Launch-Analyse Intel Skylake (Seite 2)

Freitag, 7. August 2015
 / von Leonidas
 

Zur Anwendungs-Performance dieser Prozessoren liegen reichlich natürlich Benchmarks vor, oftmals auch angereicht mit Messungen von zurückliegenden Intel-Spitzenmodellen sowie von AMDs FX-Boliden. Die erzielten Ergebnisse gehen natürlicherweise manchmal weit auseinander, was eine Folge sehr unterschiedlicher Benchmark-Sets im Feld der Anwendungs-Benchmarks ist – und in einem Fall (allerdings wohl ein "schlechtes" System) kommt ein Core i7-4790K sogar minimal besser als ein Core i7-6700K heraus (beim TechSpot). Die großen Tendenzen sind im Überblick über die verschiedenen Meßergebnisse dennoch recht gut sichtbar:

Anwendungs-Perf. FX-8370 FX-9590 6600K 3770K 4770K 4790K 5775C 6700K
ComputerBase  (15 Tests) - - 78% 78% - 99% - 100%
Hardwareluxx  (9 Tests) - - 67,0% - - 93,6% 91,6% 100%
PC Games Hardware  (3 Tests) - 82,1% 76,4% - - 93,5% 87,7% 100%
Tom's Hardware  (14 Tests) 62,7% 69,2% 87,5% 80,5% 86,4% 93,5% 85,9% 100%
AnandTech  (15 Tests) - - - 78,0% 83,1% - 86,0% 100%
Hardware Canucks  (13 Tests) - - - - 81,3% 90,0% 84,4% 100%
PC Perspective  (7 Tests) - - - 66,2% 80,6% 87,0% 84,0% 100%
TechSpot  (18 Tests) - - - - - 102,9% 90,4% 100%
The Tech Report  (14 Tests) 66,7% - - 77,8% - 95,7% 88,3% 100%
Hardware.fr  (12 Tests) - 84,7% 72,0% - 83,9% 93,9% 89,1% 100%
Hardware.info  (10 Tests) - 74,7% 76,7% 77,9% 84,7% 92,4% - 100%
PCLab  (18 Tests) - 73,9% 82,1% 77,9% 84,7% 95,2% 86,2% 100%
Anwendungs-Perf. FX-8370 FX-9590 3570K 4670K 4690K 5675C 6600K 6700K
ComputerBase  (15 Tests) - - - - 100% - 100% 128%
Hardwareluxx  (9 Tests) - - - 94,3% - 98,5% 100% 149,2%
PC Games Hardware  (3 Tests) - 107,3% - - 93,7% - 100% 130,8%
Tom's Hardware  (14 Tests) 69,8% 77,3% 80,6% - 88,8% 90,3% 100% 114,3%
Hardware.fr  (12 Tests) - 117,6% - 92,7% - 96,2% 100% 138,9%
Hardware.info  (10 Tests) - 96,3% 81,7% 93,0% 95,4% - 100% 130,3%
PCLab  (18 Tests) - 90,0% 86,4% 93,6% 95,8% 95,6% 100% 121,9%

In der Summe der Dinge läßt sich somit sagen, daß der Core i7-6700K in etwa 7% Mehrperformance auf den Core i7-4790K oben drauf legt – angesichts der niedrigeren Taktraten dann gar nicht einmal so schlecht, aber trotzdem einigermaßen weit weg von der Erwartungshaltung. Die Abstände werden größer, je weiter man zurückschaut – gegenüber dem Core i7-3770K aus der Ivy-Bridge-Generation sind es dann schon im Schnitt 30,5% Mehrperformance. Um fast exakt den gleichen Betrag kann sich der Core i7-6700K im übrigen von seinem HyperThreading-losen Gefährten Core i5-6600K absetzen. Die AMD-Prozessoren werden erstaunlicherweise recht deutlich geschlagen, obwohl deren Stärken doch eigentlich bei der Anwendungs-Performance liegen sollten – entweder optimiert niemand mehr auf AMD und/oder das Ökosystem der FX-Prozessoren ist inzwischen zu angegraut, um noch gut mitspielen zu können.

