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Hardware- und Nachrichten-Links des 29. Juni 2017

Mittels einer live übertragenen Benchmark-Session sind PC Perspective die Nacht über der Radeon Vega Frontier Edition (RV-FE) nochmals nähergerückt, die hierbei angefallenen Spiele-Benchmarks unter Dirt Rally, Hitman (2016), Fallout 4, GTA5 und Tomb Raider wurden in unserem Forum dokumentiert (dafür den "Spoiler" öffnen). Leider gibt es hierbei nur fps-Kurven und zudem ist die Farbzuordnung teilweise schwierig, das "Blau" der GeForce GTX 1070 ist dem "Blau" der RV-FE einfach zu ähnlich. Aber auch so läßt sich erkennen, das die RV-FE derzeit noch ein gutes Stück unterhalb der GeForce GTX 1080 liegt, teilweise sogar nur das Niveau der GeForce GTX 1070 erreicht. Insbesondere letzteres Ergebnis ist besonders trostlos, denn eine gut übertaktete Radeon R9 Fury X könnte dies unter der UltraHD-Auflösung (und ohne Grafikkartenspeicher-Probleme) genauso schaffen, schließlich liegen beide genannten Grafikkarten im 4K Performance-Index recht eng eineinander. Grob gesehen kann man also davon sprechen, das die RV-FE hier genauso läuft, wie ein Fiji-Chip auf dem "Typical Engine Clock" der RV-FE von 1382 MHz – so, als würde zwischen Fiji-Chip und RV-FE wirklich nur dieselbe Hardware (mit mehr Chiptakt) stehen und es keinerlei Architektur-Verbesserungen geben.

Damit verstärkt sich der Verdacht, das die RV-FE derzeit mit einem nur minimal modifizierten Fiji-Treiber läuft, ergo all die Feature der GCN5-Architektur vielleicht noch gar nicht aktiv sind. Das zumindest ein älterer Treiber verwendet wird, hat ein AMD-Mitarbeiter im Beyond3D-Forum inzwischen bestätigt. Angenommen, die RV-FE kann mit dem aktuellen Treiber noch nicht auf diverse GCN5-Features zugreifen, braucht es damit auch keinen "Wundertreiber" von AMD mit übermäßiger Spieleoptimierung – dann würde allein die Aktivierung dieser GCN5-Features entscheidend weiterhelfen. Hinzu kommt ein Punkt, worauf ein Spieleentwickler auf Reddit hinweist: Die RV-FE läuft wohl mit aktiviertem ECC – diese Speicherkorrektur ist bei Profi-Produkten gern mit dabei, hierbei geht Absturz-Sicherheit vor Performance. Laut der Aussage des Spieleentwicklers ist damit allerdings eine Performance-Differenz von "wenigstens 20%" erzielbar – dies würde einiges der bisher erzielten Ergebnisse grundsätzlich geraderücken. Allerdings ist es derzeit noch nicht gänzlich sicher, ob ECC bei der RV-FE wirklich mit an Bord ist – oder ob dies nicht einen Auslesefehler seitens GPU-Z darstellt.

Zudem hat man aus dem YouTube-Video von "Jerico Jerico" im ComputerBase-Forum einiges an Informationen gezogen: Auch hierbei lag die Spiele-Performance (allerdings ohne vergleichende Benchmarks) auf dem Niveau der GeForce GTX 1070 und nur unter Doom (2016) auf dem Niveau der GeForce GTX 1080. Interessant ist, das die Karte einen Takt von konstant 1650 MHz mitmacht, sofern man nur das Power-Limit maximiert sowie für gute Kühlung sorgt – erreicht durch zusätzliche Gehäuselüfter und das Offenlassen des Gehäuses. Die Stromverbrauchs-Differenz zwischen Idle und Last liegt allerdings bei satten 450 Watt für das gesamte System – wovon also noch der benutzten Ryzen 7 1800X abzurechnen wäre (mit Mainboard bei vielleicht ~100 Watt Idle- zu Last-Verbrauchserhöhung unter Spielen). Zudem konnte herausgefunden werden, das eine Differenz zwischen Pro- und Gaming-Modus der RV-FE in einer anderen Lüfterkennlinie sowie einem anderen Power-Target liegt. Bei PC Perspective konnte zu diesen Fragen im übrigen notiert werden, das die RV-FE regulärerweise bei ca. 1440 MHz (unter The Witcher 3) läuft und dafür ca. 280 Watt verbraucht.

