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News des 8. Juni 2023

Von 'basix' aus dem 3DCenter-Forum kommt eine Auswertung der Grafikkarten Ersteindrucks-Umfragen aus den Jahren 2012-2023, getrennt nach AMD & nVidia und versehen jeweils mit entsprechenden Trendkurven. Denn die Einzelwerte jeder Grafikkarte liegen auch schon einmal weit außerhalb des zur jeweiligen Zeit üblichen Rahmens, dies ist schwer über die reinen Zahlen zu erfassen. Eine Trendkurve kann dies hingegen alles zusammenbringen und auch Ausreißer-Werte glätten, zeigt halt nur den insgesamten Trend über diese mehr als eine Dekade an. Und danach haben beide Grafikchip-Entwickler mit einem klar negativen Trend in der Betrachtungsweise ihrer Grafikkarten zu kämpfen: Bei nVidia setzt jener nur halt deutlich früher ein, der Schnittpunkt zwischen positiver und negativer Betrachtungsweise liegt schon im Jahr 2016 – bei AMD ist dies dann erst Anfang 2022 der Fall.

Über die Gründe dieser beiderseitigen Negativ-Entwicklung sagt die reine Kurve natürlich nichts aus. Zu vermuten sind hierbei primär preisliche Probleme: Schon mit der 2016er Pascal-Generation, aber primär mit der 2018er Turing-Generation hat nVidia die Grafikkarten-Preise maßgeblich nach oben gezogen. Logischerweise muß sich dies auf die Ersteindrucks-Umfragen auswirken, ganz egal ob die Produktqualität gleichbleibend gut ist. Diese Entwicklung der nVidia-Umfragen konnte man eine gewisse Zeit lang auch als AMD-Bias der Umfrageteilnehmer fehldeuten. Die neueste Entwicklung bei den AMD-Umfragen klärt dies allerdings dahingehend auf, dass AMD einfach nur später als nVidia preislich nachgezogen hat. Bei AMD fällt der Schnittpunkt der Kurven mit Anfang 2022 noch in die Ausläufer des seinerzeitigen Cryptomining-Hypes hinein, sprich bewertet wurden hierbei primär die hochgezogenen Listenpreise der in dieser Phase herausgekommenen Grafikkarten.

Allerdings haben sich AMDs Preislagen seitdem auch nicht substantiell verbessert – wie nVidia versucht man, das Preisniveau des Cryptomining-Hypes 2021/22 irgendwie zu halten. Selbst wenn dies nicht gänzlich gelingt, ist der erreichte preisliche Sprung vor/nach Cryptomining-Hype dennoch enorm: Im zweiten Quartal des Jahres 2020 lag der Grafikkarten-Durchschnittspreis (von AMD & nVidia) bei der Mindfactory bei 395 Euro – letzte Woche waren es hingegen 630 Euro, fast 60% mehr. AMD wird dabei gern nachgesagt, nVidia eigentlich nur noch pro Forma beim Preis zu unterbieten – groß genug, um einen nominellen Performance/Preis-Vorteil zu generieren, aber klein genug, um nicht wirklich etwas an der generellen Preislage zu ändern. Zur Ehrenrettung von AMD sei erwähnt, dass man da eventuell auch gesehen hat, dass alle Anstrengungen über die Jahre oftmals vergebens waren: Selbst gute Generationen haben AMD nicht zu bedeutsam mehr Marktanteilen verholfen. Möglicherweise deswegen hat AMD den Preiskampf mit nVidia derzeit weitgehend eingestellt.

Auf Reddit gibt es eine Auflistung der GDDR6-Preise von der Speicherbörse DRAMeXchange. Notiert wurden hierbei die Preise für 8 GBit GDDR6-Speicher, sprich 1-GByte-Chips, für den Zeitraum ab Februar 2022 bis jetzt. Logischerweise notiert die DRAMeXchange nur Spot-Preise, sprich Preise für den kurzfristigen Kauf abseits von langfristigen General-Verträgen. Da der Großteil des Geschäfts über eben jene General-Verträge abgewickelt wird, kommt die DRAMeXchange zumeist nur dann ins Spiel, wenn die Abnahmemengen zu klein für General-Verträge sind oder aber wenn sich ein kurzfristiger Zusatz-Bedarf ergibt. Aus letzterem Punkt folgen dann auch klar ins Extreme gehende Preise: Bei viel Bedarf schießen speziell die Spot-Preise durch die Decke, weil die DRAMeXchange eben schon die letzte Bezugsquelle ist und man ansonsten auf dem Trockenen sitzt.

