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News des 28./29. März 2026

Analyst Jukan @ X trägt die neuesten Prognosen der Marktforscher von TrendForce zum Speichermarkt bzw. den Speicherpreisen vor. Danach wurde die Prognosen für das erste und zweite Quartal nochmals deutlich angehoben, für das erste Quartal dürfte es dann natürlich schon streng in Richtung eines "Endstands" gehen. Leider fehlen ein paar erklärende Angaben, so dass man sich zusammenreimen muß, dass es sich hier kaum um Spotpreise handeln dürfte (schlecht vorab zu prognostizieren, außerdem in der Marktbedeutung viel zu gering), sondern um Kontraktpreise – und dass die Steigerungsraten aufs Quartal bezogen sein dürften. Insbesondere in der Addition früherer Preissteigerungen zu diesen neuerlichen Preissteigerungen kommen dann teilweise heftige Beträge heraus. Allerdings gilt nach wie vor, dass der Markt an Kontraktpreisen immer noch dem Spotmarkt hinterherzieht, letzterer ist einfach voll überkauft und daher preislich viel weiter übertrieben.

TrendForce-Prognosen Q1/2026 Q2/2026
PC DRAM    +50-55% → +110-115% +10-15% → +40-45%
Server DRAM +60-65% → +93-98% +10-15% → +43-48%
Mobile DRAM +45-50% → +58-63% +13-18% → +58-63%
eSSD +33-38% → +75-80% +15-20% → +68-73%
TLC/QLC +30-35% → +75-80% +15-20% → +60-65%
prognostizierte Preisänderungen am Speichermarkt gemäß TrendForce, wiedergegeben von Jukan @ X

Mit diesen Preissteigerungen ist vielmehr das Nachziehen der Kontraktpreise gegenüber den Spotpreisen zu sehen, womit sich die Preisübertreibung längerfristig manifestiert – weil die Kontraktpreise üblicherweise ein Jahr gelten, manchmal auch länger. Das weitere Anziehen der Kontraktpreise reduziert somit die Chance auf schnell fallende Speicherpreise im Einzelhandel sowie bei den PC-Herstellern für komplette Geräte. Weiter steigende Einzelhandelspreise sind hingegen nur dort zu befürchten, wo die Preisübertreibung nicht schon direkt weitergegeben wurde. Beispielsweise bei DDR-Speicher ist das Preisniveau des Einzelhandels eher auf dem Übertreibungsgrad des Spotmarkts angekommen – deswegen ging es jüngst auch wieder etwas herunter, weil am Spotmarkt gerade bei DDR5-Speicher zuletzt kein weiterer Aufwärtstrend zu sehen war. Im Gegensatz dazu sind die Preise für SSDs und komplette PCs am Beginn der Speicherkrise nicht umgehend explodiert, sondern gehen erst jetzt nach oben – folgend dem Trend der Kontraktpreise. Bei diesen Geräten sind somit auch noch weitere Preissteigerungen zu erwarten.

Einzelhandel folgt Preistrend Prognose Einzelhandels-Preise
DDR5-Speicher umgehend hochgeschossen mit dem Spotmarkt derzeit keine weiteren Preissteigerungen zu erwarten
SSDs Mittelweg zwischen Spotmarkt und Kontraktpreisen weitere Preissteigerungen sind zu erwarten
komplette PCs & Notebooks folgt (mit Verzögerung) den Kontraktpreisen der Großteil der Preissteigerungen kommt erst noch

Nochmals Jukan @ X macht zudem darauf aufmerksam, dass der aktuelle Rückgang einiger Spotpreise im Speichermarkt noch kein Anzeichen zum Platzen irgendwelcher Blasen ist. Die extremem Übertreibungen hin zum 4-5fachen des Preisniveaus bei einigen Speichersorten (primär DDR5) basierten schließlich in erster Linie auf Panikkäufen im Zuge des Bekanntwerden der OpenAI-Deals mit Samsung und SK Hynix – in deren Folge alle Einkäufer von Firmen mit Speicherbedarf befürchten mussten, zu wenig Speicher zu bekommen und somit den Markt innerhalb kurzer Zeit egal des Preises leergekauft haben. Augenscheinlich sollen ab einem gewissen Punkt sogar professionelle Scalper mit dazugekommen sein, welche allein vom stark steigenden Speicherpreis profitieren wollten. Jene lassen nun wieder gewisse Kontingente von Speicher in den Spotmarkt – die Preise sind ja hoch genug, man kann sich seine spekulative Wette nunmehr versilbern lassen.