Bei der Spieleunterstützungs-Performance sind Spiele-Benchmarks auf möglichst niedriger Auflösung und mit möglich geringer Grafikbelastung gefragt. Hierbei geht es nicht um real nutzbare Werte, sondern allein darum, wie gut die CPU das Spiel mit CPU-Power befeuern kann – interessant für rein CPU-limitierte Spiele (sehr selten getestet) und natürlich auch für die Minimum-Frameraten, da letztere selbst unter "offiziell" Grafikkarten-limitierten Titeln sehr oft rein CPU-limitiert sind. All zu viele Benchmarks gab es in diesem Feld leider nicht, es reicht daher gerade einmal für einen ganz groben Überblick:

Spieleunt.-Perf. FX-8370 FX-9590 6600K 3770K 4770K 4790K 5775C 6700K
ComputerBase  (8 Tests) - - 94% 86% - 97% - 100%
Hardwareluxx  (4 Tests) - - 72,6% - - 98,7% 96,3% 100%
PC Games Hardware  (4 Tests) - 71,2% 92,4% - - 97,4% 102,3% 100%
Hardware Canucks  (4 Tests) - - - - 81,7% 91,1% 94,7% 100%
Spieleunt.-Perf. FX-8370 FX-9590 3570K 4670K 4690K 5675C 6600K 6700K
ComputerBase  (8 Tests) - - - - 97% - 100% 106%
Hardwareluxx  (4 Tests) - - - 89,3% - 113,1% 100% 137,7%
PC Games Hardware  (4 Tests) - 77,0% - - 93,0% - 100% 108,3%

Die Unterschiede sind hier (erstaunlicherweise) etwas geringer, der Core i7-6700K liegt bei der Spieleunterstützungs-Performance nur um 4% vor einem Core i7-4790K. Die älteren Intel-Prozessoren und insbesondere die Modelle ohne HyperThreading kommen dagegen deutlich besser mit – auch wenn sich in letzterer Frage die einzelnen Artikel bzw. deren Benchmarks komplett uneinig sind (zwei Artikel mit mageren Vorteilen für HyperThreading, ein Artikel mit großem Vorteil). Dafür liegen die AMD-Prozessoren teilweise noch deutlicher zurück als unter den Anwendungs-Benchmarks – ein bekanntes Problem, was AMD wirklich nur mittels einer komplett neuen CPU-Architektur lösen kann (AMD Zen). Zu vermuten steht zudem, daß bei größeren Benchmarkfeldern samt höherer Konzentration auf noch niedrigere Grafikanforderungen die Differenzen der einzelnen Prozessoren untereinander sogar noch größer ausfallen wird – so war es zumindest bei früheren Messungen zu diesem Thema.

Bleibt die Frage nach der Overclocking-Eignung der Skylake-Prozessoren. Hier sollte es eigentlich nun endlich einmal wieder Fortschritte geben, nachdem zum einen die Spannungsregler wieder auf das Mainboard gewandert sind und zum anderen mit der 14nm-Fertigung ein neues Herstellungsverfahren da ist, was dann auch schon für die zweite CPU-Generation verwendet wird. Die nicht höheren default-Taktraten von Skylake sollten ihr übrigen tun, um Core i5-6600K und Core i7-6700K auf neue Overclocking-Höhen zu führen:

Core i7-6700K (4.0/4.2 GHz, 1.232V)
ComputerBase 4.5 MHz @ 1.360V
Golem 4.7 MHz @ 1.360V
Hardwareluxx 4.8 GHz @ 1.504V (wassergekühlt)
Tom's Hardware 4.7 GHz @ 1.376V
AnandTech – Sample 1 4.6 GHz @ 1.376V
AnandTech – Sample 2 4.6 GHz @ 1.352V
AnandTech – Sample 3 4.6 GHz @ 1.304V
AnandTech – Sample 4 4.5 GHz @ 1.256V
Hardware Canucks 4.823 GHz @ 1.408V
PC Perspective 4.7 GHz @ 1.408V (wassergekühlt)
TechSpot 4.8 GHz
Hardware.fr 4.5 GHz @ 1.344V
Hardware.info 4.8 GHz @ 1.355V (wassergekühlt)
PCLab 4.9 GHz @ 1.504V (wassergekühlt)
Core i6-6600K (3.5/3.9 GHz, 1.168V)
Hardwareluxx 4.8 GHz @ 1.504V (wassergekühlt)
Hardware.fr 4.5 GHz @ 1.296V
PCLab – Test 1 4.7 GHz @ 1.296V
PCLab – Test 2 4.9 GHz @ 1.38V (wassergekühlt)

