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News des 26./27. Februar 2011

Zur GeForce GTX 590 wurde schon deren Vorstellungstermin bei der Spieleentwicklerkonferenz PAX East 2011 genannt, welche vom 11. bis 13. März stattfindet – womit möglicherweise der 11. März der Launchtag von nVidias DualChip-Grafikkarte sein wird. AMD will nun dagegen sein DualChip-Projekt Radeon HD 6990 schon am 8. März vorstellen, nachdem dieses lange von Verzögerungssorgen geplagt war. Damit wird die erste Märzhälfte wieder enorm vollgepackt mit Hardware-Nachrichten – vom 1. bis 5. März ist die CeBIT, am 8. März kommt die Radeon HD 6990, am 11. März (voraussichtlich) die GeForce GTX 590 und dann am 15. März die GeForce GTX 550 Ti. Daß AMD die Radeon HD 6990 so offensichtlich noch vor die GeForce GTX 590 zieht, kann man im übrigen als eher schlechtes Zeichen sehen: Wenn, dann bemühen sich die Hersteller gern, ihre Produkte direkt nach der Konkurrenz herauszubringen, weil man dann auf Basis der finalen Konkurrenz-Informationen noch letzte Anpassungen (beispielsweise beim Takt) vornehmen kann, während die Konkurrenz sich offenbart hat und dann auch nichts mehr ändern kann.

AMD & nVidia Produktportfolio & Roadmap – 27. Februar 2011

Selbstverständlich läßt sich dies nur machen, wenn die jeweiligen Produkte ins selbe Preisegment gehen und die geplanten Launchtermine auch nicht all zu weit auseinanderliegen. Hier in diesem Fall liegt aber ein perfektes Beispiel vor – und wenn dann AMD scheinbar auf Zwang noch vor den Vorstellungstermin von nVidia geht, läßt dies fast nur den Schluß zu, daß man sich bei AMD darüber im klaren ist, mit der Radeon HD 6990 nicht die Performance der GeForce GTX 590 erreichen zu können – womit der Vorteil eines späteren Launches obsolet wäre und es eindeutig besser ist, vorher herauszukommen. Daß die Radeon HD 6990 wahrscheinlich nicht so schnell ist wie die GeForce GTX 590, ergibt sich allerdings schon aus dem verschiedenen Ansetzungen bei der maximalen TDP beider DualChip-Grafikkarten.

Die exakten TDP-Größen sind zwar noch nicht bekannt, aufgrund der bekannten Stromanschlüsse ist aber klar, daß AMD bis maximal 300 Watt TDP gehen kann und nVidia dagegen bis maximal 375 Watt, auch wenn letzteres eigentlich außerhalb der Spezifikationen der PCI-SIG liegt (das Standardisierungsgremium für PCI Express und aller darauf basierenden Steckkarten). Wenn sich nVidia mit der GeForce GTX 590 mehr Wattage genehmigt, wird aller Vorraussicht nach auch mehr Performance dabei herauskommen – ansonsten müsste AMDs Radeon HD 6990 schon sehr viel effektiver zu Werke gehen, um dies noch ausgleichen zu können. Unsere Prognose sieht die GeForce GTX 590 im übrigen auf der Performance einer GeForce GTX 570 SLI, die Radeon HD 6990 wohl grob 20 Prozent darunter – aber das ist nur eine äußerst fehlhafte Prognose, wahrscheinlich eher als "Blick in die Glaskugel" titulierbar.

Daß nVidia seine GeForce GTX 590 aller Voraussicht nach mit einer TDP überhalb von 300 Watt und damit außerhalb der Spezifikationen der PCI-SIG herausbringt, welche nur maximal 300 Watt für alle PCI-Express-Steckkarten zulassen, wird zwar von einigen kritisiert, ist aber letztlich in diesem Fall kein wirklicher Beinbruch. Immerhin handelt es sich bei einer GeForce GTX 590 um eine absolute Enthusiastenlösung, welche nur einen gewissen kleinen Markt bedient, in welchem Logik und Vernunft sowieso etwas außer Kraft gesetzt erscheinen. Zudem muß auch klar gesagt werden, daß die Spezifikation der PCI-SIG in diesem Punkt eine pure Festlegung ohne echten technischen Hintergrund ist – die offizielle Spezifikation gibt halt nicht mehr her, es wurde schlicht bisher nicht weiter als bis 300 Watt gedacht. Machbar ist auf jeden Fall mehr – gut möglich, daß sich höhere Spezifikationen im nächsten Spezifikations-Update der PCI-SIG dann auch ganz offiziell wiederfinden.

