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News des 19. November 2007

Mit dem Start der Woche hat AMD nun endlich seine lang erwarteten K10-Modell für den Desktop-Bereich in Form des Phenom QuadCore-Prozessors offiziell vorgestellt, die bisherigen Testberichte und Previews sind hier aufgelistet. Allerdings basieren die allermeisten der bisherigen Benchmarks auf Messungen auf von AMD gestellten, unabänderlichen Systemen, da AMD offensichtlich nicht in der Lage war, die Presse wie üblich breit mit Testsystemen zu beliefern. Dabei musste AMD am Tag des Launches sogar noch einen weiteren Dämpfer gegenüber den ursprünglichen Plänen einstecken, denn der eigentlich geplante Phenom 9700 mit 2.4 GHz musste äußerst kurzfristig aufgrund eines in der K10-CPU gefundenen Fehlers zurückgezogen werden. Dieser Fehler betrifft (unter angeblich nur im Labor reproduzierbaren Bedingungen) zwar alle K10-CPUs, äußert sich aber erst ab Taktfrequenzen von 2.4 GHz aufwärts.

Somit trat AMD letztlich nur mit den QuadCore-Modellen Phenom 9500 (2.2 GHz) und Phenom 9600 (2.3 GHz) an – und das sich damit nichts wirklich schlagkräftiges ergeben konnte, war eigentlich schon vorab abzusehen. Daß nun allerdings die Taktraten derart niedrig ausfallen, auf daß die neuen QuadCore-Modelle noch nicht einmal die alten DualCore-Boliden schlagen können, ist schon ziemlich starker Tobak. Dies wird zwar durch den Umstand übertüncht, daß ab sofort niemand mehr auf die "alten" K8-Modelle schauen wird und daß es diese sowieso nicht in QuadCore-Bauweise zu kaufen gibt, nichtsdestotrotz sind die Taktraten der K10-Prozessoren derzeit klar zu niedrig, um bei der Performance irgendwas herausreißen zu können.

Vielmehr scheint AMD sich dagegen einen Preiskampf mit Intel im Mainstream-Bereich liefern zu wollen, so setzt man die neuen Prozessoren mit Listenpreisen von 169 bzw. 190 Euro doch wirklich günstig für QuadCore-Prozessoren an. Intels kleinstes QuadCore-Modell in Form des Core 2 Quad Q6600 (2.4 GHz) kostet derzeit um die 220 Euro (boxed) etwas mehr – bietet dafür aber gemäß einhelliger Meinung der Tester auch ein Stück mehr an Performance. Hier liegt eine zweite Schwäche der ersten K10-Prozessoren für den Desktop-Bereich verborgen: Die Pro/MHz-Leistung mag gegenüber den K8-Prozessoren gestiegen sein, allerdings nicht ausreichend genug, um mit Intels 65nm-Prozessoren gleichziehen zu können. Zwischen K10 und Core 2 auf 65nm liegen derzeit auf gleichem Takt immer noch gute 10 Prozent Performance zugunsten von Intel.

Mit dem nächstes Jahr anstehenden breiten Einsatz der 45nm-Prozessoren seitens Intel dürfte sich dieser Unterschied sogar wieder auf 20 Prozent (auf gleichem Takt) ausdehnen. Dann wäre AMD eigentlich gezwungen, mit schnelleren Taktraten als Intel anzukommen, was man derzeit jedoch als nicht sehr wahrscheinliche Prognose betrachten darf. Im HighEnd-Bereich wird AMD Intel also weiterhin nichts entgegensetzen können, dies läßt sich für einen kurz- und mittelfristigen Zeitabschnitt schon jetzt mit einiger Sicherheit sagen. AMD bleibt ergo nur, im LowCost- und Mainstream-Bereich Intel über die jeweils besseren Preise zu bekämpfen – was durchaus funktionieren kann, da Intel die eigenen QuadCore-Modelle derzeit nicht maßlos verramschen will und AMD hierbei offensichtlich keinerlei Hemmungen zeigt.

Das eigentliche Ziel von AMD, nämlich die Steigerung der durchschnittlichen Verkaufspreise, dürfte damit jedoch nicht zu erreichen sein. Allenfalls wird man weiterhin gute Stückzahlen verkaufen und womöglich beim Marktanteil sogar hier und da noch etwas zulegen. Die wirklich großen Sprünge sind jedoch mit diesen klaren Mainstream-Prozessoren nicht zu machen, dafür bräuchte man zum einen die höheren durchschnittlichen Verkaufserlöse des HighEnd-Segments und vor allem auch den (auch wirtschaftlich sehr nützlichen) Image-Boost, welchen Benchmark-Siege der Top-Modelle verheißen. Und ob es langfristig gut gehen kann, ausschließlich LowCost- und Mainstream-Prozessoren verkaufen zu wollen, darf sowieso generell bezweifelt werden.

Und trotz daß AMD deutlich keine HighEnd-Prozessoren vorgestellt hat, ist die Enttäuschung der allermeisten Beobachter und Nutzer sehr verständlich. Immerhin hat man die ersten Desktop-Modelle einer neuen Prozessoren-Generation vorgestellt – vor allem, nachdem die aktuelle Prozessoren-Generation nun inzwischen kaum noch konkurrenzfähig war. Unter dieser Prämisse darf man doch mehr erwarten können als zwei nur arg mittelmäßig getaktete Prozessoren, welche einige Dimensionen davon entfernt sind, Intel bezüglich der Performance in irgendwelche Schwierigkeiten zu bringen. AMD ist hier praktisch unter dem absoluten Zwang, so schnell wie möglich wenigstens die Taktraten der "alten" K8-Modelle auch beim K10 zu erreichen, um wenigstens auch in der oberen Mittelklasse neue K10-basierende Angebote bringen zu können.

Shortcuts: Bei der Berichterstattung zum RV670-Launch sowie dem jüngsten Artikel stand noch ein falscher Speichertakt der Radeon HD 3870: Es sind 1125 MHz und nicht 1200 MHz, wie noch vorab angenommen. Bei Bit-Tech gibt es einen umfangreichen Artikel zu PC-Hauptspeicher und dort DDR-Speicher im speziellen. Vor allem durch die vielen verständlichen Grafiken wurde das Thema hervorragend einsteigerfreundlich abgehandelt. Laut Golem soll die DualChip-Grafikkarte Radeon HD 3870 X2 im Februar zu einem Preis von um die 400 Dollar erscheinen. Dies wäre noch etwas später als bisher angenommen – dafür aber auch etwas günstiger, als bisher vermutet.