Launch-Analyse AMD Radeon R9 380X (Seite 2)

Freitag, 20. November 2015
 / von Leonidas
 

Gegenüber der Radeon R9 380 hat die Radeon R9 380X wie bekannt nur die (etwas) höhere Anzahl an Shader-Einheiten und die größere default-Speichermenge zu bieten, allerdings keinerlei Taktraten-Vorteil. Damit kommt die Radeon R9 380X bei den gebotenen Rohleistungen auch nur auf eine um 14,3% höhere Rechenleistung gegenüber der Radeon R9 380 – ein vergleichsweise kleiner Abstand, welcher dann auch einen entsprechend kleinen Performanceabstand zwischen beiden Karten forcieren wird. Gegenüber der Radeon R9 280X auf Basis des Tahiti-Chips liegt die Radeon R9 380X sogar um 3% bei der Rechenleistung sowie um deutliche 58% bei der Speicherbandbreite zurück – hier wird es zu einem interessante Duell kommen. In diesem kann die neue AMD-Karte ihr höheres Architektur-Level (GCN 1.2 vs. GCN 1.0) sowie die nahezu verdoppelte Raster-Power einbringen – ob dies reicht, um die Radeon R9 280X zu schlagen, wird sich aus der nachfolgenden Benchmark-Auswertung ergeben.

Womöglich eben die benannte Beschränkung beim genutzten Speicherinterface lassen die Tonga-basierten Grafikkarten beim Thema des Stromverbrauchs immer etwas besser dastehen als frühere Tahiti-Spitzenprodukte, welche ihrerseits gern auf über 200 Watt Spieleverbrauch herauskamen. Radeon R9 285 & 380 kamen dagegen immer im Feld von grob 180 Watt Spieleverbrauch heraus – und bei der Radeon R9 380X ist dies mit grob 190 Watt nicht anders. Leider liegen zu wenige Meßwerte für eine echte Durchschnittsbildung bei Radeon R9 380 & 380X vor – einige wichtige Testartikel zur Radeon R9 380X werden wohl erst nachgereicht werden.

Aber auch ohne Durchschnittsbildung läßt sich erkennen, daß es für die Radeon R9 380X maximal 10-15 Watt mehr als bei Radeon R9 285 & 380 sein können – und man damit ungefähr auf einen Spieleverbrauch von ~190 Watt kommt. Die neue AMD-Karte kommt damit noch haarscharf unterhalb der 200-Watt-Grenze heraus und damit doch beachtbar weniger als bei der Radeon R9 280X (213W Spieleverbrauch) oder die Radeon HD 7970 "GHz Edition" (233W Spieleverbrauch). Gegenüber nVidias Angeboten reicht dies natürlich bei weitem nicht aus – die GeForce GTX 960 liegt bei 98 Watt Spieleverbrauch (die vielen OC-Versionen erreichen mehr, gehen eher in Richtung 110-120W), die (viel schnellere) GeForce GTX 970 bei 161 Watt.

Hardware.fr Heise HT4U PCGH TechPowerUp Tom's HW Ø Perf./TDP
GeForce GTX 760 12W
136W
11,9W
169,0W
10W
163W
10W
148W
10W
150W
11W
155W
310%
170W
GeForce GTX 770 11W
155W
9,8W
195,1W
10W
179W
8W
162W
10W
175W
10W
175W
390%
230W
GeForce GTX 960 10W
117W
?
115W
9,7W
94,5W
8W
108W
11W
90W
10W
98W
340%
120W
Radeon R9 380X 15W
199W
12W
171W
13W
191W
~14W
~190W
390%
190W
Radeon R9 380 14W
193W
12W
184W
~13W
~180W
360%
190W
Radeon R9 285 14W
191W
12,3W
159,5W
17W
215W
9W
189W
16W
168W
14W
183W
340%
190W
Radeon R9 280X 18W
211W
16,3W
228,6W
13W
182W
12W
212W
15W
213W
390%
250W
Radeon R9 280 11,6W
180,0W
21W
189W
12W
210W
15W
189W
340%
250W
Der obere Wert einer Zelle ist immer der Idle-Stromverbrauch, der untere Wert einer Zelle immer der Spiele-Stromverbrauch. In der Durchschnitts-Spalte ("Ø") fettgedruckte Werte basieren auf Berechnungen, die nicht fettgedruckte Werte sind Schätzungen. Die letzte Spalte enthält Angaben zum 3DCenter Performance-Index (oben) sowie zur offiziellen TDP (unten).

