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Intels Coffee Lake kommt wohl doch wieder im Sockel 1151

Nachdem man bislang eigentlich schon fast davon überzeugt war, das Intel für die kommende neue Consumer-Generation "Coffee Lake" einen neuen CPU-Sockel ansetzen wird, deuten zwei neue Einträge in Benchmark-Datenbanken in die Richtung, das es auch bei Coffee Lake noch einmal der Sockel 1151 von Skylake und Kaby Lake werden wird. Jene Einträge finden sich in der SiSoft Benchmark-Datenbank sowie in der Geekbench Benchmark-Datenbank – und sind leider eher nur indirekt, damit also weit entfernt von Eindeutigkeit. In der Geekbench-Datenbank meldet sich die CPU selber augenscheinlich als "Kaby Lake" an – obwohl es bei Kaby Lake keine Sechskerner gibt und geben wird, hier augenscheinlich eine Coffee-Lake-CPU am werkeln war. Der direkt notierte "Sockel 1151" basiert dann höchstwahrscheinlich nur auf der automatischen Zuordnung von Kaby Lake zu diesem Sockel, wird sicher nicht direkt ausgelesen. Leider ließ sich auch zum genannten MSI-Mainboard "1T31" nichts weiter finden, hierbei ist also weiterhin eine Fehlzuordnung zumindest denkbar.

Intel "Coffee Lake" auf Kaby-Lake-Mainboard @ SiSoft-Datenbank
Intel "Coffee Lake" auf Kaby-Lake-Mainboard @ SiSoft-Datenbank
Intel "Coffee Lake" auf Sockel-1151-Mainboard @ Geekbench-Datenbank
Intel "Coffee Lake" auf Sockel-1151-Mainboard @ Geekbench-Datenbank

Der Eintrag in der SiSoft-Datenbank ist hingegen klarer in seiner Aussage: Die unbenannte Sechskern-CPU läuft dort auf einer "Intel Kabylake Client platform Kabylake Client System (Intel KBL S DDR4 UDIMM EV CRB)" – hierbei wurde wohl etwas im verwendeten Testystem in dieser Form exakt so ausgelesen, ansonsten würde SiSoft nicht auf eine derart explizite Bezeichnung kommen. Jene impliziert dann natürlich als Kaby-Lake-System ziemlich stark den Sockel 1151 – ansonsten hätte die Plattform wohl einen neuen Namen abbekommen. Mittels jener Plattform wurden im übrigen auch früher schon Coffee Lake zuzuordnenen Prozessoren getestet, womit sich das Bild abzurunden scheint. Nichtsdestotrotz kann man noch nicht sicher von dieser Auslegung "Coffee Lake = Sockel 1151" ausgehen, da Intel entweder bei der Plattform-Benennung schlicht geschlampt haben könnte – oder uns damit auch bewußt in die Irre zu führen gedenkt.

Andererseits wäre die Weiterverwendung des Sockels 1151 nun auch nicht so außergewöhnlich in diesen Tagen, wo Intel reihenweise alte Gewohnheiten umstößt. Da Coffee Lake von seiner CPU-Architektur her wahrscheinlich zu Skylake und dessen Refresh "Kaby Lake" intern unverändert ist und alle von Intels Sockel-Wechseln im Consumer-Segment der letzten Jahre eher denn der Produkt-Abgrenzung dienten als denn technisch wirklich notwendig waren (Pin-Anzahl seit Nehalem nahezu unverändert), ergibt sich auch keine zwingende technische Notwendigkeit zum Sockel-Wechsel – und für die (von Intel angestrebte) schnelle Markteinführung wäre die Weiterverwendung des Sockels 1151 auch günstiger. Zwar könnte Coffee Lake im (angenommenen) Sockel 1151 theoretisch trotz gleichem Sockels elektrisch inkompatibel zu Skylake und Kaby Lake sein, aber speziell diese Auflösung hat nur geringe Chancen – gerade um eine solche Verwirrung zu verhindern, hat Intel die CPU-Sockel in letzter Zeit immer auch mechanisch inkompatibel gemacht, sofern man die Produkte wirklich voneinander abgrenzen wollte.

Die Weiterverwendung des Sockels 1151 auch bei Coffee Lake würde somit stark darauf hindeuten, das bisherigen Mainboards dieses Sockels nun auch Coffee-Lake-Prozessoren tragen werden können (wie üblich nach BIOS-Update). Dies beträfe die Intel-Chipsätze der 100er und 200er Serien, welche für Skylake und Kaby Lake aus der Taufe gehoben wurden. Mittels dieser Maßnahme würde Intel den bisherigen Intel-Besitzern mal wieder ein "Schmankerl" geben, in dem man als Sockel-1151-Besitzer zukünfig ohne Plattform-Wechsel auf einen Sechskerner von Coffee Lake aufrüsten kann – ein bei Intel seit einigen Jahren nicht mehr gesehenes Vergnügen. Und im Sinne von Ryzen muß Intel sicherlich auch mal wieder so etwas bringen – zudem hält sich der wirtschaftliche Effekt in engen Grenzen, da eben nur die Besitzer vergleichsweise aktueller Systeme in den (bei Intel) ungewohnten Aufrüstgenuß kommen würden.

