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Hardware- und Nachrichten-Links des 2./3. Juli 2016

Weiterhin ein Thema großer Diskussionen in unserem Forum ist der Bruch der PCI-Express-Spezifikationen durch die Radeon RX 480 – ganz besonders, nachdem in einem konkreten Fall eine Systemabschaltung in Folge dieser Problematik nachgewiesen werden konnte. Dabei sind allerdings zwei Dinge einschränkenderweise hinzuzusagen: Erstens macht ein Einzelfall noch keinen Sommer, denn einzelne Hardware-Inkompatibilitäten gibt es immer wieder einmal bzw. sind sogar (vereinzelt) normal bei Millionen verkaufter Systeme und Komponenten. Und zweitens wurde in diesem Test bewußt versucht, ein eher kritisches Board zu finden – gefunden wurde dies dann bei einem Altsystem, welches noch nicht einmal über PCI Express 3.0 verfügt. Jene PCI-Express-Norm erhöht zwar nur die Bandbreite und hat keine (beachtbaren) Änderungen bei der Stromversorgung, aber es zeigt das Alter des Systems an – wo die Spannungsversorgung bei weitem nicht so gut wie bei modernen Boards geregelt sein muß und gleichzeitig aus Abnutzungsgründen das Risiko auf unerwartete Effekte bei knapp über Kante gebauter Hardware wie der Radeon RX 480 logischerweise viel höher ausfällt. Aus diesem Einzelfall kann man ergo nicht schließen, daß das ganze zum breiten Phänomen wird – vielmehr scheint es nach ein paar Tagen im Verkauf so, das die Stromversorgung bei der Radeon RX 480 eben her kein praktisches Problem darstellt (gerade unter Beachtung einfacher Hinweise).

Nichtsdestotrotz will AMD den Bruch der PCI-Express-Spezifikationen nicht auf sich sitzen lassen und hat eine Abhilfe angekündigt. AMD testet intern schon einen entsprechend angepassten Treiber und wird am Dienstag dann weiteres hierzu mitteilen. Generell denkbar wären in Form einer Treiberanpassung zwei Wege: Erstens eine Absenkung des Power-Limits auf 150 Watt – was der Karte jedoch einiges an Performance kosten würde, eventuelle Regressansprüche und vor allem eine massive Negativpresse nach sich ziehen würde. Oder zweitens eine Neujustizierung der Stromverbrauchs-Aufteilung – mehr in Richtung des extra Stromanschlusses und eher weg vom PCI-Express-Slot. Wie aus unserem Forum zu erfahren, beherrscht das Platinenlayout der Radeon RX 480 eine solche Programmierbarkeit, wäre also eine solche Neujustizierung der Stroverbrauchs-Aufteilung technisch durchaus realisierbar. Aller Vermutung nach läuft AMDs interne Arbeit genau darauf hinaus, denn eine Performanceminderung durch ein niedrigeres Power-Limit wäre ein kaum vorstellbarer GAU.

Zur ganzen Thematik haben Tom' Hardware im übrigen noch einen weiteren, extra Artikel nachgeschoben. Jener beschäftigt sich nicht nur mit dem Bruch der PCI-Express-Spezifikationen bei der Radeon RX 480, sondern gibt auch interessante Einblicke über die generelle Stromversorgung und die Stromverbrauchs-Aufteilung auf Grafikkarten. So läßt sich erfahren, wie sich der seitens Tom's Hardware ausgemessene Spiele-Stromverbrauch der Radeon RX 480 von 164 Watt (im Schnitt weiterer Messungen waren es 162 Watt) aufteilt: Der Polaris-10-Grafikchip nimmt sich hiervon ziemlich exakt 110 Watt – der Rest sind die Speicherchips (grob mit 28 Watt angegeben), weitere Baugruppen (Lüfter & Elektronik mit grob 6 Watt angegeben), Wandlerverluste (die restlichen 16 Watt) sowie die (wenig genutzte) 3,3V-Leitung des PCI-Express-Slots. Sehr interessant auch die Erklärung, weshalb die allermeisten Systeme keinerlei Probleme mit der Spezifikationsüberschreitung haben sollten: Die ursprüngliche PCI-Express-Norm sieht wohl nur vier 12V-Pins am Steckplatz vor, zuzüglich einem freien Pin. Bei neuerer Hardware (wie auch der Radeon RX 480) wird dieser inoffizielle fünfte 12V-Pin aber oftmals genutzt, was dann allen Probleme mit dem PCI-Express-Slot zuverlässig aus dem Wege gehen sollte.

