23

News des 23. März 2022

PC Games Hardware und VideoCardz berichten über die offizielle Verkündigung der ATX 3.0 and ATX12VO 2.0 Standards durch Intel, welche als wichtigste Änderung den neuen "12VHPWR"-Stromstecker für Grafikkarten nach PCI Express 5.0 mit sich bringen. Damit klären sich endlich die widersprechenden Informationen darüber, welche Stromaufnahme mit diesem Stecker möglich ist: Es gibt vier mögliche Konfigurationen, welche sich an zwei Signal-Pins ergeben. Die hierbei erreichbaren Wattagen unterscheiden sich dann jedoch noch im Betrieb ohne/mit Treiber. Augenscheinlich wird es also einen "Netzteil-Treiber" geben (womöglich direkt im Grafikkarten-Treiber integriert) – und nur unter Nutzung desselbigen gibt es die wirklich hohen Wattagen von (bis zu) 600 Watt.

Konfig 1 Konfig 2 Konfig 3 Konfig 4
reguläres Verbrauchs-Limit 100W 150W 225W 375W
Verbrauchs-Limit mit Treiber-Einsatz 150W 300W 450W 600W
Dauerleistungen ("sustain power") gemäß ATX 3.0 Spezifikation

Was jener Netzteil-Treiber konkret besser macht, wurde nicht ausgeführt – aber vermutlich geht es schlicht darum, hiermit Peaks besser abzufangen und dass somit dasselbe Netzteil eine höhere Dauerleistung ausspucken kann als im ungeregelten Betrieb. Grafikkarten nach PCI Express 5.0 dürften ergo noch schärfer bei ihren Peaks geregelt werden, um Aussetzer bei der Stromversorgung (und damit unwillkürliche Abstürze) zu vermeiden. Letztlich kann man dies sogar als Maßnahme zur Kostensenkung einstufen – denn wenn es weniger und geringere Peaks gibt, kann der bisher notwendige Spielraum bei diversen Bauteilen abgesenkt werden. Wieviel von diesen technischen Möglichkeiten des neuen "12VHPWR"-Stromsteckers von den NextGen-Grafikkarten letztlich genutzt wird, bleibt dagegen weiterhin abzuwarten: Denn nur weil die Spezifikation bis zu 600 Watt zuläßt, bedeutet dies nicht zwingend, dass dies umgehend verwendet wird.

VideoCardz zeigen zudem weitere Details zu AMDs Upscaler "FSR 2.0" – darunter auch etwas genauere Angaben zur unterstützten Hardware. Gemäß einer Auflistung zur "optimalen Hardware" für jede Auflösung wird mindestens Radeon RX 590, Radeon RX Vega, Radeon RX 5600 sowie logischerweise alle größeren AMD-Karten benötigt. Auf nVidia-Seite wird hingegen die GeForce GTX 1070 als niedrigste Grafikkarten für den "optimalen Betrieb" genannt. Dies läßt es als logisch erscheinen, dass die grundsätzliche Hardware-Unterstützung exakt so wie bei FSR 1.0 liegt: Mindestens Polaris auf AMD-Seite, mindestens Pascal auf nVidia-Seite – bezogen dann auf jegliche Hardware auf Basis dieser Architekturen, auch LowCost-Modelle und Mobile-Lösungen eingeschlossen. Zuzüglich des schon angekündigten Intel-Supports wäre dies durchaus ein Wort – womit AMD kräftig gegenüber DLSS wuchern kann.

