling Anti-Aliasing also nicht all zu hoch, letzteres Feature scheint allerdings mit der finalen Spielversion nachgeliefert zu werden.

In einem Blogeintrag begründet nVidia das kürzlich vorgestellte Shield-Tablet mit Tegra-Hardware: nVidia sieht Gaming unter Android als derzeit schon extrem wichtigen Spielemarkt an, wo nVidia somit mitspielen muß. Vor allem aber sieht man eine Änderung des Nutzerverhaltens kommen, spekuliert zukünftig auf mehr Core-Gaming und weniger Casual-Gaming unter Android. Letzteres ist allerdings eine riskante Wette, denn Smartphones, Tablets und Handheld-Konsolen eignen sich nun einmal hervorragend für Casual-Gaming. Zudem sind auch die hohen Nutzerzahlen dieser Gerätschaften nur durch Casual-Nutzer zu erklären, welche kaum ein Faible für Core-Gaming haben bzw. entwickeln werden. Auch wenn ein Großteil der Umsätze von Googles Play-Store durch Gaming-Apps erzielt wird, ist die Kaufneigung bei dieserart Klein-Geräte generell schwach ausgeprägt.

So lange nVidia allerdings nur entsprechende Hardware verkaufen will, spielt dies keine Rolle, denn eben wegen der vielen kostenlosen oder kostengünstigen Casual-Angebote funktioniert dieser Markt schließlich. Man sollte nur nicht darauf setzen, aus diesem Casual-getriebenen Markt einen Core-Markt mit dementsprechenden Preisstrukturen machen zu wollen – daran dürften sich wohl alle die Zähne ausbeißen. Der Anspruch der meisten Smartphone- und Tablet-Käufer ist es nun einmal, daß mit dem Kaufpreis der Hardware im Prinzip alle Ansprüche abgegolten sind, der Rest (Apps) im eigentlichen kostenlos oben drauf zu legen ist. Die App-Stores von Apple und Google funktionieren nur deshalb als Gelddruck-Maschine, weil es schließlich weltweit nur zwei Anbieter gibt, jene also von Anfang an mit der weltweiten Masse Geschäfte machen können. Platz für eine breite Landschaft an App-Stores samt vielen kleinen und großen Entwickler-Studios ist in diesem Marktsegment einfach nicht zu sehen, das Geschäft mit Smartphone- und Tablet-Apps wird wahrscheinlich immer Casual-dominiert bleiben.

30

Umfrage-Auswertung: Aus welcher Architektur kommt der im Arbeits-System eingesetzte Prozessor?

Eine Umfrage von Mitte Juli ging der Frage nach, welcher Prozessoren-Architektur der im Arbeits-System eingesetzte Prozessor entstammt. Hierbei sollten vor allem etwaige Unterschiede zu einer gleichlautende Umfrage herausgearbeitet werden, welche sich mit dem im Spiele-System eingesetzten Prozessor beschäftigte. Jene Unterschiede fallen allerdings erstaunlich gering aus: LowPower- und APU-Prozessoren sowie ältere Modelle haben bei den Arbeits-Systemen einen teilweise deutlich höheren Zuspruch als bei den Spiele-Systemen – insbesondere AMDs APU-Prozessoren können gut von 3,0% auf 4,8% hinzulegen. In der Summe liegt der Anteil der LowPower-, APU- und älteren Prozessoren-Modelle mit 38,9% in Arbeits-Systemen aber nicht wesentlich vom dem Wert in Spiele-Systemen (33,9%) entfernt, das große Gesamtbild ähnelt sich also doch ziemlich stark.

Zwischen AMD und Intel bewegt sich fast gar nichts, in dieser Frage sind beide Umfrage nur um ±0,3% auseinander. Allenfalls beim Zuspruch zu AMDs Bulldozer-Architektur gibt es wieder einen gewissen Unterschied: Lag jener unter den mit modernen Prozessoren ausgerüsteten Spiele-Systemen noch bei 12,7%, sind es bei den Arbeits-Systemen nur noch 9,7% Bulldozer-Anteil – ein wirklich schlechter Wert für eine immerhin seit mehreren Jahren im Markt befindliche Performance-Architektur. Ironischerweise entspricht diese Kaufneigung überhaupt nicht dem Performance-Profil der Bulldozer-Prozessoren, welche bekannterweise vor allen in den Anwendungs-Performance glänzen können, dafür in der Spiele-Performance ziemlich abgeschlagen sind.

