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Hardware- und Nachrichten-Links des 3. August 2015

HT4U philosophieren in ihrer Berichterstattung zur kommenden Radeon R7 370X erneut über einen möglichen Verkauf oder Aufspaltung von AMD. Insbesondere wird erneut Microsoft ins Spiel gebracht – welche wohl allein wegen der Hardware ihrer Spielekonsolen ein natürliches Interesse an AMD haben sollten. Hier könnte man allerdings entgegen, daß es allein für die Weiterproduktion der SoCs für Xbox One und Playstation 4 kein AMD bräuchte – diese Aufgabe würde sich in ein kleines Unternehmen auslagern lassen, die eigentliche Arbeit machen derzeit sowieso die Chipfertiger (TSMC in 28nm, GlobalFoundries angeblich schon in 20nm). Die eigentliche Frage ist, wer ein derartiges Interesse an der AMD-Technik haben könnte, daß ein regelrechtes Investment Sinn ergeben würde: Die meisten Wettbewerber würden eher vom Ableben AMDs profitieren, die meisten Zulieferer und Abnehmer sind dagegen zu klein, um AMD zugunsten eines lebendigen Gesamtmarktes am Leben erhalten zu können. Die Konsolenhersteller wären wohl noch am meisten betroffen für zukünftige Konsolen-Projekte – aber dennoch würden sich auch ohne AMD noch Wahlmöglichkeiten bei der CPU zwischen ARM und Intel und bei der GPU zwischen Intel und nVidia ergeben.

Ein mittelgroßes Unternehmen wie AMD aufzukaufen, nur sich die Technologie für künftige Spielekonsolen zu sichern, erscheint zudem als finanziell übertrieben – es ist ja gerade der Vorteil von AMD, daß die Möglichkeit zu Konsolen-SoCs als "Nebenprodukt" der sowieso stattfindenden CPU- und GPU-Entwicklung existiert. Eine Zerstückelung erscheint zudem kaum als möglich, da die Kernkompetenz der gemeinsamen CPU- und GPU-Entwicklung eben nur im Zusammenhang wirklich interessant ist – bei Auftrennung dieser beiden Kernkompetenzen kann man dann wieder den guten Stand im Markt der Spielekonsolen-SoCs vergessen. Andere Abspaltungs-Kandidaten sind bei AMD wiederum viel zu klein um ernsthaft ins Gewicht fallen zu können. AMD dürfte in seiner Größe damit nur interessant sein für ein Unternehmen, welches einen Seiteneinstieg in den PC-Markt wagen wollte – was angesichts zurückgehender PC-Verkaufszahlen ein gewagtes Vorhaben darstellt. Nicht auszuschließen ist daher, daß AMD im schlimmsten Falle tatsächlich komplett zumachen müsste und dann nur noch die Technologien und Patente zu Geld gemacht würden.

Andererseits wäre es der Hardware-Szene zu gönnen, wenn AMD durchhält und die eigentlich interessanten Ansätze einer CPU/GPU-Verbindung noch realisieren kann. Die PC Games Hardware berichtet in diesem Zusammenhang über AMDs Vorstellung eines Exascale-Supercomputers, bestehend aus 100.000 HPC-Nodes, welche ihrerseits wiederum aus einer APU mit 32 CPU-Rechenkernen, leistungsfähiger integrierter GPU und direkt aufs Trägermaterial eingebetteten Speicher bestehen. Die einzelne APU muß in diesem Modell eine Rechenleistung von 10 TeraFlops aufbieten – wobei im AMD-Ansatz 3 TFlops von der CPU und 7 TFlops von der GPU kommen sollen. Andere Ansätze mit höherem Gewicht auf mehr CPUs dürften in deutlich höherem Silizium-Aufwand resultieren, rein für hohe Rechenleistungen sind Parallelbeschleuniger wie GPUs nun einmal ideal. In der Praxis deren möglichst hohe Auslastung zu erreichen ist das eigentliche Problem – was aber bei einem Supercomputer mit einem für die einzelne Maschine angepassten Betriebssystem als doch lösbare Aufgabe erscheint. Derzeit dürfte nur AMD dazu in der Lage sein, derart hochintegriert (auf demselben Trägermaterial oder gar im selben Chip) hohe CPU- und hohe GPU-Rechenleistung zu verbinden, zudem hat AMD auch gegenüber Intel die weitaus größere Praxiserfahrung mit solcherart Systemen und deren Herstellung (über die SoCs der aktuellen Spielekonsolen)