Bloomberg notieren Aussagen des nVidia-CEOs Jensen Huang, wonach sich dieser überaus offen für eine (mögliche) nVidia-Fertigung bei Intel gezeigt hat. Derzeit ist dies bei nVidia allerdings weder Plan noch konkrete Absicht, sondern einfach nur eine zukünftige Möglichkeit – für welche der nVidia-CEO zudem gewisse Änderungen bei Intel einfordert: Deren Foundry-Sparte muß besser auf die individuellen Bedürfnisse von Chipentwicklern eingehen – was bisher überhaupt keine Stärke von Intel war, sich im Laufe der Zeit aber natürlich noch entwickeln könnte. Zum Teil hält der nVidia-CEO hiermit Intel schlicht die Karotte vor die Nase – zum Teil dürfte es aber auch darum gehen, TSMC nicht übermütig werden zu lassen. Für nVidia als reinen Chipentwickler wäre eine Situation, wo man aus drei Spitzen-Fertigern (Intel, Samsung & TSMC) frei wählen kann, natürlich ideal – und so wird man sich diese Möglichkeit immer offenzuhalten versuchen.

Laut Heise liegt ein kommendes Problem beim weltweiten Ausbau der Halbleiterfertigung darin, dass für die geplante Anzahl an neuen Halbleiter-Fabriken in den nächsten Jahren eigentlich nicht genügend moderne Belichtungsmaschinen zur Verfügung stehen. Die Auftragsbücher von Weltmarktführer ASML sind voll und werden derzeit schon nur mit Verzögerung abgearbeitet. Doch für das, was ab dem Jahr 2024 an Belichtungsmaschinen eigentlich benötigt wird, hat man keine ausreichenden Kapazitäten – und dies trotz, dass ASML die eigene Produktion jedes Jahr erheblich ausweitet. Aber auch ASML hat dann wieder eigene Probleme mit Zulieferern – und selbige ebenfalls Probleme mit derart heftigen Produktionssteigerungen. Gut möglich, dass die jetzt neu zu bauenden Halbleiter-Fabriken zwar termingemäß in Betrieb gehen, bis zur Vollbestückung mit entsprechenden Fertigungsmaschinen jeweils noch ein paar Jahre oben drauf zu rechnen sind.

In nVidias jüngster Investoren-Präsentation findet sich eine Präsentations-Folie, mittels welcher sich nVidia selbst ob der stark gestiegenen Grafikkarten-Verkaufspreise rühmt: So sollen Desktop-Nutzer, welche von einer früheren nVidia-Generation auf eine Grafikkarte der "Ampere"-Generation umgestiegen sind, im Durchschnitt immerhin 300 Dollar mehr für diese neue Grafikkarte (gegenüber der vorherigen Anschaffung) gezahlt haben. Für Investoren mag dies gut klingen, in anderen Ohren kommt da vielleicht eher nur Hohn heraus – denn natürlich spiegelt dies nicht zuerst den Effekt von besonders guter Grafikchips oder aber einen stärkeren Hang zum HighEnd-Segment wieder, sondern in erster Linie die stark übertriebenen Grafikkarten-Preise des Jahres 2021.

GeForce DT Gamers Who Upgrade to NVIDIA Ampere Architecture
SPEND $300 MORE
Than on Prior Graphics Card
 
Note: $ for upgrade is an average across known GeForce Desktop users who upgraded to NVIDIA Ampere architecture GPUs

Quelle:  nVidias Investoren-Präsentation für den nVidia Investor Day 2022 am 22. März 2022

In diesem Sinne ist diese Angabe gegenüber Investoren dann vielleicht sogar riskant – denn die übertriebenen Grafikkarten-Preise sind eine endliche Geschichte und damit ein Einmaleffekt, welchen nVidia wahrscheinlich nicht wiederholen kann. Sicherlich hat nVidia von den Preisübertreibungen nur einen Bruchteil selber (in seinen Büchern) gesehen, insofern sollte ein Rückgang der Grafikkarten-Preise auf ein halbwegs normales Niveau keine ganz großen Auswirkungen auf nVidias eigene Geschäftszahlen haben – besonders dann nicht, wenn am dem dritten Quartal mittels "Hopper" und "Ada Lovelace" neue Geschäftstreiber anstehen. Nur eine Statistik mit steigenden Endverbraucher-Verkaufspreisen wird nVidia beim Umstieg auf die "Ada"-Generation kaum (hoffentlich) nicht mehr zeigen können.