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Hardware- und Nachrichten-Links des 30. August 2017

Heise weisen auf Twitter-Wortmeldungen von Radeon-Chef Raja Koduri hin, in welcher jener die Tests zur Radeon RX Vega und auch die aktuelle Diskussion über deren Preisgestaltung kritisiert. Ob das ganze ein kluger Schachzug war, sei allerdings bezweifelt, denn AMD hat in diesen zwei Fragen nur wenige Argumente für sich – und gießt daher mit diesen Wortmeldungen nur Öl ins Feuer eines ganzen Sees an Argumenten, die (diesbezüglich) gegen AMD sprechen. Hart gesprochen, kann man die Kritik an Hardwaretests, welche zu wenig auf die Möglichkeiten der neuen AMD-Grafikkarten der Energieeffizienz-Verbesserung eingehen, als bösen Scherz seitens AMD ansehen – angesichts der Tatsache, das den Hardwaretestern für diese tief verschobenen und nun am Ende gar nicht wirklich lieferbaren Grafikkarten wieder einmal nur wenige Tage Testzeitraum zur Verfügung standen. Beispielsweise bei der PC Games Hardware kamen deren Testmuster am Mittwochmorgen bzw. am Donnerstagabend vor einem Launch am Montag, den 14. August an – dies sind gerade einmal 4-5 Tage Testdauer. Zugegebenermaßen gab es in der Vergangenheit Hardware-Launches, wo die Testdauer noch knapper ausfiel – aber man muß diese schlechtestmöglichen Beispiele auch nicht zur Normalität erheben. Für den Hardware-Launch eines ansonsten bekannten Produkts sind 4-5 Tage Testdauer vielleicht in Ordnung, für gleich zwei Produkte in einer neuen Architektur ist dies jedoch reichlich knapp – und dafür dann auch noch tiefgehende Sondertests zu fordern, erscheint als reichlich übertrieben.

Zur (halben) Ehrenrettung der Koduri-Aussage muß man allerdings auf dem Umstand hinweisen, das der AMD-Chef sicherlich nur die englischsprachigen Launchreviews gelesen hat – und jene glänzen in der Tat sehr häufig mit reinster Standardkost, während es vornehmlich im nicht-englischsprachigen Bereich durchaus Hardwaretests gibt, welche auf den angesprochenen Punkt der Energieeffizienz-Verbesserung eingegangen sind. Aber auch diesbezüglich sei leichte Kritik an AMD erlaubt: Denn diese lieblosen Standardreviews sind meistens durchaus im Interesse der Hersteller und haben sich daher gerade in den USA auch mehr oder weniger etabliert. Wenn man es unbedingt wollte, hätte man dem schon vor längerem durch eine an Qualitäts-Maßstäben orientierte Auswahl der zum Launch belieferten Hardwaretester abhelfen können – was man wohlweislich nicht macht, die Masse der seichten Hardwaretests erfüllt für die Hersteller durchaus ihren Zweck. Rein in der Sache muß allerdings auch gesagt werden, das angesichts des überdimensionalen Unterschieds in der Energie-Effizienz zu nVidia auch die gewissen Verbesserungen, welche AMD per BIOS und Treiber hierzu zur Verfügung stellt, nicht mehr viel an der generellen Einordnung ändern. Konkret ergeben selbst 10-20% mehr Energieeffizienz in einem Vergleich, wo man eben um gleich 30-40% zurückliegt, kein grundsätzlich anderes Urteil mehr.

