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News des 6. Januar 2022

Wahrscheinlich einen viel dickeren Bock als mit den Abspeckungen des Navi-24-Chips hat AMD mittels der gewählten TDP-Settings in den eigenen Benchmarks-Vergleichen von Ryzen 7 5800U vs Ryzen 7 6800U geschossen, welche zur CES offiziell gezeigt und demzufolge weit verbreitet wurden. Denn laut den Endnoten (komplette Prozessoren-Präsentation beim Planet 3DNow! nachschlagbar) wurde der Ryzen 7 5800U in einem HP-Notebook mit einer "nominellen" TDP von 15 Watt getestet, der Ryzen 7 6800U in einem AMD-System hingegen mit 28 Watt TDP. Sofern sich nicht der ungewöhnliche Umstand ergeben sollte, dass jenes HP-Notebook mit einer abweichenden TDP lief (die wenigen hierzu verfügbaren Tests zeigen nicht gerade darauf hin), hat AMD hierbei tatsächlich einen Prozessoren-Test auf deutlich abweichender TDP angetreten – womit sich einige der von AMD präsentierten Benchmark-Ergebnisse viel besser erklären lassen.

AMD-Testsystem Ryzen 7 5800U Ryzen 7 6800U
Notebook HP ProBook 635 G8 "AMD Reference Motherboard"
"nominal TDP" 15W 28W
Speicher 2x8 GB DDR4/3200 (22-22-22) 4x4 GB LPDDR5/6400 (19-15-17)
identische Komponenten Windows 11 v22000.282, Samsung 980 Pro 1TB SSD
relevant für folgende AMD-Präsentationsfolien: AMD Ryzen 7 6800U Insgesamt-Performance       AMD Ryzen 7 6800U CPU-Performance       AMD Ryzen 7 6800U iGPU-Performance (1)
Quelle: AMD CES 2022 Prozessoren-Präsentation, in kompletter Form abgebildet beim Planet 3DNow!

Denn insbesondere die 30% mehr Multithreading-Performance sind angesichts keinerlei Änderungen an der eigentlichen CPU-Architektur und allein durch die 6nm-Fertigung sowie den besseren Speicher nicht plausibel – durch den TDP-Sprung von 15 auf 28 Watt hingegen sehr wohl. Diese hohe TDP-Unterschied sollte alle Benchmarks im CPU-Bereich dominieren – und damit faktisch entwerten. Die Auswirkungen gehen allerdings bis in die iGPU-Benchmarks hinein, denn auf nur 15 Watt für CPU & iGPU zusammen & gleichzeitig laufen diese beiden APU-Teile dann doch durchaus limitiert (während 28W einige Luft für beide APU-Teile läßt). Leider wiederholt AMD hiermit das Spiel von Intel, welche seinerzeit Tiger Lake auch nur mit klar höherer TDP gegenüber Ice Lake demonstriert hatten. Dabei soll gar nicht in Abrede gestellt werden, dass dies der Praxis der verkauften Geräte entspricht: Ice-Lake-Notebooks wurden primär mit 15 Watt TDP (PL1) ausgeliefert, Tiger-Lake-Notebooks (selbst der U-Klasse) hingegen primär mit 28 Watt TDP (PL1).

Nur wenige Notebook-Hersteller haben die Intel-Vorgaben dann nach unten hin ausgenutzt, vielmehr wurde meistens schlicht das jeweilige PL1-Maximum angesetzt. In der Praxis stehen bzw. standen sich somit zumeist Ice-Lake-Notebooks mit 15W und Tiger-Lake-Notebooks mit 28W im Markt gegenüber – bei AMD dürfte nachfolgend vermutlich dieselbe Situation auftreten. Der angezeigte Performance-Gewinn ist damit also durchaus real. Nur wird jener nicht über bessere Technik erzeugt, sondern schlicht über einen höheren Energieverbrauch – sprich eine Maßnahme, welche man auch vorher schon hätte durchführen können, welche keine spezielle Eigenschaft des neuen Produkts darstellt. Als Nachteil steht zudem im Raum, dass damit die Klasse der echten 15-Watt-Notebooks ausgedünnt wird, wenn die meisten Notebook-Hersteller mittels Ryzen 6000U auf 28 Watt TDP umschwenken. Für gewisse Anwendungszwecke haben sich die 15-Watt-Notebooks jedoch überaus bewährt, der geringe Verbrauch sorgt erfahrungsgemäß für Langlebigkeit unter subtropischen wie tropischen Bedingungen.

Von VideoCardz kommt eine klarere Bestätigung des Punkts, dass der Navi-24-Chip tatsächlich nur mit 4 Lanes von PCI Express 4.0 antritt – was bislang nur auf der Angabe einer Produkt-Webseite von ASRock basierte. VideoCardz haben sich allerdings die PCI-Express-Konnektoren verschiedener AMD-Grafikkarten angesehen und konnten hierbei klare Differenzen in der elektrischen Anbindung zwischen 16 Lanes (Radeon RX 6700 XT), 8 Lanes (Radeon RX 6600 XT) und 4 Lanes (Radeon RX 6500 XT) aufzeigen. Eventuell erklärt sich AMD auch noch offiziell dazu, erwähneswert ist der Punkt sicherlich. Denn diese Produkt-Eigenschaft fordert bei den kommenden Tests zur Radeon RX 6500 XT extra Tests auf Systemen mit PCI Express 3.0 heraus – um festzustellen, wieviel die Karte dabei an Performance verliert. Gerade die Radeon RX 6500 XT als Einsteiger-Modell dürfte anfänglich oftmals auf älteren PC-Systemen eingesetzt werden, insofern sind solcherart Tests relevant für eine vollständige Produkt-Beurteilung.

