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News des 28. Januar 2026

Die kürzlichen Mindfactory-Verkaufszahlen zeigten auch auf weitere beachtbare Einzelhandels-Preissteigerungen bei Grafikkarten hin – wenngleich jene augenscheinlich recht selektiv stattgefunden haben. Denn gegenüber dem Stand zur Monatsmitte hat sich mit gemittelt +4,2% (weiterem) Preisaufschlag noch nichts entscheidendes getan, gab es bei Intel sogar Fälle von leicht sinkenden Preisen. Dem gegenüber stehen allerdings beachtbare Preissteigerungen bei GeForce RTX 5060 8GB, 5060 Ti 16GB, 5070 Ti und 5090 – womit abzüglich des letzten Modells genau jene Karten genannt sind, welche derzeit in nVidias Lieferpriorisierung ganz unten stehen. Herausstechend ist hierbei die GeForce RTX 5060 Ti 16GB, welche innerhalb von nur 10 Tagen um gleich +21% bzw. +102 Euro zulegte. Jene Karte ist auch diejenige, welche in einer GDDR-Knappheit am ehesten betroffen sein sollte – Mainstream-Ansatz mit dennoch hoher Speichermenge. Aber auch die GeForce RTX 5070 Ti hat derzeit mit ab 926 Euro einen schon ungesunden Preispunkt in der Nähe der (früheren) Bestpreise zur GeForce RTX 5080 erreicht. Generell gilt dabei, dass die Preissteigerungen gewöhnlich durch das nächsthöhere Modell limitiert sind, eine GeForce RTX 5070 Ti teurer als eine GeForce RTX 5080 dürfte es somit nicht geben.

Grafikkarten Sept. Okt. Nov. Dez. Jan. 28.1. 18.1.→28.1. ∑ Steigerung
Radeon RX 9060 XT 8GB 279€ 279€ 259€ 269€ 311€ 329€ +6% +18%
Radeon RX 9060 XT 16GB 329€ 349€ 339€ 349€ 389€ 412€ +6% +25%
Radeon RX 9070 16GB 549€ 541€ 539€ 529€ 599€ 599€ ±0 +9%
Radeon RX 9070 XT 16GB 639€ 619€ 609€ 593€ 671€ 688€ +3% +8%
Arc B570 10GB 185€ 200€ 217€ 217€ 222€ 217€ –2% +17%
Arc B580 12GB 239€ 256€ 239€ 239€ 279€ 256€ –8% +7%
GeForce RTX 5050 8GB 232€ 237€ 243€ 233€ 250€ 254€ +2% +9%
GeForce RTX 5060 8GB 288€ 289€ 279€ 277€ 299€ 319€ +7% +11%
GeForce RTX 5060 Ti 8GB 341€ 350€ 339€ 348€ 369€ 383€ +4% +12%
GeForce RTX 5060 Ti 16GB 416€ 419€ 419€ 411€ 483€ 585€ +21% +41%
GeForce RTX 5070 12GB 529€ 530€ 529€ 526€ 574€ 594€ +3% +12%
GeForce RTX 5070 Ti 16GB 766€ 762€ 755€ 749€ 849€ 926€ +9% +21%
GeForce RTX 5080 16GB 1027€ 1019€ 1019€ 1009€ 1238€ 1260€ +2% +23%
GeForce RTX 5090 32GB 2319€ 2449€ 2628€ 2689€ 3079€ 3299€ +7% +42%
Preisindex (Ø 14 Produkte) 100% 102% 101% 101% 114% 118%
monatliche Preissteigerung –3,0% +1,9% –0,5% –0,1% +12,1% +4,2% ∑ +18%
jeweils günstigstes lieferbares Angebot im deutschen Einzelhandel gemäß Geizhals, Preisdatum jeweils Wochenende zur Monatsmitte (sofern nicht anders genannt)