Im Schitt der luftgekühlten Übertaktungsversuche wurden 4632 MHz CPU-Takt mit dem Core i7-6700K erzielt, die Spanne der Übertaktungen lag bei 4.5 bis 4.8 GHz. Dies ist ein gutes, aber keineswegs herausragendes Ergebnis, immerhin kam der Haswell-Refresh auch schon auf durchschnittliche Übertaktungsergebnisse um die 4.7 GHz. Ein besserer Übertakter als jener Haswell-Refresh ist Skylake damit keineswegs – im besten Fall ist man gleichwertig, was aber angesichts des besseren Fertigungsverfahrens dann doch eher enttäuschend ist. Hier hatte man sich (deutlich) mehr von Skylake versprochen, was auch durch einige gute Vorab-Overclockingtests befeuert und nun nicht eingehalten wurde.

Einen kleinen Ausweg bietet allerdings der Hinweis vieler Tester, woran bessere Übertaktungsergebnisse bei Skylake primär scheitern: Der Prozessor zieht nicht zuerst zu viel Strom, sondern wird (unter Übertaktung) zuerst zu warm. Hier kann also eine Wasserkühlung wohl einiges bewirken – die wenigen Übertaktungsergebnisse unter dem Einsatz einer Wasserkühlung sind dann auch bemerkbar freundlicher, hier werden eher in Richtung 4.8 GHz erreicht. Zum Core i5-6600K liegen leider zu wenige Übertaktungsresultate für eine exakte Bewertung vor – aber es erscheint so, als würde sich dieser Prozessor ziemlich ähnlich übertakten lassen wie der Core i7-6700K.

Die Gesamtbewertung zur Skylake-Architektur bzw. den beiden jetzt erst einmal erhältlichen K-Modellen fällt trotz vieler positiver Ansätze eher denn etwas durchwachsen aus: Viele Nebenpunkte wie beispielsweise die neue Plattform oder auch die Performance-Führerschaft (innerhalb der normalen Consumer-Prozessoren, sprich außerhalb der E-Modelle) sprechen klar für Skylake – und dennoch schwingt bei vielen Berichterstattungen etwas Enttäuschung darüber mit, daß Skylake mit seinem doppelten Architektursprung keine überzeugendere Performance und keine höheren Overclocking-Resulate hinlegen konnte. Die 8% mehr Pro-MHz-Leistung (nicht IPC), welche Intel bei Skylake gegenüber Haswell erreicht hat, sind eigentlich viel zu wenig für die Entwicklung gleich zweier CPU-Architekturen (Broadwell & Skylake), die nicht besseren Overclocking-Ergebnisse trotz besserem Fertigungsverfahren verderben dann die Stimmung vollens.

Pro-MHz-Gewinn höchste Taktraten üblicher OC-Takt
Core 2   (2007, 65nm) - 2.66 GHz ~3.2 GHz
Core 2 Refresh   (2008, 45nm) +9% 3.0 GHz ~4.0 GHz
Nehalem   (2008, 45nm) +31% 3.2/3.46 GHz ~3.8 GHz
Sandy Bridge   (2011, 32nm) +15% 3.5/3.9 GHz ~4.5 GHz
Ivy Bridge   (2012, 22nm) +6% 3.5/3.9 GHz ~4.5 GHz
Haswell   (2013, 22nm) +8% 3.5/3.9 GHz ~4.3 GHz
Haswell-Refresh   (2014, 22nm) - 4.0/4.4 GHz ~4.7 GHz
Broadwell   (2015, 14nm) ~5% 3.3/3.7 GHz ~4.2 GHz
Skylake   (2015, 14nm) +8% (zu Haswell) 4.0/4.2 GHz ~4.6 GHz
Um einen fairen Vergleich mit der heutigen Situation zu gewährleisten, wo die Enthusiasten-Modelle in die "E-Architekturen" ausgegliedert sind, wurden bei der Angabe zur höchsten Taktrate bei Core 2 und Nehalem nur Prozessoren-Modelle des Mainstream-Bereichs mit Preispunkten bis maximal 500 Euro berücksichtigt. Zudem wurden überall natürlich allein auf die Werte von Vierkern-Modellen gesetzt (auch beim Pro-MHz-Gewinn, welcher für MultiThreading gedacht ist).