Bezüglich der Auswertung des HT4U-Artikels zum AMD E-350 Bobcat-Prozessor in den freitäglichen News gab es einige Kritik, welche allerdings berechtigt ist: Denn wir hatten im Überschwang eines einheitlichen, (vermeintlich) alles erklären könnenden Performance-Index die jeweiligen Einzelwerte mißachtet, welche eben manchmal doch eine komplett andere Geschichte erzählen. In diesem Fall ergibt sich nach dem Studium der Einzelwerte die hochinteressante Feststellung, daß Bobcat gegenüber Atom in stark multithreaded laufenden Benchmarks nur in etwa die gleiche Performance liefert (könnte am HyperThreading des DualCore-Atoms liegen, damit hat dieser dann vier logische Prozessorenkerne), in stark singlethreaded laufenden Benchmarks dagegen Bobcat um satte 60 Prozent vor Atom liegt – gegenüber einem Performance-Unterschied über alle Benchmarks von +20% zugunsten von Bobcat.

stark singlethreaded stark multithreaded insgesamt
Intel Atom D525
Atom-Architektur, 2 Kerne + HT, 1.8 GHz
62% 99% 83%
AMD E-350
Bobcat-Architektur, 2 Kerne, 1.6 GHz
100% 100% 100%
AMD Athlon II X2 240e
K10-Architektur, 2 Kerne, 2.8 GHz
247% 257% 248%
Intel Pentium E6300
Core-2-Architektur, 2 Kerne, 2.8 GHz
283% 272% 267%
Intel Pentium G6950
Nehalem-Architektur, 2 Kerne, 2.8 GHz
301% 309% 298%
Intel Pentium G620
Sandy-Bridge-Architektur, 2 Kerne, 2.6 GHz
328% 342% 326%
Die insgesamt-Prozentwerte sind leicht abweichend von denen bei HT4U geposteten, da wir für diese Tabelle unsere eigene Insgesamt-Rechnung (auf Basis der Benchmarks von HT4U) aufgemacht haben.

Und diese 60 Prozent unter stark singlethreaded laufenden Anwendungen sind dann exakt das, was Bobcat sehr deutlich von Atom abheben – es wird hier zudem gerade dieser Anwendungsbereich angesprochen, welche für die typische Zähigkeit von Atom verantwortlich ist. Mit +60% in dieser Disziplin dürfte sich Bobcat also beim allgemeinen Flüssigkeitseindruck doch deutlich besser als Atom schlagen. Generell ist der Punkt des Vergleichs Bobcat zu Atom in der freitäglichen News zu wenig beachtet wurden bzw. wurde zu wenig deutlich, daß wir Bobcat natürlich (und auch ohne die heutige Neubetrachtung) als die bessere Alternative gegenüber Atom betrachten: Der CPU-Performanceunterschied ist so oder so gegeben, die Grafikleistung ist bei Bobcat ebenfalls da und wenn man bei Atom ein gleichwertiges Umfeld zusammensucht (sprich, mit Ion-Grafiklösung), dann liegt Bobcat auch bei der Leistungsaufnahme besser – und daß alles dann zum etwa gleichen Preis (Atom-Systeme mit Ion kosten ab 100 Euro, Bobcat liegt ähnlich).

