Grafikkarten-Marktüberblick November 2014 (Seite 2)

Donnerstag, 6. November 2014
 / von Leonidas
 

Alle diese Empfehlungen wurden wie üblich streng nach Preis/Leistungs-Kriterien und nicht nach subjektiven Einschätzungen oder Hersteller-Vorlieben getroffen. Tabellarisch zusammengefasst ergeben sich gemäß Auflistung und Kommentierungen der vorherigen Seite die folgenden kumulierten Empfehlungen aus Preis/Leistungs-Sicht:

hauptsächliche Empfehlung Neben-Empfehlung
DualChip-Lösung besser SLI/CrossFire-Kombinationen kaufen
(P/L-Verhältnis zu schlecht)
Radeon R9 295 X2 2x4GB
schnellste SingleChip-Lösung besser im normalen HighEnd-Segment kaufen
(P/L-Verhältnis zu schlecht)
GeForce GTX 980 4GB
oberes HighEnd-Segment
(ab 300€)
Radeon R9 290X 4GB
GeForce GTX 970 4GB
-
unteres HighEnd-Segment
(200-300€)
Radeon R9 290 4GB Radeon R9 280X 3GB
(etwas langsamer zu einem etwas niedrigerem Preispunkt)
oberes Performance-Segment
(150-200€)
Radeon R9 280 3GB Radeon R7 270X 2GB
(etwas langsamer zu einem etwas niedrigerem Preispunkt)
unteres Performance-Segment
(120-150€)
Radeon R7 270 2GB Radeon R9 265
(etwas langsamer zu einem etwas niedrigerem Preispunkt)
Mainstream-Segment
(bis 120€)
Radeon R7 260X 2GB GeForce GTX 750 2GB
(P/L-Verhältnis schlechter, aber herausragend niedriger Stromverbrauch)

Diese Preis/Leistungs-Empfehlungen gehen erneut deutlich in Richtung AMD, trotz des Ansturms der neuen Maxwell-Grafikkarten. Von diesen kann sich aber eben nur die GeForce GTX 970 eine eindeutige Empfehlung verdienen, die GeForce GTX 980 hat ein einfach zu ungünstiges Preis/Leistungs-Verhältnis für eine solche Wertung. Zudem wird selbst die GeForce GTX 970 schon wieder durch die reduzierten Preise zur Radeon R9 290 & 290X unter Druck gesetzt – genauso auch wie AMD im gesamten restlichen Portfolio faktisch durchgängig die besseren Preis/Leistungs-Verhältnisse aufbietet.

An dieser Stelle fehlt nVidia natürlich noch eine gewisse Angebotsbreite der Maxwell-Grafikkarten – jene wird erst im nächsten Frühjahr erreicht, dann kann sich an dieser Situation auch wieder etwas ändern. Derzeit gilt jedoch nach wie vor, daß nVidia eigentlich nur mit den (wenigen) Maxwell-Grafikkarten glänzen kann: Im HighEnd-Segment mit der Performance von GeForce GTX 970 & 980, im Mainstream-Segment mit der Energieeffizienz von GeForce GTX 750 & 750 Ti. Dazwischen klafft jedoch ein inzwischen dickes Loch, wo nVidia AMD nahezu gar nichts entgegensetzt – eine etwas kuriose Situation, da im Performance- und unteren HighEnd-Segment eigentlich die größten Absatzzahlen an Gamer-Grafikkarten schlummern.

Normalerweise müsste nVidia also umgehend etwas an dieser Problematik ändern – und wird dies voraussichtlich aber nicht mehr vor Jahresende tun, weil der GM206-Chip entweder noch nicht bereitsteht oder/und aber zuvor noch die Abverkäufe an GK106- und GK104-basierten Grafikkarten über die Bühne gebracht werden müssen. Nächstes Jahr darf man dann aber mit neuen, wahrscheinlich erneut attraktiven nVidia-Angeboten für den Preisbereich von 150 bis 250 Euro rechnen.

