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Hardware- und Nachrichten-Links des 8./9. April 2020

Tom's Hardware berichten über eine fernöstliche Meldung der DigiTimes, wonach AMDs Zen-3-basierte Ryzen 4000 Desktop-Prozessoren nunmehr im September 2020 antreten sollen. Interessanterweise sollte der ursprüngliche Releasetermin schon im Mai 2020 gelegen haben, aber nachdem die Computex nunmehr auf den September verlegt wurde, folgte AMD dieser Terminsetzung. Ehrlicherweise hört sich dies nicht wirklich plausibel an, denn Ryzen 4000 wurde schon letztes Jahr ziemlich klar als Produkt für den Herbst 2020 eingeschätzt, keineswegs aber bereits schon für den Frühling 2020 spruchreif angesehen. Zudem gab es mehrere kleine Leaks, welche auf einen Herbst- oder gar erst Q4-Termin hingedeutet haben – beispielsweise zum (für Ryzen 4000 benötigten) X670-Chipsatz. Insofern erscheint es als unwahrscheinlich oder aber auf einer arg alten Planung beruhend, wenn man für Ryzen 4000 nunmehr den Mai 2020 als ursprünglichen Termin angibt. Eine vom letzten Oktober stammende AMD-Roadmap ordnete die Zen-3-basierten Server-Prozessoren im übrigen auf Mitte drittes Quartal 2020 ein – insofern stand dieser spätere Release-Zeitrahmen wohl schon länger derart fest.

Ebenfalls etwas seltsame Presse-Reaktionen hat eine bei Reddit geleakte Intel-Folie nach sich gezogen, nach welcher angeblich zu den 10nm-Projekten des Jahres 2020 auch die Intel CPU-Architektur "Alder Lake" gehören soll. Die anderen mit der Folie genannten Intel-Projekte sind dagegen durchaus grob dem Jahr 2020 zuzuordnen: "Ice Lake" steht aber eigentlich schon seit letzten Jahr im Markt, "Tiger Lake" wird zum Jahresende als neue Mobile-Generation folgen, "DG1" ist Intels erster Grafik-Neuversuch für das Einsteiger-Segment und "Snow Ridge" sind die dieses Jahr herausgekommenen neuen Atom-Prozessoren mit "Tremont" CPU-Kernen. Bei Alder Lake als Intels erster 10nm-Generation sowohl für Mobile- als auch Desktop-Bedürfnisse geht der Blick dagegen eher dahin, ob diese Prozessoren es noch irgendwie ins Jahresende 2021 schaffen könnte – das Jahr 2020 ist für Alder Lake hingegen gänzlich illusorisch, die hierfür angesetzten CPU-Kerne (Golden Cove & Gracemont) hat Intel selber erst für das Jahr 2021 angegeben. Insofern stellt es eine überaus gewagte Spekulation dar, Alder Lake nunmehr auf Basis dieser Präsentationfolie gleich dem Jahr 2020 zuzuordnen. Regulär kommt nach Comet Lake nächstes Jahr erst einmal Rocket Lake – und wird Alder Lake voraussichtlich somit erst ein Thema des Jahres 2022 sein.

AnandTech haben einen dicken neuen Fall von Benchmark-Cheating bei Smartphones aufgedeckt. In diesem Fall geht das ganze nicht direkt vom Smartphone-Hersteller aus, sondern vielmehr bereits vom SoC-Hersteller: MediaTek bietet in seinen Mobile-Prozessoren standardmäßig einen "Sports Mode" an, welcher übliche Benchmarks erkennt und bei Erkennung dann die normalerweise geltenden Stromverbrauchs- und Temperatur-Limits außer Kraft setzt. Die Smartphone-Hersteller können diesen Modus natürlich auch deaktivieren, was aber in der Praxis kaum jemand macht – logisch, denn wenn nur einer vorprescht, müssen es die anderen gleichtun, um keine Nachteile zu erleiden. Und jene Nachteile liegen bei -30% Performance-Differenz unter dem PCMark (in Einzeltests bei bis zu -75%) in einem nicht mehr wegzudiskutierendem Rahmen. Zwar führen die wenigsten Smartphone-Anwender selber Benchmarks durch, aber in der Fachpresse sind jene weit verbreitet und werden zumeist auch sehr unkritisch bewertet. Insbesondere die Frage, ob die zumeist überbordende Performance von Spitzen-Smartphones in der Praxis auch irgendwann wirklich zum Einsatz kommt, wird dabei kaum gestellt. Möglicherweise führt diese Entdeckung nunmehr zu einer kritischeren Betrachtung der Smartphone-Performance – auch vorangetrieben durch das nachfolgende Statement von MediaTek, sich keiner Schuld bewußt zu sein und hiermit nur "akzeptierten Industrie-Standards" zu folgen.

