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News des 27. Januar 2010

Von Jon Peddie Research gibt es mal wieder Zahlen zum Grafikkarten-Markt im vierten Quartal 2009. Wie immer gilt hierbei zu beachten, daß vom Jon Peddie Research jeder verkaufte Grafikchip gezählt wird (inklusive sogar integrierter Grafikchips in OEM-PCs mit zusätzlicher extra Grafikkarte) und dies keine Auswertung an verkauften 3D-Beschleunigern darstellt. Demzufolge erdrückt bei den Marktanteilen regelmäßig Intel aufgrund der Masse an verkauften integrierten Lösungen die eigentlichen Grafikchip-Entwickler ATI und nVidia – welche ihrerseits sogar noch wesentlich schlechter darstehen würden, wenn sie nicht selber auch integrierte Grafiklösungen im Angebot hätten. Die sich daraus ergebenden Marktanteile von 55,2 Prozent für Intel, 24,3 Prozent für nVidia und 19,9 Prozent für ATI geben also nicht wieder, wer wirklich die Deutungsmacht im Bereich von Grafikchips hat. Daß Intel im Vergleich zu früheren Zahlen sogar erheblich hat zugewinnen können, ist im übrigen maßgeblich nur ein Effekt dessen, daß man inzwischen den Markt an integrierten Lösungen für Intel-Prozessoren zu nahezu 100 Prozent selbst bedient, weil man alle anderen Wettbewerber daraus vertrieben hat.

Wie wenig interessant diese 55 Prozent Marktanteil zugunsten Intel wirklich sind, kann man auch daran ablesen, bei wievielen Spielen in der Liste der unterstützten Grafikchips ein Intel-Modell geführt wird: Meistens werden diese gar nicht erst erwähnt, einige Spiele schließen die Intel-Beschleuniger sogar explizit als "nicht unterstützt" aus. Der Grafikchip-Markt ist halt sehr vielfältig und reicht von integrierten Beschleunigern, die es faktisch kostenfrei beim Erwerb von Mainboard-Chipsätzen (oder jetzt mit den Clarkdale-Prozessoren auch kostenfrei beim Erwerb von Prozessoren) oben drauf gibt bis hin zu Lösungen für den professionellen Einsatz im Wert von einigen tausend Euro. Das Zusammenfassen dieses Marktes auf Basis verkaufter Stückzahlen ist ein ähnlich nutzloses Unterfangen wie als wolle man auf dem Schiffsmarkt einen Hersteller von Kleinbooten wegen seiner hohen verkauften Stückzahlen als "Marktführer" titulieren und die Hersteller von supergroßen Passagier- und Frachtschiffen als "unbedeutend" hinstellen, nur weil diese im Jahr nur wenige Einzelstücke verkaufen.

Langsam aber sicher wäre also auch im Grafikchip-Markt mal eine differenzierte Analyse des Geschehens sinnvoll – die jetzigen Analysen, wo Intel regelmäßig als dominante Kraft hingestellt wird, sind jedenfalls nicht zielführend, weil an der augenscheinlichen Realität vorbeigehend. Einschränkenderweise hierzu muß gesagt werden, daß Jon Peddie Research diese Teilanalysen natürlich macht (allerdings im kostenpflichtigen Teil seines Reports) – jedoch ist es unserer Meinung nach trotzdem falsch, die Gesamtmarktzahlen als die wichtigsten Zahlen von allen hinzustellen, diese sind eigentlich nicht besonders relevant. Eine Ausnahme hierzu können eventuell die Zahlen zu den insgesamt verkauften Grafikchips im Zeitraum der Jahre 2002 bis 2011 (letzteres eine Prognose) darstellen, weil diese die doch erheblichen Zuwachsraten der Grafikchip-Industrie über die letzte Dekade verdeutlichen.

Entwicklung der Grafikchip-Verkaufszahlen 2002-2011

Allerdings muß auch hier dazuerwähnt werden, daß die großen Zuwachsraten über die allgemeinen Zuwachsraten bei den PC-Verkäufen respektive den Verkäufen an integrierten Grafikchips klar hinausgehen und dies primär zwei Effekten geschuldet ist: Erstens einmal werden in vielen Notebooks zuletzt verstärkt extra Grafikchips verbaut – und da es Mainboard-Chipsätze für Notebooks fast nur noch mit integrierter Grafik gibt, werden somit bei diesen Notebooks zwei Grafikchips "verkauft" (obwohl oftmals nur einer nutzbar ist). Und gleichzeitig wechseln Gamer ihre Grafikkarten einfach deutlich häufiger als das gleich ganz neue PCs gekauft werden, womit in beiden Fällen die extra Grafikkarte die eigentlichen Treiber des Geschäfts sind. Noch deutlicher wäre dies, wenn die vorstehende Auflistung der Verkaufszahlen nach integrierten Grafikchips und extra Grafikkarten getrennt wäre, letztere sollten die deutlich stärkeren Zuwachsraten aufweisen.