Wie nochmals VideoCardz ausführen, gab es eine kleine feine Änderung auf der Intel-Webseite, in deren Folge der Release-Zeitraum für Intel-Grafikkarten von "coming Q1 2022" auf nunmehr nur noch "coming 2022" verschoben wurde. Dies zeigt an, dass es nun wahrscheinlich doch nichts mehr mit dem ersten Quartal 2022 wird – womöglich gibt es kurz vor Ultimo noch irgendeine Vorstellungs-Show, jedoch kaum reale Produkte, gerade nicht für den Desktop. All die kleinen Verschiebungen der letzten Zeit bei Intels Grafikkarten sowie die nahezu Nichterwähnung selbiger auf der CES 2022 deuten nunmehr darauf hin, dass dies eher denn ein Produkt des zweiten Quartals 2022 sein wird. Intel hat zwar zur CES ausgesagt, dass man derzeit bereits die OEMs beliefert – aber das kann vieles bedeuten, hierbei könnte es auch schlicht um Testsamples zur Evaluierung kommender Komplett-PCs & Notebooks gehen.

Hardware Ankündigung Release
AMD Radeon RX 6500 XT Navi 24, 16 CU @ 64 Bit, 16 MB IF$, 4 GB GDDR6 4. Jan. 2022 (CES) 19. Jan. 2022
AMD Radeon RX 6400 Navi 24, 12 CU @ 64 Bit, 16 MB IF$, 4 GB GDDR6 4. Jan. 2022 (CES) 19. Jan. 2022 (OEM only)
nVidia GeForce RTX 3050 8GB GA106, 20 SM @ 128 Bit, 8 GB GDDR6 4. Jan. 2022 (CES) 27. Jan. 2022
nVidia GeForce RTX 3090 Ti GA102, 84 SM @ 384 Bit, 24 GB GDDR6X irgendwann Jan. 2022 unbekannt
Intel DG2-512 SOC1, 32 Xe @ 256 Bit, 16 GB GDDR6 März/April 2022 eher erst Q2/2022
Intel DG2-384 SOC1, 24 Xe @ 192 Bit, 12 GB GDDR6 März/April 2022 eher erst Q2/2022
Intel Arc A380  (DG2-128) SOC2, 8 Xe @ 96 Bit, 6 GB GDDR6 März/April 2022 eher erst Q2/2022
nVidia GeForce RTX 3050 4GB GA106, 18 SM @ 128 Bit, 4 GB GDDR6 unbekannt unbekannt (whrschl. OEM only)
nVidia GeForce RTX 3080 12GB GA102, 70 SM @ 384 Bit, 12 GB GDDR6X unbekannt derzeit sehr unsicher
nVidia GeForce RTX 3070 Ti 16GB GA104, 48 (?) SM @ 256 Bit, 16 GB GDDR6X unbekannt derzeit sehr unsicher
Angaben zu noch nicht veröffentlicher Hardware basieren auf Gerüchten & Annahmen

WCCF Tech berichten über ein Video-Interview mit AMDs Frank Azor seitens Hot Hardware @ YouTube, in welchem unter anderem auch über den Ryzen 7 5800X3D als (derzeit) einziges offiziell genanntes Prozessoren-Modell mit 3D V-Cache gesprochen wurde. Die Problematik von größeren Prozessoren-Modellen mit 3D V-Cache liegt dabei wohl schlicht beim Power-Limit: Der Zusatz-Cache samt dessen Anbindung verbraucht auch etwas, all dies muß dann noch mit ins gesetzten TDP-Limit passen. Selbst beim Ryzen 7 5800X3D führt dieser Punkt schon zu leicht abgesenkten Taktraten gegenüber dem regulären Ryzen 7 5800X (3.4/4.5 GHz anstatt 3.8/4.7 GHz). Bei noch größeren Prozessoren-Modellen müsste deren Takt wohl noch weiter reduziert werden, womit sich der Effekt des 3D V-Caches sogar egalisieren könnte.

I mean from a thermal from a power perspective and so on and we are within a 105W so the performance uplift that the V-Cache is providing significantly outweighs the frequency and again, something's gotta give, so that's the high-level explanation I can give.
Quelle:  AMDs Frank Azor im Interview mit Hot Hardware @ YouTube, niedergeschrieben von WCCF Tech am 6. Januar 2021

Dies deutet darauf hin, dass es auch zukünftig keine weiteren Zen-3-basierten Prozessoren mit 3D V-Cache geben wird. Lösbar wäre dies nur über höhere TDPs, was dann allerdings den (offiziellen) Rahmen der AM4-Plattform sprengen würde. Zu überlegen wäre dies eventuell trotzdem, denn die meisten hochwertigen AM4-Platinen können sicherlich mit höheren Strombelastungen als dem PPT von 142 Watt zurechtkommen. Denkbar ist allerdings, dass AMD so (vergleichsweise) kurz vor Zen 4 keine ganz große Konkurrenz im eigenen Haus mehr will, sondern den Ryzen 7 5800X3D eher als Demonstrations-Objekt für den 3D V-Cache benutzt – um selbigen Zusatz-Cache dann später verstärkt bei Zen 4 einzusetzen. Auch im Zuge des genauso auch im Jahr 2022 geltenden Punkts, dass AMD alles verkauft was man produzieren kann, lohnt es für AMD wohl nicht wirklich, Intels "Alder Lake" noch stärker als über dieses einzelne Demonstrations-Objekt anzugehen.