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Hardware- und Nachrichten-Links des 21. November 2018

In der Frage, was nVidia nach den vorgestellten HighEnd- und Enthusiasten-Lösungen von Turing dann eventuell an Turing-Midrangelösungen nachzuschieben gedenkt, ist nVidia im Analysten-Gespräch zu den jüngsten nVidia-Geschäftszahlen deutlich auf die Bremse getreten: Danach hat man derzeit ein unerwartet hohes Inventar an Pascal-Grafikchip zu verkraften, welches sich noch aus dem abrupten Ende des Cryptomining-Booms ergeben hat. nVidia hatte hierzu seinerzeit mit schneller fallenden Grafikkarten-Preisen und damit einem größerem Zeitraum gerechnet, um diese Pascal-Chips noch vor dem Turing-Launch verkaufen zu können. Die Grafikkarten-Preise haben sich nach dem Ende des Cryptomining-Booms aber nur langsam wieder erholt, womit die Menge an produzierten Pascal-Chips nicht in diesem Maßstab abverkauft werden konnte, wie nVidia sich dies dachte – und nun sitzt man halt auf einem erklecklichen Pascal-Inventar, welches erst einmal unter die Leute gebracht werden muß.

Pascal is well positioned as the GPU of choice in the midrange for the holidays, and we expect to work down channel inventories over the next quarter or 2.
Quelle:  Colette Kress, nVidias CFO im "Q3 2019 Earnings Conference Call" am 15. November 2018

Eine Maßnahme hierzu wird im übrigen die kommende GeForce GTX 1060 GDDR5X sein, womit man überzählige GP104-Chips und möglicherweise auch überzähligen GDDR5X-Speicher los wird, für welchen es bei nVidia nach dem Auslaufen von GeForce GTX 1080 & 1080 Ti keine Nutzungsmöglichkeit mehr gibt (möglicherweise liegt in diesem GDDR5X-Speicher sogar der Hauptgrund für diese Karte). An diesem Pascal-Inventar will sich nVidia nunmehr innerhalb der kommenden 1-2 Quartale abarbeiten – was bedeutet, das dies im besten Fall zum Jahresanfang 2019 erledigt ist, im schlechtesten Fall erst im Frühling 2019. Da nVidia diese Inventar-Sorgen mehrfach im Analysten-Gespräch herausgestrichen hat, kann man wohl davon ausgehen, das es keine Turing-Modelle für das Midrange-Segment geben wird, bevor dieser Fall nicht erledigt ist. Entsprechende Turing-Beschleuniger für niedrigere Preissegmente sind also nicht vor dem Frühling 2019 zu erwarten – ganz egal wie jene technisch aussehen mögen. Hierzu gibt es immer noch verschiedene Denkansätze, welche sich primär darum drehen, ob nVidia in die kleineren Turing-Chips auch wirklich RayTracing-Funktionalität integriert. Das nVidia hingegen schlicht Pascal-Refreshes auflegt, wird hingegen mit jedem Tag unwahrscheinlicher, kann (bzw. sollte) man im Jahr 2019 dann sicherlich nicht mehr bringen.

Die Meldung zu AMDs Navi-12-Grafikchip hat sicherlich auch Kritik daran hervorgerufen, wie ziemlich behäbig AMDs Grafikchip-Roadmap auch in nächster Zeit voranschreitet – nachdem man schon die letzten Jahre diesbezüglich nicht gerade mit vielen Fortschritten beglückt wurde. Denn folgt man den weiteren Ausführungen von WCCF Tech zum Stand des Navi-Projekts, dann kürzt sich jenes inzwischen leider auf nur noch zwei Grafikchips zusammen, welche passabel gesichert erscheinen sollen: Navi 12 als Midrange-Lösung sowie Navi 20 als HighEnd/Profi-Lösung, letztere allerdings zu einem wesentlich späteren Zeitpunkt antretend. Die zwischenzeitlich genannten Navi 10 und Navi 14 sind inzwischen womöglich schon wieder raus aus dem Spiel, zumindest Navi 10 steht nunmehr mittels Navi 12 deutlich auf der Kippe.