Spiele-System Arbeits-System
AMD LowPower 0,6% 1,5%
AMD APU 3,0% 4,8%
AMD K7/K8 1,6% 2,6%
AMD K10 11,8% 10,3%
AMD Bulldozer 8,4% 5,9%
Intel LowPower 0,2% 0,2%
Intel Pentium 4/M & Core 1 0,5% 1,2%
Intel Core 2 9,6% 11,3%
Intel Nehalem 6,6% 7,0%
Intel Sandy Bridge 21,5% 20,0%
Intel Ivy Bridge 20,5% 21,2%
Intel Haswell 15,7% 14,0%

Die generell eher geringen Unterschiede zwischen beiden Umfragen deuten darauf hin, daß sich die Hardware-Käufer einen Prozessor kaum explizit auf eine hohe Anwendungs- oder explizit auf eine hohe Spiele-Performance hingehend aussuchen, sondern daß eher die Prozessoren-Performance im allgemeinen betrachtet wird. Mit einem hohen Wert nur in dem einen oder anderen Betätigungsfeld kann man also nicht wirklich punkten – was für die Kaufentscheidung zählt, ist eine hohe Performance in allen Anwendungsfeldern. Dies erklärt auch, weshalb AMD mit seinen für Office-Aufgaben sehr brauchbaren APUs bisher noch keine durchschlagenden Verkaufserfolge erzielt hat bzw. wieso man die Bulldozer-basierten Prozessoren nicht als "Office-Wundermaschinen" hat positionieren können. Eine einseitige Performance-Ausrichtung kommt offenbar nicht gut beim Hardware-Käufer des Enthusiasten-Segments an, dies ist wohl die Lehre aus diesen Ergebnissen.

29

Hardware- und Nachrichten-Links des 29. Juli 2014

Laut den SweClockers (maschinelle Übersetzung ins Deutsche) kommt der Tonga-Chip zwischen Ende August und Anfang September als "Radeon R9 285" in den Handel. Da von zwei Tonga-Ausführungen gesprochen wird – und auch frühere AMD-Angaben gleich zwei Tonga-basierte Radeon R9 200 Grafikkarten erwähnen – dürfte die andere Tonga-Karte demzufolge die "Radeon R9 275" sein. Mit beiden Karten wird AMD aller Voraussicht nach die Tahiti-basierten Radeon R9 280 & 280X komplett ersetzen, letztgenannte Karten werden derzeit schon zu klaren Abverkaufspreisen angeboten. Wie bekannt, wird der Tonga-Chip die 2048 Shader-Einheiter von Tahiti an allerdings einem kleineren 256 Bit DDR Speicherinterface bieten (Tahiti: 384 Bit DDR), womit noch etwas in der Schwebe ist, ob der Tonga-Chip wirklich dieselbe Performance wie der Tahiti-Chip bieten kann. Dafür dürfte allerdings – u.a. durch den Verzicht auf die für professionelle Zwecke notwendigen Transistoren – der Stromverbrauch von Tonga deutlich niedriger ausfallen als von Tahiti gewohnt.

Nachdem die GeForce 800M Serie grob dem entspricht, was es im Desktop als "GeForce 700 Serie" gibt, scheint nVidia den Nummernwahn ein weiteres Jahr vorantreiben zu wollen und laut einem Posting bei Notebookreview ab Oktober mittels einer "GeForce GTX 980M" den Startschuß zur "GeForce 900M Serie" geben zu wollen. Wirklich überraschend kommt dieses nicht, immerhin folgt der Grafikchip-Entwickler damit der bekannten Idee, den Notebook-Herstellern jedes Jahr eine neue Serie an Mobile-Beschleunigern zur Verfügung zu stellen. Details zur GeForce 900M Serie gibt es natürlich noch nicht, aber man darf natürlich davon ausgehen, daß nVidia hierfür dann seine neuen Maxwell-basierten Chips GM206 & GM204 zuzüglich den bekannten Maxwell-Chips GM108 & GM107 einsetzen wird. Etwas vorsichtig sollte man allenfalls bezüglich des Releasetermins sein: Bei Notebookreview schreibt man voller Optimismus von "Shipping in October" – was allein schon für GM204-basierte Desktop-Grafikkarten gut wäre, für fertige Notebooks (mit deren höheren Validierungsbedarf) jedoch eine etwas gewagte These darstellt. Da vor allem noch der GM206-Chip fehlt, welcher deutlich besser für den Notebook-Einsatz geeignet erscheint, dürfte nVidias vollständiges Portfolio an GeForce 900M Lösungen kaum vor dem Jahreswechsel 2014/15 vorliegen.