Mainboard-seitig könnte es dann allerhöchstens noch ein Problem mit der generellen 12V-Versorgung geben – aber da die Radeon RX 480 kein echter Schluckspecht ist und über die 12V-Leitung auch die CPU mitversorgt wird, ist dies in der Praxis eigentlich nicht möglich (Ausnahme: 3/4fach-CrossFire mit der Radeon RX 480). Auf allen neueren Systemen und ganz besonders bei solider Retail-Ware sollte man mit der Radeon RX 480 komplett aus dem Schneider sein, da nicht einfach nur übliche Reserven genutzt werden, sondern da dort viel höhere Reserven vorhanden sind, als es die PCI-Express-Spezifikation eigentlich vorsieht. Wie gesagt: In der Praxis dürfte diese Problematik kaum auftauchen und sich wenn dann gezielt auf ältere Systeme oder für diesen Zweck mißbrauchte Billig-Hardware konzentrieren. Leider ändert dies nichts an dem Punkt, das AMD dem ganzen Ärger entweder vorab aus dem Weg hätte gehen können – oder aber wenigstens vor dem Launch die Problematik eigenaktiv hätte benennen und verteidigen sollen. So aber muß man (wieder einmal) nach einem monatelang geplanten Hardwarelaunch zum Mittel der Nachbesserung greifen, hat erneut einen vermeidbaren Fehler produziert.

Zum Fall der Radeon RX 480 mit 4 GB Speicher kommt wiederum aus unserem Forum die wichtige Anmerkung, das es derzeit keine 0,5 GB großen GDDR5-Speicherchips bis 4000 MHz Taktrate gibt – sondern jene nur bis 3500 MHz geliefert werden. So lange also die Grafikkartenhersteller nur das Referenzlayout der Radeon RX 480 4GB ausliefern, welches auf fest acht Speicherbausteine setzt (und damit eben die 0,5-GB-Chips erzwingt), dürfte es normalerweise keine 4-GB-Versionen mit mehr als 3500 MHz geben. Dies erklärt dann auch den kleinen Spezifikations-Mischmasch zwischen beiden Grafikkarten-Versionen – wobei AMD dies zum Launch hätte gleich kundtun können, so ist dies (unnötigerweise) sogar auf AMD zurückgefallen. Um die 4000 MHz Speichertakt (ohne Übertaktung) zu erreichen, müsste ein Grafikkartenhersteller die Radeon RX 480 4GB also erst in einem eigenen Platinenlayout auflegen – was noch eine Nummer größer ist als nur ein eigenes Lüfterdesign und auf jeden Fall mehr als nur zwei Wochen dauern wird. Bei Nutzung von nur vier Speicherchips kann man dann 1-GB-Chips benutzen, welche auch mit 4000 MHz Speichertakt angeboten werden. Alternativ könnten die Speicherchip-Hersteller natürlich im Laufe der Zeit die 0,5-GB-Chips noch mit höherem Takt anbieten – beide Varianten bleiben abzwarten. Zumindest kurzfristig sind somit aber keine Radeon RX 480 4GB Karten mit gleich 4000 MHz Speichertakt zu erwarten. Update: Siehe hierzu die News des 4. Juli 2016.