Auf zwei andere Punkte, die sich aus diesen Datenbank-Einträgen erheben, sei ebenfalls hingewiesen: Zum einen zeigen beide Einträge eine Sechskern-CPU mit 12 MB Level3-Cache – so wie dies bei Intel bisher allgemeiner Standard ist (2 MB Level3-Cache pro CPU-Kern). Der kürzlich genannte Coffee-Lake-Sechskerner mit nur 9 MB Level3-Cache war demzufolge also nur eine Abspeckung des Coffee-Lake-Dies. Und zudem gab es nunmehr eher dem Serienstatus nahekommende Taktraten: Beim Geekbench-Eintrag hatte die CPU einen Basetakt von 3.2 GHz – Turbo-Takte und reale Taktraten liest der Benchmark leider nicht aus. Beim SiSoft-Eintrag meldet sich die CPU hingegen mit "3.1GHz/4.2GHz" an – was schon einmal sehr ansprechend ausieht. Der Basetakt ist ausreichend niedrig, um diesen Sechskerner (mit weiterhin aktivem HyperThreading) unter die TDP von nur 95 Watt zu bringen – und sofern sich da Reserven ergeben, ist der Turbotakt mit 4.2 GHz ausreichend hoch, um sich auch mit schnell getakteten Vierkerner anlegen zu können.

AMD Intel
aktuelles Portfolio Ryzen 5/7 (4/6/8C) im Sockel AM4, 189-499$ Kaby Lake (2/4C) im Sockel 1151, 42-339$
Kaby-Lake-X & Skylake-X (4/6/8/10C) im Sockel 2066, 242-989$
27. Juli 2017 Ryzen Threadripper (12/16C) im Sockel TR4
22. August 2017 (?) Skylake-X (12C) im Sockel 2066, 1199$
Q3/2017 Ryzen 3 (4C) im Sockel AM4
August/September 2017 erste Welle von Coffee Lake (4/6C)
Oktober 2017 Skylake-X (14/16/18C) im Sockel 2066, 1399-1999$
Jahreswechsel 2017/18 Raven Ridge APUs (4C) im Sockel AM4
Q1/2018 zweite Welle von Coffee Lake (2/4/6C)
Anfang 2018 Pinnacle Ridge (Ryzen-Refresh, 4/6/8C) im Sockel AM4
Ende 2018 Ice Lake

Nachtrag vom 26. Juni 2017

Zur kürzlichen Meldung, wonach Coffee Lake wieder im Sockel 1151 daherkommt, gibt es deutliche Widerworte – welche allerdings sogar einen gutklassigen Beleg in Form einer früheren Meldung seitens der koreanischen Webseite Dr. Mola in der Hand halten. Die maschinelle Übersetzung ins Englische ist ganz gut lesbar und der Artikel bietet dann einiges an Tiefeninformationen – im Teil zu Skylake-X direkt von einem Intel-Seminar stammend, im Coffee-Lake-Teil allerdings von einer weiteren, ungenannten Quelle. Gemäß jener ist es sonnenklar, das Coffee Lake zwar in einem Sockel mit 1151 Pins daherkommt, das ganze allerdings dennoch Mainboards mit dem Z370-Chipsatz benötigt und der dabei verwendete Sockel auch irgendeine namenstechnische Unterscheidung bekommen wird, beispielsweise "Sockel 1151 v2". Damit wäre wiederum keinerlei Kompatibilität mit den bisherigen Sockel-1151-Mainboards gegeben, was die Quelle von Dr. Mola auch überaus deutlich herausstreicht:

Motherboards that support Coffee-Lake-S are restricted to use with Coffee-Lake-S only. You can not use Coffee-Lake-S on a Z270 board that is not named Z370, and you can not use a Kaby-Lake-CPU on a Z270 board named Z370.
Quelle: Dr. Mola

Dies sieht für sich sehr eindeutig aus und ist demzufolge erst einmal so hinzunehmen: Trotz wiederum 1151 Pins wird Coffee Lake also doch eigene Mainboards mitbringen und inkompatibel zu allem vorherigen sein – genauso auch wie frühere Sockel-1151-CPUs (von Skylake & Kaby Lake) nicht auf den Coffee-Lake-Mainboards laufen werden. Der neue Sockel wird zwar 1151 Pins haben und könnte sogar mechanisch kompatibel sein, dürfte aber in jedem Fall elektrisch inkompatibel ausfallen und kommt möglicherweise mit einer Bezeichnung wie "LGA 1151 v2" daher – ähnlich wie Intel es schon einmal beim Sockel 2011 und dessen (inkompatibler) Seitenvarianten Sockel 2011v3 gehandhabt hat. Es besteht wenn dann nur eine (sehr) kleine Chance darauf, das Intel diese Pläne noch geändert haben könnte – schließlich stammen diese Informationen von Dr. Mola aus einer Zeit, wo 14-/16-/18-Kerner noch nicht auf Intels Roadmap standen, gleichzeitig wurde der X299-Chipsatz seinerzeit mit maximal einem DIMM pro Speicherkanal angegeben, was die jetzt erscheinenden X299-Platinen mit gleich 8 Speicherbänken eindrucksvoll wiederlegen. Jene Chance auf kurzfristige Änderung ist allerdings wirklich klein – denn wenn sich Intel einmal zur Inkompatibilität entschieden hat, führt da kaum noch ein Weg heraus, gibt es eventuell auch technische Gründe, welche kaum kurzfristig überbrückbar sind.