Die PC Games Hardware hat eine "CPU-Roadmap 2014-2016" aufgelegt, welche skizziert, was bis zum Jahr 2016 von AMD und Intel an Neuerscheinungen im Mainstream- und Performance-Bereich zu erwarten ist. Die Roadmap der PCGH ist dabei anhand der jeweiligen Hersteller-Plattformen ausgerichtet, sprich Broadwell und Skylake tauchen jeweils gleich sechsmal auf. Dies entspricht zwar dem Intel-Namensschema und auch der allgemeinen Nachrichtenlage, welche sich immer wieder auf Broadwell/Skylake -S/-K/-H-/-U/-Y/-E bezieht, macht die Sache aber auch ziemlich verwirrend – gerade wenn es letztlich so ist, daß mit gewöhnlichem Broadwell & Skylake sowie Broadwell-E und Skylake-E nur jeweils zwei wirklich grundverschiedene Chips existieren. Andererseits stellt die PCGH-Roadmap somit in gutem Kontrast zu unseren eigenen Roadmaps, deren aktuelle Ausführungen immer über die Newsindex-Übersicht gefunden werden kann: Die letzte AMD Prozessoren-Roadmap, die letzte Intel Prozessoren-Roadmap, die letzte AMD & nVidia Grafikchip-Roadmap und letztlich die aktuelle Fertigungsverfahren-Roadmap.

Nachdem der österreichische Oberste Gerichtshof (OGH) erst kürzlich ein Urteil gefällt hat, welches österreicher Internet-Providern bei (angeblichen) Urheberrechtsverletzungen die Pflicht zu Internet-Sperren auf Zuruf der (angeblichen) Rechteinhabern auferlegt, haben sich jene Rechteinhaber diesen Elfmeter ohne Torhüter natürlich nicht entgehen lassen und fordern laut der Berichterstattung von Heise die Sperre einiger einschlägig bekannter Filesharing-Webseiten. Ehrlicherweise ist im konkreten Fall und im Sinne des geltenden Urheberrechts kaum etwas gegen diese Sperren zu sagen (vielleicht bis auf die generelle Sinnlosigkeit von Sperr-Bemühungen) – die Problematik dieses Fall wird sich wohl erst später so richtig entfalten. Denn einmal durchgesetzt, werden echte und vermeintliche Rechteinhaber die Internet-Provider mit Sperr-Begehren bombardieren, welche jene wegen der geltenden Rechtslage einfach so durchwinken müssen – und dementsprechend auch werden. Wenn die österreicher Internet-Provider Widerstand gegen dieses Urteil aufbringen wollen, so ist jetzt nahezu schon der letzte Zeitpunkt – denn ist das ganze erst einmal Gewohnheitsrecht, wird Widerstand um so schwieriger.

Bei Netzpolitik gibt es einen Bericht über ein interessantes Experiment, was sich alles aus den reinen Metadaten nur einer Lebenswoche eines (relativ) normalen Westeuropäers über dessen Person herausfinden läßt. Vielleicht hätte man in diesem Bericht häufiger betonen sollen, daß alle notierten Informationen wirklich allein über Metadaten ermittelt wurden, denn das ganze liest sich eher wie ein komplettes geheimdienstliches Profil nach langfristig angelegter, zeitraubender Recherche. Hauptansatzpunkte für die erfolgreiche Profilbildung sind zum einen das Smartphone als allumfassende Wanze (insbesondere die Positionsdaten sind äußerst nutzvoll, bringen sie viele andere Daten in einen sinnvollen Kontext) sowie die eMail-Tätigkeit, anhand welcher klar zwischen näheren und entfernteren Bekanntschaften unterschieden werden kann. Hinzuzuerwähnen wäre allerdings, daß eine solch umfassende Profilbildung in kurzer Zeit (derzeit) auch wirklich nur staatlichen Überwachern möglich ist, welche als einzige Zugriff auf alle Metadaten haben – es sei denn natürlich, man hat sein komplettes elektronisches Leben an solche bekannten Datenkraken wie Apple oder Google ausgeliefert.

29

Umfrage-Auswertung: Wie weit reichen die Linux-Erfahrungen?

