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Hardware- und Nachrichten-Links des 9. Juli 2021

WikiChip-Mitarbeiter David Schor hat auf Twitter eine Infografik zum langfristigen Verlauf des PC-Markts (anhand verkaufter PCs & Notebooks) gepostet, welche sich insbesondere auf den Vergleich der Marktvorhersagen von Anfang 2020 gegenüber Anfang 2021 konzentriert: Denn Anfang 2020 konnte man nur die vorhandene Verlaufslinie weiterzeichnen, welche nach Jahren des Marktrückgangs zwar zu einer Stagnation geführt hat, allerdings auch keinen Marktaufschwung verhieß. Anfang 2021 konnte hingegen eine gänzlich andere Prognose getroffen werden: So erholte sich das PC-Geschäft vom Rückgang der Jahre 2012-2016 innerhalb von nur zwei Jahren und soll zukünftig wieder Verkaufszahlen nahe des im Jahr 2011 erreichten Höchststandes aufzeigen (nicht unähnlich einer früheren Prognose an dieser Stelle). Insbesondere der Unterschied in den Prognosen für das laufende Jahr 2021 ist dabei markant, jene liegt nunmehr um mehr als 100 Millionen PCs & Notebooks höher als die Prognose zu vorpandemischen Zeiten.

Faktisch erobert sich der PC in Zuge der Pandemie-Auswirkungen damit seine frühere Marktposition zurück, laut dieser Vorhersage nunmehr aber sogar dauerhaft (und nicht eventuell nur temporär). Die anderen wichtigen Consumer-IT-Geräte wie Smartphones & Tablets verlieren deswegen aber wahrscheinlich nicht, sondern der Markt an diesen Gütern wächst insgesamt – wegen eines klar höheren Drucks zu weiterer Digitalisierung sowie natürlich der (faktisch weltweiten) Zunahme von HomeOffice-Arbeitsplätzen. Allein an deren solider Ausstattung kann die Herstellerindustrie noch Jahre verdienen, denn insbesondere im letzten Jahr ist hierfür schließlich erst einmal alles an (oftmals auch privaten) Geräten benutzt wurden, was noch irgendwie verfügbar war. Dies muß nun alles im Laufe der Zeit durch wirklich dienstliche Geräte ersetzt werden, teilweise weitergehend bis hinein in den Software-Bereich. Wäre die Chip-Industrie ausreichend lieferbar, wäre der PC-Boom der Jahre 2020/21 womöglich noch größer ausgefallen – so wird sich jedoch einiges vom Bedarf auf die nachfolgenden Jahre verschieben.

Stichwort Chip-Industrie: Im Interview mit Barrons (via Heise) sieht AMD-Chefin Lisa Su den Chipmangel noch über das ganze restliche Jahr 2021 bestehen – und somit erst für das Jahr 2022 die Chance auf (halbwegs) "normale" Zustände. Dies ist durchaus abweichend von früheren Aussagen der AMD-Chefin, als man beispielsweise im Januar 2021 mit einer Besserung zum Sommer 2021 hin rechnete. Dabei hat AMD sicherlich inzwischen größere Waferkontingente bei Chipfertiger TSMC zur Verfügung und selbige steigen noch im weiteren Jahresverlauf. Allerdings sieht man sich genauso auch einer Situation gegenüber, in welcher eine deutlich höhere grundsätzliche Nachfrage (seitens des PC-Business) existiert – und AMD gleichzeitig eine Vielzahl an interessanten Produkten hat, inzwischen auch über nicht realisierte Bestellungen einen erheblichen Nachfrageberg vor sich her schiebt.

Hier liegt dann auch das primäre Hindernis gegenüber einer schnellen Rückkehr zur Normalität – denn selbst wenn man derzeit für den aktuellen Bedarf ausreichende Liefermengen hätte, müsste zuerst einmal jener (über mehrere Quartale aufgebaute) Nachfrageberg abgetragen werden. Bei Ryzen-Prozessoren ist dies AMD schon ganz gut gelungen, deren Straßenpreise liegen nunmehr allesamt etwas unterhalb des Listenpreises. Die nächste Aufgabe wird sein, den enormen Bedarf an Konsolen-SoCs zu befriedigen – da warten viele Millionen Konsoleros noch auf ihre neue Xbox oder PlayStation. Aufgrund der augenscheinlichen Fertigungs-Priorisierung – CPUs & Konsolen-SoCs zuerst – wird AMD womöglich erst dann wieder genügend Waferkapazitäten für die eigenen Grafikchips ansetzen können, wenn gerade dieser Konsolen-Bedarfsberg tatsächlich abgebaut ist. Dass von AMD angegebene halbe Jahr dürfte da vermutlich gerade so reichen, insofern ist auch diese AMD-Aussage eher denn optimistisch abgefasst.

Anmerkungen zu den gestrigen News: Die Performance-Aussage zur GeForce RTX 40 kann derzeit natürlich nur eine grobe Vorhersage anhand Zielvorgaben und Projektionen sein, da derzeit das Designende des (wahrscheinlich) initialen AD102-Grafikchips noch gar nicht erreicht ist. Jener dürfte womöglich rund um den Jahreswechsel in den Tape-Out gehen, vorher ist somit noch nicht einmal dessen Hardware-Gestaltung wirklich final. Daneben wäre zur Überschwemmung des chinesischen Gebrauchtmarkts mit früheren Mining-Grafikkarten anzumerken, dass die genannten Bestpreise nur für Großabnahmen ab 100 Stück samt Selbstabholung gelten, sprich eher für andere Miner oder eventuell Zwischenhändler gedacht sind. Interessanterweise gibt es hierzu inzwischen den Verdacht, dass jene Gebrauchtangebote gar nicht real sind, sondern von einer Aktivisten-Community kreiiert wurden, um damit reguläre Händler und Scalper zu Preissenkungen zu bewegen. Inwiefern dieses Gerücht real ist, läßt sich allerdings schwer beurteilen.