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Grafikkarten mit DDR3-Speicher: Kein guter Deal mehr

Insbesondere im Mainstream-Bereich gab es in den letzten beiden Grafikkarten-Generationen öfters Angebote von Grafikkarten mit nur DDR3-Speicher, welche teilweise gar nicht einmal schlecht waren. Frühere Messungen ergaben hier zwar einen gewissen Performance-Unterschied zu GDDR5-Ausführungen, dieser war mit 15 bis 20 Prozent jedoch beherrschbar und wurde oftmals auch durch die niedrigeren Preise der DDR3-Ausführungen kompensiert. Nun aber liegen seitens HT4U neue Meßwerte zur gleich vier verschiedenen DDR3-vs-GDDR5-Konstellationen vor, welche das bisher zu diesem Thema vorhandene Bild deutlich verschieben.

Quelle: HT4U Performance Technik
GeForce GT 630 DDR3 vs. GDDR5
(wie GeForce GT 440 DDR3 vs. GDDR5)
-24,1%
(+31,7%)
identisch bis auf den Speicher, Speichertakt 800 vs. 1600 MHz (+100,0%); die GeForce GT 630 ist zudem vollständig gleich zur GeForce GT 440
GeForce GT 640 vs. GTX 650 -34,2%
(+51,9%)
identisch bis auf Chiptaktrate und Speicher, Chiptakt 900 vs. 1058 MHz (+17,6%), Speichertakt 900 vs. 2500 MHz (+177,8%)
Radeon HD 6670 DDR3 vs. GDDR5 -22,2%
(+28,5%)
identisch bis auf den Speicher, Speichertakt 900 vs. 2000 MHz (+122,2%)
Radeon HD 7750 DDR3 vs. GDDR5 -35,3%
(+54,5%)
identisch bis auf den Speicher, Speichertakt 900 vs. 2250 MHz (+150,0%)

Erst einmal läßt sich aufgrund dieser Meßwerte klar sagen, daß der große Performanceabstand zwischen Radeon HD 7750 DDR3 vs. GDDR5 eine Besonderheit dieser Grafikkarte oder aber der GCN-Architektur sein dürfte, da die anderen Vergleiche nicht derart große Unterschiede zeigen (der große Unterschied bei GeForce GT 640 vs. GTX 650 erklärt sich aus einem noch höherem Abstand beim Speichertakt sowie einem zusätzlich höherem Chiptakt). Nichtsdestotrotz passen auf die regulären Fälle – hier sind als Vertreter GeForce GT 440/630 und Radeon HD 6670 im Spiel – nicht mehr die früheren Performanceangaben von 15 bis 20 Prozent Performance-Differenz zwischen DDR3 und GDDR5: Es sind heuer eher runde 30 Prozent zwischen DDR3 und GDDR5.

Dies wirft alle DDR3-Karten am Markt entscheidend zurück, denn in vielen Fällen ist deren Minderpreis knapp ausreichend für eine Performance-Differenz von 15 bis 20 Prozent, aber keinesfalls ausreichend für eine Performance-Differenz von gleich 30 Prozent. Zudem läßt sich auf Grundlage dieser Benchmarks auch die Erkenntnis gewinnen, daß selbst unter 1680x1050 ohne Anti-Aliasing – was also durchaus als Speicherbandbreite-schonend betrachtet werden kann – GDDR5-Speicher die gleichen Performance-Vorteile gegenüber DDR3-Speicher verbuchen kann wie unter höheren Settings. Die Anforderungen sind also ganz offensichtlich über die Zeit gestiegen, womit DDR3-Speicher heutzutage nicht mehr auf eine performante Grafikkarte gehört.

Da nicht zu erwarten ist, daß DDR3-basierte Grafikkarten in nächster Zeit auch um 30 Prozent günstiger angeboten werden als deren GDDR5-Äquivalente (meistens gibt es einen Minderpreis von 10, maximal 15 Prozent), lohnen DDR3-Grafikkarten auch aus Preis/Leistungs-Sicht nicht mehr. Auch der ehemals beachtbare Vorteil bei der Leistungsaufnahme ist bei neueren Modellen dahin: Während zur Einführung von GDDR5-Speicher dieser noch für ca. 15 Watt Mehrverbrauch sorgte, ist nun zwei Fertigungsstufen und mehrjährige Produktionserfahrung später der Stromverbrauch von 1 GB GDDR5-Speicher in den Watt-Bereich gesunken, so daß sich bei entsprechenden Tests keine echten Unterschiede zu DDR3-basierten Grafikkarten mehr ergaben.

Somit läßt sich konstatieren, daß DDR3-Speicher nunmehr die Rolle des früheren DDR2-Speichers auf Grafikkarten einnimmt: Als erheblicher Performance-Bremser, dem kein gleichwertiger Vorteil bei der Leistungsaufnahme oder/und dem Preis gegenübersteht. DDR3-Speicher auf Grafikkarten ist somit nur dann ein gangbarer Weg, wenn es sich um LowEnd-Modelle handelt, welche sowieso nicht anders angeboten werden bzw. wo die Spiele-Performance keine wirkliche Rolle spielt. Ansonsten ist von Grafikkarten mit DDR3-Speicher ab sofort generell streng abzuraten.