Eine Umfrage von Mitte Juli ging der Frage nach, wieviel Linux-Erfahrungen bereits vorhanden sind. Dabei überraschte der sehr hohe Anteil von Umfrage-Teilnehmern, welche in der Tat schon Erfahrungen mit Linux sammeln konnten – dies sind immerhin gleich 84,8%. Selbst wenn man jene mit nur eher zaghaften ersten Versuchen herausnimmt, sind es immerhin noch 61,5% – eine ausreichend hohe Basis, um darauf aufbauend etwas ernsthaftes mit Linux in der Zukunft anfangen zu können. Dabei setzen derzeit immerhin schon 22,7% der Umfrage-Teilnehmer Linux als Produktiv-System ein, weitere 12,9% als Probier-System. Damit kann man mit Fug und Recht behaupten, daß die Ausgangslage für Linux zumindest im Enthusiasten-Segment so günstig wie nie ist – die wichtige Schwelle des "ersten Kontakts" ist längst überwunden.

Ob sich hiervon ausgehend in der Zukunft etwas zugunsten von Linux ergibt, bleibt jedoch weiterhin offen. Es gibt sicherlich über Valves SteamOS hoffnungsvolle Ansätze sowie endlich einmal gutklassige Unterstützung aus der Industrie selber. Auch manövriert sich Microsoft mit seinen Windows-Plänen zuletzt immer mehr in eine Position, welche nicht alle Nutzer mitgehen werden wollen – speziell in Bezug auf zwangsweiser Cloud- und Microsoft-Anbindung der kommenden Windows-Betriebssysteme. Die Alternative wird inzwischen aktiv gesucht und Linux ist hierbei erster Kandidat. Langfristig könnte man sich im Enthusiasten-Segment sogar mit eher komplizierten Konstruktionen wie einem Arbeits-OS (Linux) und einem reinen Spiele-OS (Windows) anfreunden – aber praktikabel für einen großen Durchbruch würde Linux nur dann werden, wenn es umfassende sowie problemlose Spielefunktionalität bekommt. Man kann es nicht beschwören, aber die Chancen dafür stehen durchaus nicht schlecht.

28

Hardware- und Nachrichten-Links des 28. Juli 2014

Die PC Games Hardware berichtet über eine Demonstration, wie leichtgläubig und sensationsgierig (wir) Hardware-Journalisten nun einmal sind: Dabei wurde in einem Forum ein bewußt falscher CPU-Z-Screenshot einer angeblichen A10-8850K APU veröffentlicht – mit halbwegs glaubwürdigen Daten, aber dennoch bewußt gefälscht. Der Ersteller musste danach jedoch mit Erstaunen feststellen, daß jemand seine "Idee" aufgriff und nachfolgend einen CPU-Z-Screenshot einer angeblichen A10-8890K APU nachschob, in diesem Fall mit nochmals angehobenen und inzwischen unglaubwürdigen Hardware-Daten (angeblich gleich sechs Rechenkerne bei Carrizo). Trotzdem verbreitete sich insbesondere der zweite Screenshot nachfolgend durchs Web bzw. wurde von einigen Hardware-Webseiten für voll genommen – bis sich der ursprüngliche Faker bei Overclock.net zu Wort meldete und die ganze Sache aufklärte.

Einige Hardware-Webseiten sind in diesem Fall wirklich schön hereingefallen – aber man braucht sich da wirklich nicht auf seinem Glück auszuruhen, in diesem Fall nicht betroffen zu sein: Passieren könnte dies wohl jedem. Letztlich schielen alle auf Klicks und das heilige Google-Standing – die einen nur mehr, die anderen eben weniger. Da zudem von den Herstellern bezüglich neuer Produkte respektive der Verifikation von Zukunfts-Themen nichts brauchbares kommt, hier und da unter vielen Gerüchten sich erfahrungsgemäß aber trotzdem Wahrheiten verbergen, ist es schlicht der Fluch der Hardware-Webseiten, eben mit Gerüchten arbeiten zu müssen und dabei natürlich auch einmal auf falsche Gerüchte hereinzufallen. Die eigentliche Kunst liegt wohl eher darin, nicht alles zu schlucken, was da ankommt, sondern zwischen unglaubwürdig und glaubwürdig zu unterscheiden – aber auch hier mit dem Restrisiko, daß die Hersteller einen mit etwas überraschen können, was man vorab als "unglaubwürdig" klassifiziert hat.

