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Hardware- und Nachrichten-Links des 3. Juni 2019

WCCF Tech bringen nochmals eine neue Meldung zu nVidias "SUPER" mit einer neuen Stufe der Gerüchtelage zu diesem Turing-Refresh. Wie gestern schon vermeldet, sollen sich darunter gleich drei neue RTX-Grafikkarten mit mehr Performance verbergen, welche die GeForce RTX 2060, 2070 und 2080 beerben. Laut WCCF Tech werden die bisherigen RTX-Grafikkarten (mit Ausnahme der GeForce RTX 2080 Ti) nun aber regelrecht auslaufen und soll vor allem dieser Turing-Refresh mit deutlichen Preissenkungen bei den neuen RTX-Karten begleitet werden. Exakte Preislagen hierzu gibt es allerdings noch nicht, die von WCCF Tech hierzu genannten Werte sind nur deren Spekulation – welche zudem mit 249$ für die GeForce RTX 2060 "SUPER", 399$ für die GeForce RTX 2070 "SUPER" sowie 599$ für die GeForce RTX 2080 "SUPER" sehr aggressiv angesetzt ist. Dies erfüllt dann sicherlich die Maßgabe des von nVidia gewählten Begriffs "Super", zieht allerdings durchaus das Risiko von Umsatz-Verlusten bei nVidia nach sich. Denn bei ca. 80% Stückzahlen-Marktanteil bringen Preissenkungen kaum noch Zugewinne bezüglich der abgesetzten Stückzahlen, schmälern allerdings die Umsatzerlöse erheblich – und dies eben auch bei Aufträgen, welche man über seine gute Stellung im Markt sowieso bekommen würde.

bisheriges nVidia-Portfolio kommendes nVidia-Portfolio (spekulativ)
bleibend GeForce RTX 2080 Ti  -  999$ GeForce RTX 2080 Ti  -  999$
verändert GeForce RTX 2080  -  699$
GeForce RTX 2070  -  499$
GeForce RTX 2060  -  349$
GeForce RTX 2080 "SUPER  -  599$
GeForce RTX 2070 "SUPER"  -  399$
GeForce RTX 2060 "SUPER"  -  249$
bleibend (?) GeForce GTX 1660 Ti  -  279$
GeForce GTX 1660  -  219$
GeForce GTX 1650  -  149$
GeForce GTX 1660 Ti  -  279$
GeForce GTX 1660  -  219$
GeForce GTX 1650  -  149$
Hinweis: alle Daten zu den SUPER-Grafikkarten sind derzeit reinrassige Gerüchte & Spekulationen

Schließlich ergibt sich schon aus der vorstehenden Portfolio-Prognose, das es mit der Preissenkung bei der GeForce RTX 2060 "SUPER" nicht aufhört – jene Karte wäre dann nämlich günstiger als die (klar langsamere) GeForce GTX 1660 Ti. Kommt nVidia tatsächlich mit diesen Preissenkungen an, müsste man nachfolgend auch die Preise für GeForce GTX 1660 & 1660 Ti absenken, möglicherweise auch den der GeForce GTX 1650. Dies ergibt einen erheblichen Umsatzverlust für nVidia, mit nur geringer Chance auf irgendwelche Zugewinne auf der Stückzahlen-Seite. Preissenkungen werden jedoch regulärerweise eingesetzt, um mehr Umsatz zu erzielen, nicht gerade weniger Umsatz. Sprich: Der Zugewinn an Stückzahlen muß immer klar höher liegen als der Rückgang des Stückpreises – welches aber in der Marktsituation von nVidia kaum zu erreichen ist. Natürlich wissen wir nicht, wie AMDs Navi ausfällt bzw. wie sich dessen Preislage darstellt, eventuell kann nVidia an dieser Stelle gar nicht anders handeln. Besonders wahrscheinlich ist diese Auflösung aus rein aus betriebswirtschaftlichen Gründen jedoch nicht – einmal abgesehen davon, das man sich, um die letzte Preissenkung seitens nVidia aufzuspüren, wirklich tief in die Geschichtsbücher einlesen muß.

