13

News des 13. Oktober 2008

Die Gerüchte über eine G94-basierte GeForce 9600 GSO verdichten sich leider, Expreview zeigen hierzu eine offensichtlich von nVidia stammende Präsentationsfolie mit den Spezifikationen dieser Karte. Danach kommt diese neue GeForce GSO 9600 auf G94-Basis mit 48 Shader-Einheiten, einem 256 Bit DDR Speicherinterface und Taktraten von 650/1625/900 MHz daher, während die originale GeForce 9600 GSO auf G92-Basis ihre 96 Shader-Einheiten, ein 192 Bit DDR Speicherinterface und Taktraten von 575/1438/750 MHz vorweisen kann. Damit kommt die neue GeForce 9600 GSO auf G94-Basis auf nur mickrige 56 Prozent der Rechenleistung der originalen GeForce 9600 GSO auf G92-Basis, allerdings liegt die Speicherbandbreite gleich um 60 Prozent höher.

Insgesamt gesehen kommt hierbei ein wirklich seltsamer Mix heraus: Sehr wenig Rechenleistung, welche nur knapp über Mainstream-Niveau liegt, zusammen mit einer Speicherbandbreite, welche fast für HighEnd-Niveau reichen würde. Letzterer Punkt ist umso irritierender, als daß niedriger getakteter Speicher oder aber eine Kappung des Speicherinterfaces auf 128 Bit DDR den Herstellungspreis dieser neuen Grafikkarte durchaus günstig beeinflußen könnte, ohne (voraussichtlich) wirklich Performance zu kosten. In jedem Fall wird diese neue GeForce 9600 GSO auf G94-Basis niemals die Performance der originalen GeForce 9600 GSO auf G92-Basis erreichen, sondern wahrscheinlich oftmals weit langsamer als diese sein.

nVidia baut sich hier also ohne Not ein heftiges Darstellungsproblem auf – welches man ganz einfach umgehen könnte, wenn man die neue Karte schlicht "GeForce 9600 GS" nennen würde. Schließlich soll mit der neuen Karte in erster Linie der Radeon HD 4670 etwas gleichschnelles entgegengestellt werden, sind Namen eigentlich Schall und Rauch, sofern dieses Primärziel erreicht wird. Es ist völlig unklar, welcher Teufel nVidia hier reitet, der Presse, der ATI-Marketingabteilung und natürlich auch allen ATI-Fanboys eine solch großartige Munition zu liefern. Man kann fast nur hoffen, daß sich nVidia vor den Release dieser neuen Grafikkarte noch eines besseren besinnt und zu einer nachvollziehbaren Namenswahl greift.

The Inquirer berichten von neuen Problemen mit nVidia-Chips, betroffen ist diesesmal der schon ältere Mainboard-Chipsatz GeForce 6150 LE (mit integrierter Grafiklösung). Allerdings ist absolut unklar, ob hier dasselbe Problem vorliegt wie bei den G84/G86-Grafikchips, deren Lötmaterial den starken Temperaturwechseln in einem Notebook wohl nicht gewachsen sind. The Inquirer gehen da sehr vorschnell von einer Vergleichbarkeit der Fälle aus, welche aber allein aufgrund der Verschiedenartigkeit der verwendeten Chips – hier eine extra Grafiklösung in einem Notebook, dort ein regulärer Mainboard-Chipsatz in Desktop-Mainboards – nicht einfach so anzunehmen ist. Bevor nicht nähere Hinweise vorliegen, sollte man in diesem Punkt sicherlich nicht vorschnell urteilen.

Expreview berichten von der Übertaktung eines Core i7 965 XE Prozessors mit original 3.2 GHz auf stattliche 4.2 GHz, was sich einreiht in inzwischen eine ganze Serie von schon ziemlich überzeugenden Overclocking-Erfolgen der Nehalem-Architektur. Natürlich sind mit den Core-i7-Prozessoren kaum die teils fantastischen Taktraten machbar, welche aus einigen Core-2-Duo-Modellen herauszuholen sind, aber dies ist für die allerersten QuadCore-Modelle einer neuen Architektur mit wieder einmal deutlich mehr Transistoren auch nicht zu erwarten. Insofern sind die 4.2 GHz schon aller Ehren wert und lassen die Nehalem-Prozessoren trotz der schon erwähnten Probleme bei der Speicherübertaktung als sehr interessante Overclocking-Kandidaten erscheinen.