Am Ende ist Intel mit Skylake nunmehr da angekommen, wo AMD schon seit einiger Zeit steht: Mit jährlichen Updates, die zuerst viel versprechen, dann aber in der Praxis zu mager ausfallen, auf daß sich wirklich ein Aufrüstdruck ergeben könnte. Haswell-E wird beispielsweise durch Skylake nirgendwo ernsthaft unter Druck gesetzt – und dies war früher meistens anders, da konnten die neuen Intel-Architekturen meistens gut zu den E-Modellen der vorherigen Intel-Architekturen aufschließen. Heuer nun spielt Haswell-E weiterhin in seiner komplett eigenen Liga, während Skylake nur wie ein weiteres mittelprächtiges Update zu Haswell aussieht.

Der große Druck, in mehr CPU-Leistung zu investieren, ergibt sich damit bis hinter zu Nutzern von Sandy-Bridge-Systemen eigentlich nicht. Gerade im Overclocking-Betrieb können Sandy & Ivy Bridge einigen Boden gutmachen und landen mit eher nur geringen Abständen hinter Haswell & Skylake – kein Grund also, sofort reagieren zu müssen. Für Nicht-Übertakter gibt es bei Skylake natürlich noch den einen oder anderen Gewinn bei den Taktraten, aber das ganz große Update ist sowieso nicht erreicht, wenn im besten Fall unübertaktet) zwischen Sandy Bridge und Skylake knapp bis zu 40% Performancegewinn stehen. Zwischen zwei einzelnen CPUs ist dies natürlich ein gehöriger Performance-Unterschied, aber als Rechtfertigung für einen Umbau des kompletten Grundsystems aus CPU, Mainboard & Speicher sollte man eigentlich einen größeren Performancegewinn ins Auge fassen.

Und somit ist Skylake erneut nur ein echtes Angebot für diejenigen PC-Nutzer, welche noch auf wirklich alten Systemen mit Core-2- oder Nehalem-Unterbau (oder AMD-Systemen) unterwegs sind. Hier lassen sich dann schnell echte Performanceverdoppelungen erzielen, was den Umbau des kompletten Grundsystems ausreichend rechtfertigt. Für Benutzer von Sandy- und Ivy-Bridge-Systemen wird dies eine knappe Entscheidung, die aus objektiver Sicht kaum gutgeheißen werden kann – und für Benutzer von Haswell- oder Broadwell-Systemen lohnt der Umstieg keineswegs, trotz der neuen und sicherlich interessanten Plattform. Die Tendenz der letzten CPU-Architekturen von Intel verfestigt sich mit Skylake: Trotz hoher Anstrengungen bleiben die Zugewinne auf unterdurchschnittlichem Niveau, werden die großen Performance-Durchbrüche früherer Zeiten schmerzlich vermisst.

Nachtrag vom 10. August 2015

In der neuesten Intel Prozessoren-Preisliste (PDF) stehen die beiden derzeit vorgestellten Skylake-Prozessoren Core i5-6600K und Core i7-6700K abweichend von Intels Angaben zum Skylake-Launch> mit den exakten Preisen von deren Haswell-Vorgänger da: Offiziell notiert wurden somit US-Listenpreise von 242 Dollar für den Core i5-6600K (wie beim Core i5-4690K) sowie 339 Dollar für den Core i7-6700K (wie beim Core i7-4790K). Zum Launch hatte Intel noch Preise von 243 bzw. 350 Dollar für die Skylake-Modelle genannt, was eine etwas seltsame Informationspolitik bei einem von so vielen Augen begleitetem Produktlaunch darstellt. Bezüglich der Produktbetrachtung ändern diese geringfügigen Preisdifferenzen natürlich nichts – Skylake ist schließlich sowieso besser als alle bisherigen Intel-Prozessoren desselben Preisbereichs, nur der dabei erreichte eher geringe Fortschritt scheint die meisten Nutzer zu stören bzw. von einem schnellen Upgrade abzuhalten.