Bei AnandTech gibt es endlich mal einen Artikel zu einem Core i3-530 – einer derjenigen Clarkdale-CPUs, welche im Gegensatz zu den Core i5-6xx Prozessoren über ein gutes Preis/Leistungsverhältnis verfügt. Das Problem der Core i5-6xx Modelle ist aber nicht nur deren vergleichsweise hoher Preis, sondern auch das dafür kaum mehr geboten wird: Nur ein wenig mehr Taktrate (im allerbesten Fall lächerliche 18 Prozent mehr) und der bei diesen DualCore-Modellen fast nutzlose TurboMode (im DualCore-Betrieb maximal eine Taktstufe á 133 MHz mehr). Dabei gibt es die Core i3 Modelle zu Preisen von knapp über 100 Euro, während die Core i5-6xx Modelle zu Preisen im Rahmen von 150 bis 250 Euro einfach zu hoch für deren geringfügige Mehrperformance angesetzt sind.

So ist im Schnitt der von AnandTech angesetzten Benchmarks ein Core i5-661 (als zweitschnellstes Modell der Core i5-6xx Serie) gerade einmal 15 Prozent schneller als ein Core i3-530 (als langsamstes Modell der Core i3 Serie) – für einen Preisaufschlag von 60 bis 70 Prozent lohnt sich der schnellere Prozessor hier sicherlich nicht. Auch muß Intel in diesem Preisbereich natürlich mit harter Konkurrenz durch AMD rechnen, welche sich zudem durchgehend ebenfalls durch gute Preis/Leistunsgverhältnisse auszeichnet – da ist mit den hohen Preisen der Core i5-6xx Serie kein Blumentopf zu gewinnen. Der Core i3-530 kann dagegen problemlos gegenüber den Phenom II X2 und Athlon II X4 Prozessoren von AMD bestehen, wobei unter klar QuadCore-Prozessoren bevorzugenden Benchmarks der Athlon II X4 dann doch wieder vorn liegt.

Aber nichts ist perfekt und die Stärken des Core i3 liegen dann eher in den Bereichen Allround-Performance, Übertakungsfähigkeit und natürlich der sehr genügsamen Leistungsaufnahme. In letzterem Punkt erreicht man die größte Differenz zu AMD, welche zwar unter den Idle-Messungen nicht besonders weit weg liegen, unter den Last-Messungen dagegen gleich 36 Prozent mehr (DualCore) bzw. 71 Prozent mehr (QuadCore) Stromverbrauch verbuchen müssen. Erwähnenswert wäre daneben noch das Übertaktungsergebnis des getesteten Prozessors, welcher mit dem Intel-Kühler und einer noch geradeso maßvollen Spannungszugabe von 0.16 Volt von original 2.93 GHz auf stabile 4.0 GHz kam. Im Verhältnis zu AMD ist dies gut, im Verhältnis zu den Core 2 Prozessoren allerdings nichts besonderes, da diese trotz 45nm-Fertigung dieselben und bessere Übertaktungsergebnisse erzielen können.

Laut WinFuture liegt der Termin für den Windows-7-Nachfolger Windows 8 scheinbar in der zweiten Jahreshälfte 2011, nachdem ein Microsoft-Dokument die Zielvorgabe für den RTM-Status (RTM = Ready to Manufacture) auf den 1. Juli 2011 setzt. Zuzüglich ein wenig Verspätung könnte es damit wiederum einen Launch rund um den Jahreswechsel 2011/12 geben, ähnlich wie bei Windows Vista (2006/07) und Windows 7 (2009). Sogar kürzer zu den direkt vorhergehenden Windows-Versionen ist der zeitliche Abstand von nur zwei Jahren – aus welchem man durchaus auch auf die Anzahl der Änderungen gegenüber Windows 7 schließen kann, welche dementsprechend nicht wahnwitzig großartig ausfallen dürfte. Ganz allgemein passt der Starttermin auch zur aktuellen Strategie von Microsoft, nicht mehr so viel Zeit zwischen zwei Windows-Versionen verstreichen zu lassen (zwischen Windows XP und Vista lagen fünf Jahre), was ganz natürlich die Möglichkeit zu vielen Änderungen zwischen zwei Versionsnnummern einschränkt. Insbesondere für den normalen PC-Benutzer dürften die Änderungen somit wohl überschaubar bleiben, die bisher diskutierten Änderungen sind eher nur für Profi-User und Büro-PC-Netzwerke interessant.