Andererseits ist die Radeon R9 380X auch schon ausreichend hoch im Performance-Feld angesiedelt, als daß man jene als waschechte Gamer-Lösung ansehen kann – und bei jenen sollte der Stromverbrauch eigentlich nur am Rande oder in Sonderfällen interessieren. Für die paar Stunden die Woche, wo die Karte am Ende auch wirklich im Spielebetrieb läuft, kommt üblicherweise einfach kein beachbarer Kostenunterschied (in der Stromrechnung) auf. Gegenüber der GeForce GTX 960 mit glatt der Hälfte des Stromverbrauchs (bei allerdings auch klar niedrigerer Performance) könnte diese Kostenrechnung vielleicht etwas interessanter ausfallen, dies müsste noch einmal extra betrachtet werden. Die großen Beträge kommen aber bei solchen Rechnungen üblicherweise nicht heraus, das Thema des Stromverbrauchs ist viel theoretischer als man angesichts der Masse des dazu vorliegenden Zahlematerials gerne annimmt.

Weniger theoretisch, sondern vielmehr sehr praktisch interessant sind die Bewertungen zur Geräuschentwicklung. Da es zur Radeon R9 380X nur Herstellerdesigns gibt, kann es hierzu natürlich keine allgemeingültigen Aussagen geben – aber dennoch zeigen die ersten Stimmen zu dieser Frage dahin, daß es sehr gut möglich ist, die Radeon R9 380X wirklich leise zu kühlen (bzw. lautlos im Windows-Betrieb). Die Grafikkarten-Hersteller scheinen es inzwischen im Griff zu haben, selbst Grafikkarten mit einem realen Stromverbrauch von nahezu 200 Watt zuverlässig und ohne extreme Lüfterkonstruktionen herunterkühlen zu können – so zu sehen bei den Modellen von Asus und Sapphire. Die Werte des XFX-Modells im Test von TweakPC fallen hier gegenüber etwas ab, aber dafür kühlt die mächtigere Kühlerkonstruktion von XFX die Karte auch auf viel niedrigere Chiptemperaturen als bei der Konkurrenz – so daß im Angebotsportfolio für jeden Geschmack etwas dabei sein sollte.

Windows-Idle Spiele-Einsatz
Asus Strix OC & Sapphire Nitro @ ComputerBase:
Keine Geräuschemissionen geben beide Grafikkarten in Windows ab: Die Lüfter stehen still.
Asus: 36,0 dB(A), Sapphire: 42,0 dB(A). Auch Spulenfiepen war den Grafikkarten im Testverlauf nicht zu entlocken.
Asus Strix OC & Sapphire Nitro @ Hardwareluxx:
Bei der Idle-Lautstärke bieten die beiden Karten genau das, was sie auch versprechen. Sie schalten ihre beiden Lüfter ab und arbeiten somit komplett passiv. Daher rücken für viele Nutzer die weiteren Komponenten des Systems in den Fokus, denn sie sorgen in diesem Betriebszustand nun für die Geräuschkulisse des Systems.
Mit 40,2 dB(A) für das Modell von Sapphire und 40,8 dB(A) für das Modell von Asus arbeiten beiden Karten sehr leise. Gerade im Vergleich zu den Referenzkarten aus den aktuellen und vorangegangenen Generationen zeigen sie sich flüsterleise.
Sapphire Nitro @ Tom's Hardware:
Lüfterloser Betrieb = 0 dB(A)
Dass AMD uns gerade ein Modell von Sapphire zur Verfügung gestellt hat (dazu noch befristet), ist garantiert kein Zufall. Denn diese Kühllösung ist nahezu perfekt und somit auch ein gutes Aushängeschild für AMD.
XFX Double Dissipation @ TweakPC:
Die Drehzahl im Idle-Betrieb wurde bei der neuen Radeon R9 380X deutlich abgesenkt und liegt nun bei nur noch 1450 UPM anstelle zuvor 1920 UPM. Das hat drastische Auswirkungen auf die Laustärke, denn diese sinkt damit deutlich von 34,67 dB(A) auf 27,91 dB(A) oder 1,91 Sone auf 0,86 Sone.
Unter Last zeigt sich die XFX Karte dann leider nicht mehr so leise. Um die GPU auf 74 Grad zu halten dreht der Lüfter dort mit 3100 UPM. Positiv muss man XFX hier anrechnen, das man auf Performance und Kühlung geht und nicht wie andere Hersteller die Temperaturen so hoch steigen lässt, das die Karten drosseln. Dennoch zeigt sich die Karte mit 48 dB(A) am Ende als recht laut.