Denkbar ist durchaus, das Bruchstücken dieser zuletzt bei WCCF Tech und TweakTown zu lesenden Gerüchte einen wahren Kern tragen, das selbiger bei der Informationsweitergabe aber vollkommen verfremdet und nachfolgend dann auch falsch seitens dieser Webseiten ausgelegt wurde. Beispielsweise könnte es sich bei der 100-Dollar-Preissenkung von WCCF Tech schlicht um die bekannte Differenz zwischen Referenz- und FE-Preis bei den RTX-Karten handeln, welche nVidia in Zukunft abschaffen könnte. Damit würden die FE-Preise (nur) bei GeForce RTX 2070 & 2080 um jeweils 100 Dollar/Euro günstiger – nVidia wäre mit seinen FE-Karten dann wieder konkurrenzfähig, während sich die Marktpreise aller entsprechenden Grafikkarten unterhalb der FE-Taktung somit günstiger orientieren müssten. Eine indirekte Preisenkung wäre dies genauso, weil die Hardwaretester bei ihren kommenden Navi-Tests an eine GeForce GTX 2070 FE dann eben nicht mehr "599$", sondern nur noch "499$" dranschreiben können – es würde hiermit kein großer Vorteil zu Marktpreisen erzielt, aber im Vergleich mit Navi stellt sich nVidia klar besser. So gesehen ist dies eine viel wahrscheinlichere Auflösung gegenüber drastische Preissenkungen, welche nVidia wirtschaftlich eher schaden als nutzen. Eine gute Auflösung, wieso nVidia das ganze mit "Super" betitelt, ist dies allerdings auch nicht – dafür müsste nVidia eigentlich klar mehr bieten.

Apple hat auf seiner Entwicklerkonferenz WWDC eine wahrscheinlich Apple-exklusive Sondervariante der Radeon VII vorgestellt – die Radeon Pro Vega II Duo. Hierbei werden gleich zwei Vega-20-Chips auf einer Platine untergebracht, womit die Platine eine TDP von 425 Watt erreicht und über ihre Stromversorgung bis zu 550 Watt Strom aufnehmen könnte. Letzteres dürfte notwendig sein, da eine Rechenleistung von 14,2 TFlops pro Grafikchip erreicht wird – dies ist sogar leicht mehr als bei der Radeon VII mit 13,4 TFlops und wird über die vollen 64 Shader-Cluster des zugrundeliegenden Vega-20-Chips generiert. Dies ergibt einen Chiptakt von um die 1730 MHz herum, obwohl die offizielle Produkt-Webseite an dieser Stelle nur "1,7 GHz" nennt (möglicherweise einfach nur grob nach unten gerundet). In jedem Fall ist damit die Taktrate der Karte nicht höher als bei der Radeon VII (mit 1750 MHz), was schließlich bei gleich zwei Grafikchips der Wärmeableitung eher abträglich gewesen wäre. Jene realisiert Apple mittels einer übergroße Grafikplatine, welche sich zudem augenscheinlich gleich vier Slots in der Höhe genehmigen, was auf eine richtig dicke Kühlung hinweist. Auch die Stromversorgung ist sehr speziell: Es gibt hierbei keine der üblichen Zusatzstecker, sondern man setzt auf einen hinter dem regulären PCI-Express-Anschluß angeordneten zweiten PCI-Express-Anschluß, welcher auf bis zu 475 Watt spezifiziert ist.