Zum Thema der Preisdiskussion hat sich Radeon-Chef Koduri dann mit seiner Infragestellung der daran geäußerten Kritik eigentlich sogar noch tiefer ins Fettnäpfchen gesetzt. An diesem Punkt hat AMD den Radeon RX Vega Launch durch klar zu niedrige Liefermengen maßgeblich vergeigt, insbesondere die Radeon RX Vega 56 könnte schließlich einen guten Kontrahenten zur GeForce GTX 1070 abgeben – wenn sie denn zu ihrem Listenpreis lieferbar wäre. In der Summe der Dinge hätte der Radeon-Chef sich diese Kommentare besser gespart – und lieber intern daran gearbeitet, die vorhandenen Probleme zu lösen. Denn in der jetzigen Situation bringen das Vega-Projekt nur zwei Dinge voran: Erstens einmal Lieferbarkeit, so das die Interessenten an den Karten wenigstens erst einmal bedient werden können. Und zweitens intensive Arbeit des Treiberteams, um bislang nicht aktive Funktionen noch zu aktivieren bzw. aus den schon vorhandenen neuen Features noch das herauszukitzeln, was sich AMD einstmals bei der Vega-Konzeption vorgestellt hatte. Gerade Vega hat ja durchaus die Ansätze, um mit stärkerer nVidia-Hardware zu konkurrieren, als dies derzeit der Fall ist – nur nützt es nur den wenigsten Gamer, wenn AMD diese Performancepotentiale erst in 3-4 Jahren komplett erschlossen haben sollte. Wenn AMD das Vega-Projekt noch einmal entscheidend vorantreiben wollte, sind hingegen zeitnahe Treiber-Verbesserungen der mehr oder weniger einzige Weg.

Aber da an dieser Stelle nicht nur einfach kritisiert werden soll, wollen wir gern ein paar (der sowieso geplanten) Worte & Ergebnisse zu den Stromspar-Möglichkeiten von Vega notieren. Den Anfang gibt der von AMD erwähnte Stromspar-Modus "Power Saver", welche man per Treiber einstellen kann und dann bei der Radeon RX Vega 64 das Power-Limit (des Grafikchips) von 220 Watt auf 165 Watt reduziert. Noch weiter kann man mit dem zweiten BIOS der Grafikkarte gehen, welches im Normalmodus mit 200 Watt Power-Limit antritt, im Power-Saver-Modus dann mit nur noch 150 Watt. Entsprechende Benchmarks hierzu kommen von GameStar, Hardwareluxx und dem Tech Report, sind allerdings recht kurz ausgefallen und bieten damit keine wirklich ausreichende Genauigkeit an. Es ist allerdings zu erkennen, das gerade die Radeon RX Vega 64 von AMD augenscheinlich extrem hochgeprügelt wurde, nur um nahezu die Performance der GeForce GTX 1080 zu erreichen. Man kann sicherlich annnehmen, daß das Urteil zur Radeon RX Vega 64 nochmals schlechter ausgefallen wäre, würden dieser Karte auch noch jene 2-6% Performance fehlen – dann wäre die Radeon RX Vega 64 nicht mehr knapp hinter der GeForce GTX 1080 eingeordnet worden, sondern würde als Karte mit beachtbar klarer Performance-Differenz zur GeForce GTX 1080 beschrieben worden sein. Die Energieeffizienz hätte AMD mittels dieser Maßnahme allerdings sehr deutlich steigern können, auch wenn damit das (hohe) nVidia-Niveau nicht wirklich zu erreichen wäre.

Vega 64 BIOS #1 @ "Power Saver" BIOS #2 @ "Balanced" BIOS #2 @ "Power Saver"
Power-Limit (default = 220W) 165W (-25,0%) 200W (-9,1%) 150W (-31,8%)
GameStar -2,1% Performance für -18,4% Stromverbrauch -0,6% Performance für -2,0% Stromverbrauch -3,8% Performance für -21,4% Stromverbrauch
Hardwareluxx -6% Performance für -13,8% Stromverbrauch - -
The Tech Report -3,3% Performance für -21,1% Stromverbrauch - -
Alle Ergebnisse im Vergleich zu einer Radeon RX Vega 64 (luftgekühlt) auf 100%. Die Stromverbrauchs-Angaben gelten durchgehend nur für das Gesamtsystem.

