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News des 3. August 2011

Wie die VR-Zone ausführt, wird Sandy Bridge E nunmehr im November antreten – und damit AMDs Bulldozer, der im September/Oktober zu erwarten ist, wenigstens einen kleinen Vorsprung lassen, so daß sich AMD bei optimalem Verlauf für ein paar Wochen den Titel der schnellsten Architektur bzw. des schnellsten Prozessors sichern kann. Zum X79-Chipsatz von Sandy Bridge E wird zudem erneut berichtet, daß dieser gegenüber den ursprünglichen Planungen etwas abgespeckt daherkommt – maßgeblich wird die Anzahl der SATA3-Ports reduziert und es entfällt das eigentlich geplante PCI Express 3.0 Interface zwischen CPU und Chipsatz, so daß der Chipsatz selber weitere Steckkarten (außerhalb der Grafikkarten, die werden direkt über die CPU angebunden) weiterhin nur mit PCI Express 2.0 versorgen kann. Diese Features wird Intel bei den Server-Versionen von Sandy Bridge E dann (später) bringen und jene sind auch nur dort interessant, im Desktop-Bereich dagegen nicht zwingend vonnöten.

Zu Sandy Bridge E liegen daneben nahezu alle Informationen vor und auch die Performance läßt sich inzwischen gut einschätzen. Die übrigbleibende große Frage ist die nach dem Preis der entsprechenden Prozessoren, vor allem im Vergleich zu Bulldozer und den regulären Sandy-Bridge-Modellen. Als ziemlich klar erscheint ein Listenpreis von 999 Dollar für den Core i7-3960X, die Preise der beiden anderen Prozessoren Core i7-3930K und Core i7-3820 sind dagegen noch vakant. Ausgehend von der letzten Intel-Roadmap wird der Core i7-3930K auf der Preislage des Core i7-880 eingeordnet, welcher einen Listenpreis von 583 Dollar hat. Der Core i7-3820 wird hingegen auf der Preislage des Core i7-2600K eingeordnet, welcher einen Listenpreis von 317 Dollar innehat. Die rein schematische Einordnung in der Roadmap muß natürlich nicht bedeuten, daß Intel exakt diese Preislagen ansetzen wird.

Vielmehr dürfte es eher so sein, daß Intel der Sandy Bridge E Architektur generell höhere CPU-Preise zugesteht, auch auf das kleinste Modell bezogen. Ein Preis des Core i7-3820 nur auf dem Niveau des Core i7-2600K würde schließlich Preissenkungen im regulären Sandy-Bridge-Programm nach sich ziehen, was Intel tunlichst vermeiden wird. Wenn ein Prozessor durch eine neue Marktentwicklung kein gutes Preis/Leistungsverhältnis mehr hat, senkt Intel nicht die Preise, sondern liefert zum gleichen Preis ein schnelleres Modell aus – wichtig für Intel ist dabei, daß das Preisniveau gehalten wird, was aus rein kaufmännischer Sicht absolut verständlich ist. Da sich sowohl AMD mit Bulldozer höchstselbst am regulären Sandy-Bridge-Programm orientiert und Intel Sandy Bridge E sicherlich gern psychologisch überhalb von allem anderen ansiedeln will (deswegen auch die Namenswahl als Core i7-3000 Serie), wird jeder Intel-Konter gegen Bulldozer wohl nur innerhalb der regulären Sandy-Bridge-Architektur erfolgen, im Normalfall schlicht mit schnelleren Modellen als dem Core i7-2600K zum gleichen Preis.

Sandy Bridge E dürfte Intel dagegen versuchen aus diesem Zweikampf herauszuhalten – und AMD vermutlich auch, weil Bulldozer gegen Sandy Bridge E wohl nicht mehr so besonders aussehen dürfte (zumindest nicht ohne weitere Taktsteigerungen). Die derzeit plausibelste Vermutung zur Preislage von Sandy Bridge E lautet daher, daß der Preis des kleinsten Modells Core i7-3820 merkbar über dem Preis des Core i7-2600K liegen wird, bei mindestens 350 Dollar Listenpreis, vielleicht auch im Bereich von ~400 Dollar Listenpreis. Der Preis des Core i7-3930K ist dagegen derzeit noch ziemlich unbestimmbar – von 500 bis 750 Dollar Listenpreis ist hier noch alles möglich. Sofern Intel den Core i7-3930K recht günstig ansetzt, dürfte dies sowieso die interessante HighEnd-CPU von Intel werden, weil genauso wie der Core i7-3960X mit gleich sechs Rechenkernen (plus HyperThreading) und einem freiem Multiplikator ausgerüstet – und vom Core i7-3960X nur getrennt durch 100 MHz Takt und 3 MegaByte weniger Level3-Cache, sprich Nichtigkeiten.