Dies setzt dann natürlich entsprechende Mainboards (mit diesem zweiten, sondermäßigen PCI-Express-Anschluß) voraus, womit Apple die Verwendung dieser Karte ziemlich gut kontrollieren kann, egal ob jene ganz offiziell Apple-exklusiv ist oder nicht. Neben der enormen Rechenleistung von kumuliert 28 TFlops werden der Karte auch gleich 64 GB HBM2-Speicher mitgegeben – sprich gleich 32 GB pro Grafikchip. Als Clou oben drauf wird Apple entsprechende Workstations anbieten, welche Platz für zwei dieser Monster-Grafikkarten haben – die insgesamte Rechenleistung geht dann auf 56 TFlops und der insgesamte Grafikkartenspeicher auf 128 GB hoch. Für den Spiele-Einsatz ist die Karte aber wegen der MultiChip-Konstruktion leider sowieso nicht wirklich zu verwenden, da einfach zu wenige Spiele heutzutage noch SLI bzw. CrossFire unterstützen, manche sogar darauf eher allergisch reagieren. Da Apple das ganze regulär in eine "Mac Pro" Workstation verbaut, wo dann HEDT/Workstation-Prozessoren (von Intel) mit bis zu 28 CPU-Kernen das Zepter schwingen, ist dies vielmehr ein Spielzeug für Content-Ersteller im professionellen Bereich. Die Preislage dürfte entsprechend unattraktiv ausfallen – die technologische Leistung ist nichtsdestotrotz enorm.

Golem berichtet über einen Lizenzdeal von AMD mit Samsung, wonach Samsung AMDs "Radeon-Grafiktechnik" für die Verwendung in eigenen Smartphone-SoCs lizenziert. Für AMD ist dies ein feiner Erfolg, welcher nebenbei auch die eigene Grafik-Architektur auf nochmals breitere Füße stellt – neben dem PC-Geschäft dominiert man schließlich die Konsolen-SoCs und auch bei den Smartphones ist man bereits in Form eines früheren Deals mit Qualcomm (Verkauf der früheren Adreno-Sparte durch AMD) wenigstens teilweise vertreten. Interessanterweise soll jener frühere Qualcomm-Deal eine 10jährige Exklusivitäts-Klausel enthalten haben, welche nunmehr dieses Jahr abgelaufen ist. So oder so hat dieser Qualcomm-Deal AMD jedoch genutzt, denn die Qualcomm-iGPUs sind mit eine der besten im Smartphone-Segment – was jetzt wohl Anlaß für Samsung war zuzugreifen. Samsung ersetzt hiermit eigene (gescheiterte) Anstrengungen im iGPU-Bereich sowie den bisherigen Zukauf von ARMs Grafik-IP (Mali-iGPUs) oder halt kompletten Qualcomm-SoCs, AMD bessert seine Kassenlage dafür mittels Lizenzgebühren und fortlaufenden Tantiemen-Zahlungen auf.

Eine eher betrübliche Nachricht ist die Absage von AMD an PCI Express 4.0 auf 300er und 400er Mainboards, welcher seitens AMDs Robert Hallock auf Reddit sehr eindeutig erfolgte. Vorher war AMD offen für diese Möglichkeit und verschiedene frühere Mainboards haben in Beta-BIOSen diese Option bereits eingebaut. Nun aber hat sich AMD umentschieden und will vermeiden, das es diesbezüglich zu Verwirrungen darüber kommt, welche früheren Mainboards nun PCI Express 4.0 unterstützen oder nicht. Ob dies die komplette Erklärung darstellt, bleibt offen, denn wirklich viel "Verwirrung" ist mittels dieses Falls eigentlich nicht zu erzeugen: Entweder die Mainboard-Hersteller bieten diesen Support, oder sie bieten jenen nicht – dies wäre die Einzelfall-Entscheidung seitens der Mainboard-Hersteller. In jedem Fall ist es für AMD und die Mainboard-Hersteller aus geschäftlicher Sicht sicherlich lukrativer, den Ryzen-3000-Käufern zu den neuen 500er Platinen zu drängen. Andererseits muß dieser Fall auch nicht überbewertet werden: PCI Express 4.0 ist außerhalb professioneller Nutzer derzeit eher ein Checklisten-Feature, dürfte vermutlich eher im Sinne superschneller SSDs als denn im Grafikkarten-Bereich wirklich ausgenutzt werden. Für den Normalanwender wird es dagegen wohl noch einige Jahre keine Rolle spielen, ob die eigene Plattform nun mit PCI Express 3.0 oder 4.0 läuft.