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Hardware- und Nachrichten-Links des 23. Januar 2018

Der Tech Report und ComputerBase offerieren ein paar Hintergrund-Informationen zu den zwei neuen Vizepräsidenten, welche bei AMD zukünftig die Radeon Technologies Group (RTG) anführen sollen – nachdem der langjährige Chef Raja Koduri das Unternehmen wie bekannt in Richtung Intel verlassen hatte. Als Nachfolger hat AMD nunmehr Mike Rayfield sowie David Wang verpflichtet, beide von außerhalb AMDs kommend. Mike Rayfield kommt von Micron, hatte zuvor aber auch 7 Jahre lang die Mobile-Abteilung von nVidia geleitet und seinerzeit dort die ersten Tegra-Designs zu verantworten. David Wang kommt hingegen von Synaptics, war vorher aber lange Zeit bei SGI, ArtX, ATi und AMD im Grafikchip-Design selber beschäftigt – und damit auch Teil des Designteams zum legendären R300-Chip (Radeon 9700). Die Aufteilung zwischen beiden Vizepräsidenten wird demzufolge Strategie/Business bei Mike Rayfield sowie Hardware/Entwicklung bei David Wang werden – was damit herauskommt, wird die Zeit zeigen. Angesichts der nicht gerade üppig gesäten Verfügbarkeit von Spitzenentwicklern war dies wohl die besten realisierbare Lösung für AMD, welche natürlich für ihre RTG-Gruppe eine tatkräftige Führungsmannschaft benötigen. Viel wichtiger dürfte allerdings werden, ob AMD nun endlich über den Ryzen-Erfolg genügend Geld in die Taschen bekommt, um nicht nur die weitere CPU-Entwicklung voranzutreiben, sondern auch der (immer wieder zusammengekürzten) Grafikchip-Entwicklung mal wieder finanziell unter die Arme zu greifen.

Auch wenn speziell Bitcoin-Mining auf gewöhnlicher PC-Hardware inzwischen weitgehend außer der Mode gekommen sein dürfte, hat das ganze wohl dennoch eine gewissen Einfluß auf die PC-Nutzer: Denn laut der ComputerBase verkauft Chiphersteller TSMC inzwischen mengenmäßig mehr Wafer an Bitmain, einen Hersteller von ASICs zum Bitcoin-Mining, als an nVidia – welche bei TSMC nach wie vor so gut wie alles von Tegra über GeForce bis Tesla herstellen lassen. Da die aktuellen Bitcoin-ASICs ebenfalls in der 16nm-Fertigung hergestellt werden, könnte sogar der Umsatz von Bitmain bei TSMC größer als der von nVidia sein (oder wenigstens ähnlich hoch). In der letzten Analysten-Telefonkonferenz von TSMC soll sogar das Wort "Crypto" doppelt so häufig gefallen sein als die eigentlich sonst alles dominierenden Buzzwörter "AI" und "Mobile". Für die reinen Chipfertiger wird das Thema "Crypto-Mining" derzeit also zum ernsthaften Geschäftsthema – was für die PC-Industrie faktisch nur Nachteile ergibt, denn somit steigt die Auslastung der Chipfertiger, insbesondere bei neuen Produktionsverfahren. Die aktuelle Grafikkarten-Lieferflaute könnte zum Teil also auch darauf zurückzuführen sein, das die Chipfertiger ihre Kapazitäten in Richtung Mining-ASICs umgeschichtet haben – und somit schon bestellte Grafikchips erst später gefertigt werden. Die könnte selbst bei AMDs Hausfertiger GlobalFoundries der Fall sein, welche ihrerseits ja ebenfalls als Auftragsfertiger unterwegs sind.

Die PC Games Hardware weisen auf ein neues der8auer-Video hin, welches sich nochmals mit den 4 CPU-Dies von Threadripper auseinandersetzt. AMD hatte ja anfänglich behauptet, daß das Threadripper-Package neben zwei funktionierenden Dies nur noch zwei Dummys enthält, was sich jedoch später als Unsinn herausgestellt hatte. Auch der Threadripper-Prozessor im neuen Video ist "voll bestückt", womit also zwei Zeppelin-Dies umsonst auf dem Package angebracht sind. Dennoch gibt es gewisse Unterschiede zu einem vergleichsweise untersuchtem Epyc-Package – dort trägt das Package klar mehr SMD-Kondensatoren. Dennoch würden wir denken, das man hier kaum von wirklich unterschiedlichen Produktionsstraßen reden kann, denn der Sinn der ganzen Übung mit den zwei verschwendeten Dies bei Threadripper dürfte primär darin bestehen, eben keine extra Produktionsstraße für Threadripper zu unterhalten. Die gewissen Differenzen zwischen Threadripper und Epyc kann man sicherlich auch innerhalb der grundsätzlich selben Produktionsstraße realisieren, aber vor allem hat sich AMD hiermit die Auflage eines eigenen Packages samt dessen eigener Produktionsstraße gespart.

Und natürlich ermöglicht dieser Weg auch (rein theoretisch), Threadripper schon jetzt mit gleich 32 CPU-Kernen herauszubringen – nur das AMD dies sicherlich nicht tun wird. Denn dies würde aus Performance-Sicht im Desktop-Segment derzeit keinen Sinn ergeben (eine solche CPU könnte wegen ihrer hohen Wattage von ~300W niedrigere Taktraten aufweisen und damit sogar langsamer als ein Ryzen Threadripper 1950X herauskommen) und steht zudem sowieso zukünftig bei AMD auf dem Plan – und natürlich wird man nicht jetzt sinnlos all sein Pulver verschießen, was man für spätere CPU-Generationen noch benötigt. An dieser Stelle sollte man sich sicherlich genauer ansehen, was Intel bei Skylake-X wiederfahren ist, deren Kern-Offensive immerhin bis zu einem 18-Kernern für Desktop-Bedürfnisse geführt hat. Jener Core i9-7980 XE ist sogar etwas schneller als ein Ryzen Threadripper 1950X oder ein Core i9-7900X – und dürfte trotzdem die (mit weitem Abstand) schlechtverkaufteste Top-CPU von Intel der letzten Jahre darstellen. Dafür ist das Performance/Preis-Verhältnis beim Core i9-7980 XE einfach zu schlecht, hinzu fehlt wegen der nur mittelprächtigen Taktraten vor allem auch das Siegel der schnellsten Gaming-CPU – und wenn es nur um 1% Differenz wäre.