AMD Preislage Intel
  999$ Core i7-3960X
Sandy Bridge E, 6 Kerne + HT, 3.3 GHz (TM 3.9 GHz), 1.5 MB L2, 15 MB L3
Sockel 2011, X79-Chipsatz, PCI Express 3.0, QuadChannel DDR3/1333
  500-750$ Core i7-3930K
Sandy Bridge E, 6 Kerne + HT, 3.2 GHz (TM 3.8 GHz), 1.5 MB L2, 12 MB L3
Sockel 2011, X79-Chipsatz, PCI Express 3.0, QuadChannel DDR3/1333
  350-400$ Core i7-3820
Sandy Bridge E, 4 Kerne + HT, 3.6 GHz (TM 3.9 GHz), 1 MB L2, 10 MB L3
Sockel 2011, X79-Chipsatz, PCI Express 3.0, QuadChannel DDR3/1333
FX-8150
Bulldozer, 8 Kerne, 3.6 GHz (TC 4.2 GHz), 8 MB L2, 8 MB L3
Sockel AM3+, 8er/9er Chipsätze, PCI Express 2.0, DualChannel DDR3/1866
300-350$  
  317$ Core i7-2600K (oder schnelleres Modell)
Sandy Bridge, 4 Kerne + HT, 3.4 GHz (TM 3.8 GHz), 1 MB L2, 8 MB L3
Sockel 1155, 6er Chipsätze, PCI Express 2.0, DualChannel DDR3/1333
  294$ Core i7-2600 (oder schnelleres Modell)
Sandy Bridge, 4 Kerne + HT, 3.4 GHz (TM 3.8 GHz), 1 MB L2, 8 MB L3
Sockel 1155, 6er Chipsätze, PCI Express 2.0, DualChannel DDR3/1333
FX-8100
Bulldozer, 8 Kerne, 2.8 GHz (TC 3.7 GHz), 8 MB L2, 8 MB L3
Sockel AM3+, 8er/9er Chipsätze, PCI Express 2.0, DualChannel DDR3/1866
250-300$  

Zur exakten Bulldozer-Preislage gibt es eine ähnlich schwammige Informationslage: Zwar gab es kürzlich ein AMD-Gewinnspiel mit einem Achtkern-Bulldozer als Preis, welcher von AMD als "ca. 300 Dollar wert" bezeichnet wurde – aber natürlich sagt niemand, daß AMD hier das Spitzenmodell FX-8150 angesetzt hat, oder nicht vielmehr den taktschwächeren Achtkerner FX-8100. Sofern AMD sein Ziel erreicht und mit der schnellsten Bulldozer-CPU den Core i7-2600K schlagen kann (was in jedem Fall auch das Ziel sein muß), würden wir ziemlich sicher von einer höheren Preislage bei Bulldozer als beim Core i7-2600K ausgehen, da der Markt für eine höhere Performance und die schöne Optik der acht Rechenkerne auch bereit ist entsprechend zu zahlen. In diesem Fall ist der FX-8150 wohl auf einem Listenpreis von 350 Dollar und damit etwas überhalb des Core i7-2600K zu erwarten. Intel dürfte darauf hin vermutlich mit einem schnelleren (regulären) Sandy-Bridge-Modell zum gleichen Preis kontern, beispielsweise einem (angenommenen) Core i7-2700K mit 3.5 GHz oder gleich 3.6 GHz.

Sollte der FX-8150 dagegen nur knapp die Performance des Core i7-2600K erreichen oder gar leicht gegenüber diesem zurückfallen, wird AMD einen entsprechend niedrigeren Preis im Rahmen von 300 bis 350 Dollar ansetzen, auch der Preis des kleineren Achtkern-Bulldozers FX-8100 dürfte absinken. Intel dagegen dürfte sich in diesem Fall nicht wirklich dazu veranlaßt fühlen, etwas am regulären Sandy-Bridge-Programm zu tun. Dementsprechend ist derzeit alles ein wenig in der Schwebe bezüglich des Herbst-Portfolios beider CPU-Entwickler – alles kommt auf die exakte Performance des schnellsten Bulldozer-Modells an, wie sich die Preise entwickeln und ob danach neue Modelle als Konterangebot in den Markt geschickt werden. In dem Sinne ist der späte Launch von Sandy Bridge E erst im November sogar wieder clever, weil sich Intel erst einmal die Entwicklung mit Bulldozer ansehen wird und dann im absoluten Notfall dann eben doch noch ein Ass im Ärmel hätte, falls man mit dem regulären Sandy-Bridge-Programm Bulldozer nicht stoppen kann.