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News des 15. Dezember 2011

Von einer eigentlich arg zweifelhaften Quelle kommt eine angebliche R1000/Tahiti-Spezifikationsfolie, welche man auch bei uns im Forum nachschlagen kann. Einmal abgesehen von der Zweifelhaftigkeit der Quelle erscheint die Folie selber aber auch nicht besonders vertrauenswürdig: Die angegebene Taktrate passt nicht zur angegebenen Rechenleistung, es finden sich einige Schreibfehler und vor allem fehlt der Produktname – schließlich handelt es sich hierbei um die Präsentationsfolie zu einer konkreten AMD-Grafikkarte, da ist die Angabe eines Produktnamens obligatorisch. Da zudem allgemein bekannt sein dürfte, wie einfach solcherart Folien zu fälschen sind (Stichwort Radeon HD 10000), ist diese Präsentationsfolie derzeit nur unter größten Vorbehalten anzusehen. Generell gesprochen bringt diese ja sowieso keinerlei neuen Informationen mit sich – die dort genannten Hardware-Daten decken sich mit den Vorab-Gerüchten zum R1000/Tahiti-Chip (womit die Folie entweder doch stimmt, oder einfach nur inhaltlich gut erstellt ist).

Noch nachzutragen wären zwei Testberichte seitens Hardwareluxx und von HT4U, welche sich mit der Performance der kleineren Bulldozer-Modelle FX-4100 und FX-6100 beschäftigt haben. Der FX-4100 verfügt über zwei Bulldozer-Module mit vier Rechenkernen auf 3.6 GHz Takt (unter TurboCore maximal 3.8 GHz), der FX-6100 über drei Bulldozer-Module mit sechs Rechenkernen auf 3.3 GHz Takt (unter TurboCore maximal 3.9 GHz). Dabei ist schon vor dem Test klar, daß diese Prozessoren aufgrund der generellen Bulldozer-Ausrichtung auf viele Rechenkerne unter Anwendungsprogrammen nicht gut mithalten werden können, denn dem FX-6100 fehlen immerhin ein Drittel und dem FX-4100 dann schon die Hälfte der Rechenkerne des Bulldozer-Spitzenmodells FX-8150 mit vier Bulldozer-Modulen und acht Rechenkernen auf 3.6 GHz Takt (unter TurboCore maximal 4.2 GHz).

Interessanter ist eher die Fragestellung, wie dies unter Spielen aussieht, welche höchst selten über gutklassige Unterstützung von drei oder vier Rechenkernen verfügen und fast niemals über gutklassige Unterstützung von mehr als vier Rechenkernen. In der Theorie sollte hier ein FX-4100 auf dem gleichem Takt wie ein FX-8150 nahezu dieselbe Performance erbringen – eben weil der FX-8150 seine Rechenkerne fünf bis acht kaum in Spielen zum Einsatz bringen kann. Und in der Tat funktioniert diese Theorie sogar teilweise: Der FX-8150 ist auf demselben Takt unter Spielen (LowQuality-Messungen seitens HT4U) nur 14 Prozent schneller als der FX-4100 mit der Hälfte der Rechenkerne – unter Applikationen liegt dieser Unterschied bei immerhin 37 Prozent. Zudem dürften dem FX-8150 in diesem Vergleich sein besserer TurboCore helfen: Zum einen ist der TurboCore-Takt höher, zum anderen kann der FX-8150 natürlich immerhin vier Rechenkerne auf den maximalen TurboCore-Takt hieven, der FX-4100 eben nur zwei.

Quelle: HT4U Applikationen Spiele (LowQuality)
AMD FX-8150
Bulldozer, 8C, 3.6 GHz (TurboCore max. 4.2 GHz)
137% 114%
AMD FX-6100
Bulldozer, 6C, 3.3 GHz (TurboCore max. 3.9 GHz)
112% 103%
AMD FX-4100
Bulldozer, 4C, 3.6 GHz (TurboCore max. 3.8 GHz)
100% 100%
AMD A8-3850
Llano, 4C, 2.9 GHz
92% 104%
AMD Phenom II X4 980
K10.5, 4C, 3.7 GHz
113% 120%
Intel Core i5-2300
Sandy Bridge, 4C, 2.8 GHz (TurboMode max. 3.1 GHz)
131% 145%
Intel Core i7-2700K
Sandy Bridge, 4C+HT, 3.4 GHz (TurboMode max. 3.8 GHz)
170% 169%

Während letzteres prinzipbedingt unänderbar ist, ist die Taktrate des TurboCore letztlich nur eine Festlegungssache – wenn AMD einen Vierkern-Bulldozer mit ansprechendem TurboCore-Takt herausbringt, kann dieser sicherlich bei unterhalb 10 Prozent Performancedifferenz zum FX-8150 unter Spielen liegen. Allerdings bleibt ein Problem weiterhin vorhanden: Im Gegensatz zu anderen Prozessoren sehen die Bulldozer-Benchmarks unter Spielen nach wie vor erschreckend schwach aus: Der FX-4100 schlägt trotz 3.6 GHz Takt noch nicht einmal einen Llano-basierten A8-3850 auf nur 2.9 GHz Takt, ein "alter" Phenom II X4 980 mit 3.7 GHz ist unter Spielen klar schneller als der FX-4100 und sogar minimal schneller als der FX-8150. Anstatt also den gegenüber den Intel-Prozessoren sowieso schon hohen Performanceabstand unter Spielen irgendwie zu reduzieren, legt AMDs Bulldozer-Architektur sogar noch einen größeren Performanceabstand hin

Wenn dies ausgerechnet in dem einzigen Feld passiert, wofür es im Heimanwender-Bereich noch breitere Leistungsanforderungen gibt (weil die Anwendungsperformance immer mehr zur theoretischen Größe wird, die wenigsten Anwender nutzen schließlich die heute gebotene Anwendungsperformance wirklich aus), macht den Fall um so tragischer. Daß die kleineren Bulldozer-Prozessoren dann sehr viel freundlicher beim Punkt der Stromaufnahme als die Achtkern-Bulldozer ausfallen, hilft letztlich auch nicht mehr wirklich weiter – ohne eine zeitgemäße Performance kann man schwerlich eine Empfehlung für diese Prozessoren aussprechen. AMD kann nur zusehen, so schnell wie möglich die nächste Bulldozer-Generation an den Start zu bringen (Trinity als Llano-Nachfolger im zweiten Quartal 2012, Vishera als Bulldozer-Nachfolger im dritten Quartal 2012), mit der originalen Bulldozer-Generation ist kein Blumentopf zu gewinnen.