Die PC Games Hardware bietet einen Nachtest zu The Witcher 3 auf aktuellen Spiel- und Treiberversionen sowie gleich unter Windows 10 an – sprich, die derzeit aktuellste Informationsbasis zur Performance dieses RPG-Spiels. Im Vergleich zu unserer kürzlichen Performance-Zusammenfassung für Witcher 3 ändert sich allerdings wenig, die größten Veränderungen scheinen schon in die ersten Treiberversionen und Spielupdates nach Spielrelease eingeflossen zu sein. Die PCGH hat sich allerdings eine wirklich schlauchende Benchmark-Szene herausgesucht, in welcher noch nicht einmal eine kräftig ab Werk übertaktete GeForce GTX 980 Ti die 60-fps-Marke knackt – wer auf der Suche nach der Witcher-Performance in den eher heiklen Szenen ist, wird hier gut bedient. Dafür kommen dann allerdings nur noch HighEnd-Grafikkarten oberhalb von 35 fps heraus, für diesen Wert sollte man schon mit Radeon R9 390 oder GeForce GTX 970 antreten – kleinere Karten oder frühere HighEnd-Modelle erreichen diese fps-Marke nicht mehr, nur etwas ältere Mittelklasse-Grafikkarten finden sich schnell in einem klar nicht spielbaren Territorium wieder (GeForce GTX 660 bei nur 13,8 fps).

Um die gestrige Kritik an den derzeitigen Tests zu Windows 10 etwas besser zu präzisieren: Der wichtigste Fehler, der gemacht wird, ist entweder den augenscheinlichen Änderungen zu folgen oder aber Microsofts Änderungsliste abzuarbeiten. Dies ist zwar nicht verkehrt, um intensiven Windows-Nutzern einen guten Eindruck zu geben, läßt aber die viel wichtigere Gesamtbewertung vermissen. Und diese bemißt sich an zwei völlig abweichenden Punkten: Erstens wo liegen die echten Innovationen im Sinne eines Betriebssystems, nicht beim auch durch Software anderer Anbieter lösbaren Drumherum – und zweitens wie groß ist der Aufwand, um sinnvoll nutzbare Systeme zu erreichen. Letzterer Punkt wird regelmäßig vollkommen negiert, dabei ist ein Windows ohne extra Software und Einstellungen sowohl weitgehend nutzlos als auch ein einziges großes Sicherheitsloch. Gerade für Windows 10 muß sich noch zeigen, wieviel extra Tuning-Software und Einstellungs-Feinarbeit benötigt wird, um dem Betriebssystem die kleinen Ecken und Kanten auszutreiben – und ob dieser Aufwand letztlich kleiner oder größer als bei Windows 7 ausfällt. Erst danach kann abgesehen von der moderneren Basis (die in jedem Fall Windows 10 nahelegt) die Frage beantwortet werden, welches Betriebssystem nunmehr "besser" sei.

Daneben noch etwas allgemeines zu den Systemanforderungen von Windows 10: Das von Microsoft hierzu offiziell gesagte ist leider nicht wirklich korrekt: Möglicherweise handelt es sich hierbei um diese Hardware, welche Microsoft den PC-Herstellern vorschreibt oder welche Microsoft gern sehen würde – aber eben nicht durchgehend um wirkliche Mindestanforderungen, die also zwingend erfüllt werden müssen. Dabei dürfte es sicherlich so sein, daß ein x86-Prozessor mit PAE, NX, SSE2 sowie eine DirectX9-Grafikkarte aus technologischen Gründen wirklich erforderlich sind – Taktraten und Speichermengen sind jedoch keine zwingenden Vorgaben, dies darf wohl auch unterschritten werden. Zudem läßt sich Windows 10 augenscheinlich auch problemlos auf Systemen ohne UEFI (und damit ohne SecureBoot) installieren (wie der Chef von Microsofts Insider-Programm auf Twitter bestätigt), Nutzer von PC-Systemen mit "altem" BIOS werden also nicht ausgeschlossen. Zumindest in diesem Teil sind die offiziellen "Minimum Hardware Requirements" klar auf die PC-Hersteller ausgerichtet, spielen also für den privaten Einsatz keine Rolle.