Auch hier könnte die GeForce RTX 5060 Ti 16GB aber wieder einen Sonderfall abgeben, immerhin liegt jene derzeit nur noch um 9 Euro günstiger als die (klar schnellere) GeForce RTX 5070. Aber die höhere Speichermenge der kleineren Karte ist auch ein gewisser Vorteil und hat zudem Kraft der anziehenden Speicherpreise das Potential, dass die GeForce RTX 5060 Ti 16GB zukünftig vielleicht sogar höherpreisiger als die GeForce RTX 5070 gehandelt wird. Generell gilt zudem, dass nVidia-Modell derzeit am stärksten von diesen Preissteigerungen betroffen sind, AMD- und Intel-Modelle gewöhnlich deutlich dahinter rangieren. Denkbarerweise liegt dies daran, dass nVidia mehrheitlich auf GDDR7-Speicher setzt, welcher derzeit allein für RTX50-Grafikkarten produziert wird. AMD- und Intel-Grafikkarten benutzen hingegen weiterhin GDDR6-Speicher, wo es eben noch andere Abnehmer als die Grafikkarten-Industrie und damit eine einfach höhere Produktionsmenge gibt. Werden dort die zirkulierenden Lagervorräte knapp, dürfte es dort jedoch genauso erhebliche Preissteigerungen geben (müssen). Letztlich gilt hierbei immer: Sofern die GDDR-Abnehmer nicht (pro Wafer) dieselben Preise wie für HBM und Server-DDR5 bieten, sinkt deren Fertigungsmenge mit der Zeit und schlägt dann auch dort die Speicherkrise mit voller Wucht zu.

Nach wie vor ein ungeklärter Fall sind hingegen die Einzelhandelspreise zur GeForce RTX 5090, welche seit einigen Monaten steigen, bei zugleich beachtbar zurückgehender Einzelhandels-Verfügbarkeit. Denn nach wie vor fehlt hierfür ein echter Grund, allein die Speicherpreise können es unmöglich sein – denn die lassen sich im hohen Preis dieser Karte noch am besten verstecken. Drei Ansätze stehen hierzu zur Diskussion: Erstens eine bewusste Produktionskürzung, um Waferfläche für die HPC/AI-Chips von nVidia freizubekommen. Dafür eignet sich die GeForce RTX 5090 wegen des großen GB202-Dies (750mm²) am besten – bei kleineren Grafikkarten braucht es eine viel höhere Anzahl, um auf dieselbe Chipfläche zu kommen, was die insgesamte Absatzmenge stärker drückt und somit nVidias Marktanteil stärker reduzieren würde. Trotzdem würde dieser Schritt verwundern, weil die GeForce RTX 5090 das bessere Geschäft als vier Stück GeForce RTX 5060 Ti 8GB sein dürfte – gerade bei den derzeit hochgezogenen Preisen. Zudem ist nicht sicher, ob nVidia die Waferfläche derart dringend benötigt, dass da allein das Zurückfahren der GeForce RTX 5090 derart hilfreich wäre. Normalerweise sollten zudem Packaging und HBM-Speicher die limitierenden Faktoren für nVidias HPC/AI-Chips sein, nicht der blanke Chip-Ausstoß von TSMC. Was nVidia hierbei an GDDR-Speicher einsparen kann, dürfte letztlich auch nicht bedeutend sein, die GeForce RTX 5090 ist kein Millionen-Seller. Ergo ist unsicher, ob eine bewusste Produktionskürzung überhaupt zweckmäßig wäre.

