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AMD "Radeon RX 7900 GRE" für den weltweiten Vertrieb vorgestellt sowie erstmals getestet

Auf der "China Joy" hat AMD seine dritte Navi-31-basierte Grafikkarte "Radeon RX 7900 GRE" vorgestellt ("GRE" bedeutet "Golden Rabbit Edition", was auf das chinesische Jahr des Hasen hinweist), welche im Detail einige Abweichungen zur Vorberichterstattung aufweist. Wichtigster Punkt ist sicherlich, dass die Karte nicht wirklich China-exklusiv ist: Zwar geht jene wohl nur in China in den Retail-Handel, soll aber in den westlichen Welt auch an Systemintegratoren geliefert werden. Hierzu gibt es sogar einen AMD-offiziellen Listenpreis von 649 Dollar, beachtbar niedriger liegend als der (allerdings in der Praxis nicht mehr wirkende) Listenpreis der Radeon RX 7900 XT von 899 Dollar. Ob es die Karte somit auch in mitteleuropäischen Gefilden in den Einzelhandel schafft, bleibt zwar abzuwarten, hat damit aber durchaus seine Chance.

Radeon RX 7900 GRE Radeon RX 7900 XT Radeon RX 7900 XTX
Hardware 80 CU @ 256 Bit, 64 MB IF$ 84 CU @ 320 Bit, 80 MB IF$ 96 CU @ 384 Bit, 96 MB IF$
Taktraten 1287/1880/2245 MHz & 18 Gbps 1500/2000/2400 MHz & 20 Gbps 1900/2300/2500 MHz & 20 Gbps
Rohleistungen 46,0 TFlops & 576 GB/sec 51,6 TFlops & 800 GB/sec 61,4 TFlops & 960 GB/sec
Speicher 16 GB GDDR6 20 GB GDDR6 24 GB GDDR6
TDP 260W 315W 355W
4K Perf.Index ~360% 448% 530%
Listenpreis $649 $899 / 1049€ $999 / 1149€
Release 28. Juli 2023 13. Dezember 2022 13. Dezember 2022

Eine weitere Änderung betrifft die Hardware-Gestaltung der neuen Navi-31-Karte: Gemäß der Vorberichterstattung sollten es 84 Shader-Cluster an einem 256bittigen Speicherinterface zu einer TDP von 300 Watt sein, real sind es hingegen 80 Shader-Cluster am 256bittigen Speicherinterface zu einer TDP von 260 Watt geworden. Dies drückt die Performance der Radeon RX 7900 GRE nochmals etwas weiter nach unten und macht es gleichzeitig unwahrscheinlicher, dass später noch eine 70-CU-Version des Navi-31-Chips herauskommt. Letztlich füllt die Radeon RX 7900 GRE somit schon die Rolle der stärksten Salvage-Version zu Navi 31 aus, darunter dürfte es somit (zukünftig) nur noch den Navi-32-Chip mit maximal 60 Shader-Clustern an einem 256bittigen Speicherinterface geben.

Zugleich gibt es seitens des chinesischen Expreview einen ersten Test, welcher sogar auf Basis einer nicht werksübertakteten Karten erstellt wurde, so wie jene bei den Systemintegratoren zu finden sein wird. Verglichen wurde gegen Radeon RX 7900 XT sowie GeForce RTX 4070, wobei der von Expreview angesetzte Performance-Abstand zwischen den beiden letztgenannten bekannten Karten unter FullHD bei +26% sowie unter 4K bei +50% liegt – und damit unter höheren Auflösungen beachtbar stärker zugunsten von AMD-Hardware skaliert als der 3DCenter-Performance-Index, wo die Abstände derselben bekannten Karten mit +27% unter FullHD sowie +38% unter 4K ausgewiesen werden. Unter der 4K-Auflösung könnte das Ergebnis von mehr Testberichten also noch leicht anders ausfallen, zumindest wenn man auf den Vergleich zu nVidia schaut.

FHD/1080p WQHD/1440p 4K/2160p RayTr @ WQHD
Radeon RX 7900 XT 115,7% 123,6% 127,0% 124,0%
Radeon RX 7900 GRE 100% 100% 100% 100%
GeForce RTX 4070 91,9% 88,2% 84,9% 101,4%
gemäß der Benchmarks von Expreview unter 10 Spielen

Aber auch so läßt sich die Radeon RX 7900 GRE schon ganz gut gegenüber der bekannten Radeon RX 7900 XT einordnen: Je nach Auflösung ist das GRE-Modell um grob 15-20% langsamer. Für die Radeon RX 7900 GRE sollte somit ungefähr ein UltraHD/4K Performance-Indexwert von ~360% herauskommen. Dies liegt ziemlich exakt auf dem Performance-Potential der Radeon RX 6900 XT (4K Perf-Index 360%) und somit leicht unterhalb der Performance von Radeon RX 6950 XT (4K Perf-Index 382%) sowie GeForce RTX 4070 Ti (4K Perf-Index 400%). Sofern das GRE-Modell tatsächlich in der westlichen Welt auftaucht, dürften sich hierzu zukünftig auch noch umfangreichere Benchmark-Zahlen ergeben, welche dann eine genauere Performance-Einordnung ermöglichen würden.

Was man jedoch an der Radeon RX 7900 GRE bemängeln kann, ist der vergleichsweise hohe Preispunkt von 649 Dollar Listenpreis, dies sind umgerechnet und mit MwSt runde 700 Euro. Damit ist die Karte teurer als die ähnlich schnelle Radeon RX 6900 XT (ab 589 Euro) sowie auch teurer als die etwas schneller Radeon RX 6950 XT (ab 629 Euro) – und zwar beiderseits um keinen unerheblichen Betrag. Natürlich muß dieser Listenpreis nicht bedeuten, dass die Radeon RX 7900 GRE hierzulande tatsächlich für 700 Euro antritt, auch bei der Radeon RX 7900 XT gilt AMDs Listenpreis schließlich überhaupt nicht mehr. Und sofern es das GRE-Modell wirklich nur bei Systemintegratoren gibt, verwischt natürlich der Preispunkt im Gesamtpreis des PC-Systems bzw. betrachtet man dann auch eher das Gesamtangebot. Soll die Karte jedoch tatsächlich noch ins europäische Retailgeschäft gehen, wären eher Preislage von um die 600 Euro zu empfehlen. Selbst dann hätte AMD hiermit allerdings keinen echten Fortschritt geliefert – sondern nur dasselbe, was Radeon RX 6900 XT & 6950 XT jetzt schon bieten.

Nachtrag vom 30. Juli 2023

Laut der PC Games Hardware ist die Karte bereits in Deutschland verfügbar – zeitexklusiv beim Systemintegrator "Memory PC". Dort kommt das zu erwartende MBA-Design zum Einsatz, welches ergo von AMD entwickelt wurde und dann in diesem Fall von XFX hergestellt wird. Im Gegensatz zu den im chinesischen Retailhandel zu erwartenden GRE-Modellen kommt diese beim Systemintegrator erhältliche Variante also garantiert ohne Werksübertaktung daher. Preislich liegt man grob gerechnet schon etwas unterhalb des Listenpreises, wenn das XTX-Modell derzeit 382 Euro mehr kostet. Dies ergäbe von Einzelhandelspreisen ausgehend einen realen Abgabepreis des GRE-Modells von ~650 Euro, während der umgerechnete Listenpreis ~700 Euro ergibt ($649 in Euro zzgl. MwSt.). Die nachfolgenden Navi-32-Karten müssen sich dann natürlich darunter einordnen.