Bei OCDrift hat man einen (angeblichen) Core i7-5960K aus der wohl im September antretenden Haswell-E Prozessoren-Reihe "geköpft", um festzustellen, daß Intel diese Prozessoren fest verlötet anbietet – so wie dies früher bei Intel genereller Standard war, bei den Consumer-Modellen von Ivy Bridge und Haswell jedoch durch eine vergleichsweise billige Wärmeleitpaste ersetzt wurde. Allerdings handelt es sich bei der von OCDrift benutzten CPU augenscheinlich nicht um einen Core i7-5960K, das Prozessoren-Die sieht nach einem 12-Kern-Prozessor aus der Haswell-EP Prozessoren-Reihe für Server aus. Normalerweise sollte zwischen Haswell-E und Haswell-EP in der Frage der Verlötung kein Unterschied bestehen, aber gänzlich sicher kann man sich vor dem Auftauchen echter Haswell-E Prozessoren natürlich nicht sein. Ganz allgemein betrachtet wäre aber alles andere als eine herkömmliche Verlötung bei Haswell-E eine große Überraschung, da Intel auch Ivy Bridge E hat normal verlöten lassen und dort nicht die Änderung der regulären Ivy Bridge Prozessoren angesetzt hat.

Laut HT4U hat Microsoft seine frühere Aussage noch einmal präzisiert, nachdem es zukünftig nur noch "ein Windows für alles" geben sollte: Danach wird es wohl weiterhin verschiedene Windows-Versionen geben, die ganze Aussage bezieht sich allein darauf, daß zukünftig nur noch ein Microsoft-Team am Windows-Kern arbeiten wird, der Kern zwischen allen Windows-Versionen also identisch ist. Für den Konsumenten hat dies kaum praktische Auswirkungen und insofern war das ganze nur "viel Lärm um Nichts", gerade wo es jetzt weiterhin die verschiedenen Windows-Versionen für unterschiedliche Geräteklassen bzw. Hardware-Ausführungen geben soll. Wahrscheinlich sollte mit der ganzen Aktion nur Marketing-mäßig der Umstand verwurstet werden, daß man bei Microsoft in Zukunft noch stärker auf ModernUI-Anwendungen setzen wird – nicht wegen deren (bescheidener) Optik, sondern weil jene Hardware-unabhängig sowohl auf x86- als auch auf ARM-Prozessoren laufen. (Foren-Diskussion zum Thema)

WinFuture notieren eine weitere Idee seitens Microsoft, um im Smartphone/Tablet-Markt steigende Marktanteile zu erreichen: Nach den kostenlosen Windows-Lizenzen für Geräte unter 250 Dollar Endkundenpreis kommen nun auch noch Anteile an Werbeerlösen der Suchmaschine Bing hinzu, welche an die Gerätehersteller ausgeschüttet werden sollen. Ob hier wirklich viel herauskommen kann, ist unklar – aber in jedem Fall kann man Microsoft nicht vorwerfen, nicht auch wirklich das allerletzte zu versuchen (vielleicht ausgenommen bessere Produkte), um auf mehr Marktanteile zu kommen. Die letzten Microsoft-Offensiven sind zudem natürlich pro Forma absolut wettbewerbsverzerrend, wenn Windows-Lizenzen nicht nur glatt kostenlos abgegeben werden, sondern die Gerätehersteller potentiell sogar noch Geld dafür bekommen. Aber in diesem Markt, der sich noch nicht konsolidiert hat, muß Microsoft nun einmal unbedingt einen Fuß reinbekommen, damit man nicht auf ewig vom Wohl und Wehe des reinen PC-Geschäfts abhängig ist. Und letztlich verlangte Google standardmäßig auch gar nichts für sein Android, gleicht sich dies in diesem Fall sogar wieder aus.

28

Eine Performance-Einordnung der Radeon R9 280

Bei Durchsicht verschiedener Grafikkarten-Daten fiel auf, daß bislang noch eine genaue, Benchmark-basierte Performance-Einordnung der Radeon R9 280 fehlt. Die Karte wurde erst im März als quasi Wiedergänger der Radeon HD 7950 "Boost Edition" vorgestellt, seinerzeit fehlten allerdings die offiziellen Launch-Samples seitens AMD und auch dauerte es etwas, ehe der Handel bestückt war und sich erste Tests dieser Karte einfanden. Daher bliebt bislang unsere seinerzeitige Performance-Schätzung von ~330-340% stehen, welche wir hiermit – wenn auch nachträglich – nunmehr mittels der vorliegenden Benchmarks präzisieren wollen, ganz gleich ob die Karte inzwischen nunmehr in Richtung Abverkauf geht.