Zweitens könnte nVidia schlicht die Fertigung der GB202-basierten GeForce RTX 5090 umschichten zugunsten des Chip-gleichen Profi-Modells (RTX Pro 6000), welches die deutlich höheren Preise hat und im AI-Boom gut gehen sollte. Der Nachteil liegt natürlich im höheren GDDR-Aufwand (gleich 96 GB anstatt 32 GB), sprich viel mehr Profi-Karten gehen nicht nur gegen die Fertigung der GeForce RTX 5090, sondern schneiden auch andere Consumer-Modelle (erheblich) von GDDR-Lieferungen ab. Auch diese These geht somit gegen nVidias Marktanteil bei Consumer-Grafikkarten – insofern nVidia jener wichtig sein sollte. Die dritte Möglichkeit zur Erklärung dieser steigenden Preise und zurückgehender Verfügbarkeit bei der GeForce RTX 5090 liegt in schlicht der Umleitung des Absatzes in Richtung von AI-Farmen – ob direkt durch nVidia oder durch die Grafikkarten-Hersteller. Sprich es würde gar nicht weniger gefertigt, es kommt nur viel weniger im Einzelhandel an, weil Direktabnehmer – déjà vu Cryptomining-Hype – vorrangig bedient werden. Jene zahlen sicherlich sogar noch bessere Preise, vermeiden das Klein-Klein-Geschäft des Einzelhandels und eventuell kann man jenen auch unmögliche Vertragsbedingungen diktieren, wie einen Garantieverzicht (wie ebenfalls im Cryptomining-Hype passiert). Welche dieser drei Thesen der Wahrheit am nächsten kommt, bleibt leider ohne Insiderwissen nicht zu beantworten – welches es außerhalb von nVidia kaum geben dürfte.

Heise berichten mit Grundlage des aktuellen Geschäftsberichts des führenden Chipfertigungsanlagen-Herstellers ASML über klare Anzeichen auf das Aufziehen einer Halbleiter-Sause – mit eventuell vorhergehender Chipkrise, denn natürlich haben all die bei ASML eingehenden Aufträge einen enormen Zeitverzug, ehe damit dann tatsächlich Chips hergestellt werden. Konkret ist das Bestellvolumen bei ASML zuletzt absolut in die Höhe geschossen, mit Buchungen für 13,2 Mrd. Euro im letzten Quartal liegt man sogar deutlich über dem Rekordwert vom Ende der letzten Chipkrise (9,2 Mrd. Euro in Q4/2023). Vor allem ist der aktuelle Wert weit mehr als doppelt so hoch wie im vorhergehenden dritten Quartal 2025 (5,4 Mrd. Euro), darauf hinzeigend, dass hier eine wirklich deutliche Bewegung im Markt ist. Zugleich haben bei den Bestellungen des vierten Quartals 2025 auch untypischerweise die Speicherhersteller (Micron, Samsung, SK Hynix) die Logikhersteller (GlobalFoundries, Intel, Samsung, TSMC, UMC) übertroffen – was ein Anzeichen dafür ist, dass der Kapazitätsausbau auf Seiten der Speicherchip-Hersteller nun doch langsam an Fahrt gewinnt.

Leider zeigen die Auftragsbücher bei ASML nur auf den Beginn der Nahrungskette hin (nun gut, jene liegt eigentlich bei Zeiss, da nur diese die Feinoptik für ASMLs Chipfertigungsanlagen hinbekommen), zudem sagen die Bestellungen nicht aus, wann ASML dann tatsächlich liefern soll (kann auch um einiges in der Zukunft liegen). Zugleich gilt, dass laut Heise von der ASML-Lieferung über die Installation der Chipfertigungsanlage bis zu ersten von diesem Band rollenden Massenprodukten gut ein Jahr vergeht. Was ASML derzeit also in seinen Auftragsbüchern stehen hat (kumulativ schon 38,8 Mrd. Euro, etwas mehr als der letztjährige Jahresumsatz), wird nicht vor Ende 2027 bis dann ins Jahr 2028 hinein anfangen tatsächlich Chips auszustoßen. Zu diesem Zeitpunkt dürften dann einige zusätzliche Kapazitäten online gehen, augenscheinlich deutlich mehr als ansonsten üblich. Sprich, die Chiphersteller scheinen sich intern auszurechnen, dass sich dieser hohe Kapazitätsausbau auch im Jahr 2028 noch lohnt, jene setzen also auf einen fortwährenden Boom. Der hohe Kapazitätsausbau sagt aber auch, dass es derzeit zu geringe Fertigungskapazitäten gibt, somit vielleicht eine neue Chipkrise anstehen könnte – über die aktuelle Speicherkrise hinausgehend.