Dies ändert allerdings nicht an der weiteren Einschätzung der freitäglichen News, welche sich primär auf den Vergleich Bobcat mit ausgewachsenen Desktop-Prozessoren bezieht: Hier liegt Bobcat selbst gegenüber den Billig-Modellen von Intel derart weit zurück, daß man doch besser zu Pentium E oder G greift, selbst wenn Performance eigentlich nicht als so wichtig erscheint – dies gilt unserer Meinung nach angesichts des übergroßen Performance-Unterschieds auch im Mobile-Bereich. Potentiell ist Bobcat zwar in der Lage, besonders stromsparende Notebooks mit demzufolge langer Akku-Laufzeit zu ermöglichen – aber dies kommt auf das einzelne Modell bzw. den jeweils verbauten Akku an. Wenn der Notebook-Hersteller den Vorteil der mobilen Bobcats bei der Verlustleistung (nur 9 Watt TDP) dazu ausnutzt, einfach einen kleineren Akku zu verbauen, bleibt dieser Vorteil schließlich rein theoretisch. Bobcat hat seine Anwendungsfelder primär im Atom-Ersatz, aber nicht im Ersatz billiger "Normal-Systeme". Zur Klarstellung sei natürlich gesagt, daß Bobcat auch für nichts anderes erdacht wurde. Der Vergleich gegen Pentium E und G ist halt nur der Versuch, Bobcat eventuell für mehr zu benutzen, als für was Bobcat ursprünglich gedacht war – daß dies nun kaum möglich ist, kann man Bobcat nicht negativ anrechnen und wollten wir mit unserer freitäglichen News auch nicht tun.

Eine nutzvolle Anwendungsmöglichkeit für Intels neuer Verbindungstechnologie Thunderbolt wäre sicherlich der Fall externe Grafiklösung – da Thunderbolt ein PCI-Express-Signal überträgt und das ganze kabelgebunden ist, erscheint Thunderbolt nahezu perfekt dafür. Hinzu kommt der Punkt eines allgemeingültigen Standards, der auch noch für viele andere Dinge genutzt wird, sprich die Thunderbolt-Buchse könnte sich zukünftig an vielen Notebooks befinden, obwohl deren Hersteller dabei gar nicht an das Thema "externe Grafiklösung" gedacht haben. Durch das passende Signal und die Standarisierung können diese Notebookhersteller, welche Thunderbolt-Buchsen verbauen, die Nutzung einer externen Grafiklösung nicht einmal dann verhindern, wenn sie es wollten – was das Ende der ungeliebten, weil unflexiblen und teuren proprietäten Lösungen auf diesem Gebiet darstellen dürfte.

Allerdings ist Thunderbolt in der jetzigen Form noch etwas unperfekt für diese Anwendungsmöglichkeit, weil die Datenübertragungsrate von 10 GBit/sec sich für alle andere Dinge großartig anhört, für eine Grafikkarte aber immer noch recht wenig darstellt. Dies sind umgerechnet gerade einmal 1,25 GB/sec, was nicht viel mehr ist als PCI Express 1.0 x4 – oder PCI Express 3.0 x1 (beide 1000 MB/sec). Dies dürfte für leistungsfähige Grafikkarten zu wenig sein bzw. diese sehr deutlich einbremsen. Allerdings wird sich Thunderbolt in der Zukunft weiterentwickeln, deutlich höhere Datenübertragungsraten sind schon in der Planung und werden dann dafür sorgen, daß auch externe Grafikkarten über diese Schnittstelle angebunden werden können. In der Langzeit-Perspektive könnte es dann endlich einmal zu einem lebendigen Markt an Gehäuse und externen Netzteilen für Grafikkarten kommen, welche wie als Docking-Station per Thunderbolt an Netbooks, Notebooks und Laptops angeschlossen werden.

Der Heise Newsticker vermeldet dagegen Sicherheitsbedenken gegenüber Thunderbolt – offenbar hat der PC mit dem Thunderbolt-Hostcontroller keine Kontrolle über den Datenfluß der einzelnen Thunderbolt-Geräte, womit diese auch außerhalb des Horizonts der meisten Sicherheitssoftware operieren. Machbar wäre damit der direkte Zugriff auf den Arbeitsspeicher des PCs oder Notebook allein durch das Anstecken eines Thunderbolt-Sticks. Sicherheitsrelevant dürfte dies vorerst aber nur im dienstlichen Umfeld und nicht für privat genutzte PCs sein – dort passiert es eher selten, daß ein PC händisch auszuhorchen versucht wird. Sofern sich Thunderbolt weit durchsetzt, muß man allerdings sehen, ob sich hieraus weitere Implikationen ergeben könnten. Kleiner korrigierender Nachtrag zu den Freitags-News: Natürlich kann Thunderbolt auch Netzwerk-Signale übertragen – diese werden genauso wie alle anderen Daten-Signale PC-intern auf PCI Express gelegt, womit sie genauso auch prinzipgebunden Thunberbolt-fähig sind.

