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News des 29. Juli 2010

Gestern schon verlinkt, aber noch nicht extra gewürdigt wurde die Umsatzwarnung seitens nVidia, wonach das Unternehmen im zweiten Geschäftsquartal 2010 (bei nVidia von Mai bis Juli) deutlich weniger Umsatz als bisher angenommen erwartet. Hier tritt nun – mit deutlicher Verzögerung – die Reaktion des Marktes auf die Inovationsarmut von nVidia zwischen Ende 2009 und Anfang 2010 ein. nVidia hatte in diesem Zeitraum nach dem Release der 40nm-Produkte GeForce G210, GT 220 und GT 240 faktisch nichts mehr getan – bis dann im Frühjahr 2010 die GeForce GTX 470/480 Karten auf Basis des GF100-Chips herauskamen, welche aber nur das absolute HighEnd-Segment bedienen und damit kaum umsatzwirksam sind. Und dies konnte natürlich nur bis zu einem gewissen Punkt gutgehen, welcher jetzt offenbar erreicht ist.

Dies geschieht wie gesagt mit einiger Verzögerung, denn aktuell würde nVidia niemand mehr als "innovationsarm" einschätzen – aber das Geschäftsergebnis hängt eben stark an dem, was im letzten halben bis dreiviertel Jahr so gelaufen ist. Genauso aber wie das Geschäft von nVidia im zweiten Geschäftsquartal 2010 nicht gut gelaufen ist, dürfte sich das Unternehmen im weiteren Jahresverlauf wieder aus dieser Grube herausarbeiten können. Zwar dürften die GF100-basierten Produkte aufgrund deren geringer Stückzahlen nicht wesentlich dazu beitragen, aber mittels der GeForce GTX 460 hat nVidia doch einen perfekten Umsatzbringer aufgelegt – überaus stark in seiner Preisklasse, an einem sehr guten weil hochfreqentierten Preispunkt und zudem auch kein Billigprodukt, wovon man riesige Stückzahlen verkaufen müsste, um auf einen grünen Zweig zu kommen.

Im August könnte es dann mit Grafikkarten auf Basis des GF106-Chips interessant weitergehen – wenn nVidia wieder ein so gutes Preis/Leistungsverhältnis wie bei der GeForce GTX 460 anbietet, kann auch die GeForce GTS 450 zu einem großen Umsatzträger für nVidia werden. Somit sind die Aussichten nVidias für das dritte und vierte Geschäftsquartal 2010 schon wieder sehr rosig – aber als Lehre ist aus der ganzen Sache mitzunehmen, daß so eine große Innovationslücke wie sie nVidia nach dem Release des GT200b-Chips gelassen hatte (wo dann nur noch die angesprochenen 40nm LowCost- und Mainstream-Produkte kamen), doch immer ihre Auswirkungen hat und daher nach Möglichkeit zu vermeiden wäre. Ein Grafikchip-Entwickler muß heutzutage eben immer im Gespräch bleiben und trotz längerer Innovationszyklen zwischen zwei Grafikchip-Generationen auf wenigstens einem Teilmarkt immer irgendetwas neues bringen – keine leichte Aufgabe, aber so ist der Grafikkarten-Markt derzeit halt.

Ein weiterer Gedanke hierzu noch: Offiziell hat nVidia diese Geschäftszahlen natürlich anders begründet, unter anderem mit der wirtschaftlichen Schwäche in China. Diese Begründung ist jedoch bei formaler Betrachtung gänzlich unsinnig, weil Asien und insbesondere Ostasien fast überhaupt nichts von der Wirtschaftskrise mitbekommen hat. Ein Schuh wird jedoch daraus, wenn man sich ansieht, was in den aufstrebenden Nationen Ostasiens – sprich außerhalb der HighTech-Länder Japan, Korea und Taiwan – für eine Kaufkraft vorhanden ist und daher für Computer gekauft werden. Die neue Mittelschicht dieser Länder ist eben nicht mit der Mittelschicht im westlichen Maßstab zu vergleichen und so geht die Anschaffung selbst eines Billig-PCs im Wertrahmen von 200 bis 300 Euro durchaus ins Haushaltsbudget – was zur Folge hat, daß sich der PC-Markt in Ostasien eben sehr deutlich auf diese Preisklasse konzentriert.

Und dies wird langfristig auch deutliche Auswirkungen auf das PC-Geschäft allgemein machen, weil einfach in Ostasien (inkl. Südostasien) mit seinen nahezu 2 Milliarden Menschen (3 Milliarden, wenn man – geographisch inkorrekt, aber wirtschaftspolitisch passend – Indien mit hinzuzählen will) eine ungeheure Anzahl an potentiellen Konsumenten existiert – mit allerdings eben ganz anderen Anforderungen wie die rund eine Milliarde Konsumenten in den Industriestaaten. Da das große Stückzahlen-Wachstum gerade in den nächsten Jahren aber in genau in dieser Region stattfinden wird (andere Wachstumsregionen sind Russland und Lateinamerika, aber diese haben bei weitem nicht so viel Masse), müssen alle PC-Hersteller diesbezüglich umdenken und Lösungen suchen für PCs, welche selten die 300-Euro-Marke nach oben durchbrechen. LowCost- und Mainstream-Lösungen werden also – weltweit gesehen – noch deutlich populärer werden, darauf müssen sich alle Hersteller mit weltweitem Anspruch einstellen.