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News des 19. Juli 2011

Gemäß WinFuture hat AMD zur nächsten Xbox gesagt, daß von dieser eine Grafik wie aus dem Avatar-Film bekannt zu erwarten sei. Dies könnte man schnell als Aussage zur Grafikpracht mißdeuten – allerdings sind auch die besten Rechnerfarmen der Welt derzeit noch lange nicht in der Lage, die CGI-Szenen von Avatar in Realzeit zu berechnen (üblicherweise rechnen ganze Rechnerfarmen mehrere Monate an solchen Filmen herum). Insofern erscheint es absurd, diese Aussage in Richtung Grafikqualität zu verstehen – auf ganz andere Weise wird aber ein Schuh draus: Die Xbox 720 wird – wie schon prognostiziert – mit stereoskopischem 3D als Mainfeature aufwarten. Dies ist mit heutigen Möglichkeiten realisierbar, läßt sich gut vermarkten (gerade angesichts des Rückgangs der Bedeutung von Grafikqualität) und erzeugt nette Synergieeffekte mit der sicherlich überaus willigen TV-Industrie. Und daß man es verklausuliert ausdrückt und (bewußt) von dem Mißverständnis einer Avatar-gleichen Grafikpracht profitiert, zeigt, daß das Marketing in diese Richtung hin faktisch schon angelaufen ist.

In der Diskussion zu unserem aktuellen Artikel wurde auch der (korrekte) Einwand gebracht, daß AMD Southern Islands und nVidias Kepler eventuell schon nach DirectX 11.1 gebaut sein könnten. Dieses Update für DirectX 11 wurde erstmals seitens Intel in einer Präsentationsfolie (letzte Folie dieses Forenpostings) für Haswell genannt. Weil Haswell aber ursprünglich erst Anfang 2013 antreten sollte (und nunmehr auf Anfang 2014 verschoben ist), könnte DirectX 11.1 bei AMD und nVidia natürlich auch erst zu den Refresh-Architekturen von Southern Islands und Kepler zum Jahresende 2012 antreten (daß Intel der erste bei einem DirectX-Update sein sollte, ist dagegen arg unwahrscheinlich). Der ungewisse Punkt an DirectX 11.1 ist aber vor allem, ob dies überhaupt ein offizielle Standard ist – die Roadmap-Nennung gibt da keinerlei Sicherheit, da die Hersteller von integrierter Grafik ihre Produkte auch schon in der Vergangenheit mit nicht offiziell existierenden Standards "aufgewertet" haben.

In jedem Fall macht das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von DirectX 11.1 bei Southern Islands und Kepler voraussichtlich keinen Unterschied in der unseren Artikel maßgeblich beschäftigenden Frage nach dem Transistorenmehraufwand bei den kommenden Grafikchip-Generationen: Wenn, dann wird DirectX 11.1 hier kaum einen größeren Einfluß nehmen, da ein solches Update sicherlich nicht im Ansatz so viele Änderungen mitbringt wie der Sprung zwischen zwei Hauptversionen von DirectX. Nach wie vor bleibt bestehen, daß sich gerade nVidia bei Kepler in erster Linie auf die Steigerung der Anzahl der Hardware-Einheiten konzentrieren kann, es müssen keine größeren Architektur-Änderungen umgesetzt werden. Bei AMD sieht dies bekannterweise anders aus, die neue "Graphics Core Next" Grafikchip-Architektur wird in jedem Fall Transistoren kosten, potentiell aber natürlich auch für eine höhere Effizienz der AMD-Beschleuniger sorgen.

BSN bringen interessante neue Informationen zu nVidias "Project Denver". Danach soll der Tape-Out dieses für das Jahr 2013 angesetzten ARM-basierten Prozessors schon im Dezember 2011 stattfinden – andererseits ist es zumindest im CPU-Bereich nicht so ungewöhnlich, daß zwischen dem ersten Silizium und dem Marktstart dann ein Jahr oder mehr liegen. Ende 2011 sollte nVidia dann schon die 28nm-Fertigung ansetzen – was angesichts von gleich acht ARM-Rechenkernen auf CPU-Seite und "mindestens" 256 Shader-Einheiten auf GPU-Seite auch als dringend notwendig erscheint. Letzteres Information wirft zudem ein neues Licht auf das ganze Projekt – nVidia scheint hier keineswegs eine Grafikeinheit zum "Hausgebrauch" anzupflanschen, sondern gleich mit dieser in die Vollen gehen zu wollen.

Natürlich kann niemand sagen, ob die Shader-Einheiten von Denver genauso kraftvoll sind wie diejenigen von "echten" nVidia-Grafikchips, zudem sind auch noch gewisse Abspeckungen durch niedrigere Taktraten als aus dem Grafikkarten-Bereich gewohnt zu erwarten. Trotzdem sind 256 Shader-Einheiten schon allein für sich eine sehr ordentliche Hausmarke, damit kann man bei einem günstigen Verlauf eine Grafik-Performance im Rahmen einer GeForce GTX 550 Ti (nur 192 Shader-Einheiten, aber hohe Taktraten und eigenes 192 Bit DDR Speicherinterface mit schnellem GDDR5-Speicher) herausholen. Dies wäre ungefähr das Doppelte, was Llano derzeit auf die Waage bringt – was sofort die Frage aufwirft, wie nVidia die dafür benötigte Speicherbandbreite aufzubieten gedenkt (noch dazu wo nVidia-Grafikchips höhere Speicherbandbreite deutlich mehr mögen als AMD-Grafikchips).

Auf viel schnelleren DDR3-Speicher kann man nicht setzen (dann rebellieren die OEM-Hersteller wegen der Kosten), DDR4 steht wohl noch nicht zur Verfügung und eine Verbreiterung des Speicherinterfaces bedeutet wiederum klar höhere Systemkosten – da muß wohl noch etwas anderes kommen, um diesen Punkt zufriedenstellend zu klären. Natürlich wird nVidia diese 256 Shader-Einheiten auch zur Beschleunigung der CPU einzusetzen versuchen und in diesem Punkt dann dem Fusion-Konzept von AMD folgen. Fusion dürfte hierbei auch den Weg bereiten, denn die Schwierigkeit in dieser Frage besteht in erster Linie darin, die Software-Entwickler von der Nutzbarkeit der Shader-Einheiten für eigentliche CPU-Aufgaben zu überzeugen. In jedem Fall outet sich "Project Denver" damit als wirklich stark GPU-lastiges CPU-Projekt, der Vergleich zu Llano liegt dann ziemlich nahe.