Zur GeForce GTX 590 wurde schon deren Vorstellungstermin bei der Spieleentwicklerkonferenz PAX East 2011 genannt, welche vom 11. bis 13. März stattfindet - womit möglicherweise der 11. März der Launchtag von nVidias DualChip-Grafikkarte sein wird. AMD will nun dagegen sein DualChip-Projekt Radeon HD 6990 schon am 8. März vorstellen, nachdem dieses lange von Verzögerungssorgen geplagt war. Damit wird die erste Märzhälfte wieder enorm vollgepackt mit Hardware-Nachrichten - vom 1. bis 5. März ist die CeBIT, am 8. März kommt die Radeon HD 6990, am 11. März (voraussichtlich) die GeForce GTX 590 und dann am 15. März die GeForce GTX 550 Ti. Daß AMD die Radeon HD 6990 so offensichtlich noch vor die GeForce GTX 590 zieht, kann man im übrigen als eher schlechtes Zeichen sehen: Wenn, dann bemühen sich die Hersteller gern, ihre Produkte direkt nach der Konkurrenz herauszubringen, weil man dann auf Basis der finalen Konkurrenz-Informationen noch letzte Anpassungen (beispielsweise beim Takt) vornehmen kann, während die Konkurrenz sich offenbart hat und dann auch nichts mehr ändern kann.



Selbstverständlich läßt sich dies nur machen, wenn die jeweiligen Produkte ins selbe Preisegment gehen und die geplanten Launchtermine auch nicht all zu weit auseinanderliegen. Hier in diesem Fall liegt aber ein perfektes Beispiel vor - und wenn dann AMD scheinbar auf Zwang noch vor den Vorstellungstermin von nVidia geht, läßt dies fast nur den Schluß zu, daß man sich bei AMD darüber im klaren ist, mit der Radeon HD 6990 nicht die Performance der GeForce GTX 590 erreichen zu können - womit der Vorteil eines späteren Launches obsolet wäre und es eindeutig besser ist, vorher herauszukommen. Daß die Radeon HD 6990 wahrscheinlich nicht so schnell ist wie die GeForce GTX 590, ergibt sich allerdings schon aus dem verschiedenen Ansetzungen bei der maximalen TDP beider DualChip-Grafikkarten.

Die exakten TDP-Größen sind zwar noch nicht bekannt, aufgrund der bekannten Stromanschlüsse ist aber klar, daß AMD bis maximal 300 Watt TDP gehen kann und nVidia dagegen bis maximal 375 Watt, auch wenn letzteres eigentlich außerhalb der Spezifikationen der PCI-SIG liegt (das Standardisierungsgremium für PCI Express und aller darauf basierenden Steckkarten). Wenn sich nVidia mit der GeForce GTX 590 mehr Wattage genehmigt, wird aller Vorraussicht nach auch mehr Performance dabei herauskommen - ansonsten müsste AMDs Radeon HD 6990 schon sehr viel effektiver zu Werke gehen, um dies noch ausgleichen zu können. Unsere Prognose sieht die GeForce GTX 590 im übrigen auf der Performance einer GeForce GTX 570 SLI, die Radeon HD 6990 wohl grob 20 Prozent darunter - aber das ist nur eine äußerst fehlhafte Prognose, wahrscheinlich eher als "Blick in die Glaskugel" titulierbar.

Daß nVidia seine GeForce GTX 590 aller Voraussicht nach mit einer TDP überhalb von 300 Watt und damit außerhalb der Spezifikationen der PCI-SIG herausbringt, welche nur maximal 300 Watt für alle PCI-Express-Steckkarten zulassen, wird zwar von einigen kritisiert, ist aber letztlich in diesem Fall kein wirklicher Beinbruch. Immerhin handelt es sich bei einer GeForce GTX 590 um eine absolute Enthusiastenlösung, welche nur einen gewissen kleinen Markt bedient, in welchem Logik und Vernunft sowieso etwas außer Kraft gesetzt erscheinen. Zudem muß auch klar gesagt werden, daß die Spezifikation der PCI-SIG in diesem Punkt eine pure Festlegung ohne echten technischen Hintergrund ist - die offizielle Spezifikation gibt halt nicht mehr her, es wurde schlicht bisher nicht weiter als bis 300 Watt gedacht. Machbar ist auf jeden Fall mehr - gut möglich, daß sich höhere Spezifikationen im nächsten Spezifikations-Update der PCI-SIG dann auch ganz offiziell wiederfinden.

