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Erster IPC-Test sieht Skylake-X sogar schwächer als Broadwell-E

Im Test des Core i9-7900X von Skylake-X seitens Golem findet sich nun endlich einmal der bislang vermisst IPC-Test von Broadwell-E vs. Skylake-X – durchgeführt gegen einen Core i7-6950X, wobei dafür beide Prozessoren auf einheitlich 3.3 GHz liefen. Dabei kam ein vergleichsweise erheblicher IPC-Rückschritt von -4,6% zwischen Broadwell-E und Skylake-X auf diesen Zehnkern-Prozessoren heraus. Jenes Ergebnis wird zudem dadurch untermauert, das Golem auf default-Taktraten dann wieder einen Performance-Gewinn von +13,1% zugunsten des Core i9-7900X ermittelt haben – was ziemlich gut zum allgemeinen Schnitt der Launchreviews passt, wo diese Differenz bei +14,0% liegt. Gröbere Meßfehler oder ein allgemein abweichendes Resultat sind damit so gut wie auszuschließen. Nichtsdestotrotz erstaunt das Ergebnis einigermaßen, denn eigentlich war Intel angetreten, um gerade bei Skylake-X bzw. der zugrundliegenden Server-Variante Skylake-SP mehr IPC als bisher gerade im Betrieb mit vielen CPU-Rechenkernen herauszuholen.

Core i7-6950X Core i9-7900X Differenz
Technik Broadwell-E, 10C+HT, 3.4/3.6/4.0 GHz Skylake-X, 10C+HT, 3.3/4.3/4.5 GHz
IPC-Performance @ 3.3 GHz 100% 95,4% -4,6%
reguläre Performance @ Stock 100% 113,1% +13,1%
Alle Benchmarks seitens Golem.

Seinen Performancegewinn erzielt Skylake-X damit derzeit primär über seine höheren Taktraten bzw. die bessere Ausnutzung der verschiedenen Turbo-Modi. Gleichschnell getaktete Broadwell-E-Prozessoren werden aber weiterhin eine gleichwertige Performance bieten können – wobei sich hier ein Ansatzpunkt zu weiteren Tests auftut: Man sollte wohl mal gegenprüfen, wie sich Broadwell-E gegen Skylake-X auf beispielsweise 4.4 GHz Übertaktung unter Deaktivierung aller Turbo-Modi verhält. Hierbei sollte normalerweise dasselbe Ergebnis (leichter Vorteil Broadwell-E) herauskommen – es sei denn, einer der Prozessoren drosselt aus Gründen der Hitzeentwicklung vorzeitig. Alternativ kann man auch Broadwell-E auf 4.4 GHz gegen Skylake-X auf 4.6 GHz stellen, hier sollte faktisch ein Gleichstand herauskommen (der Taktvorteil entspricht in etwa dem IPC-Verlust) – sofern der von Golem ermittelte IPC-Verlust auch bei anderen Tests auftritt. In jedem Fall lohnt es sich damit, mehr IPC-Benchmarks zu Skylake-X anzustellen.

Jener IPC-Verlust bei Skylake-X muß aber natürlich nicht dauerhaft so bleiben. Aller Vermutung nach ist hierfür die Veränderung der Cache-Struktur bei Skylake-X/-SP maßgeblich verantwortlich – viele Anwendungen sind einfach 256 kByte Level2-Cache und 2 MB Level3-Cache bei allen Intel-Prozessoren seit vielen Jahren derart gewohnt, das alle bisherigen Intel-Optimierungen zu stark auf diese alte Cache-Struktur orientiert sind und mit der neuen Cache-Struktur von Skylake-X/-SP dann eben versagen. Da Intel jene neue Cache-Struktur aber sicherlich beibehalten wird, dürften die Software-Entwickler jene in Zukunft ganz genauso mit beachten, ihre Anwendungen daraufhin optimieren und somit letztlich die IPC-Performance von Skylake-X im Laufe der Zeit wahrscheinlich deutlich verbessern. Allerdings sind Software-Optimierungen eine sehr langfristige Angelegenheit – schnelle Verbesserungen sind hier kaum zu erwarten, meist wird das Potential einer Hardware erst dann vollständig offengelegt, wenn diese inzwischen schon wieder aus dem Handel verschwunden ist.