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Hardware- und Nachrichten-Links des 19./20. Dezember 2020

Von den Twitterern MebiuW und David Bepo kommen zwei selbsterstellte und damit inoffizielle Prozessoren-Roadmaps zum vermuteten CPU-Geschehen in den Jahren 2021, 2022 und 2023. Erstere Roadmap konzentriert sich dabei eher auf die unteren Teile des Angebots, mit starkem Blickwinkel auf das (vielfältige) Mobile-Angebot, zweitere Roadmap geht hingegen bis zum Server- und HEDT-Segment hinauf. In beiden Fällen handelt es sich um Zusammenstellungen des bisherigen Wissens, welches sich aus einzelnen Ankündigungen seitens AMD & Intel und oftmals aber auch einfach nur Gerüchten speist. Mangels detaillierter Roadmaps seitens AMD und mangels überhaupt irgendwelcher Roadmaps seitens Intel ist dies allerdings das beste, was es derzeit zu diesem Thema überhaupt gibt.

Twitterer 'Rogame' liefert hingegen in zwei Tweets – No.1 & No.2 – gewisse Details zu den AMD-APUs für 2021/22. Hieraus ergibt sich ein ziemlich breit aufgestelltes APU-Portfolio für die nächsten zwei Jahre – was sich wohl auch nur lohnt, wenn AMD jene APUs dann in beachtbaren Mengen liefern und absetzen kann. Denn im Gegensatz zu den Desktop-, HEDT- und Server-Prozessoren bei AMD werden die APUs weiterhin als monolitische Chips aufgelegt, jeder einzelne Chip wirft also seine eigenen Produktionsvorbereitungs-Kosten auf. Die "Rembrandt"-APU wird im übrigen bereits der "Zen 3+" Generation unter der 6nm-Fertigung zugeordnet, wobei sich diese Information durchaus auf frühere Leaks & Gerüchte stützen kann. DDR5-Speicher scheint zudem bei AMD im APU-Bereich auch erst im Jahr 2022 an den Start zu gehen, das einzige bedeutende 2021er Chip-Projekt mit DDR5-Nutzung bleibt demnach Intels "Alder Lake".

AMD-APUs 2021 AMD-APUs 2022
45W-Klasse Cezanne-H, 45W, Zen 3, Vega, 7nm Rembrandt-H, 45W, Zen 3+, RDNA2, 6nm, LPDDR5/DDR5
15W-Klasse Cezanne-U, 15W, Zen 3, Vega, 7nm
Lucienne-U, 15W, Zen 2, Vega, 7nm
Rembrandt-U, 15W, Zen 3+, RDNA2, 6nm, LPDDR5/DDR5
Barcelo-U, 15W, Zen 3, Vega, 7nm
9W-Klasse van Gogh, 9W, Zen 2, RDNA2, 7nm, LPDDR5 Dragon Crest, 9W, Zen 2, RDNA2, 7nm, LPDDR5
4,5W-Klasse Pollock, 4.5W, Zen, Vega, 14nm Pollock, 4.5W, Zen, Vega, 14nm
gemäß den Ausführungen von Rogame @ Twitter: No.1 & No.2; PS: der Codename "Dragon Crest" wird von anderen Beobachtern in Frage gestellt

Zu jenem "Alder Lake" war lange Zeit unklar, was Intel mit den neuen Suffixen "Alder Lake-M" und "Alder Lake-P" meinen könnte. Laut Twitterer Raichu handelt es sich beiderseits um Mobile-Abwandlungen – was sich auch am jüngsten Aufkommen von "Alder Lake-S" ergibt, mittels welchem logischerweise die entsprechenden Desktop-Ausführungen gemeint sind. "Alder Lake-M" ist danach die Tablet-Klasse, welche bislang bei Intel eher mit Atom-basierten Prozessoren belegt wurde – was aber natürlich bei Alder Lake passt, denn hierbei handelt es sich um eine Hybrid-Architektur mit Rechenkernen aus Core- und Atom-Abstammung. "Alder Lake-P" ist dagegen das, was bisher die komplette Notebook-Klasse bei Intel war, sprich von den 55W-Boliden bis zu den 15W-Ultrabook-Prozessoren. Im groben Maßstab wird man im PC-Bereich somit nur "Alder Lake-P" sehen, "Alder Lake-M" hingegen bestenfalls bei besonders dünnen oder/und leistungslosen Notebooks.

Alder Lake-M Alder Lake-P Alder Lake-S
Segment Tablet Notebook Desktop
Wattagen 5W & 9W 15W, 28W, 45W & 55W 35W, 65W, 95W & 125W

Laut Bloomberg soll Microsoft es Apple nachmachen und an Microsoft-eigenen ARM-Chips arbeiten. Sicher ist dies derzeit erst einmal nur bezüglich Server-Chips für die Microsoft-Cloud, was aufgrund der dafür benötigen (insgesamten) Rechenleistung eine nachvollziehbare Entscheidung darstellt. Gleichzeitig soll man bei Microsoft aber auch über einen weiteren ARM-basierten Chip zugunsten der eigenen Surface-Linie an Notebooks & Tablets nachdenken. Jener könnte ein Nebenprodukt des vorgenannten Server-Chips sein – auf Basis derselben Architektur, nur eben mit weniger Recheneinheiten und damit mehr PC-geeignet. Die Entscheidung pro eigener Server-Chips scheint dabei ziemlich festzustehen ("to produce"), jene zu eigenen PC-Chips hingegen noch nicht final gefällt zu sein ("exploring"). Sinn ergibt das sowieso, alle großen Cloud-Anbieter werden über kurz oder lang mit eigener Hardware anrücken – weil aufgelegt wird dabei zumeist nur ein einzelner Custom-Chip, welcher in rauen Mengen hergestellt die Designkosten locker wieder hereinholt. Aus der grundsätzlichen Architektur – welche auch und gerade im Server-Bereich auf Energieeffizienz ausgelegt sein wird – dann noch weitere Chips herauszuschnitzen, ist dann nur folgerichtig, wenn man dafür sowieso Bedarf hat.

In seiner PC-Sparte will Microsoft schließlich ähnlich wie Apple sich weniger mit den anderen PC-Herstellern herumschlagen, sondern am liebsten eine ganz eigene Kategorie bilden – was am besten geht, wenn man sich mittels eigener Hardware abheben kann. Die PC-Hersteller werden dies natürlich ganz genau beobachten, denn für jene ist Microsoft als (zwangsläufiger) Software-Lieferant und gleichzeitiger Konkurrent keine wirklich schöne Situation – insbesondere dann, wenn Microsoft mit seinem PC-Geschäft Erfolg hat und dann mehr vom Kuchen wollte. Leider wurde seitens Bloomberg kein Zeitplan für diese Microsoft-SoCs genannt, in dieser Frage muß man sich überraschen lassen. In jedem Fall würde ein ARM-basierer Server-Chip seitens Microsoft bedeuten, dass man auch in Zukunft jederzeit die Möglichkeit hätte, daraus kleinere Versionen für den PC-Einsatz zu schnitzen – und somit den x86-Anbietern wieder einen Teil des Marktes wegzunehmen. Wie bei Apple dürfte Microsoft jedoch genauso kein Interesse daran haben, diese Chips weiterzuverkaufen, womit jene ausschließlich in Microsofts eigenen PC-Geräten zum Einsatz kommen würden.