Bezüglich der Auswertung des HT4U-Artikels zum AMD E-350 Bobcat-Prozessor in den freitäglichen News gab es einige Kritik, welche allerdings berechtigt ist: Denn wir hatten im Überschwang eines einheitlichen, (vermeintlich) alles erklären könnenden Performance-Index die jeweiligen Einzelwerte mißachtet, welche eben manchmal doch eine komplett andere Geschichte erzählen. In diesem Fall ergibt sich nach dem Studium der Einzelwerte die hochinteressante Feststellung, daß Bobcat gegenüber Atom in stark multithreaded laufenden Benchmarks nur in etwa die gleiche Performance liefert (könnte am HyperThreading des DualCore-Atoms liegen, damit hat dieser dann vier logische Prozessorenkerne), in stark singlethreaded laufenden Benchmarks dagegen Bobcat um satte 60 Prozent vor Atom liegt - gegenüber einem Performance-Unterschied über alle Benchmarks von +20% zugunsten von Bobcat.





stark singlethreaded
stark multithreaded
insgesamt





Intel Atom D525
Atom-Architektur, 2 Kerne + HT, 1.8 GHz
62%
99%
83%



AMD E-350
Bobcat-Architektur, 2 Kerne, 1.6 GHz
100%
100%
100%



AMD Athlon II X2 240e
K10-Architektur, 2 Kerne, 2.8 GHz
247%
257%
248%



Intel Pentium E6300
Core-2-Architektur, 2 Kerne, 2.8 GHz
283%
272%
267%



Intel Pentium G6950
Nehalem-Architektur, 2 Kerne, 2.8 GHz
301%
309%
298%



Intel Pentium G620
Sandy-Bridge-Architektur, 2 Kerne, 2.6 GHz
328%
342%
326%



Die insgesamt-Prozentwerte sind leicht abweichend von denen bei HT4U geposteten, da wir für diese Tabelle unsere eigene Insgesamt-Rechnung (auf Basis der Benchmarks von HT4U) aufgemacht haben.





Und diese 60 Prozent unter stark singlethreaded laufenden Anwendungen sind dann exakt das, was Bobcat sehr deutlich von Atom abheben - es wird hier zudem gerade dieser Anwendungsbereich angesprochen, welche für die typische Zähigkeit von Atom verantwortlich ist. Mit +60% in dieser Disziplin dürfte sich Bobcat also beim allgemeinen Flüssigkeitseindruck doch deutlich besser als Atom schlagen. Generell ist der Punkt des Vergleichs Bobcat zu Atom in der freitäglichen News zu wenig beachtet wurden bzw. wurde zu wenig deutlich, daß wir Bobcat natürlich (und auch ohne die heutige Neubetrachtung) als die bessere Alternative gegenüber Atom betrachten: Der CPU-Performanceunterschied ist so oder so gegeben, die Grafikleistung ist bei Bobcat ebenfalls da und wenn man bei Atom ein gleichwertiges Umfeld zusammensucht (sprich, mit Ion-Grafiklösung), dann liegt Bobcat auch bei der Leistungsaufnahme besser - und daß alles dann zum etwa gleichen Preis (Atom-Systeme mit Ion kosten ab 100 Euro, Bobcat liegt ähnlich).