Bei der Radeon RX Vega 56 geht es ausgehend vom normalen Power-Limit von 165 Watt (des Grafikchips) weit weniger stark herunter: Sowohl der Power-Saver-Modus des ersten BIOS als auch der Balanced-Modus des zweiten BIOS treten mit 150 Watt Power-Limit an, der Power-Saver-Modus des zweiten BIOS dann mit 135 Watt Power-Limit. Die geringeren Abschläge beim erlaubten Power-Limit ergeben dann etwas geringere Ausschläge beim Performance-Verlust, aber auch einen nur maßvoll sinkenden Stromverbrauch – der in der Tat besondere Effekt auf die Energieeffizienz, welcher bei der Radeon RX Vega 64 zu sehen ist, trifft auf die Radeon RX Vega 56 nicht mehr zu. Jene Karte wurde aber schon ganz allgemein als vergleichsweise sinnvolle Konstruktion eingeschätzt, nur die Radeon RX Vega 64 fällt ein wenig aus dem Rahmen. Hier ist nun aber auch ein zweiter Grund zu sehen, wieso AMD seine standardmäßigen BIOS-Settings so gesetzt hat, wie sie sind: Hätte AMD die Radeon RX Vega 64 per default beim Power-Limit gezügelt, dann würde die Karte es nicht nur schwieriger gegen die GeForce GTX 1080 haben, sondern dann auch noch näher an die Radeon RX Vega 56 heranrücken, welche ihrerseits durch eine selbige Maßnahme nur vergleichsweise wenig beim der Energieeffizienz zulegt. AMD war in einer sicherlich unkomfortablen Lage – und hat in dieser dem Gewinnen von Benchmarks bzw. dem Versuch, die Niederlage nicht zu groß werden zu lassen, den klaren Vorzug gegeben. Doch wie man sich bettet, so liegt man – und insgesamt gesehen ist die Konzentration der Hardwaretester auf den Standard-Modus auch nicht verkehrt, gerade wo geschätzt 90% aller Nutzer jenen niemals verlassen.

Vega 56 BIOS #1 @ "Power Saver" BIOS #2 @ "Balanced" BIOS #2 @ "Power Saver"
Power-Limit (default = 165W) 150W (-9,1%) 150W (-9,1%) 135W (-18,2%)
GameStar -2,5% Performance für -6,5% Stromverbrauch -0,4% Performance für -1,9% Stromverbrauch -2,5% Performance für -8,0% Stromverbrauch
The Tech Report -3,7% Performance für -8,4% Stromverbrauch - -
Alle Ergebnisse im Vergleich zu einer Radeon RX Vega 56 auf 100%. Die Stromverbrauchs-Angaben gelten durchgehend nur für das Gesamtsystem.
Heise weisen auf Twitter-Wortmeldungen von Radeon-Chef Raja Koduri hin, in welcher jener die Tests zur Radeon RX Vega und auch die aktuelle Diskussion über deren Preisgestaltung kritisiert. Ob das ganze ein kluger Schachzug war, sei allerdings bezweifelt, denn AMD hat in diesen zwei Fragen nur wenige Argumente für sich - und gießt daher mit diesen Wortmeldungen nur Öl ins Feuer eines ganzen Sees an Argumenten, die (diesbezüglich) gegen AMD sprechen. Hart gesprochen, kann man die Kritik an Hardwaretests, welche zu wenig auf die Möglichkeiten der neuen AMD-Grafikkarten der Energieeffizienz-Verbesserung eingehen, als bösen Scherz seitens AMD ansehen - angesichts der Tatsache, das den Hardwaretestern für diese tief verschobenen und nun am Ende gar nicht wirklich lieferbaren Grafikkarten wieder einmal nur wenige Tage Testzeitraum zur Verfügung standen. Beispielsweise bei der PC Games Hardware kamen deren Testmuster am Mittwochmorgen bzw. am Donnerstagabend vor einem Launch am Montag, den 14. August an - dies sind gerade einmal 4-5 Tage Testdauer. Zugegebenermaßen gab es in der Vergangenheit Hardware-Launches, wo die Testdauer noch knapper ausfiel - aber man muß diese schlechtestmöglichen Beispiele auch nicht zur Normalität erheben. Für den Hardware-Launch eines ansonsten bekannten Produkts sind 4-5 Tage Testdauer vielleicht in Ordnung, für gleich zwei Produkte in einer neuen Architektur ist dies jedoch reichlich knapp - und dafür dann auch noch tiefgehende Sondertests zu fordern, erscheint als reichlich übertrieben.