Who the hell is spreading this bullshit rumor that OpenAI ordered 40% of Samsung and SK Hynix's memory, then canceled it, causing DRAM prices to crash?
What OpenAI signed with Samsung and SK Hynix was nothing more than an LOI (Letter of Intent). And even that, the actual volume being supplied this year is extremely small.
It's just Chinese buyers who hoarded stock and are now dumping it back into the market, which is why spot prices are dropping. It has zero impact on contract prices.
Quelle:  Jukan @ X am 29. März 2026

Die Hersteller mit Speicherbedarf dürften ihre Läger hingegen kaum antasten, egal ob jene gut gefüllt sind – schließlich geht das im Laufe der Zeit trotzdem weg und die Kontraktpreise steigen weiterhin. Trotzdem hängt ein Großteil der Speicherkrise wohl allein an der Erwartung einer Knappheit – sprich, alle starren sich nun mit rappelvollen Lägern an und keiner will davon etwas rausrücken. Denn noch sollen die aktuellen Bestellungen von OpenAI nur einen Bruchteil dessen ausmachen, was sich OpenAI an Waferkapazität gesichert hat (40% der weltweiten Wafermenge an Speicherchips). Sofern es tatsächlich nicht über den Stand eines "Letter of Intent" hinausgegangen ist, wäre OpenAI auch nicht zu einer Abnahme verpflichtet – könnte die ganze Speicherkrise somit nur in Erwartung eines gar nicht eintretenden Ereignisses passiert sein. Noch sollte man in dieser Frage in alle Richtungen hin offen bleiben, aber es besteht hiermit sehr wohl die gewisse Chance, dass dies alles in einem großen Crash am Speichermarkt endet, wenn OpenAI nur einen Bruchteil der gesicherten Kapazitäten tatsächlich ordern sollte.

Nunmehr berichten auch Tom's Hardware, VideoCardz und WCCF Tech über das auffallende Verpassen der Listenpreise beim Arrow-Lake-Refresh. Den Listenpreis bietet faktisch niemand, trotz dass inzwischen Lagerware breiter vorhanden ist. Die Preisdifferenz beträgt zwar zum Bestpreis nur 20-30 Dollar mehr, aber es gibt auch auffallend viele Angebote mit höherem Preisaufschlag – selbst bei den größeren Händlern, welche ansonsten gerade in den USA immer den offiziellen "MSRP" anbieten. Auch an der Höhe der Listungen im deutschen Einzelhandel hat sich bislang nichts getan, hier liegt der Preisaufschlag (zum Bestpreis) eher im Schnitt bei +40 Euro. Am mangelhaften Warenangebot oder dem übermäßigen Ansturm der CPU-Käufer liegt es beiderseits des Atlantiks eher nicht, vielmehr scheint Intel hier schlicht zu einer "kreativen" Festsetzung des Listenpreises geschritten zu sein.

VideoCardz zitieren AMD-Aussagen zur Langlebigkeit der AMD-Sockel AM4 & AM5. Hiermit weist AMD auf das dieses Jahr anstehende 10jährige Jubiläum des Sockels AM4 hin, welcher im Jahr 2016 mit den "Bristol Ridge" APUs (noch Bulldozer-basiert) in den Markt gebracht wurde. Wenn man Programmergänzungen einrechnet, hat AMD für diesen Sockel in der Tat bis zum Jahr 2025 (und somit 10 Jahre) neue Prozessoren herausgebracht. Wenn man es nur nach neuen Generationen oder neuen Spitzenmodellen betrachtet, lief der Sockel immerhin von 2016 bis 2022, als seinerzeit mit dem Ryzen 7 5800X3D ein großartiger Schlußpunkt gesetzt wurde. Allerdings dürfte es kaum ein Mainboard von anno 2016 gegeben haben, welches einen CPU-Support bis hoch zu jenem Ryzen 7 5800X3D gepflegt hat, Sockel-Kontinuität bedeutet über einen so langen Zeitraum nicht zwingend Mainboard-Kontinuität. Trotzdem ist diese Langlebigkeit des Sockels AM4 aller Ehren für AMD wert – und es wäre wünschenswert, wenn AMD jenes auch für den aktuellen Sockel AM5 gelingt, so wie es von AMD versprochen wird.