Dies ändert allerdings nicht an der weiteren Einschätzung der freitäglichen News, welche sich primär auf den Vergleich Bobcat mit ausgewachsenen Desktop-Prozessoren bezieht: Hier liegt Bobcat selbst gegenüber den Billig-Modellen von Intel derart weit zurück, daß man doch besser zu Pentium E oder G greift, selbst wenn Performance eigentlich nicht als so wichtig erscheint - dies gilt unserer Meinung nach angesichts des übergroßen Performance-Unterschieds auch im Mobile-Bereich. Potentiell ist Bobcat zwar in der Lage, besonders stromsparende Notebooks mit demzufolge langer Akku-Laufzeit zu ermöglichen - aber dies kommt auf das einzelne Modell bzw. den jeweils verbauten Akku an. Wenn der Notebook-Hersteller den Vorteil der mobilen Bobcats bei der Verlustleistung (nur 9 Watt TDP) dazu ausnutzt, einfach einen kleineren Akku zu verbauen, bleibt dieser Vorteil schließlich rein theoretisch. Bobcat hat seine Anwendungsfelder primär im Atom-Ersatz, aber nicht im Ersatz billiger "Normal-Systeme". Zur Klarstellung sei natürlich gesagt, daß Bobcat auch für nichts anderes erdacht wurde. Der Vergleich gegen Pentium E und G ist halt nur der Versuch, Bobcat eventuell für mehr zu benutzen, als für was Bobcat ursprünglich gedacht war - daß dies nun kaum möglich ist, kann man Bobcat nicht negativ anrechnen und wollten wir mit unserer freitäglichen News auch nicht tun.

Eine nutzvolle Anwendungsmöglichkeit für Intels neuer Verbindungstechnologie Thunderbolt wäre sicherlich der Fall externe Grafiklösung - da Thunderbolt ein PCI-Express-Signal überträgt und das ganze kabelgebunden ist, erscheint Thunderbolt nahezu perfekt dafür. Hinzu kommt der Punkt eines allgemeingültigen Standards, der auch noch für viele andere Dinge genutzt wird, sprich die Thunderbolt-Buchse könnte sich zukünftig an vielen Notebooks befinden, obwohl deren Hersteller dabei gar nicht an das Thema "externe Grafiklösung" gedacht haben. Durch das passende Signal und die Standarisierung können diese Notebookhersteller, welche Thunderbolt-Buchsen verbauen, die Nutzung einer externen Grafiklösung nicht einmal dann verhindern, wenn sie es wollten - was das Ende der ungeliebten, weil unflexiblen und teuren proprietäten Lösungen auf diesem Gebiet darstellen dürfte.

Allerdings ist Thunderbolt in der jetzigen Form noch etwas unperfekt für diese Anwendungsmöglichkeit, weil die Datenübertragungsrate von 10 GBit/sec sich für alle andere Dinge großartig anhört, für eine Grafikkarte aber immer noch recht wenig darstellt. Dies sind umgerechnet gerade einmal 1,25 GB/sec, was nicht viel mehr ist als PCI Express 1.0 x4 - oder PCI Express 3.0 x1 (beide 1000 MB/sec). Dies dürfte für leistungsfähige Grafikkarten zu wenig sein bzw. diese sehr deutlich einbremsen. Allerdings wird sich Thunderbolt in der Zukunft weiterentwickeln, deutlich höhere Datenübertragungsraten sind schon in der Planung und werden dann dafür sorgen, daß auch externe Grafikkarten über diese Schnittstelle angebunden werden können. In der Langzeit-Perspektive könnte es dann endlich einmal zu einem lebendigen Markt an Gehäuse und externen Netzteilen für Grafikkarten kommen, welche wie als Docking-Station per Thunderbolt an Netbooks, Notebooks und Laptops angeschlossen werden.

Der Heise Newsticker vermeldet dagegen Sicherheitsbedenken gegenüber Thunderbolt - offenbar hat der PC mit dem Thunderbolt-Hostcontroller keine Kontrolle über den Datenfluß der einzelnen Thunderbolt-Geräte, womit diese auch außerhalb des Horizonts der meisten Sicherheitssoftware operieren. Machbar wäre damit der direkte Zugriff auf den Arbeitsspeicher des PCs oder Notebook allein durch das Anstecken eines Thunderbolt-Sticks. Sicherheitsrelevant dürfte dies vorerst aber nur im dienstlichen Umfeld und nicht für privat genutzte PCs sein - dort passiert es eher selten, daß ein PC händisch auszuhorchen versucht wird. Sofern sich Thunderbolt weit durchsetzt, muß man allerdings sehen, ob sich hieraus weitere Implikationen ergeben könnten. Kleiner korrigierender Nachtrag zu den Freitags-News: Natürlich kann Thunderbolt auch Netzwerk-Signale übertragen - diese werden genauso wie alle anderen Daten-Signale PC-intern auf PCI Express gelegt, womit sie genauso auch prinzipgebunden Thunberbolt-fähig sind.