Eine Performance-Bestimmung ist in diesem Fall recht einfach vorzunehmen, da man nur die Abstände zu den bekannten Performance-Punkten von Radeon R7 270X (Perf.Index 290%) und Radeon R9 280X (Perf.Index 380%) finden muß. Allenfalls spielt hier ein wenig mit hinein, daß ausschließlich Hersteller-Designs getestet wurden, welche zumeist geringfügig ab Werk übertaktet waren. Die jeweils angesetzten Übertaktungen spielen aber bis auf die Asus DirectCU II keine echte Rolle, sondern bewegen sich nur bei +1% bis 3% Chiptakt bei unverändertem Speichertakt. Dies kann man bei der Rundung des endgültigen Performance-Index' der Radeon R9 280 berücksichtigen, beeinflußt aber ansonsten die Situation nicht wirklich.

Nach Durchsicht der entsprechenden Testberichte legen wir die Radeon R9 280 hiermit auf einen Performance-Index von 330% fest. Es ließ sich ziemlich schnell ermitteln, daß der durchschnittliche Abstand zur größeren Radeon R9 280X bei grob 15% liegt, der Abstand zur kleineren Radeon R9 270X bei gleichfalls grob 15% zu finden ist und die Radeon R9 280 somit ziemlich exakt in der Mitte zwischen Radeon R9 270X und Radeon R9 280X rangiert. Messungen gegenüber der Radeon HD 7950 "Boost Edition" (Perf.Index 320%) gab es wenige, aber aufgrund der teilweise genannten real anliegenden Taktraten zur Radeon R9 280 läßt sich deren Performance-Vorteil bei faktisch gleicher Hardware schlicht über den besseren Boost-Verlauf erklären: Während die Radeon HD 7950 "Boost Edition" ihren Boost bekannterweise teilweise bockig ausführt, konnte bei der Radeon R9 280 ein nahezu durchgehend anliegender Maximal-Takt beobachtet werden.

7950-Boost 270X 280 280X 760
Performance-Index 320% 290% 330% 380% 310%
Idle/Spiele-Stromverbrauch 14W
178W
10W
142W
~15W
~180W
16W
213W
11W
160W

Bezüglich des Stromverbrauchs der Radeon R9 280 liegt leider nur ein einzelner Meßwert seitens der Grafikkarte selber vor (seitens HT4U mit 11,6W Idle- und 180,0W Spiele-Verbrauch ), was für eine Durchschnittsbildung natürlich nicht ausreicht. Ausgehend von den zur Verfügung stehenden Stromverbrauchs-Werten verschiedener Gesamtsysteme kann man jedoch gut schätzen, daß die Radeon R9 280 in etwa soviel verbraucht wie die Radeon HD 7950 "Boost Edition" (14W/178W) – insofern werden wir für die Radeon R9 280 hierzu die Schätzwerte ~15W/~180W ansetzen.

Radeon HD 7950 "Boost Edition" Radeon R9 280 Radeon R9 280X GeForce GTX 760
Chipbasis AMD R1000/Tahiti, 4,31 Mrd. Transistoren in 28nm auf 365mm² Chipfläche nVidia GK104, 3,54 Mrd. Transistoren in 28nm auf 294mm² Chipfläche
Architektur GCN 1.0, DirectX 11.2a, Mantle & TrueAudio Kepler, DirectX 11.0, PhysX
Technik 2 Raster-Engines, 1792 Shader-Einheiten, 112 TMUs, 32 ROPs, 384 Bit DDR Interface 2 Raster-Engines, 2048 Shader-Einheiten, 128 TMUs, 32 ROPs, 384 Bit DDR Interface 3-4 Raster-Engines, 1152 Shader-Einheiten, 96 TMUs, 32 ROPs, 256 Bit DDR Interface
Taktraten 850/925/2500 MHz ≤933/2500 MHz ≤1000/3000 MHz 980/1033/3000 MHz
Speicher 3 GB GDDR5 3 GB GDDR5 3 GB GDDR5 2/4 GB GDDR5
Layout DualSlot DualSlot DualSlot DualSlot
Stromstecker 2x 6pol. 1x 6pol. + 1x 8pol. 1x 6pol. + 1x 8pol. 2x 6pol.
TDP 200W 250W 250W 170W
Idle-Verbrauch 14W ~15W 16W 11W
Spiele-Verbrauch 178W ~180W 213W 160W
Perf.Index
(19x10 4xAA)
320% 330% 380% 310%
Listenpreis 349$ 249$ 299$ 249$
Straßenpreis ausgelaufen 170-180€ 220-230€ 190-200€
Launch August 2012 4. März 2014 8. Oktober 2013 25. Juni 2013
Inhalt abgleichen