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Hardware- und Nachrichten-Links des 5. November 2018

Bezüglich der ausfallenden GeForce RTX 2080 Ti Karten sind auch die Gegenanzeigen zu beachten – wie die von der8auer auf Reddit kredenzte RMA-Statistik von Einzelhändler Caseking. Jene zeigt bei inzwischen grob eintausend verkauften GeForce RTX 2080 & 2080 Ti Karten auf eine klar niedrigere RMA-Quote der GeForce RTX 2080 Ti hin, die Vorgänger-Modelle aus der Pascal-Generation hatten da bedeutsam höhere Rücklaufquoten. Es kann natürlich auch sein, das die zugrundeliegende Problematik primär nVidias eigene Founders Edition betrifft – schließlich kommt es, sofern wirklich zu warm werdende GDDR6-Speicherchips die Ursache bilden, entscheidend auf die jeweils verbaute Kühlkonstruktion an. Die Ausfälle wurden zwar auch von Herstellerkarten vermeldet, aber den größeren Teil bildeten in der Tat nVidias eigene FE-Karten. Im übrigen ist es auch denkbar, das selbst bei allgemein niedriger RMA-Quote hier dennoch ein grundsätzlicher Fehler vorliegt: Denn üblicherweise verteilen sich die Fehlermeldungen in RMA-Fällen sehr breit – hier aber gleichen sich die Symptome vieler dieser ausfallenden Karten doch sehr stark, sieht es also eher nach einer gemeinsamen Ursache (und nicht nach Montagsware) aus.

Viel beachtet wird derzeit Intels Ankündigung von "Cascade Lake AP" – neuen Server-Prozessoren für den absoluten HighEnd-Bereich, da Intel hierbei gleich 48 CPU-Kerne an einem 12-Kanal-Speicherinterface aufbietet. Erreicht wird dies allerdings "nur" über zwei auf einem Trägermaterial zusammengefasste Dies mit jeweils 24 aktiven CPU-Kernen – reichlich ironisch, denn Intel hatte vor nicht all zu langer Zeit noch höchstselbst AMD wegen deren MultiChip-Ansatz heftig attackiert (Stichwort "glued together"). Abseits dieses Hahnenkampfs zwischen AMD und Intel stellt Cascade Lake AP natürlich ein tolles Stück Server-Technik dar, basierend dann auch schon auf der neuen Server-Generation "Cascade Lake", welches Intel allerdings untypischerweise dem HEDT-Segment vorenthalten wird. Damit bekommen auch nur diese neuen Server-Chips die Hardware-Fixes gegen Meltdown & Spectre ab, während es im HEDT-Segment mit dem Skylake-X-Refresh nur denselben Stand wie bisher schon geben wird. Cascade Lake AP geht allerdings sowieso erst im ersten Halbjahr 2019 an den Start – und trifft damit wohl zielgenau auf seinen eigentlichen Gegner, wenn AMDs zweite Epyc-Generation auf Zen-2-Basis wohl genauso im ersten Halbjahr 2019 erscheinen und sogar bis zu 64 CPU-Kerne aufbieten wird.

Eine hochinteressante Diskussion läuft derzeit in unserem Forum zur Frage, inwiefern Apples A12X bereits im Bereich normaler PC-Prozessoren mitspielen könnte bzw. ob und wann Apple dieses Vorhaben mit zukünftigen Chip-Projekten in die Tat umsetzen kann. Ausgangspunkt hierfür sind die teilweise exzellenten Benchmark-Ergebnisse zum A12X unter allerdings dem Geekbench, worüber u.a. die ComputerBase berichtet hatte. Dabei liefert jene Geekbench-Messung allerdings eben kein belastbares Bild ab: Man kann zwar feststellen, das der A12X (nicht zu verwechseln mit dem normalen Apple A12) der schnellste Mobile-SoC ist, aber eine reale Performance-Differenz zu Intel-Chips ist unter diesem Benchmark nicht zu ermitteln – zu stark schwanken da die Ergebnisse, zu deutlich werden x86-Prozessoren benachteiligt und zu wenig geht es um wirklich leistungsfressende Desktop-Aufgaben. So steht in der Diskussion hierzu vor allem der Punkt im Raum, ob der A12X eine solche Performance dann auch dauerhaft und nicht nur für ein paar Sekunden zur Laufzeit des Benchmarks halten kann. Generell kann zudem angemerkt werden, das es eher unwahrscheinlich ist, mit einem Mobile-SoC letztlich dieselbe Performance wie mit ausgewachsenen Notebook-Prozessoren zu erreichen, welcher für ganz andere (höhere) TDP-Klassen gemacht ist.

Dies würde dann schließlich bedeuten, das Apple bei der reinen Energieeffizienz schon deutlich vor Intel liegen müsste. Eher wahrscheinlich ist es allerdings, das real doch noch ein gehöriger Performance-Unterschied zwischen Apple und Intel existiert, das Apple allerdings Stromverbrauchs-normiert schon durchaus gleichwertig ist – nur eben in einer TDP-Klasse spielt, die man kaum für ausgewachsene Notebooks verwenden wird. Apple könnte also Intel schon jetzt bei Sub-Notebooks und anderen Kleingeräten angreifen – für echte Notebooks oder gar Desktops müsste man hingegen die TDP-Klasse wechseln. Dies ist allerdings kaum mit den aktuellen Chip-Designs machbar, jene sind in aller Regel auf gewisse TDP-Bereiche hin optimiert bzw. dann auch nur dort wirklich effizient – Intel kann ja auch aus seinen Core-Prozessoren keine 2-Watt-Modelle für den Einsatz in Smartphone schnitzen, jenen wären unter dieser TDP-Klasse wohl lahmer als typische ARM-basierte Mobile-SoCs.

Apple müsste, um eigene Chips für große Notebooks und Desktops anzubieten, also regelrecht andere Chip-Designs auflegen – solche, welche für TDPs von 25-65 Watt optimiert sind. Noch ist dies nicht passiert und Apple damit noch nicht in der Lage, Intel als CPU-Zulieferer im großen Maßstab zu ersetzen. Andererseits ist klar, das Apples Anstregungen im CPU-Eigendesign gerade über die letzte Zeit derart immens sind, das dies kaum nur deswegen angeworfen wurde, um jeweils immer wieder den schnellsten Mobile-SoC zu haben – weil dies brotlose Kunst darstellt, im Mobile-Bereich gibt es derzeit bei den Spitzen-SoCs schon überflüssige Performance en masse. Apple scheint derzeit durchaus das Know-How zusammenzusuchen, um künftig auch für die eigenen Notebooks und Desktop-Geräte auf Eigenentwicklungen im CPU-Bereich zurückgreifen zu können. Doch erst dann, wenn dies wirklich passiert, wird man sehen können, ob aus dem immer noch zugrundeliegenden ARM-Ansatz so viel Performance herausholbar ist, das man Intel bei Desktop-Software tatsächlich Paroli bieten kann.