AMD, welches in letzter Zeit teilweise gescholten wurde, kann sich eigentlich angesichts dieser Marktübersicht total entspannt zurücklehnen: Man stellt in jedem Preissegment den Preis/Leistungssieger – im HighEnd-Segment zwar geteilt mit einem nVidia-Angebot, aber das ist dann auch der einzige "Fehler" in der ansonsten makellosen Bilanz. Da zudem auch AMDs Spielebundle als klar attraktiver als nVidias Spielbundles eingeschätzt werden kann, sollte normalerweise das Geschäft bei AMD absolut rollen. Daß dem nicht so ist, ist genauso allgemein bekannt – aber in jedem Fall kein Fehler von AMDs aktueller Angebotsstruktur oder Preislage.

Eben aus diesem Grund gibt es auch wenig Anlaß für AMD, jetzt und sofort neue Grafikbeschleuniger herauszubringen. Vermutlich wird es erst tief im Jahr 2015 von AMD etwas neues im HighEnd-Bereich geben, zuzüglich leistungsstärkerer Grafikkarten auf Tonga-Basis. Für dieses Jahr wird AMDs Portfolio aber – wie bei nVidia – ziemlich sicher konstant bleiben. Das einzige, was die nachfolgenden Wochen also noch passieren könnte, sind Preisbewegungen – dies ist allerdings eher unwahrscheinlich angesichts der bereits jetzt stark reduzierten Preislagen. Eher ist davon auszugehen, daß sich bis zum Jahresende an diesem Angebot und diesen Preisen nichts mehr wesentliches ändert.

Wie üblich wollen wir abschließend die bei diesem Marktüberblick eingesetzten Indizies "Performance/Preis" und "Performance/Spieleverbrauch" noch einmal kumuliert als bessere Entscheidungshilfe betrachten. Dazu haben wir die entsprechenden Ergebnisse aller Grafikkarten mit 2 GB und mehr Speicher jeweils in ein Diagramm zusammengefügt – angefangen mit dem Index "Performance/Preis", welchen man auch als "Framerate pro Euro" bezeichnen kann. Daß dabei die Grafikkarten mit steigendem Performancelevel ein immer geringeres Performance/Preis-Verhältnis aufweisen, ist vollkommen normal – relevant sind zuerst die relativen Unterschiede zu den anderen Angeboten des gleichen Perfomancebereichs.

Die vorab konstatierten beobachtenden Vorteile von AMD beim Performance/Preis-Verhältnis lassen sich – wie in diesem Diagramm zu sehen – auch sehr gut mit Fakten untermauern: Überall liegen die AMD-Angebote vorn, zudem liegt neben jedem nVidia-Angebot mit gutem Performance/Preis-Verhältnis direkt ein AMD-Angebot mit einem noch besseren Performance/Preis-Verhältnis. nVidia hat derzeit nirgendwo einen klaren Preis/Leistungs-Sieger, allein die GeForce GTX 970 kommt knapp in die Nähe der von AMD derzeit gebotenen Preis/Leistungs-Verhältnisse.

Der nachfolgende Index "Performance/Spieleverbrauch" läßt sich dagegen auch als "Framerate pro Watt" übersetzen – hier es geht um die Energieeffizienz der Grafikkarten unter Spielen. Hierbei sollten normalerweise alle Grafikkarten derselben Fertigungstechnologie vom Mainstream- bis Performance-Segment eine ähnliche Energieeffizienz aufweisen und vor allem die Ausreißer innerhalb desselben Performancebereichs interessant sein. Das HighEnd-Segments ist in dieser Frage üblicherweise etwas extra zu betrachten, denn in diesem geht die Energieeffizienz normalerweise bemerkbar zurück.

Diese Regel trifft auf die aktuelle Grafikkarten-Generation jedoch nur äußerst schwach zu, da die aktuellen HighEnd-Grafikkarten von nVidia hervorragend bei der Performance pro Spieleverbrauch mithalten können. Allgemein liegen alle Ergebnisse in einem recht engem Korridor mit nur wenigen Ausnahmen: So sind die HighEnd-Modelle von AMD nicht ganz so gut in dieser Disziplin – und dann fallen natürlich die extremen Ausreißer in Form der vier Grafikkarten mit Maxwell-Architektur auf, welche beim Stromverbrauch alle anderen aktuellen Grafikkarten (trotz weiterhin der 28nm-Fertigung) um eine ganze Dimension voraus sind.