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News des 18. August 2008

Passend zu nVidias Raytracing-Demonstration auf der Siggraph gibt es bei der ComputerBase eine Kolumne aus der Feder von nVidia-Chefentwickler David Kirk, welche sich um die Zukunft der 3D-Grafik dreht. Primär wird aber zuerst einmal gegen Raytracing und dagegen geschossen, daß dieses hier und da als alleiniges Zukunftmodell gilt. Nach der Ansicht des nVidia-Chefentwicklers wird es nicht zu einem generellen Wechsel der Rendering-Technologie kommen, allerdings sind dagegen Modelle denkbar, in welchem Raytracing für gewisse Effekte benutzt werden wird. Was ihn letztlich dazu führt, daß die bisherigen Grafikprozessoren durch Raytracing nicht überflüssig werden – zum einen, weil die Rasterizer-Methode weiterhin zwingend benötigt wird, und zum anderen, weil auch die heutigen Grafikchips schon Raytracing (mit Performance) darstellen können.

Aus einem Foren-Thread bei Beyond3D stammt die Information, daß die S3 Graphics Chrome 500 Series nunmals erstmals in einem S3-Treiber aufgetaucht ist, was auf einen absehbaren Markteintritt dieser neuen S3-Grafiklösung schließen läßt. Etwas unsicher ist derzeit jedoch noch, welcher Generation diese angehört: Noch der D-Generation wie die Chrome 430/440 oder aber schon die E-Generation. Auf letzteres würde hindeuten, daß die ComputerBase vor einiger Zeit von einer demnächst anstehenden neuen S3-Generation mit dem Codenamen "Excalibur" berichtete. Jene soll im übrigen mit einem 128 Bit DDR Speicherinterface antreten (die Chrome 430/440 Karten haben nur 64 Bit DDR), womit S3 etwas aus dem totalen LowCost-Segment heraustreten würde.

Eine recht interessante Frage stellt ein ein Foren-Posting in unserem Forum: Droht nVidia mittel- und langfristig die Bedeutungslosigkeit, da man letztlich nur auf einem Technologiefeld so richtig präsent ist (Grafikchips), während die anderen großen Hersteller (AMD und Intel) jeweils die Systeme aus CPU, Mainboard-Chipsatz und Grafikchip aus einer Hand liefern können? Hierzu wurden einige Argumente zusammengetragen und auch ein möglicher Ausweg in Form der Übernahme von VIA durch nVidia aufgezeigt. Generell läßt sich diese Gefahr nicht wegdiskutieren, auch wenn jetzt natürlich noch nicht klar ist, ob diese jemals akut werden wird.

Aber es gibt nun einmal Punkte, welche die zukünftige Lage der bisherigen Grafikchip-Entwickler nicht gerade stärken: Als erstes wäre da der Wiedereintritt von Intel in den Grafikchip-Markt zu nennen. Selbst wenn dieser Wiedereintritt anfänglich eher gemächlich von statten gehen wird, dürfte Intel langfristig natürlich die Marktführerschaft in diesem Geschäft anstreben, womit sich der Markt zwischen ATI und nVidia nicht mehr aufteilt, sondern zwischen den drei Firmen gedrittelt werden muß – was weniger Marktanteile für die beiden aktuellen Grafikchip-Entwickler bedeutet. In Zeiten wirklich harter Konkurrenzkämpfe könnte das Geschäft dann auch mal aus finanzieller Sicht ruinös sein – was dann gerade nVidia deutlich härter als ATI/AMD und Intel treffen wird, welche eben noch andere Standbeine außerhalb von Grafikchips haben.

Zum anderen wird sich zukünftig das Geschäft mit in Mainboard-Chipsätzen integrierten Grafiklösungen weg vom Chipsatzbauer hin zu den Prozessorenbauern verlagern – und damit auch wieder kategorisch weg von nVidia. Denn sowohl AMD als auch Intel planen zukünftig, den Grundbedarf an Grafikleistung Prozessor-nah zu realisieren, zuerst mit aufs Prozessor-Trägermaterial integrierten Grafikchips (welche in diesem Zustand dann auch noch von anderen Hersteller stammen könnten), später aber wohl auch in einer vereinten Fertigung von CPU und GPU. Das Geschäft mit Mainboard-Chipsätzen wird zudem zukünftig noch der Umstand treffen, daß es sich dabei nur noch um die Anbindung von Peripherie mittels Southbridge-Chips drehen wird, da alle bisherigen Northbridge-Aufgaben (Speichercontroller, integrierte Grafik, Anbindung von extra Grafikkarten) mittelfristig vollständig in die CPU wandern werden.

Langfristig könnte nVidia somit nur noch als Entwickler für Mainstream- und HighEnd-Grafikkarten dastehen, während AMD/ATI und Intel nicht nur die kompletten Systeme, sondern eben auch Grafikkarten für den Mainstream- und HighEnd-Bedarf liefern können. In einer solch ungünstigen Situation wäre nVidia faktisch dazu gezwungen (vor allem auch gegen die finanzielle Macht von Intel), ständig der Technologie-Marktführer zu sein, um sich nicht selbst ganz fix in die Bedeutungslosigkeit zu schicken. Ob allerdings VIA der richtige Weg darstellt, um über diesen Zukauf selber zum Systemhersteller zu werden, darf sicherlich diskutiert werden. Zwar ist VIA derzeit ein vollständiger Systemanbieter, lebt aber in einer selbstgewählten Nische und hat damit keine allgemeine Marktbedeutung.

Nur wenn es gelänge, VIA aus dieser Nische wieder herauszuführen, würde es für nVidia Sinn machen, VIA als Startbrett zu benutzen, um selber ein Systemanbieter zu werden. Aber dafür gibt es natürlich auch noch andere Lösungen: nVidia könnte sich selber zum CPU-Anbieter machen, entweder durch Eigenentwicklung als auch durch Zukauf kleinerer Entwickler, wie es sie im Server-Bereich noch gibt. Die große Frage ist dabei eher, ob nVidia selber überhaupt auf eine solche Reise gehen will – oder ob man die Zukunft gänzlich anders sieht. Vom rein technologischen Standpunkt aus könnte die Überlegung nVidias durchaus in die Richtung gehen, daß zukünftig die GPU und nicht mehr die CPU der wichtigste Chip im PC-Gehäuse ist.

Damit würde die CPU dann nur noch für die Darstellung des Betriebssystems und ähnlicher Aufgaben definiert werden, sämtlich mit Leistungsanspruch verbundene Aufgaben würden dann über den Grafikchip gehen – ob als Grafikberechnungen oder als GPGPU-Aufgaben. Schließlich sind Grafikchips aufgrund ihrer mächtigen Parallel-Rechenwerke einfach grundsätzlich besser auf Drehzahlen zu bringen, eine CPU als Allzweck-Rechenwerk kann das in einem fairen Wettstreit niemals erreichen. Dem steht aber natürlich entgegen, daß AMD und Intel diese technisch vielleicht sogar fortschrittlichere Lösung schon aus Eigeninteresse niemals zulassen werden und man eben auch die Marktmacht hat, eine solche Idee effektiv zu verhindern. Und somit bleibt letztlich die Frage offen, welches der beste Weg für nVidia in der Zukunft ist, um nicht potentiell zwischen den Mühlensteinen AMD und Intel zerdrückt zu werden.