Damit fehlt dem Core i9-7980 XE ziemlich klar das Gefühl, das "beste und schnellste" (bei Intel) kaufen zu können – was frühere Top-CPUs von Intel immer zu bieten hatten. Genau aus diesem Grund wurden diese Prozessoren auch gekauft, ansonsten wäre deren 1000-Dollar-Mondpreise nicht zu begründen. Intel hat es bei den höheren Modellen des Core-X-Portfolios dann jedoch übertrieben und der Show wegen faktisch zu viele CPU-Kerne aufgeboten, was dann zwangsläufig mit Abstrichen bei der Taktrate einhergehen musste. Genau diesen Fehler sollte AMD mit Threadripper nicht unbedingt wiederholen – die aktuell angebotenen 16 CPU-Kerne beim Ryzen Threadripper 1950X sind auch schon grenzwertig, aber wenigstens liegt dieses CPU-Modell rein AMD-intern noch überall vorn und gerät nicht durch seine viele CPU-Kerne hier und da schon in Not. Mit dem Ryzen Threadripper 1950X bekommt man für den höchste Preis in der Preisliste dann auch wirklich noch das "beste und schnellste" – im Gegensatz zu mit Kompromissen behafteten Core i9-7980 XE (den man rein auf Intel bezogen besser durch einen halb so teuren Core i9-7900X ersetzt). Mehr wäre derzeit nicht sinnvoll, ergo dürfte AMD sich vorerst auch mit weiteren Kern-Offensiven zurückhalten. Jene werden dann erst ein Thema der 2019er "Zen 2" Generation mit Ryzen 3 & Threadripper 3 sein, wenn AMD mittels der 7nm-Fertigung diesbezüglich mehr Möglichkeiten zur Verfügung stehen hat.

Bei Heise werden die chinesische x86-Prozessoren von Zhaoxin thematisiert, zu welchen nunmehr genauere Modell-Daten sowie Hersteller-eigene Benchmarks vorliegen (zuzüglich weiterer vergleichender Benchmarks in unserem Forum: No.1 & No.2). Jene Benchmark-Zahlen zeigen allerdings klar an, das es sich beim aktuellen x86-Design von Zhaoxin eher denn um eine einfach recht breit ausgelegte Niedrigperformance-Architektur handelt – wird doch (bei gleicher Core-Anzahl) gerade einmal ein Atom-Prozessor von anno 2013 geschlagen. Die vom Hersteller aufgestellte These, das man damit innerhalb von nur zwei Entwicklungsschritten dann auf die Performancehöhe von AMDs Zen 2 kommen könnte, ist angesichts dessen arg vermessen – und dann am Ende wieder typische VIA, denn jene hatten bei ihren Haus-eigenen x86-Prozessoren früher auch immer wieder diesen Traum, in kürzester Zeit von der Atom- auf die Core-Performance kommen zu wollen. Nachdem dieser Traum jedesmal gescheitert ist, sollte man bei der VIA-Tochter Zhaoxin nun auch eher die Geduld aufbringen, sich den weiteren Verlauf zuerst anzusehen und nicht bereits vorab angenommene bzw. eher denn herbeifabulierte Performanceziele als "gegeben" ansehen.

Der Tech Report und ComputerBase offerieren ein paar Hintergrund-Informationen zu den zwei neuen Vizepräsidenten, welche bei AMD zukünftig die Radeon Technologies Group (RTG) anführen sollen - nachdem der langjährige Chef Raja Koduri das Unternehmen wie bekannt in Richtung Intel verlassen hatte. Als Nachfolger hat AMD nunmehr Mike Rayfield sowie David Wang verpflichtet, beide von außerhalb AMDs kommend. Mike Rayfield kommt von Micron, hatte zuvor aber auch 7 Jahre lang die Mobile-Abteilung von nVidia geleitet und seinerzeit dort die ersten Tegra-Designs zu verantworten. David Wang kommt hingegen von Synaptics, war vorher aber lange Zeit bei SGI, ArtX, ATi und AMD im Grafikchip-Design selber beschäftigt - und damit auch Teil des Designteams zum legendären R300-Chip (Radeon 9700). Die Aufteilung zwischen beiden Vizepräsidenten wird demzufolge Strategie/Business bei Mike Rayfield sowie Hardware/Entwicklung bei David Wang werden - was damit herauskommt, wird die Zeit zeigen. Angesichts der nicht gerade üppig gesäten Verfügbarkeit von Spitzenentwicklern war dies wohl die besten realisierbare Lösung für AMD, welche natürlich für ihre RTG-Gruppe eine tatkräftige Führungsmannschaft benötigen. Viel wichtiger dürfte allerdings werden, ob AMD nun endlich über den Ryzen-Erfolg genügend Geld in die Taschen bekommt, um nicht nur die weitere CPU-Entwicklung voranzutreiben, sondern auch der (immer wieder zusammengekürzten) Grafikchip-Entwicklung mal wieder finanziell unter die Arme zu greifen.