Gemäß Fudzilla wird die LowCost-Variante der Nehalem-Architektur in Form des Havendale-Cores nun erst 2010 in den Markt kommen. Ursprünglich sollte der Havendale-Core zusammen mit der Mainstream-Ausführung Lynnfield im dritten Quartal 2009 erscheinen (in der gestrigen News wurde ursprünglich der Lynnfield-Core für das "dritte Quartal" ohne die Jahresangabe "2009" genannt, was natürlich ein Fehler ist), nunmehr ergibt diese Verzögerung also eine glatte Dreiteilung des Nehalem-Marktstarts. Dies bedeutet auch einen gewissen Rückschlag für Intels GPU-Integrationspläne, denn in Havendale sollte erstmals bei Intel ein Grafikchip integriert werden (neben die CPU aufs gleiche Trägermaterial, nicht in die CPU selber). Dies läßt die Tür auf für AMDs gleichartiges Fusion-Projekt, deutlich früher in den Markt zu kommen und sich damit einen gewissen Vorsprung vor Intel zu erarbeiten.

All zu viel sollte man allerdings von beiden Projekten nicht erwarten, beide Prozessorenhersteller verfolgen mit diesen Integrationsprojekten sicherlich nicht die Zielstellung einer höheren 3D-Performance. Vielmehr sollen erstens die Kosten für die integrierte Grafiklösung langfristig sinken, dies wird aber erst nach der Integration direkt in die CPU und damit unter Ausnutzung des CPU-Fertigungsverfahrens passieren können. Und zweitens werden somit natürlich auch die Endkunden stärker an den Prozessorenhersteller gebunden, wenn CPU und integrierte Grafiklösung nur noch als untrennbares Paket angeboten werden. Beide Prozessorenhersteller versuchen damit letztlich durch die Blume, die anderen Anbieter von Mainboard-Chipsätzen zumindest aus dem stückzahlenstarken OEM-Geschäft zu verdrängen.

Sicherlich verbleibt weiterhin ein gewisser Platz für alternative Anbieter, aber die Luft wird dünner und der Umsatz mit Mainboard-Chipsätzen auch auf jeden Fall kleiner, wenn Speicherinterface, PCI Express Anbindung und integrierte Grafik zukünftig in die CPU selber wandern und die Mainboard-Chipsätze demzufolge "nur" noch zur Peripherie-Ansteuerung benutzt werden. Hier dürfte der Durchschnittspreise der Mainboard-Chipsätze wohl deutlich sinken, was das Geschäft für die übrigen Anbieter von Mainboard-Chipsätzen nicht gerade beleben wird. VIA hat sich nunmehr sogar offiziell von Neuentwicklungen (außerhalb der eigenen Prozessoren) zurückgezogen und SiS hat sich offenbar mit der extremen LowCost-Nische und 5 Prozent Marktanteil arrangiert. nVidia dürfte zwar weiterhin im HighEnd-Bereich punkten können, wird jedoch langfristig das Geschäft mit den durchaus potenten Mainboard-Chipsätzen mit integrierter Grafiklösung abschreiben müssen.

Und nVidia erscheint auch generell als etwas zu teuer aufgestellt, um im OEM-Markt über den besseren Preis und hohe Fortschrittlichkeit bei der Peripherie-Anbindung punkten zu können. Früher war das einmal die Paradedisziplin von VIA, dieser Wettbewerber wird dem Markt womöglich einiges Tages noch schmerzlich fehlen. Denn man kann durchaus prophezeihen, daß die Integration von Grafiklösungen in den Prozessor dazu führen wird, daß Intel und AMD das Geschäft mit Mainboard-Chipsätzen in ihren Teilmärkten langfristig noch viel stärker als jetzt in den Griff bekommen werden und somit in einigen Jahren die Kombination von Intel-Prozessor mit Intel-Chipsatz bzw. AMD-Prozessor mit AMD-Chipsatz eine absolute Selbstverständlichkeit sein wird, beide Hersteller somit ganz stark als monolitische Plattform-Hersteller auftreten werden.