Mit einem YouTube-Video macht der bekannte Overclocker "der8auer" auf bislang noch nicht thematisierte Overclocking-Probleme der X299-Plattform der Core X Prozessoren aufmerksam: Zum einen verwenden die meisten X299-Platinen (darunter auch explizite HighEnd-Modelle) nur einen einfachen 8-Pin-EPS-Stromanschluß – was angesichts der bekannten Stromdurstigkeit von Skylake-X unter Übertaktung einfach zu knapp gedacht ist (selbst wenn deren Spezifikation nicht überschritten wird). Dies wird das Übertakten also nicht direkt (durch Netzteil-Resets) behindern, ergibt allerdings ein klar gesteigteres Betriebsrisiko, weil die Stromkabel und der Stecker bei hoher Last (und unter Übertaktung) dann auch ungewöhnlich warm werden. Das Stromkabel wurde von der8auer mit immerhin 65°C unter vergleichsweise idealen Bedingungen ausgemessen, dies kann jedoch unter ungünstigen Bedingungen bzw. im Laufe der PC-Betriebsdauer auf schätzungsweise 80°C im Kabel und noch etwas mehr am Stecker hochgehen – sicherlich grenzwertig für den Dauereinsatz.

Zum anderen hat die Kühllösung der Mainboard-Spannungswandler bei mehr oder weniger jedem vorliegenden X299-Board viel Kritik einstecken müssen – weil jene allesamt ihren Kühlauftrag mehr schlecht als recht erfüllen. Im default-Betrieb ist das noch kein Problem, aber unter Übertaktung gehen die Spannungswandler-Temperaturen schnell auf über 100°C hoch, was dann durchaus sogar mal direkt den Übertaktungserfolg behindern kann, in jedem Fall aber auch die Lebensdauer des benutzten Mainboards reduzieren wird. In einem konkreten Beispiel drosselte die eigentlich auf 4.6 GHz laufende CPU selbsttätig für ein paar Sekunden auf nur 1.2 GHz Takt, um dadurch die Temperatur der Spannungswandler zu reduzieren (kein Temperatur-Problem bei der CPU selber vorliegend). Diese Drosselung passierte dann leider aller ca. 20 Sekunden, in jenem Beispiel war die Übertaktung auf 4.6 GHz somit nur scheinbar erfolgreich. Dabei ist dies kein Einzelfall, denn alle getesteten HighEnd-Platinen namhafter Hersteller hatten ähnliche Probleme mit zu hohen Spannungswandler-Temperaturen und demzufolge CPU-Drosselung unter Übertaktung.

Beide Probleme haben der8auer letztlich dazu veranlaßt, kategorisch von den aktuellen X299-Platinen abzuraten, sofern Übertaktung betrieben werden soll. Diese Platinen sind (wohl wegen Intels Knall-auf-Fall-Launch von Core X) zu sehr auf Kante gebaut, die Mainboard-Hersteller dürften mit etwas mehr Zeit sicherlich besser für Übertaktung geeignete X299-Platinen herausbringen können. Andererseits bekommen auch die Mainboard-Hersteller ihr Fett weg, denn deren (passive) "Kühlkonstruktionen" für die CPU-Spannungswandler sind augenscheinlich derart ineffektiv, das es ohne Kühlkörper und einfach nur mit einem darauf gerichteten Gehäuselüfter (auf lächerlichen 800 U/min) um satte 30°C niedrigere Spannungswandler-Temperaturen gibt. Angesichts der Verfügbarkeit von passiven CPU-Kühlern für CPUs mit 95 Watt TDP wurde hier augenscheinlich am Produkt selber gespart – die meisten X299-Platinen sehen zwar ausgesprochen stylisch aus (auch und gerade der Spannungswandler-Kühlblock), erfüllen jedoch nicht zuerst ihren Zweck der bestmöglichen technischen Lösung. Dieser Punkt hätte den Mainboard-Herstellern trotz Intels unmöglicher Zeitvorgaben durchaus vorher auffallen müssen. Gänzlich Übertaktungs-ungeeignet sind X299-Platinen damit allerdings auch wieder nicht: Auf den kleineren Modellen Core i7-7800X & -7820X sollte diese Probleme nur in reduzierter Form auftreten, zudem kann sich der geneigte Übertakter natürlich auch mit einem eigenen Spannungswandler-Kühler weiterfehlen.