Ausrichtung Terminlage Status
Navi 10 HighEnd verschiedene Aussagen von H1/2019 bis H2/2019 unsicher, womöglich zugunsten von Navi 12 aufgegeben
Navi 12 Midrange Sommer 2019 soll nun als erste Navi-Lösung erscheinen
Navi 14 unklar (Mainstream?) kurz nach Navi 10 unsicher, wurde nur einmalig kurz erwähnt
Navi 20 HighEnd & Profi Ende 2020 bis Anfang 2021 scheint wohl als Abschluß der Navi-Generation ganz zuletzt zu erscheinen

Einzurechnen ist hierbei sicherlich auch der Punkt, das AMDs (durch den Zen-Erfolg) neu erworbene Reserven für weitere R&D-Ausgaben auch auf dem Grafikchip-Feld natürlich nicht umgehend wirksam werden, sondern eher erst die Navi-Nachfolgegeneration betreffen dürften. Die Navi-Generation selber wird hingegen noch unter denselben Sparmaßnahmen zu leiden haben, unter welchen auch schon Polaris & Vega antreten mussten. Bei Navi kommt noch der sondermäßige Umstand hinzu, das unter dieser Grafikchip-Architektur auch der Grafikchip-Part für die kommende Playstation 5 entwickelt wurde, gemäß Insider-Berichten dafür auch sehr viele AMD-Entwickler von der Grafikchip-Abteilung zur SoC-Abteilung "umgeschichtet" wurden. Durchaus denkbar angesichts dieser Ausgangslage, das AMD das Navi-Projekt somit generell kleinhält bzw. sogar kleinhalten muß – sprich, das man mit so wenigen wie möglichen Grafikchips auszukommen versucht. Gemäß gewisser Anzeichen dürfte erst die der Navi-Generation nachfolgende NextGen-Architektur von AMD dann wieder ein volles Portfolio an Grafikchips mitbringen – bis dahin muß sich AMD wohl mit dem durchkämpfen, was die limitierten Reserven übrig gelassen haben.

PS zu Navi 20: Weil AMD mit Vega 20 gerade erst einen neuen Profi-Chip aufgelegt hat, gibt es die gängige Vermutung, das Navi 20 nur zwei Jahre später dann nicht erneut ein Profi-Chip sein sollte – gerade nicht unter erneut der 7nm-Fertigung. Hierzu wird gern auch die Begründung angebracht, das AMD vorher im Profi-Segment immer noch den fünf Jahre alten Hawaii-Chip stehen hatte, das also die Lebenszyklen der Profi-Chips bei AMD entsprechend lang sein sollen. Dies traf auf Hawaii zu Vega 20 sicherlich zu – muß aber nicht für alle Ewigkeit so weitergehen, eigentlich ist dieser 5-Jahres-Zeitraum zu lang und ward eher dadurch bedingt, das AMD beim seinerzeitigen Fiji-Chip einfach keine Chipfläche für Profi-Funktionalität mehr übrig hatte. In Stein gemeißelt ist hierzu noch nichts, aber Navi 20 könnte durchaus auch wieder Profi-Funktionalität mitbringen – gerade da der Transistoren-Aufwand hierfür augenscheinlich nicht so groß ist (nur 700 Mio. Mehrtransistoren zwischen Vega 10 & 20). Speziell wenn die Navi-Architektur wirklich außerhalb der langjährigen GCN-Architektur stehen soll, lohnt sich dies eventuell doch, in einem vergleichsweise kurzen Zeitraum gleich zwei Profo-Beschleuniger zu bringen – ganz besonders dann natürlich, wenn Navi 20 zusätzlich auch noch ins HighEnd/Enthusiasten-Segment gehen könnte, sich also mittels eines Dualnutzens rechtfertigen würde.

Auf Reddit wird auf den Stand der Mobile-Grafiktreiber von AMDs Raven Ridge aufmerksam gemacht – welche im Gegensatz zu den Desktop-Grafiktreibern durch die Notebook-Hersteller selber gestellt werden sollen. Mit dieser Entscheidung hat sich AMD wohl darauf verlassen, das die Notebook-Hersteller ihre Produkte ordentlich supporten – und wurde damit von diesen verlassen, denn ähnlich wie auf Intel-Notebooks ist der real geleistete Treibersupport nach einigen anfänglichen Treibern meist spärlich bis gar nicht vorhanden. Dies ist allerdings für ein Grafik-Produkt, welches ständige Treiber-Updates benötigt (und wo auch noch eine nicht unerhebliche Liste an Fehler existiert) keine haltbare Situation – da kommt der Notebook-Käufer letztlich günstiger, wenn man ein Notebook mit nVidia-Grafik kauft und dann auf die von nVidia direkt gestellten Mobile-Treiber vertraut (wobei jene auch nicht auf jedem Notebook wirklich funktionieren müssen, aber es gibt zumindest eine größere Chance darauf). Vor allem aber weist der Reddit-Bericht auf den wichtigen Punkt hin, das kein Notebook-Käufer die kommenden Ryzen 3000G APUs wirklich großartig beachten wird, sofern sich an dieser Situation nicht endlich etwas grundlegend ändert – und zwar trotz aller von AMD zukünftig aufgebotenen Spitzentechnik. Wenigstens hat AMD inzwischen diesen Nutzer-Protest vernommen und wiederum auf Reddit einen Diskussionthread eröffnet, um mehr User-Feedback zum Wohl und Wehe seiner Mobile-Grafiktreiber für seine APUs zu erhalten.