Somit ist an den GDDR6-Preisen zum Jahresanfang 2022 immer noch der Cryptomining-Hype (samt gleichzeitig laufender Chip-Krise) zu sehen, wo der Bedarf klar oberhalb der Produktionsmenge lag und die Preise auch dieser Speicherchips somit abgehoben sind. Dies ging im ersten Halbjahr 2022 dann jedoch schnell nach unten, grob zur Jahresmitte 2022 hatten die Grafikkartenpreise schließlich Listenpreis-Niveau erreicht und gab es somit keinen Überbedarf mehr. Inwiefern die danach trotzdem weiterhin zurückgehenden GDDR6-Preise auch mit zur Bereinigung nach dem Cryptomining-Hype gehören, oder vielmehr einen eigenen Trend darstellen, kann man sicherlich disktutieren. Derzeit liegen die Grafikkarten-Absätze allerdings weltweit darnieder, ergo dürften davon auch die GDDR6-Preise der DRAMeXchange betroffen sein. Im übrigen läßt sich hiermit auch klären, was die 8 GByte GDDR6 mehr der GeForce RTX 4060 16GB maximal kosten sollten: 27 Dollar mehr bei der DRAMeXchange – und im Direktvertrag mit den Speicherherstellern zweifelsfrei nochmals günstiger.

Für einiges Aufsehen hat der von Twitterer InstLatX64 in einigen Benchmark-Datenbanken gefundene neue AMD-Prozessor gesorgt. Jener wird aufgrund seiner abweichenden CPU-Familien-Kennung (gemäß den Ausführungen der PC Games Hardware) derzeit zumeist als Zen5-basiert verstanden – eine sicherlich naheliegende, aber keineswegs bereits sichere Auslegung. Generell erscheint es reichlich früh für bereits derart voll lauffähige Zen-5-Testsamples, denn für einen Release in Richtung Frühjahr bis Sommer 2024 müsste der Tape-Out von Zen 5 grob im Frühjahr 2023 passieren. In den ersten Monaten danach gibt es aber noch keine Testsamples mit Benchmark-Reife, in der dann anstehenden Validierungs-Phase werden erst einmal sehr grundsätzliche Funktionalitäten getestet (rechnen alle Schaltungen korrekt, funktioniert die CPU-Architektur wie geplant).

Die Zeit für Testsamples im Benchmark-Betrieb fängt dann eher erst nach der Hälfte dieser Validierungs-Phase an, wenn man sich langsam in Richtung konkreter Produktgestaltung bewegt und somit Themen wie Taktbarkeit sowie Verhalten unter Volllast interessant werden. Dies sollte für Zen 5 eher erst Richtung Jahresende 2023 der Fall sein – gesetzt den Punkt, dass dessen Launch wie gesagt Richtung Frühjahr bis Sommer 2024 ansteht. Kommt Zen 5 hingegen etwas früher, sagen wir nach dem Jahreswechsel 2023/24, könnte man derzeit durchaus auch schon mit Testsamples im Benchmark-Betrieb aufwarten. Zudem gilt generell zu bedenken, dass AMD inzwischen recht breit entwickelt und es sich bei diesem Testsample auch um ein "Nebenprojekt" handeln könnte. So zeigte eine AMD Server-Prozessoren Roadmap 2022-2025 als erstes Zen-5-Projekt mitnichten die regulären Server-Prozessoren an (aus deren Entwicklung auch die Desktop-Modelle kommen werden) – sondern vielmehr die Server-Varianten mit Zen5c-Kernen terminlich vor allem anderen.

AMD Server-Prozessoren Roadmap 2022-2025
AMD Server-Prozessoren Roadmap 2022-2025
Hinweis: eingezeichnete Termine entsprechen dem jeweiligen Produktionsstart, nicht dem (späteren) Marktstart