MediaTek follows accepted industry standards and is confident that benchmarking tests accurately represent the capabilities of our chipsets.
Quelle:  Offizielles Statement von MediaTek gegenüber AnandTech vom 8. April 2020

Falls man eigenständig Öl ins Feuer gießen und dem Fall mehr Aufmerksamkeit geben wollte, ist dies MediaTek damit sicherlich gelungen. Inhaltlich ist das MediaTek-Statement natürlich Quatsch, weil die Smartphone-Nutzer keine Theorie-Performance gemessen haben wollen, sondern einen Wert, welcher auch in der Praxis ihrer jeweiligen Geräte anzutreffen ist. Wenn MediaTek die (maximalen) Möglichkeiten seiner SoCs aufzeigen will, kann man dies in Modell-Geräten gern separat tun – aber dies hat dann nichts in Produktiv-Geräten zu suchen. In jedem Fall muß nunmehr das komplette Benchmark-Prozedere von Smartphones auf den Prüfstand: Eventuell ähnliche Schummeleien von anderen SoC-Herstellern müssen aufgedeckt werden, die Hersteller der Benchmark-Software sollten dringend an Anti-Cheat-Maßnahmen arbeiten. Vor allem aber der kommentarlose Vergleich von Smartphone-Benchmarks muß aufhören: Valide sind nur noch Benchmarks von Geräten, wo die Abwesenheit von Benchmark-Cheats nachgewiesen wurde oder wo der Benchmark selber über (funktionierende) Anti-Cheat-Maßnahmen verfügt. Benchmarks ohne irgendwelche Kennzeichnungen in diese Richtung hin sind nach diesen Erkenntnissen über das generelle Cheating seitens MediaTek glatt wertlos.

Laut Golem kann man das eigentlich kostenpflichtige "Stadia Pro" Spielestreaming-Angebot von Google nunmehr für zwei Monate kostenlos nutzen (bestehende Nutzer bezahlen für diesen Zeitraum dann nichts). Google verbindet hierbei sicherlich Sinnhaftigkeit (wegen der Corona-Krise) mit Werbeeffekt – noch dazu, wo Stadia Pro Corona-bedingt derzeit sowieso nur bis FullHD gestreamt wird, nicht bis zu 4K. Die kostenlosen Spiele von "Stadia Pro" im Gegensatz zu "Stadia Base" erhält man allerdings trotzdem – was auch Sinn macht, denn im eigentlichen ist Googles Stadia nur so halb ein Spielestreaming-Angebot, wäre als "Online-Spieleshop mit angeschlossenem Spielestreaming" besser beschrieben. Eben wegen dieser Konstellation hat es Stadia auch schwer bei den Nutzern sowie teilweise den Spieleentwicklern – und kommt deswegen derzeit auch nur arg schwer in Tritt. Für ein Großprojekt seitens Google ist der momentan erreichte Stand ziemlich schwach – und Google ist nun nicht gerade dafür bekannt, mit fehlgezündeten Projekten besonders viel Geduld zu haben. Vielleicht gibt es in diesem Fall aber eine Ausnahme, immerhin dürften in Stadia eine Menge Hardware-Investitionskosten stecken.